empfangen

GrammatikVerb · empfängt, empfing, hat empfangen
Aussprache
Worttrennungemp-fan-gen
Wortbildung mit ›empfangen‹ als Erstglied: ↗Empfänger · ↗Empfängnis · ↗empfangbar
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gehoben etw. erhalten, entgegennehmen
Beispiele:
Geld, seinen Lohn, Geschenke, neue Waren, Güter empfangen
einen Brief, den Auftrag empfangen
eine Belohnung, Prämie, Unterstützung empfangen
seine Papiere empfangen
der Sterbende empfing das Abendmahl
Empfangt ihn [den Degen] neu zurück aus meiner Hand [SchillerWallenst. TodII 6]
den [Kuß] hatte sie so still und feierlich empfangen wie ein Sakrament [HesseNarziß5,242]
da ja doch der junge Petrus noch keine Weihe empfangen habe [le FortPapst95]
2.
Soldatensprache etw. zugeteilt bekommen
Beispiele:
einen Befehl empfangen
Wir ... kommen zu den Ersatzleuten, die gerade Gasmasken und Kaffee empfangen [RemarqueIm Westen40]
Hinter einer Höhe hielt unsre Feldküche. Wir empfingen Essen [RennKrieg322]
3.
gehoben etw. in sich aufnehmen
Beispiele:
neue Eindrücke, Anregungen, Impulse empfangen
alle Beleidigungen, die sie von der Familie ihres Mannes glaubte empfangen zu haben [ViebigDie vor d. Toren21]
Er empfing (= hörte) ihn [den Namen], ohne daß seine verfallenen Gesichtszüge sich verändert hätten [Th. MannTod in Venedig9,535]
ein Kind empfangendie männliche Keimzelle aufnehmen
Beispiel:
Als ich dich empfing, hatten wir / Fast schon alle Hoffnung auf Brot und Arbeit begraben [BrechtGedichte45]
4.
einen Gast offiziell begrüßen
Beispiele:
den Besuch, eine Delegation, Audienzen empfangen
wer soll ihn empfangen?
von wem, wie wurde er empfangen?
jmdn. herzlich, würdig, erfreut, kühl, frostig, steif, mit offenen Armen empfangen
im Nebenzimmer ... stand Klaus Heinrich im Waffenrock mit silbernem Kragen und mehreren Sternen an einem runden Tischchen mit drei goldenen Beinen und empfing [Th. MannKönigl. Hoheit7,171]
mit allen Würden und Ehren eines ausländischen Prinzen empfangen zu werden [St. ZweigBalzac348]
daß der Kaiser die beiden Herren, nicht aber Teresa in Audienz empfangen wolle [Ric. HuchConfalonieri141]
5.
eine Rundfunksendung hören, eine Fernsehsendung sehen
Beispiele:
Sie können die Rede über Radio DDR empfangen
diesen Sender können wir hier überhaupt nicht, nur sehr schlecht, nur mit Störungen empfangen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

empfangen · Empfang · Empfänger · empfänglich · Empfängnis
empfangen Vb. ‘bekommen, entgegennehmen, in Empfang nehmen’, ahd. intfāhan (um 800), mhd. enphāhen, entvāhen, asächs. antfāhan, mnd. entfān, aengl. onfōn, Präfixbildung (s. ↗ent-) zu dem unter ↗fangen (s. d.) behandelten Verb (wo Weiteres zur Lautentwicklung). Seit dem Ahd. in vielfachen Verwendungen mit persönlichem und sachlichem Objekt; auch ‘schwanger werden’ (meist absolut gebraucht); jung eine (Rund)funksendung empfangen. Empfang m. ‘Entgegennahme, Aufnahme, offizielle Begrüßung’, ahd. antfang (9. Jh.), mhd. antvanc. Empfänger m. ‘Entgegennehmender, Empfangsgerät’, ahd. intfangāri, intfangeri ‘Beschützer, Helfer’, eigentlich ‘wer jmdn. bei sich aufnimmt, empfängt’ (9. Jh.), mhd. enphāhære ‘Empfänger’; nhd. Empfaher überwiegend bis ins 16. Jh., vereinzelt noch bis ins 18. Jh., daneben seit dem 17. Jh. Empfanger, Empfänger. Die Bedeutung ‘Empfangsgerät’ lebt hauptsächlich in Zusammensetzungen wie Rundfunk-, Fernsehempfänger (1. Hälfte 20. Jh.). empfänglich Adj. ‘aufnahmebereit, -fähig, anfällig’, ahd. antfanglīh (9. Jh.), mhd. enphenclich ‘angenehm, willkommen, annehmbar, aufnahmebereit’. In der Bedeutung ‘angenehm, annehmbar’ geläufig bis ins 17. Jh. Empfängnis f. ‘Schwangerwerden’, ahd. intfangnissa (9. Jh.), spätmhd. en(t)phencnisse ‘Annahme’, auch ‘Schwangerschaft’ (14. Jh.). Im Nhd. wird der Gebrauch auf ‘Schwangerwerden’ eingeschränkt.

Thesaurus

Synonymgruppe
annehmen · empfangen · ↗entgegennehmen · in Empfang nehmen
Synonymgruppe
(in einer Angelegenheit) empfangen · (jemanden bei ...) vorsprechen lassen · ↗(jemanden) vorlassen
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›empfangen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›empfangen‹.

Verwendungsbeispiele für ›empfangen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als sie dann aus Salt Lake City wiederkam, empfingen sie Hunderte von Fans.
Die Welt, 30.10.2002
Seine Gäste empfängt er meist im "Weißen Palast" oberhalb der Stadt.
Der Tagesspiegel, 22.04.1999
Wir hatten Reis empfangen; es gelang mir Milch zu fabelhaftem Preise zu beschaffen.
Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 7659
Mit ausgebreiteten Armen empfing mich eine lange magere Frau, die sich tief zu mir niederbeugte, um mich zu küssen.
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 30168
Was ich empfange als Gold in die mühsamen Hände, es rinnt als Staub, unfruchtbarer Staub, auf den entfliehenden Weg.
Schaeffer, Albrecht: Helianth II, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 314
Zitationshilfe
„empfangen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/empfangen>, abgerufen am 07.04.2020.

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