Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

empfangen

Grammatik Verb · empfängt, empfing, hat empfangen
Aussprache 
Worttrennung emp-fan-gen
Wortbildung  mit ›empfangen‹ als Erstglied: Empfänger · Empfängnis · empfangbar
 ·  mit ›empfangen‹ als Grundform: Empfang
eWDG

Bedeutungen

1.
gehoben etw. erhalten, entgegennehmen
Beispiele:
Geld, seinen Lohn, Geschenke, neue Waren, Güter empfangen
einen Brief, den Auftrag empfangen
eine Belohnung, Prämie, Unterstützung empfangen
seine Papiere empfangen
der Sterbende empfing das Abendmahl
Empfangt ihn [den Degen] neu zurück aus meiner Hand [ SchillerWallenst. TodII 6]
den [Kuß] hatte sie so still und feierlich empfangen wie ein Sakrament [ HesseNarziß5,242]
da ja doch der junge Petrus noch keine Weihe empfangen habe [ le FortPapst95]
2.
Soldatensprache etw. zugeteilt bekommen
Beispiele:
einen Befehl empfangen
Wir … kommen zu den Ersatzleuten, die gerade Gasmasken und Kaffee empfangen [ RemarqueIm Westen40]
Hinter einer Höhe hielt unsre Feldküche. Wir empfingen Essen [ RennKrieg322]
3.
gehoben etw. in sich aufnehmen
Beispiele:
neue Eindrücke, Anregungen, Impulse empfangen
alle Beleidigungen, die sie von der Familie ihres Mannes glaubte empfangen zu haben [ ViebigDie vor d. Toren21]
Er empfing (= hörte) ihn [den Namen], ohne daß seine verfallenen Gesichtszüge sich verändert hätten [ Th. MannTod in Venedig9,535]
ein Kind empfangendie männliche Keimzelle aufnehmen
Beispiel:
Als ich dich empfing, hatten wir / Fast schon alle Hoffnung auf Brot und Arbeit begraben [ BrechtGedichte45]
4.
einen Gast offiziell begrüßen
Beispiele:
den Besuch, eine Delegation, Audienzen empfangen
wer soll ihn empfangen?
von wem, wie wurde er empfangen?
jmdn. herzlich, würdig, erfreut, kühl, frostig, steif, mit offenen Armen empfangen
im Nebenzimmer … stand Klaus Heinrich im Waffenrock mit silbernem Kragen und mehreren Sternen an einem runden Tischchen mit drei goldenen Beinen und empfing [ Th. MannKönigl. Hoheit7,171]
mit allen Würden und Ehren eines ausländischen Prinzen empfangen zu werden [ St. ZweigBalzac348]
daß der Kaiser die beiden Herren, nicht aber Teresa in Audienz empfangen wolle [ Ric. HuchConfalonieri141]
5.
eine Rundfunksendung hören, eine Fernsehsendung sehen
Beispiele:
Sie können die Rede über Radio DDR empfangen
diesen Sender können wir hier überhaupt nicht, nur sehr schlecht, nur mit Störungen empfangen
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

empfangen · Empfang · Empfänger · empfänglich · Empfängnis
empfangen Vb. ‘bekommen, entgegennehmen, in Empfang nehmen’, ahd. intfāhan (um 800), mhd. enphāhen, entvāhen, asächs. antfāhan, mnd. entfān, aengl. onfōn, Präfixbildung (s. ent-) zu dem unter fangen (s. d.) behandelten Verb (wo Weiteres zur Lautentwicklung). Seit dem Ahd. in vielfachen Verwendungen mit persönlichem und sachlichem Objekt; auch ‘schwanger werden’ (meist absolut gebraucht); jung eine (Rund)funksendung empfangen. Empfang m. ‘Entgegennahme, Aufnahme, offizielle Begrüßung’, ahd. antfang (9. Jh.), mhd. antvanc. Empfänger m. ‘Entgegennehmender, Empfangsgerät’, ahd. intfangāri, intfangeri ‘Beschützer, Helfer’, eigentlich ‘wer jmdn. bei sich aufnimmt, empfängt’ (9. Jh.), mhd. enphāhære ‘Empfänger’; nhd. Empfaher überwiegend bis ins 16. Jh., vereinzelt noch bis ins 18. Jh., daneben seit dem 17. Jh. Empfanger, Empfänger. Die Bedeutung ‘Empfangsgerät’ lebt hauptsächlich in Zusammensetzungen wie Rundfunk-, Fernsehempfänger (1. Hälfte 20. Jh.). empfänglich Adj. ‘aufnahmebereit, -fähig, anfällig’, ahd. antfanglīh (9. Jh.), mhd. enphenclich ‘angenehm, willkommen, annehmbar, aufnahmebereit’. In der Bedeutung ‘angenehm, annehmbar’ geläufig bis ins 17. Jh. Empfängnis f. ‘Schwangerwerden’, ahd. intfangnissa (9. Jh.), spätmhd. en(t)phencnisse ‘Annahme’, auch ‘Schwangerschaft’ (14. Jh.). Im Nhd. wird der Gebrauch auf ‘Schwangerwerden’ eingeschränkt.

Thesaurus

Synonymgruppe
annehmen · empfangen · in Empfang nehmen  ●  entgegennehmen  geh.
Synonymgruppe
(in einer Angelegenheit) empfangen · (jemanden bei ...) vorsprechen lassen · (jemanden) vorlassen
Synonymgruppe
Besuch empfangen  ●  (jemanden) bei sich hereinlassen  ugs. · empfangen  geh.
Synonymgruppe
auffangen (Signal, Sendefrequenz) · empfangen  ●  reinbekommen (Signal, Sender)  ugs.

Typische Verbindungen zu ›empfangen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›empfangen‹.

Verwendungsbeispiele für ›empfangen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist ein im tiefsten Schatten des Todes empfangenes Werk. [Brown, Maurice J. E. u. a.: Schubert. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1965], S. 24508]
Dies hat dann ein Verwerfen des empfangenen Wortes zur Folge. [C't, 1999, Nr. 10]
Dabei geht es nicht darum, ein empfangenes Fax zu scannen. [C't, 1995, Nr. 10]
In diesen Fällen ist nur die namentlich bezeichnete Person berechtigt, die Leistung zu empfangen. [Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann [1968] [1957], S. 154]
Gäste haben wir, wie es heute üblich ist, niemals in der Küche empfangen. [Stadler, Arnold: Sehnsucht, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2002, S. 212]
Zitationshilfe
„empfangen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/empfangen>.

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