empfinden

Grammatik Verb · empfindet, empfand, hat empfunden
Aussprache 
Worttrennung emp-fin-den
Wortbildung  mit ›empfinden‹ als Erstglied: Empfindelei · Empfindler · Empfindung · empfindbar · empfindlich · empfindsam
 ·  mit ›empfinden‹ als Letztglied: anempfinden · mitempfinden · nachempfinden
 ·  mit ›empfinden‹ als Grundform: Empfinden · Empfundenheit  ·  formal verwandt mit: tief empfunden · tiefempfunden
eWDG

Bedeutung

etw. fühlen
a)
etw. durch die Sinnesorgane wahrnehmen
Beispiele:
er empfand Hunger, die Kälte, Hitze
ich habe die Schmerzen nach der Operation kaum empfunden
einen Druck im Kopf, am Herzen empfinden
den Lärm als störend empfinden
die Stille wohltuend empfinden
b)
im Gemütszustand durch etw. bewegt werden
Beispiele:
Freude, Stolz, Dankbarkeit, Befriedigung, Genugtuung, Schadenfreude, Bitterkeit, Verachtung, Zorn, Furcht, Reue, Abscheu, Ekel empfinden
er empfand Achtung vor ihr, Freundschaft für sie
mit jmdm. empfinden
die Menschen empfinden sehr verschieden
einen Verlust tief, schmerzlich, bitter empfinden
etw. dunkel, dumpf empfinden
etw. als Bürde, Beleidigung, jmdn., sich als Fremdkörper empfinden
ein Wort als Beleidigung empfinden
nichts für jmdn. empfinden können (= jmdn. nicht lieben können)
Würde man ihm glauben, so hätte seit Anbeginn der Welt noch nie ein Mann so grenzenlos für eine Frau Liebe empfunden [ St. ZweigBalzac280]
denn mußte man nicht leidenschaftlich fühlen können, wenn man die Liebe wie einen Gott empfand [ FlakeSchritt80]
Ippolito empfand warm den Segen der Freundschaft [ Bergengr.Heiraten181]
Er empfindet doch so national [ BrechtFurcht u. Elend10]
Der Deutsche empfindet sozial [ BaierlFlinz2]
daß sie mit der Annexion Bosniens durch Österreich nicht aufgehört habe, als Serbin zu empfinden [ MühsamNamen224]
wie ein Stück Holz, das nichts fühlt und empfindet [ RaabeIII 1,489]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

empfinden · empfindlich · Empfindlichkeit · empfindsam · Empfindsamkeit · Empfindung
empfinden Vb. ‘sinnlich wahrnehmen, fühlen, spüren, (leidend) erfahren’, ahd. intfindan (9. Jh.), mhd. enphinden, entvinden, Präfixbildung (s. ent-) zu dem unter finden (s. d.) behandelten Verb in unterschiedlichen Verwendungen für Vorgänge der sinnlichen Wahrnehmung wie für psychische Erlebensweisen. empfindlich Adj. ‘leicht erregbar, anfällig, spürbar’, ahd. intfindlīh ‘leidensfähig, leidend’ (um 1000), mhd. enphintlich ‘mitfühlend, fühlbar’, also dem Verb in unterschiedlichen Auffassungen folgend, einmal ‘fühlbar, (leicht, stark) zu empfinden’ (empfindlicher Frost), wozu sich ein adverbialer Gebrauch ‘stark, sehr’ (empfindlich kalt) stellt, dann ‘leicht empfindend, der Empfindung fähig’, was sich zu ‘anfällig’ weiterentwickelt; ein Teil dieser Verwendungen wird im 18. Jh. von empfindsam (s. unten) übernommen. Empfindlichkeit f. ‘Verletzlichkeit, Feinfühligkeit, Anfälligkeit’, spätmhd. enphintlīcheit ‘Wahrnehmung durch das Gefühl’. empfindsam Adj. ‘zartfühlend, gefühlvoll’, im 18. Jh. für gleichbed. engl. sentimental verwendet und zusammen mit dem folgenden Substantiv zum Modewort werdend; durchgesetzt seit Bodes Übersetzung (1768) von Sternes “A Sentimental Journey through France and Italy” (Yoricks empfindsame Reise); vgl. Feldmann in: ZfdWf. 6 (1904/5) 306 f. Empfindsamkeit f. ‘Zartgefühl, Feinfühligkeit’ (18. Jh.), insbesondere Bezeichnung für eine von England ausgehende Strömung starker Gefühlsbetonung. Empfindung f. ‘Wahrnehmung, Gemütsbewegung, Gefühl’, spätmhd. enphindunge.

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
empfinden · fühlen · spüren · verspüren · wahrnehmen
Oberbegriffe
Psychologie
Synonymgruppe
empfinden · fühlen · spüren · verspüren · wahrnehmen

Typische Verbindungen zu ›empfinden‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›empfinden‹.

Verwendungsbeispiele für ›empfinden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daran hat auch die oft als dramatisch empfundene Entwicklung der vergangenen Jahre zunächst einmal nicht allzuviel geändert. [Die Zeit, 28.06.1996, Nr. 27]
In ihr kommen vielmehr die zutiefst empfundenen Werte des amerikanischen Volkes zum Ausdruck. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1977]]
Womit sie um sich warfen, empfand ich weniger herausfordernd als vielmehr ärgerlich. [Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 75]
Wenn Sie übermüdet an Ihrem Ziel ankommen, empfinden Sie vielleicht vieles als negativ. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 218]
Eine hilfreiche unterstützende Kritik an ihm empfindet er als eine Herabsetzung seiner Person. [Klemz, Willy: Praktische Menschenkunde, Düsseldorf: Greif 1963, S. 71]
Zitationshilfe
„empfinden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/empfinden>.

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