Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

emporkriechen

Grammatik Verb · kriecht empor, kroch empor, ist emporgekrochen
Aussprache [ɛmˈpoːɐ̯kʀiːçn̩]
Worttrennung em-por-krie-chen
Wortzerlegung empor- kriechen
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
etw. kriecht (irgendwohin) emporsich dicht an der Oberfläche eines Objekts, am Boden entlang von einer niedriger gelegenen Stelle langsam auf eine höhere bewegen¹ (1)
Beispiele:
[…] können sie [Schnecken] senkrechte, glatte Flächen emporkriechen, sogar Glasscheiben. [Süddeutsche Zeitung, 07.09.2019]
Hohe Palmen mischen sich hier [im Dschungel] mit riesigen, jahrhundertealten Bäumen, auf deren mächtigen Stämmen Orchideen wachsen und vielfältige Schlingpflanzen zum Licht emporkriechen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2001]
Neulich hat man mir von einem Kind erzählt, daß auf einer Bergwanderung mit den Eltern eine Raupe entdeckte, die von unter her die Blätter abfressend an einer Pflanze emporkroch. [Die Zeit, 03.11.1995]
Eine Schildkröte der größten Rasse der Welt ist im Morgengrauen die […] die Hügel am Strand emporgekrochen, hat ihre Eier in einer Grube verscharrt und ist danach wieder untergetaucht. [Süddeutsche Zeitung, 19.09.1992]
Frühmorgens entstiegen dem Teich an warmen und sonnigen Stellen […] Larven[…] und suchten einen starken Halm, um daran emporzukriechen und sich mit ihren sechs Beinen daran festzukrallen. [Die Zeit, 08.06.1990]
Moos kriecht an den Stelen und Steinlaternen empor und mildert die harten Konturen. [Die Zeit, 04.11.1988]
2.
übertragen etw. kriecht (in jmdm., etw.) emporvon Gefühlen   langsam, schleichend aufsteigen (1 f), hochkommen (4 b); sich langsam, schleichend bemerkbar machen (7 a)
Beispiele:
Ich fühlte mich bei Laura wohl, […] war bei ihr bestens aufgehoben, aber bei Katharina kam in mir dieses warme Gefühl der innigen Geborgenheit emporgekrochen, das mich in seiner Glückseeligkeit tief in der Seele berührte. [Tonstein, Karl: Der leckende Hund. [o. O.]: neobooks 2017]
Der Zuschauer teilt seine [des Protagonisten] Angst, spürt, wie sie sich in der Tiefe des Bauchs aufbaut, wie sie im Körper emporkriecht, bis sie die Kehle ergreift und nicht einmal mehr ein Weinen möglich ist. [Süddeutsche Zeitung, 11.09.2017]
Ihn [einen Patienten] plagten merkwürdige Beschwerden, wie Taubheit in Füßen und Händen, die manchmal sogar bis zu den Ellbogen emporkroch. [Die Welt, 31.07.2014]
Wenn der Unmut in Wolfgang Schäuble emporkriecht, dann wird der Bundesfinanzminister ganz leise. [Süddeutsche Zeitung, 26.07.2013]
Wer je eine Nacht auf einer Alm verbrachte, im archaischen Dunkel, in abgeschiedener Einsamkeit, kennt wohl den Neandertaler‑Horror, der die Wirbelsäule emporkriecht, wenn die dunklen Fichten rauschen und das Holz zu sprechen beginnt. [Die Zeit, 24.01.2008]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„emporkriechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/emporkriechen>.

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