enervieren

GrammatikVerb · enerviert, enervierte, hat enerviert
Aussprache
Worttrennungener-vie-ren (computergeneriert)
HerkunftLatein
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben jmds. Nerven überbeanspruchen
Beispiele:
jmdn. enervieren
eine enervierende Musik
ein dumpfer, enervierender Rhythmus
Barbaras kleine Gewohnheiten und die stille Gelassenheit, mit der sie ihnen treu blieb, enervierten und beleidigten ihn [K. MannMephisto145]
ich ... komme aus dem Lärm in der Stadt und der enervierend toten Arbeit völlig kaputt heim [KlepperSchatten198]
Etelka war durch seine katarrhalischen Ausbrüche enerviert [DodererStrudlhofstiege225]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nerv · nervig · nervös · Nervosität · entnerven · enervieren
Nerv m. aus parallel verlaufenden Fasern bestehender, von Bindegewebe umhüllter Strang des Nervensystems, entlehnt (Anfang 16. Jh.) aus lat. nervus ‘Sehne, Flechse, Muskel, Nerv, aus Tiersehnen, Därmen Verfertigtes (Saite, Bogensehne, Fußfessel), Kraft, Spannkraft’, verwandt mit griech. né͞uron (νεῦρον) ‘Sehne, Faser, Bogensehne, Schnur, Saite, Nerv’ (s. ↗Neuro-). Nach Auffassung der antiken Medizin sind Sehnen und Nerven identisch oder wesensverwandt und werden demzufolge mit derselben Bezeichnung benannt. Im 16. Jh. vollzieht die medizinische Fachsprache eine begriffliche Begrenzung des Wortes auf ‘Nerv’, die sich aber in der Allgemeinsprache erst im 19. Jh. durchsetzt. Im Dt. halten sich bis ins 18. Jh. die Bedeutungen ‘Band, Sehne, Muskel’ (wofür in älterer Sprache Ader), bis ins 19. Jh. ‘Bogensehne, Saite’; daneben ist Nerv (seit Anfang 18. Jh.) ‘Leiter von Empfindungen und Bewegungen, Sinnesleiter’ (wohl unter Einfluß von engl. nerve) nach der Lehre des schottischen Arztes R. Wytt (2. Hälfte 18. Jh.) und der sich entwickelnden Psychiatrie, in deren Gefolge Nervenkrankheiten zur Modeerscheinung werden. Übertragen (17. Jh.) ‘innere Kraft, Wesen, Gehalt’; vgl. auch auf die Nerven fallen ‘nervös machen’ (2. Hälfte 17. Jh.). nervig Adj. ‘sehnig, muskulös, kraftvoll’ (18. Jh.), nervicht (Anfang 18. Jh.). nervös Adj. ‘die Nerven betreffend, an schwachen Nerven leidend, reizbar, erregt’ (vgl. nervoese und hypochondrische Krankheiten, 1758), mit dieser Bedeutung unter Einfluß von engl. nervous älteren Gebrauch (1. Hälfte 18. Jh.) im Sinne von ‘nervig, stark, kräftig’, auch ‘kraftvoll, nachdrücklich’ (von Ausdruck und Rede), nach frz. nerveux (afrz. nervos) ‘nervig, kräftig’, zurückdrängend. Zuvor (Mitte 17. Jh.) gilt im Dt. nervos ‘kräftig, kernig’, (von der Rede) ‘nachdrücklich’, dann (Anfang 18. Jh.) ‘mit Nerven versehen, aus Nerven bestehend’, und (vereinzelt Ende 17. Jh.) nervosisch ‘mit Nerven versehen’, beide aus lat. nervōsus ‘sehnig, muskulös, kraftvoll, kernig’. Nervosität f. ‘Nervenschwäche, Empfindlichkeit, Reizbarkeit, krankhafter Zustand der Nerven’ (1. Hälfte 19. Jh.), nach gleichbed. frz. nervosité, zuvor vereinzelt ‘Kraft, Stärke’ (Ende 18. Jh.), nach mfrz. frz. (älter) nervosité ‘Stärke, (Widerstands)kraft, Sehnigkeit’, dieses entlehnt aus lat. nervōsitās (Genitiv nervōsitātis) ‘Stärke einer Faser, Kraft’. entnerven Vb. ‘entkräften, der Nervenkraft berauben, nervlich erschöpfen’ tritt (Ende 17. Jh.) neben nur wenig älteres, in demselben Sinne gebrauchtes enervieren Vb. (2. Hälfte 17. Jh.), dies nach gleichbed. mfrz. énerver, afrz. soi esnerver ‘sich verweichlichen’ (entlehnt aus lat. ēnervāre ‘die Nerven herausnehmen, der Nerven entledigen, schwächen, entkräften’).

Thesaurus

Synonymgruppe
abhetzen · ↗aufreiben · ↗brechen · enervieren · ↗entkräften · ↗entnerven · ↗ermatten · ↗ermüden · ↗heimsuchen · mürbe hauen · mürbe klopfen · mürbe kriegen · mürbe machen · ↗strapazieren · ↗zermürben  ●  ↗kleinkriegen  ugs.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vielleicht enerviert sie das einstudierte Wohlwollen der Journalisten mittlerweile selbst?
Die Zeit, 31.03.2009, Nr. 14
Aber sie soll "schnellstmöglich" vor dem Eingang installiert werden, sagt die zweifache Mutter sichtlich enerviert.
Süddeutsche Zeitung, 23.02.2001
Der Gebrauch der Handkamera ist fast wieder zur Mode verkommen und mitunter recht enervierend.
Der Tagesspiegel, 18.02.2001
Nader muss besessen, unerträglich, enervierend sein, sonst wäre er seinen Ruf nicht wert.
Die Welt, 05.01.2000
Die unmittelbarste Gefahr sei, daß das Ergebnis die verantwortlicheren Politiker so enervieren werde, daß sie versuchen könnten, die fadenscheinigen Kleider der NPD zu stehlen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1968]
Zitationshilfe
„enervieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/enervieren>, abgerufen am 14.11.2019.

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