Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

enharmonisch

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache [ɛnhaʁˈmoːnɪʃ]
Worttrennung en-har-mo-nisch
Herkunft zu enarmóniosgriech (ἐναρμόνιος) ‘übereinstimmend, melodisch’
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutung

mit einem anders geschriebenen und benannten Ton oder Akkord den gleichen Klang habend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: enharmonische Umdeutung
Beispiele:
Natürlich gibt es auch noch weitere Dur‑Tonarten, zu jedem der zwölf Halbtöne gibt es eine eigene Dur‑Tonart (lässt man Tonarten wie His‑Dur oder Fes‑Dur einmal weg, die sich enharmonisch auch als C‑Dur oder E‑Dur auffassen lassen). [Pianobeat, 08.11.2015, aufgerufen am 14.09.2018]
[…] Modulationen durch viele Tonarten, harmonische Vorwegnahmen und enharmonische Umdeutungen machen die Fantasie g‑Moll von Johann Sebastian Bach zu einer seiner interessantesten und kühnsten harmonischen Schöpfung. [Aachener Zeitung, 05.07.2016]
Die Musik zögert die sehnlichst erwartete Auflösung in die Tonika hinaus, bildet harmonische Rückungen, deutet enharmonisch um, alteriert und moduliert mit Hilfe einer dissonanz‑ und vorhaltsreichen Harmonik. [Neue Zürcher Zeitung, 13.08.2010]
Manche Motive, viele Ideen der Instrumentation und noch mehr das musikalisch‑syntaktische Denken selber stammen von dem bayerischen Genie [Richard Strauss], sei es die Vorliebe für terzverwandte Harmonik und enharmonisch geprägte Modulationen. [Süddeutsche Zeitung, 24.06.2010]
In der Rezension von Elliott Carters Oper »What Next?« […] wurde bei der Beschreibung von Details der Komposition das Wort »enharmonisch« versehentlich durch »unharmonisch« ausgetauscht. [Berliner Zeitung, 20.09.1999]
Phrasem:
enharmonische Verwechslung (= Umdeutung eines einzelnen klanglich gleichbleibenden Tons oder Akkords, der durch seine geänderte Schreibweise (und Benennung) einen neuen harmonischen Bezug herbeiführt)
Beispiele:
Vor allem durch die sogenannte enharmonische Verwechslung – gleiche Töne haben verschiedene Bezeichnungen, gis ist gleich as – kennzeichnet [der Komponist] von Einem die Ambivalenzen, die in den [von ihm in der Musik dargestellten] Charakteren selber wie in deren Beziehungen zueinander bestehen. [Die Zeit, 23.05.1980, Nr. 22]
Wer Noten lesen gelernt hat, weiß, was eine enharmonische Verwechslung ist: wenn, populär gesprochen, derselbe Ton einen anderen Namen bekommt. [Die Zeit, 29.03.1963, Nr. 13]
Sängerin Maria Günter gibt zu, dass die anspruchsvolle Melodik und Harmonik mit enharmonischen Verwechslungen (Umdeutungen von Tönen) jeden Einzelnen [im Chor] stimmlich und interpretatorisch fordere. [Südkurier, 26.02.2015]
Die Komposition, die ohnehin schon zu harmonisch weit auseinander liegenden tonalen Zentren führt, reichert er durch weitere, noch viel komplexere Harmonien an. Aber trotz all der alterierten Akkorde und enharmonischen Verwechslungen erreicht Jim Hall doch fast immer sein wichtigstes Ziel: melodische Klarheit. [Süddeutsche Zeitung, 12.12.2013]
Neunzig Minuten später wissen die Sänger [in diesem Chorprojekt], wie mit einer enharmonischen Verwechslung umzugehen ist (»Singen sie einfach auf dem gleichen Ton weiter.«) […][.] [Rhein-Zeitung, 16.10.2000]

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›enharmonisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›enharmonisch‹.

Zitationshilfe
„enharmonisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/enharmonisch>.

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