Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

entäußern

Grammatik Verb · reflexiventäußert, entäußerte, hat sich entäußert
Aussprache  [ɛntˈʔɔɪ̯sɐn]
Worttrennung ent-äu-ßern
Wortzerlegung ent- äußern

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [gehoben] ⟨sich einer Sache entäußern⟩ einer Sache entsagen, auf etw. verzichten
  2. 2. [gespreizt] ⟨sich einer Sache entäußern⟩ etw. weggeben
eWDG

Bedeutungen

1.
gehoben sich einer Sache entäußerneiner Sache entsagen, auf etw. verzichten
Beispiele:
sich seiner Gewohnheiten, Wünsche, seiner Persönlichkeit, Meinung, seines Willens entäußern
und wenn sie sich auch noch des Namens Ehrenberg hätte entäußern können, wäre sie Gott dankbar gewesen [ Wasserm.Junker Ernst29]
2.
gespreizt sich einer Sache entäußernetw. weggeben
Beispiel:
sich seines Vermögens, des Erbes entäußern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

äußern · Äußerung · entäußern · veräußern
äußern Vb. ‘zum Ausdruck bringen, aussprechen’, reflexiv auch ‘zum Ausdruck kommen, sich zeigen’. Im Mhd. steht neben den von den Adverbien ūʒ (s. aus) und ūʒen (s. außen) abgeleiteten Verben ūʒen, iuʒen, ūʒenen, iuʒenen bereits ūʒern, iuʒern, das seinerseits entweder zu ursprünglich adverbialem mhd. ūʒer (s. außer) oder zu adjektivischem mhd. ūʒer (s. äußer) gehört. Der Bedeutungsum-fang des Verbs ist im Mittelalter (für die hd. Form wie für mnd. ūteren) und auch in frühnhd. Zeit erheblich größer als in der Gegenwart. Das Verb enthält in vielfacher, besonders rechtlicher Hinsicht die Vorstellung ‘herausgeben’, auch ‘veräußern, bekanntgeben, ausweisen, ausschließen’. Reflexiv gebraucht meint es ‘sich entledigen, entäußern, sich fortmachen’. Einige der genannten Verwendungsweisen leben in den Verben veräußern, entäußern (s. unten) weiter. Im 18. Jh. bedeutet äußern vornehmlich ‘an sich sehen lassen, zeigen’ (eigentlich ‘nach außen treten lassen’). Diese Bedeutung ist seitdem, zumindest bei transitivem Gebrauch, ganz auf den mündlichen oder schriftlichen Ausdruck, (Gefühle und Meinungen) ‘aussprechen’, beschränkt. Äußerung f. ‘Bemerkung, sichtbares Zeichen, Ausdruck’, mhd. ūʒerunge ‘Äußerung, Rede, Entfernung, Ausweisung’. entäußern Vb. reflexiv ‘sich einer Sache begeben’, mhd. entiuʒern reflexiv, neben entiuʒen, entūʒenen (entsprechend den Nebenformen zum Simplex, s. oben). veräußern Vb. ‘Besitz verkaufen’, mhd. veriuʒern, verūʒern ‘veräußern, verkaufen’, reflexiv ‘sich nach außen kehren’.

Typische Verbindungen zu ›entäußern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entäußern‹.

Verwendungsbeispiele für ›entäußern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Österreichs Isolation ist ausgestanden, anstatt in seinem Inneren zu wühlen, kann das Land sich glücklich entäußern. [konkret, 1993]
Die Menschheit brauche ein harmloses Mittel, sich ihrer selbst zu entäußern. [Die Zeit, 29.04.1954, Nr. 17]
Wer 13 Jahre das Burgtheater ertragen hat, muß sich am Ende davon gebündelt entäußern. [Der Tagesspiegel, 28.05.1999]
Allein sie entäußert sich vorerst nur in den Lesern, und in der synthetischen Überschau der Handbücher. [Die Zeit, 14.10.1983, Nr. 42]
Dass er sich vor diesem Forum in einer derart aufgeheizten Situation entäußerte, war ein Fehler, ja eine Farce. [Die Welt, 07.09.2001]
Zitationshilfe
„entäußern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ent%C3%A4u%C3%9Fern>.

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