entarten

GrammatikVerb · entartete, ist entartet
Aussprache
Worttrennungent-ar-ten
Grundformarten
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
in negativer Weise vom Üblichen abweichen, aus der Art schlagen
Beispiele:
in dieser Epoche des Niedergangs entartete die Kunst
Mit der Vertreibung der Mauren entarteten Fabriken und Künste [MehringDt. Geschichte70]
oft im Part. Prät.
Beispiele:
ein entarteter Mensch
ein entartetes Kind
entartete Manieren
eine entartete Lebensführung
nazistisch entartete (= nicht der Staatsideologie entsprechende) Kunst
nazistisch das Werk dieses Schriftstellers, Künstlers wurde als entartet geschmäht
2.
gehoben sich negativ entwickeln, ausarten
Beispiele:
die Auseinandersetzung entartete in eine grobe Beschimpfung
das Fest entartete zu einer wahren Orgie
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Art2 · artig · arten · abarten · abartig · Abart · ausarten · entarten
Art2 f. ‘Eigentümlichkeit, Wesen, Gewohnheit, Verhalten, Weise, Abstammung’, mhd. art m. f., mnd. ārt f. (und m.), mnl. aert m. f. ‘Veranlangung, Abstammung’, nl. aard m. ‘Wesen, Beschaffenheit, Eigenschaft’, aengl. eard m. ‘Fügung, Lage, Schicksal’, anord. -arðr in einarðr ‘einfach, aufrichtig’ sowie aind. ṛtá- ‘wahrhaft’, eigentlich ‘gefügt’, awest. arəta- ‘Gesetz, Recht’, griech. árti (ἄρτι) ‘gerade, eben’, lat. artus ‘eng, straff’, artus m. ‘Gelenk, Glied’, ars (Genitiv artis) f. ‘Kunst, Geschicklichkeit’ führen auf ie. *art- ‘Fügung, Ordnung’, Dentalableitung der Wurzel ie. *ar(ə)- ‘fügen, passen’ (s. ↗Arm). Beziehungen zu ↗Art (s. d.) sind möglich. artig Adj. ‘folgsam, gut erzogen’, älter ‘höflich, hübsch’, mhd. ertec ‘von angestammter guter Beschaffenheit’. arten Vb. ‘in die Art schlagen, geraten nach, sich entwickeln’, mhd. arten, mnd. ārden. Dazu abarten Vb. ‘aus der Art schlagen, abweichen’ (Ende 16. Jh.); abartig Adj. ‘aus der Art geschlagen, verderbt’ (1. Hälfte 16. Jh.); Abart f. ‘abweichende Art, Spielart’ (2. Hälfte 18. Jh.), älter ‘minderwertige Art’ (1. Hälfte 18. Jh.). ausarten Vb. ‘die angestammte, die gute Art verlieren’ (Mitte 17. Jh.). entarten Vb. ‘seine Art, Beschaffenheit verlieren, degenerieren’, mhd. entarten ‘aus der Art schlagen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
ausarten · ↗degenerieren · entarten · ↗verderben
Synonymgruppe
(zu etwas) entarten · ↗denaturieren · einem Stoff den natürlichen Zustand nehmen · seiner eigentlichen Natur berauben · seines eigentlichen Charakters berauben

Typische Verbindungen
computergeneriert

Demokratie Diktatur Gewebe Konflikt Krebs Krebszelle Tumor Zelle bald sonst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entarten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am liebsten hätte der Autor wohl das Wort entartet davor geschrieben.
Süddeutsche Zeitung, 21.07.2001
Dann ist zu fragen: Erfüllt die Routine noch ihren Zweck, oder ist sie zum Tabu entartet?
Die Zeit, 02.03.2000, Nr. 10
Wie komme ich dazu, so jung schon so zu entarten?
Walser, Robert: Jakob von Gunten, Zürich: Suhrkamp 1973 [1909], S. 106
Damit begann die Musik der L. zu entgleiten und die musikalische L. zu entarten.
Dinkler-v. Schubert, Erika: Liturgie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 23750
Daß sie entartet sind, ist ein geistesgeschichtlicher, naturgeschichtlicher, aber auch schuldhafter Prozeß zum Teil, nur zum Teil.
o. A.: Einhundertsiebenter Tag. Samstag, 13. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 10362
Zitationshilfe
„entarten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entarten>, abgerufen am 22.10.2019.

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