Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

entarten

Grammatik Verb · entartet, entartete, ist entartet
Aussprache 
Worttrennung ent-ar-ten
Grundformarten
Wortbildung  mit ›entarten‹ als Erstglied: Entartung
eWDG

Bedeutungen

1.
in negativer Weise vom Üblichen abweichen, aus der Art schlagen
Beispiele:
in dieser Epoche des Niedergangs entartete die Kunst
Mit der Vertreibung der Mauren entarteten Fabriken und Künste [ MehringDt. Geschichte70]
Grammatik: oft im Partizip II
Beispiele:
ein entarteter Mensch
ein entartetes Kind
entartete Manieren
eine entartete Lebensführung
nazistisch entartete (= nicht der Staatsideologie entsprechende) Kunst
nazistischdas Werk dieses Schriftstellers, Künstlers wurde als entartet geschmäht
2.
gehoben sich negativ entwickeln, ausarten
Beispiele:
die Auseinandersetzung entartete in eine grobe Beschimpfung
das Fest entartete zu einer wahren Orgie
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Art2 · artig · arten · abarten · abartig · Abart · ausarten · entarten
Art2 f. ‘Eigentümlichkeit, Wesen, Gewohnheit, Verhalten, Weise, Abstammung’, mhd. art m. f., mnd. ārt f. (und m.), mnl. aert m. f. ‘Veranlangung, Abstammung’, nl. aard m. ‘Wesen, Beschaffenheit, Eigenschaft’, aengl. eard m. ‘Fügung, Lage, Schicksal’, anord. -arðr in einarðr ‘einfach, aufrichtig’ sowie aind. ṛtá- ‘wahrhaft’, eigentlich ‘gefügt’, awest. arəta- ‘Gesetz, Recht’, griech. árti (ἄρτι) ‘gerade, eben’, lat. artus ‘eng, straff’, artus m. ‘Gelenk, Glied’, ars (Genitiv artis) f. ‘Kunst, Geschicklichkeit’ führen auf ie. *art- ‘Fügung, Ordnung’, Dentalableitung der Wurzel ie. *ar(ə)- ‘fügen, passen’ (s. Arm). Beziehungen zu Art1 (s. d.) sind möglich. artig Adj. ‘folgsam, gut erzogen’, älter ‘höflich, hübsch’, mhd. ertec ‘von angestammter guter Beschaffenheit’. arten Vb. ‘in die Art schlagen, geraten nach, sich entwickeln’, mhd. arten, mnd. ārden. Dazu abarten Vb. ‘aus der Art schlagen, abweichen’ (Ende 16. Jh.); abartig Adj. ‘aus der Art geschlagen, verderbt’ (1. Hälfte 16. Jh.); Abart f. ‘abweichende Art, Spielart’ (2. Hälfte 18. Jh.), älter ‘minderwertige Art’ (1. Hälfte 18. Jh.). ausarten Vb. ‘die angestammte, die gute Art verlieren’ (Mitte 17. Jh.). entarten Vb. ‘seine Art, Beschaffenheit verlieren, degenerieren’, mhd. entarten ‘aus der Art schlagen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
ausarten · degenerieren · entarten · verderben  ●  depravieren  geh., lat.
Synonymgruppe
(zu etwas) entarten · denaturieren · einem Stoff den natürlichen Zustand nehmen · seiner eigentlichen Natur berauben · seines eigentlichen Charakters berauben

Typische Verbindungen zu ›entarten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entarten‹.

Verwendungsbeispiele für ›entarten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie komme ich dazu, so jung schon so zu entarten? [Walser, Robert: Jakob von Gunten, Zürich: Suhrkamp 1973 [1909], S. 106]
Dann ist zu fragen: Erfüllt die Routine noch ihren Zweck, oder ist sie zum Tabu entartet? [Die Zeit, 02.03.2000, Nr. 10]
Was dort wertlos ist, ist zwar nicht „entartet“, aber es ist eben ohne Wert. [Die Zeit, 17.10.1986, Nr. 43]
Am liebsten hätte der Autor wohl das Wort entartet davor geschrieben. [Süddeutsche Zeitung, 21.07.2001]
Damit begann die Musik der L. zu entgleiten und die musikalische L. zu entarten. [Dinkler-v. Schubert, Erika: Liturgie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 23750]
Zitationshilfe
„entarten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entarten>.

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