Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

entbehren

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ent-beh-ren
Häufige Falschschreibung endbehren
eWDG

Bedeutungen

1.
etw., was man braucht, jmdn., den man braucht, nicht haben, etw., jmdn. missen
Beispiele:
sie entbehrt den Kaffee sehr
man muss entbehren lernen
in der Notzeit mussten sie vieles entbehren
wenn ich etwas habe, sollst du nichts entbehren
ich möchte dich keine Stunde entbehren
er war davon überzeugt, dass er nicht zu entbehren sei
etw., jmdn. nicht entbehren können
etw., jmdn. dringend brauchen, ohne etw., jmdn. nicht auskommen können
Beispiele:
er glaubte, man könne ihn nicht entbehren
er konnte das Fahrzeug, die Brille, Zigaretten, seinen Freund nicht entbehren
2.
gehoben einer Sache entbehrenetw. nicht haben, einer Sache fehlt etw.
Beispiele:
er entbehrt in seinen Gedankengängen einer straffen Logik
die Situation entbehrte nicht der Komik
diese Behauptung entbehrt jeder Glaubwürdigkeit, Grundlage
die Ergebnisse entbehren jeglicher wissenschaftlichen Grundlage
Sie waren nicht entzweit, sie entbehrten nur genauerer Kundschaft voneinander [ JahnnHolzschiff118]
veraltet jmds. entbehren
Beispiel:
Mein Haus entbehrt des Vaters. Lebet wohl [ SchillerTellI 3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

entbehren · Entbehrung · entbehrlich
entbehren Vb. ‘dringend Benötigtes nicht haben, missen’, ahd. inberan (9. Jh.), mhd. enbern, mnd. en(t)bēren, mnl. ontbēren, nl. ontberen. Dem im Nhd. nicht mehr gebräuchlichen, nur in der Präfixbildung gebären (s. d.) noch erhaltenen gemeingerm. Verb ahd. beran, mhd. bern, mnd. bēren ‘tragen, hervorbringen’ ist wohl die Negationspartikel ahd. ni, mhd. ne (s. nein, nicht, nie) vorangestellt, die in proklitischer Stellung ihren Vokal verlieren und dann einen schwachen vokalischen Anlaut entwickeln kann (vgl. mhd. ich enkan, enmac, enweiʒ ‘ich kann, weiß nicht’). Die heutige Bedeutung ergibt sich demzufolge aus ‘nicht tragen, nicht bei sich haben’, und die Angleichung an den verbreiteten Verbtypus mit der Vorsilbe ent- (s. d.) erfolgt sekundär (t-Einschub zuerst mnd. und frühnhd.); vgl. aber de Vries Nl. 486, der von nl. ont-, dt. ent- ausgeht. Bis ins 16. Jh. wird entbehren stark flektiert (wie jetzt noch gebären); neben der bis dahin allein üblichen Verbindung mit einem Genitiv, der als von der Negation abhängiger partitiver Genitiv anzusehen ist, kommt transitiver Gebrauch ebenfalls im 16. Jh. auf. Entbehrung f. ‘Mangel, Not’, mnd. entbēringe (15. Jh.), hd. seit dem 17. Jh.; entbehrlich Adj. ‘nicht notwendig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
entbehren · entbehren können · entsagen · passen (müssen) · verzichten  ●  entraten  veraltet
Synonymgruppe
(etwas / jemanden) vermissen · (jemandem) fehlen · entbehren  ●  (einer Sache) ermangeln  geh., veraltet · missen (meist redensartlich)  geh., veraltend · schmerzlich vermissen  geh., floskelhaft
Synonymgruppe
(etwas) entbehren · Mangel leiden (an) · Not leiden (an)  ●  Mangel haben (an)  geh., veraltet · darben  geh.

Typische Verbindungen zu ›entbehren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entbehren‹.

Verwendungsbeispiele für ›entbehren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ja, fast freut er sich, daß er gezwungen ist, seine früheren Freuden noch länger zu entbehren. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 329]
Wird man sie aber, wenn man sie schon so zerreißt, entbehren können? [Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1984, S. 376]
Er will ihrer keines entbehren, und er hat eine eiserne Hand, um sie zusammenzuhalten. [Hofmannsthal, Hugo von: Max Reinhardt. In: Bertram, Mathias (Hg.) Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1924], S. 9379]
Außerdem müssen die Besitzer die Wage tagelang im Betrieb entbehren. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 04.03.1914]
Selbst das von mir angerichtete Chaos entbehrt der Struktur nicht. [Schuh, Franz: Schreibkräfte, Köln: DuMont 2000, S. 149]
Zitationshilfe
„entbehren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entbehren>.

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