entbehren

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungent-beh-ren
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw., was man braucht, jmdn., den man braucht, nicht haben, etw., jmdn. missen
Beispiele:
sie entbehrt den Kaffee sehr
man muss entbehren lernen
in der Notzeit mussten sie vieles entbehren
wenn ich etwas habe, sollst du nichts entbehren
ich möchte dich keine Stunde entbehren
er war davon überzeugt, dass er nicht zu entbehren sei
etw., jmdn. nicht entbehren können
etw., jmdn. dringend brauchen, ohne etw., jmdn. nicht auskommen können
Beispiele:
er glaubte, man könne ihn nicht entbehren
er konnte das Fahrzeug, die Brille, Zigaretten, seinen Freund nicht entbehren
2.
gehoben einer Sache entbehrenetw. nicht haben, einer Sache fehlt etw.
Beispiele:
er entbehrt in seinen Gedankengängen einer straffen Logik
die Situation entbehrte nicht der Komik
diese Behauptung entbehrt jeder Glaubwürdigkeit, Grundlage
die Ergebnisse entbehren jeglicher wissenschaftlichen Grundlage
Sie waren nicht entzweit, sie entbehrten nur genauerer Kundschaft voneinander [JahnnHolzschiff118]
veraltet jmds. entbehren
Beispiel:
Mein Haus entbehrt des Vaters. Lebet wohl [SchillerTellI 3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

entbehren · Entbehrung · entbehrlich
entbehren Vb. ‘dringend Benötigtes nicht haben, missen’, ahd. inberan (9. Jh.), mhd. enbern, mnd. en(t)bēren, mnl. ontbēren, nl. ontberen. Dem im Nhd. nicht mehr gebräuchlichen, nur in der Präfixbildung ↗gebären (s. d.) noch erhaltenen gemeingerm. Verb ahd. beran, mhd. bern, mnd. bēren ‘tragen, hervorbringen’ ist wohl die Negationspartikel ahd. ni, mhd. ne (s. ↗nein, ↗nicht, ↗nie) vorangestellt, die in proklitischer Stellung ihren Vokal verlieren und dann einen schwachen vokalischen Anlaut entwickeln kann (vgl. mhd. ich enkan, enmac, enweiʒ ‘ich kann, weiß nicht’). Die heutige Bedeutung ergibt sich demzufolge aus ‘nicht tragen, nicht bei sich haben’, und die Angleichung an den verbreiteten Verbtypus mit der Vorsilbe ↗ent- (s. d.) erfolgt sekundär (t-Einschub zuerst mnd. und frühnhd.); vgl. aber de Vries Nl. 486, der von nl. ont-, dt. ent- ausgeht. Bis ins 16. Jh. wird entbehren stark flektiert (wie jetzt noch gebären); neben der bis dahin allein üblichen Verbindung mit einem Genitiv, der als von der Negation abhängiger partitiver Genitiv anzusehen ist, kommt transitiver Gebrauch ebenfalls im 16. Jh. auf. Entbehrung f. ‘Mangel, Not’, mnd. entbēringe (15. Jh.), hd. seit dem 17. Jh.; entbehrlich Adj. ‘nicht notwendig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
entbehren · entbehren können · ↗entsagen · ↗passen (müssen) · ↗verzichten
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) fehlen · entbehren · ↗vermissen  ●  ↗(einer Sache) ermangeln  veraltet · ↗missen (meist redensartlich)  geh., veraltend · schmerzlich vermissen  geh., floskelhaft
Assoziationen
  • (inständig) verlangen nach · (jemandem) steht der Sinn nach · (sich) sehnen nach · (sich) verzehren nach · ...närrisch · Lust haben (auf) · aus sein auf · ↗begehren · begehren nach · begehrlich nach · begierig auf · besessen von · brennen auf · ↗ersehnen · fiebern nach · ↗gieren (nach) · ↗herbeisehnen · ↗herbeiwünschen · kaum erwarten können · nicht warten können auf · schmachten nach · sehnlichst begehren · sehnlichst vermissen · spitzen auf · süchtig nach · unbedingt haben wollen · vergehen nach · verrückt nach · ↗verschmachten (nach) · versessen auf · vor Lust (auf etwas) vergehen · vor Verlangen (nach etwas) vergehen  ●  (sehr) verlangen nach  Hauptform · (sich die) Finger lecken nach  fig. · hinter etwas her (sein) wie der Teufel hinter der armen Seele  sprichwörtlich · hungern nach  fig. · ↗(einen) Gieper (haben) auf  ugs. · ↗(einen) Jieper (haben) auf  ugs. · (einen) Jieper haben (auf)  ugs., norddeutsch · (ganz) wild auf (etwas)  ugs. · (jemandem) (das) Wasser im Mund zusammenlaufen (beim Gedanken an)  ugs. · (sehr) hinter (etwas) her sein  ugs. · dürsten nach  geh., poetisch, fig. · erpicht auf  geh., veraltend · geil auf (etwas)  ugs. · gelüsten nach  geh. · giepern nach  ugs., regional · heiß auf (etwas)  ugs. · jiepern nach  ugs., regional · lange Zähne kriegen  ugs., selten · ↗lechzen (nach)  geh. · scharf auf (etwas)  ugs. · spitz sein auf  ugs. · verrückt auf (etwas)  ugs.
  • (sich) (wehmütigen Gedanken) hingeben · hinterhertrauern · ↗nachhängen · ↗nachtrauern · ↗nachweinen
  • (es) fehlen lassen (an) · ↗(jemandem) abgehen · ↗(jemandem) fehlen · nicht verfügen über · vermissen lassen  ●  ↗(einer Sache) ermangeln  geh. · ↗(einer Sache) gebrechen  geh., veraltet · (jemandem) nicht zu Gebote stehen  geh. · kranken an  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anschuldigung Befürchtung Begründung Behauptung Berechtigung Beschuldigung Brisanz Delikatesse Dramatik Eleganz Gerücht Grundlage Ironie Komik Logik Meldung Mutmaßung Originalität Peinlichkeit Pikanterie Plausibilität Rechtfertigung Rechtsgrundlage Spekulation Symbolik Tragik Unterstellung Vermutung Vorwurf schmerzlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entbehren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was haben wir nicht alles entbehren müssen in den verflossenen zwölf Monaten.
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2002
Wird man sie aber, wenn man sie schon so zerreißt, entbehren können?
Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1984, S. 376
Kann das Kind die Mutter über eine längere Zeit des Tages entbehren?
Die Zeit, 22.11.1974, Nr. 48
Ja, fast freut er sich, daß er gezwungen ist, seine früheren Freuden noch länger zu entbehren.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 329
Er will ihrer keines entbehren, und er hat eine eiserne Hand, um sie zusammenzuhalten.
Hofmannsthal, Hugo von: Max Reinhardt. In: Bertram, Mathias (Hg.) Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1924], S. 9379
Zitationshilfe
„entbehren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entbehren>, abgerufen am 24.10.2019.

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