entbinden

GrammatikVerb · entband, hat entbunden
Aussprache
Worttrennungent-bin-den (computergeneriert)
Grundformbinden
Wortbildung mit ›entbinden‹ als Grundform: ↗Entbundenheit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gehoben jmdn. von etw. entbindenjmdn. von etw. lossprechen, befreien
Beispiel:
jmdn. von einem Auftrag, einer Last entbinden
mit Gen.
Beispiel:
jmdn. seines Versprechens, Eides, seiner Pflichten entbinden
2.
ein Kind zur Welt bringen
Beispiele:
die Frau entbindet im Krankenhaus
die Mutter hat vor zwei Stunden entbunden
das Kind wurde entbunden
oft im Passiv
Beispiele:
sie wurde, war von einem gesunden Jungen entbunden (= sie hat einen gesunden Jungen geboren)
die entbundene Mutter (= Mutter, die entbunden hat)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

binden · Binde · Binder · entbinden · Entbindung · verbinden · Verbindung · Verband
binden Vb. ‘durch Umwinden, Verknüpfen zusammenfügen’, insbesondere ‘fesseln’, auch allgemeiner ‘fest miteinander vereinigen’, ahd. bintan (8. Jh.), mhd. binden ‘umwinden, verknüpfen, fesseln’ führt wie die Entsprechungen asächs. aengl. got. bindan, afries anord. schwed. binda, mnd. mnl. nl. binden, engl. to bind auf germ. *bindan. Es läßt sich mit aind. badhnā́ti ‘bindet’, bandháḥ ‘Band, Fessel’, bándhuḥ ‘Verbindung, Verwandtschaft, Verwandter’, griech. pé͞isma (πεῖσμα) ‘Tau, Seil’, pentherós (πενθερός) ‘Schwiegervater’ (auf die durch Heirat entstehende Bindung bezogen), lat. offendīx ‘Kinnband der Priestermütze’ an ie. *bhendh- ‘binden’ anschließen (s. auch ↗Band m. und ↗Band n., ↗Bande, ↗Bund). Binde f. ‘um etw. herumgewundener Stoffstreifen’ (als Verband, Schmuck, Kennzeichen), ahd. binta (8./9. Jh.), mhd. binde ‘Binde, Verband’, aengl. binde, engl. bind ‘Binde, Band’. Binder m. ‘Böttcher’, ahd. bintāri (10. Jh.), mhd. binder ‘Faßbinder’, nhd. bis zur Gegenwart landschaftlich für ↗Böttcher (s. d.). entbinden Vb. ‘lossprechen, befreien’, auch ‘gebären’, ahd. intbintan ‘aufbinden, lösen, befreien, einer Verpflichtung entheben’ (8. Jh.), mhd. enbinden ‘befreien, lösen, erklären’, asächs. antbindan, aengl. onbindan, engl. to unbind, got. andbindan. Das ursprünglich ‘losbinden, von Fesseln befreien’ bedeutende Verb kommt früh und im Nhd. überwiegend in metaphorischen Verwendungen vor; es bezeichnet bereits im 14. Jh. (wohl vom Trennen der Nabelschnur ausgehend) auch den Geburtsvorgang, wobei die Frau oder das Kind als Objekt des transitiven Verbs eintreten. Jung ist dagegen der intransitive Gebrauch ‘Mutter werden, gebären’ (um 1880); dazu Entbindung f. ‘Geburt’ und ‘Befreiung, Entlastung’, anfangs für unterschiedliche Vorgänge des Befreiens, Lösens, frühnhd. enpindung, en(t)pintung ‘Trennung. Auflösung, Erklärung’ (14. Jh.), dann namentlich ‘Absolution, Lossprechung von Sünden’, vgl. mnd. entbindinge ‘Zügellosigkeit’; im Sinne von ‘Niederkunft, Geburt’ seit dem 17. Jh. verbinden Vb. ‘mit einer Binde bedecken, verknüpfen, zusammenfügen’, übertragen ‘enge Beziehungen zwischen Personen herstellen’, ahd. firbintan ‘umwickeln, zubinden’ (um 1000), mhd. verbinden ‘zusammenfügen, zubinden, einschließen, verpflichten’; westgerm. Präfixbildung (vgl. mnd. vorbinden, nl. verbinden, aengl. forbindan), im Dt. die beiden Bedeutungsstränge ‘mit einer Binde bedecken’ (schon ahd.) und ‘fest zusammenfügen’ (mhd.) entwickelnd; in einigen der sich an die zweite Bedeutung anschließenden Verwendungen schwindet die Vorstellung des Umwindens, Verknüpfens völlig; dazu Verbindung f. ‘Zusammenhang, enge Beziehung’, auch ‘Vorgang des Verbindens’, zuerst (15. Jh.) ‘Verpflichtung’, vgl. mnd. vorbindinge ‘Verbindung, Bündnis’; Verband m. ‘eine Wunde bedeckende, schützende Binde’ (18. Jh.), ‘Gruppierung, Vereinigung, Organisation’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) Baby bekommen · entbinden · entbunden werden (von) · ↗gebären · in den Wehen liegen · ↗kreißen · ↗niederkommen (mit) · zur Welt bringen  ●  (einem Kind) das Leben schenken  ugs. · auf die Welt bringen  ugs. · ein Kind in die Welt setzen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abdanken lassen · entbinden · ↗entpflichten · ↗freistellen
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem etwas) entziehen · ↗(jemandem) (eine Aufgabe) abnehmen · (jemanden) (von einer Aufgabe) entbinden · ↗(jemanden) abziehen (von einer Aufgabe) · ↗(jemanden) entpflichten · ↗(jemanden) herausnehmen · ↗(jemanden) herausziehen · abgeben müssen (Aufgabe)  ●  ↗(jemanden) rausnehmen  ugs. · ↗(jemanden) rausziehen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amt Amtsgeschäft Amtspflicht Aufgabe Baby Befangenheit Betriebspflicht Cheftrainer Dienstpflicht Ehrenwort Eid Funktion Gesundheitnsgrund Kaiserschnitt Pflicht Posten Projektleiter Schwangere Schwangerschaftswoche Schweigepflicht Steuergeheimnis Verantwortung Verpflichtung Verschwiegenheitspflicht Vorstandspflicht Wirkung ZK-Sekretär Zahlungspflicht anonym davon

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entbinden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Eigentlich hätte sie schon vier Tage früher entbinden sollen, aber das Baby läßt sich Zeit.
Der Tagesspiegel, 31.10.1999
Von dem Versprechen indes, das Kohl leichtfertig gab, ist der Kanzler damit keineswegs entbunden.
Die Zeit, 09.09.1983, Nr. 37
Der Akt des Bekennens entbindet von jeglicher Verantwortung für das eigene Handeln.
Hijiya-Kirschnereit, Irmela: Selbstentblößungsrituale, Wiesbaden: Steiner 1981, S. 203
Für diesmal muß ich Sie allerdings bitten, mich von dieser angenehmen Pflicht zu entbinden.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 338
Zitationshilfe
„entbinden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entbinden>, abgerufen am 13.11.2018.

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