entblößen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungent-blö-ßen
Wortbildung mit ›entblößen‹ als Erstglied: ↗Entblößung
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben
1.
die Bedeckung von einem Körperteil wegnehmen, sodass er bloß ist
Beispiele:
die Schultern, Arme entblößen
der Kranke entblößte die schmerzende Stelle, die Soldaten warteten mit entblößtem Oberkörper auf den Arzt
mit entblößtem Haupt, Kopf, entblößten Hauptes nahmen sie an der Feierstunde teil, betraten sie die Kirche
Und damit nahm sie die Kleine aus dem Korb, entblößte ihre Brust, legte sie an [A. ZweigEinsetzung219]
Ulrich bemerkte, daß sie im Sprechen die Zähne entblößte (= frei zeigte) wie ein kleines Tier in Todesangst [MusilMann504]
bildlich etw. offenbaren
Beispiel:
Ein ebenso naiver wie unglücklicher Mensch hat hier in schwerfälliger Sprache sein innerstes Wesen entblößt [Bild. Kunst1956]
2.
jmdn., sich, etw. einer Sache entblößenjmdn., sich, etw. einer Sache berauben
Beispiele:
wir haben uns aller Geldmittel entblößt
Ein Beispiel, wie binnen kurzer Zeit ganze Landstriche der Tierwelt entblößt werden, sind die Breiten der Arktis [Urania1961]
entblößt sein
Beispiele:
sie war aller Mittel, von allen Mitteln entblößt
das Land war der Truppen entblößt
bei Bewältigung der Mauer, die von Wachen fast entblößt war [Th. MannJoseph3,176]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bloß · Blöße · bloßstellen · entblößen
bloß Adj. ‘nackt, unbedeckt, rein, ausschließlich’. Die westgerm. Formen ahd. blōʒ (8. Jh.; wohl versehentliche Wiedergabe von lat. superbus ‘stolz’), mhd. blōʒ ‘nackt, unverhüllt, entblößt, nicht bewaffnet, frei von’, mnd. blōt ‘nackt, ungeschützt, frei von, arm’, mnl. nl. bloot ‘nackt, arm’, aengl. blēat ‘elend (?)’ sowie die unten angeführten nord. Belege betrachtet man als verwandt mit den unter ↗blöd (s. d.) genannten. Verschiedener Beurteilung unterliegt dabei allerdings das schwierige semantische Verhältnis der einzelnen Wortgruppen zueinander. Das Problem erwächst aus der Bedeutung der skandinav. Formen anord. blautr ‘weich, zart, schwach, furchtsam, geistesschwach’, meist aber ‘feucht, naß, sumpfig’, schwed. blöt ‘naß, durchnäßt’, älter ‘weich, schwach, zaghaft’. Einige vermuten eine Bedeutungsentwicklung, die von ‘weich’ über ‘durchweicht’ zu ‘naß, feucht’ führt, andere sehen umgekehrt die skandinav. Bedeutung ‘feucht, naß’ als ursprünglich an und leiten daraus die Bedeutungen ‘weich, schwach, arm, elend’ ab, verknüpfen also den gesamten Wortkomplex mit dem unten genannten ie. *bhleu-. Drittens nimmt man Zusammenfall zweier Bildungen an, von denen die eine in unmittelbarem Zusammenhang mit blöd(e) steht, die andere dagegen (mit der ursprünglichen Bedeutung ‘feucht, naß’) auf dem auch in lat. fluere ‘fließen’, griech. phlydarós (φλυδαρός) ‘durch Nässe aufgeweicht, matschig’ enthaltenen ie. *bhleu- ‘aufblasen, überwallen, fließen’ (zur Wurzel ie. *bhel-, s. ↗Ball) beruht. bloß Adv. ‘nur’ kommt vom 15. Jh. an im Anschluß an die Bedeutung des Adjektivs ‘rein, ausschließlich’ in Gebrauch. Blöße f. ‘Nacktheit, bloße Stelle, Waldlichtung’, mhd. blœʒe, Ableitung vom Adjektiv. Die Redewendung sich eine Blöße geben ‘eine schwache Stelle zeigen’ (18. Jh.) ist eine Fügung aus der Fechtersprache wie vielleicht auch das Kompositum bloßstellen Vb. ‘blamieren’ (2. Hälfte 16. Jh.). entblößen Vb. ‘bloß machen’, mhd. enblœʒen, Präfixbildung (s. ↗ent-) neben gleichbed. mhd. blœʒen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(Oberbekleidung) ablegen · (alle) Hüllen fallen lassen · (die) Hüllen fallen lassen · ↗(ein Kleidungsstück) abstreifen · ↗(sich) freimachen · ↗auskleiden · ↗blankziehen · entblößen · ↗enthüllen · ↗entkleiden  ●  ↗(sich) ausziehen  Hauptform · ↗(sich) (eines Kleidungsstücks) entledigen  geh., veraltend · ↗(sich) entblättern  ugs. · (sich) nackig machen  ugs. · ↗strippen  ugs.
Assoziationen
  • ausgezogen · ↗blank · entblättert · entblößt · enthüllt · entkleidet · ↗hüllenlos · mit bloßer Haut · nichts anhaben · ↗textilfrei · ↗unbekleidet  ●  im Adamskostüm  männl. · im Evakostüm  weibl. · im Evaskostüm  weibl. · im Naturzustand  scherzhaft · ↗nackend  regional · ↗nackt  Hauptform · wie Gott ihn schuf  männl. · wie Gott sie schuf  weibl. · barfuß bis zum Hals  ugs. · nackert  ugs., süddt. · nackicht  ugs. · ↗nackig  ugs. · ↗pudelnackt  ugs. · ↗splitterfasernackt  ugs. · ↗splitternackt  ugs.
  • (ein) Nackter · nackter Mensch  ●  ↗Nackedei  ugs. · ↗Nacktfrosch  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abwehr Brust Busen Dekolleté Exhibitionist Flanke Gebiß Geschlechtsteil Goldzahn Haupt Hintern Hinterteil Körperteil Nacktheit Oberkörper Scham Schenkel Schneidezahn Unterarm Unterhose Unterleib Zahn Zahnfleisch Zahnlücke Zahnreihe schamlos seelisch verhüllen verkleiden vollends

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entblößen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich wollte das Monster enttarnen, aber das Monster tat mir nicht den Gefallen, sich zu entblößen.
Die Welt, 09.06.2001
Mit einer radikalen Genauigkeit trennt sie die lächerlichen Situationen auf und entblößt deren dunklen Kern.
Der Tagesspiegel, 19.06.1998
Wir blieben nebeneinander liegen, ohne jede Bewegung, wortlos, halb entblößt.
Hein, Christoph: Drachenblut, Darmstadt: Luchterhand 1983 [1982], S. 45
Nicht alle empfanden es, aber alle waren niedergeworfen, waren schamlos entblößt, und an allen geschah es.
Plievier, Theodor: Stalingrad, München u. a.: Desch 1973 [1946], S. 122
Hans bemerkte, daß der Gegner lächelte und dabei eine Fülle gelber, aber stark gewachsener Zähne entblößte.
Walser, Martin: Ehen in Philippsburg, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1957], S. 196
Zitationshilfe
„entblößen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entblößen>, abgerufen am 22.10.2019.

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