Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

entblöden

Grammatik Verb · reflexiventblödet sich, entblödete sich, hat sich entblödet
Aussprache 
Worttrennung ent-blö-den
Grundformblöd
eWDG

Bedeutung

abwertend sich nicht entblöden, etw. zu tunsich nicht scheuen, etw. zu tun (obwohl es dumm, unklug ist)
Beispiele:
er entblödete sich nicht, eine Dummheit nach der anderen zu begehen, seinen Irrtum noch öffentlich zu verteidigen
er entblödete sich nicht … eine Vorstellung zu geben, in der er die Art der Base aufs komischste nachäffte [ RaabeHungerpastorI 1,208]
Er hätte sich dort nicht entblödet, vor die Versammlung gerade die Gedankengänge zu bringen, vor denen man ihn vorher gewarnt hätte [ SeghersDie Toten6,387]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

blöd · blöde · blödeln · entblöden · verblöden · blödsinnig · Blödsinn
blöd blöde Adj. ‘dumm, schwachsinnig’ (16. Jh.), ahd. blōdi ‘träge, furchtsam, körperlich schwach’ (9. Jh.), mhd. blœde ‘gebrechlich, zart, zaghaft’, asächs. blōð(i) ‘zaghaft, furchtsam’, mnd. blȫde ‘schwach, furchtsam, verzagt’, mnl. blōde, bloot, nl. blood ‘schüchtern, feige’, aengl. blēaþ ‘schwach’, anord. blauðr ‘schwach, zaghaft’ sowie got. blauþjan Vb. ‘abschaffen’, eigentlich ‘schwach machen’, werden mit griech. phlá͞uros (φλαῦρος) ‘schlecht, geringfügig’ auf eine Wurzelform ie. *bhləu- ‘schwach, elend’ zurückgeführt. Ablautendes ie. *bhlēu, *bhlū- findet sich in ahd. blūgo Adv., mhd. blūc, bliuc ‘zaghaft, schüchtern’, schwed. blyg ‘schüchtern, scheu, befangen’. Zur Verwandtschaft s. auch bloß. Eine weiterreichende Hypothese sieht in der Wurzel ie. *bhlēu- eine Parallele zu der vielleicht für das Verbum bleuen (s. d.) vorauszusetzenden Wurzelform ie. *bhleu- ‘schlagen’. Die Bedeutung ‘schwach, elend’ wäre danach aus ‘geschlagen’ hervorgegangen. blödeln Vb. ‘(bewußt) Unsinn reden’ (19. Jh.). entblöden Vb. reflexiv ‘die Scheu ablegen’ (17. Jh.), heute gewöhnlich als Verstärkung doppelt verneint sich nicht entblöden ‘sich nicht schämen, sich erkühnen’ (17. Jh.). verblöden Vb. ‘blöd(e) werden’, mhd. verblœden ‘einschüchtern’; blödsinnig Adj. ‘schwachsinnig, sinnlos’ (Anfang 17. Jh.); davon rückgebildet Blödsinn m. (Mitte 18. Jh.).

Verwendungsbeispiele für ›entblöden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Buck hatte sich nicht entblödet, sie zu seinem Plädoyer einzuladen! [Mann, Heinrich: Der Untertan, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1918], S. 209]
Das Leben entblödet sich nicht, unsere ältesten Vorurteile wahr zu machen. [Süddeutsche Zeitung, 12.01.1995]
Plötzlich merkte er, daß die fünf Töchter Buck sich nicht entblödeten, ihm Komplimente zu machen. [Mann, Heinrich: Der Untertan, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1918], S. 207]
Und die Jüdische Gemeinde entblödet sich nicht, eine Verbindung von diesen skrupellosen Raffern mit den Opfern von Auschwitz herzustellen. [Der Spiegel, 18.11.1985]
Die Polizei entblödete sich nicht, in den folgenden hektischen Tagen verschiedenste Versionen des Todesschusses zu präsentieren. [Die Zeit, 29.05.1987, Nr. 23]
Zitationshilfe
„entblöden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entbl%C3%B6den>.

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