Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

entgegnen

Grammatik Verb · entgegnet, entgegnete, hat entgegnet
Aussprache 
Worttrennung ent-geg-nen
Wortbildung  mit ›entgegnen‹ als Erstglied: Entgegnung
eWDG

Bedeutung

etw. erwidern, seine (gegenteilige) Meinung zu etw. äußern
Beispiele:
jmdm. auf seine Frage verwundert, ärgerlich, heftig, scharf, ungeduldig, liebenswürdig etw. entgegnen
man hätte viel auf diese Worte, seine Bemerkung entgegnen können
diesen Anschuldigungen habe ich nichts zu entgegnen (= entgegenzuhalten)
»Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!« / Entgegnet ihm finster der Wüterich [ SchillerBürgschaft]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gegen · gen · entgegen · entgegnen · Entgegnung · Gegenfüßler · Gegengift · Gegensatz · gegenseitig · Gegenstand · gegenständlich · Gegenstück · Gegenwart · gegenwärtig · vergegenwärtigen · gegenüber · Gegenüber
gegen Präp. ‘wider (zur Abwehr von, zum Schutz vor), in Richtung auf, in Beziehung auf, fast, annähernd, im Austausch für’, ahd. gagan, gegin Präp. Adv. (9. Jh.), gagani, gegini Adv. (9. Jh.), mhd. gegen Präp., gegen(e), gagen(e) Adv., kontrahiert gein, gēn (daraus als Richtungsangabe nhd. gen Präp. asächs. gegin-, mnd. jēgen, mnl. jeghen(s), nl. jegens, aengl. gegn, gēn Adv., anord. gegn Präp. Adv. (germ. *gagna-, *gegni-) ist, da außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, etymologisch ungeklärt. gegen gibt ursprünglich die Richtung an ‘auf etw. zu, auf etw. hin’ (räumlich gegen den Baum laufen, zeitlich gegen Abend), dann auch das Verhältnis zu Menschen oder Sachverhalten (gütig gegen alte Leute, empfindlich gegen Kälte). Daraus entwickelt sich eine Bedeutung ‘wider’ im Sinne eines absichtlichen Entgegenwirkens, einer Feindseligkeit (gegen jmdn. kämpfen, gegen jeden Versöhnungsversuch sein). Häufig in nominalen Zusammensetzungen, z. B. für die entsprechende Erwiderung eines Vorgangs (Gegendruck, -gruß, -wirkung), einer feindlichen Absicht (Gegenwehr, -stoß), für Personen und Sachverhalte, die einander völlig (Gegenbild, -stück), rivalisierend (Gegenkönig, -spieler, -partei) oder in umgekehrtem Sinne, also gegenläufig (Gegenrichtung, -strömung, -rhythmus) entsprechen. entgegen Adv. ‘in Richtung auf’, Präp. ‘im Gegensatz zu’, ahd. ingagan, ingegin Präp. ‘gegen, entgegen’ (8. Jh.), ingagani, ingegini Adv. (um 800), mhd. engegen Präp., engegen(e), engagen(e) Adv., asächs. angegin, aengl. (westsächs.) ongēan, ongēn, (angl.) angægn, ongegn, engl. again; im Nhd. an das Präfix ent- (s. d.) angelehnt; dazu entgegnen Vb. ‘erwidern, antworten’ (16. Jh.); vgl. dagegen ahd. ingaganen, ingeginen ‘entgegenkommen, empfangen, zurückkehren’ (9. Jh.), mhd. engegenen ‘begegnen’; Entgegnung f. ‘Erwiderung’ (19. Jh.). Gegenfüßler m. ‘auf dem entgegengesetzten Punkt der Erdkugel lebender Mensch’, übertragen ‘Widersacher’, Übersetzung (17. Jh.) von Antipode (s. d.); älter gegenfüßig (16. Jh.). Gegengift n. ‘einem anderen Gift entgegenwirkendes Gift’, Übersetzung (17. Jh.) von mfrz. frz. contrepoison oder unmittelbar von diesem zugrundeliegenden griech.-lat. antidotum (s. Antidot). Gegensatz m. ‘das Entgegengesetzte, Widerspruch, Kontrast, Feindschaft’, zuerst (15. Jh.) in der Rechtssprache ‘Gegenbehauptung, -argumentation’. gegenseitig Adj. ‘wechselseitig, beiderseitig’ (18. Jh.), anfangs ‘auf der entgegengesetzten Seite befindlich, der Gegenpartei angehörend’. Gegenstand m. ‘Ding, Thema, Angelegenheit’, zuerst ‘Widerstand’ (16. Jh.), ‘Gegensatz’, auch ‘das Entgegenstehende’ (17. Jh.), dann (Ende 17. Jh.) Übersetzung von Objekt bzw. lat. obiectum in philosophischer Sprache, davon ausgehend die heutige allgemeine Verwendung; gegenständlich Adj. um 1800 für objektiv, heute im Sinne von ‘dinglich, konkret’ als Gegensatz zu begrifflich. Gegenstück n. ‘etw. Entsprechendes, Passendes’, auch ‘Gegenteil’, Übersetzungswort (18. Jh.) von Pendant (s. d.). Gegenwart f. ‘Jetztzeit, Anwesenheit, Dasein’, ahd. gaganwart, geginwart (9. Jh.), mhd. gegenwart; vgl. auch ahd. gaganwerta (8. Jh.), gaganwertī, geginwertī (8. Jh.), gaganwurti (10. Jh.), mhd. gegenwurt, -würte ‘Gegenwart, Anblick, Angesicht’; zum zweiten Kompositionsglied s. -wärts. Seit dem 19. Jh. grammatischer Terminus für Präsens (s. d.), wofür älter gegenwürtig(e) Zeit (um 1400), die gegenwärtige Zeit oder die Gegenwart (Campe 1801); gegenwärtig Adj. ‘in der Gegenwart lebend, augenblicklich, jetzig’, ahd. gaganwertīg, geginwertīg (9. Jh.), mhd. gegenwertec, -würtec; vergegenwärtigen Vb. ‘(sich) deutlich in der Gegenwart vorstellen’ (17. Jh.), zu gegenwärtigen (15. Jh.). gegenüber Adv. Präp. ‘auf der anderen Seite, im Hinblick auf, gegen, zu’, aus gegen und über (s. d.) zusammengewachsen (16. Jh.), anfangs daher getrennt geschrieben mit dem abhängigen (von der Präp. gegen regierten) Kasus zwischen beiden Bestandteilen (noch im 18. Jh. gegen ihm über); substantiviert Gegenüber n. ‘das oder der auf der anderen Seite Befindliche’ (um 1800), nach frz. le vis-à-vis.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem etwas) entgegenhalten · den Einwand erheben (dass) · einwenden · einwerfen · entgegnen · erwidern · kontern (mit) · mit dem Gegenargument kommen (dass) · widersprechen  ●  objizieren  geh., veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›entgegnen‹ (berechnet)

Baudirektor Befürworter Cdu-fraktionsvorsitzende Cdu-sprecher Fragesteller Großtyrann Kommissär Kritiker Linken-fraktionschefin Löw-assistent Skeptiker Spd-fraktionsvorsitzende Spd-haushaltspolitiker Stadtbaurat Svp-redner Vorredner Vorrednerin Zweifler gereizt kühl lächelnd schlagfertig schnippisch trocken trotzig ungerührt unwillig unwirsch worauf woraufhin

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entgegnen‹.

Verwendungsbeispiele für ›entgegnen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man entgegne mir nicht, daß es unschicklich sein würde, in dieser Richtung nachzuforschen. [Gerling, Reinhold: Was muß man vor der Ehe von der Ehe wissen? In: ders., Das große Aufklärungswerk für Braut- und Eheleute, Dresden: Buchversand Gutenberg 1933 [1901], S. 232]
Nein, nein, entgegnete er jetzt hastig, noch nicht, noch nicht! [Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 140]
Wenn ich nicht gut spiele, ist es normal, dass ich kritisiert werde ", entgegnete er. [Die Zeit, 16.12.2013 (online)]
Yang entgegnete, der Yuan entwickle sich in Richtung eines fairen Wertes. [Die Zeit, 09.06.2013 (online)]
Nein, das sage ich nicht nur so hin, entgegnete ich ihm. [Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 370]
Zitationshilfe
„entgegnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entgegnen>.

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