enthaupten

GrammatikVerb · enthauptete, hat enthauptet
Aussprache
Worttrennungent-haup-ten
GrundformHaupt
Wortbildung mit ›enthaupten‹ als Erstglied: ↗Enthauptung
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben jmdm. den Kopf abschlagen
Beispiele:
der enthauptete König
er sollte draußen auf dem Galgenberg enthauptet und dann sein Körper auf das Rad geflochten werden [Storm4,299]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haupt · enthaupten · Häuptling · Hauptmann · Hauptsache · hauptsächlich · Hauptstadt · Hauptwort
Haupt n. ‘Kopf, wer an der Spitze steht, Führer, Leiter’. Neben den noch oder ursprünglich einen Diphthong in der ersten Silbe (germ. *haubiþa-) aufweisenden Formen ahd. houbit ‘Kopf, Haupt’ (8. Jh.), mhd. houbet, houpt, asächs. hōƀid, mnd. hȫvet, mnl. hōvet, hooft, nl. hoofd, aengl. hēafod, engl. head, anord. haufuð, got. haubiþ stehen mit einfachem Vokal (germ. *habuþa-) aengl. hafud, anord. hǫfuð. Nur die letztgenannten lassen sich unmittelbar an lat. caput ‘Kopf, Haupt’ und (mit l-Suffix) aind. kapā́lam ‘Schale, Hirnschale, Schädel’ anknüpfen. Es handelt sich dabei vermutlich um Nominalbildungen zu der bei ↗heben und ↗haben (s. d.) angeführten Wurzel ie. *kap- ‘fassen’, die mehrfach in Wörtern für Gefäße erscheint. Auch für Haupt ist daher eine Ausgangsbedeutung ‘Schalenförmiges, Gefäß’ anzunehmen, so daß eine ähnliche Bedeutungsentwicklung vorliegt wie bei ↗Kopf (s. d.) und bei frz. tête ‘Kopf’ (aus lat. testa ‘Gefäß, Schale, Scherbe’). Schwierigkeiten bereitet jedoch die Erklärung der diphthongischen Formen, die entweder eine rein lautliche Entwicklung innerhalb des Germ. voraussetzen oder auf eine Verquickung mit Bildungen wie ↗Haube (s. d.) hindeuten, dann allerdings auf eine andere ie. Wurzel zurückgehen. Bis zum 15. Jh. ist Haupt das einzige Wort für ‘Kopf’; es wird allgemein seit dem 16. Jh. durch ↗Kopf (s. d.) verdrängt, bleibt aber als gehobener Ausdruck bis heute geläufig. enthaupten Vb. ‘den Kopf abschlagen’, mhd. enthoubeten, zum gleichbed. Simplex houbeten, houpten; vgl. ahd. irhoubitōn, firhoubitōn ‘enthaupten’ (9. Jh.). Häuptling m. ursprünglich ‘Familienoberhaupt, Anführer’ (17. Jh.), seit Coopers Indianererzählungen (um 1825) nur noch ‘Stammesoberhaupt eines Naturvolkes’; zufrühst bezeugt afries. hāvding, hāvdling ‘Mitglied des friesischen Adels’. Hauptmann m. ‘eine Kompanie befehligender Offizier’, ahd. houbitman (8./9. Jh.), mhd. houbetman ‘Oberster, Hauptperson einer Vereinigung, Anführer’, frühnhd. ‘Befehlshaber über eine Kriegerschar’, auch Feldhauptmann; seit 1842 im preußischen Heer Offiziersrang (Entsprechung für frz. capitaine). Hauptsache f. ‘bedeutendster Punkt einer Angelegenheit, das Wichtigste’ (16. Jh.); vgl. spätmhd. houbetsache ‘wesentlicher Bestandteil eines Rechtsstreits, Prozesses’; hauptsächlich Adj. ‘wesentlich, führend’, Adv. ‘vor allem, vorwiegend, in erster Linie’ (16. Jh.). Hauptstadt f. ‘Sitz der Regierung eines Landes’, ahd. houbitstat (10. Jh.), mhd. houbetstat ‘vornehmste Stadt, Hauptstadt eines Landes’. Hauptwort n. Fachwort der Grammatik, im 16./17. Jh. in verschiedener terminologischer Verwendung, auch für ‘Substantiv’ (17. Jh.), in dieser Verwendung von Gottsched (1730) erfolgreich gefördert.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einen) Kopf kürzer machen · (jemandem) den Kopf abschlagen · durch die Guillotine hinrichten · enthaupten · ↗guillotinieren · ↗köpfen · mit dem Schwert richten
Oberbegriffe
  • (jemandem) (den) Lebensfaden abschneiden · ↗auslöschen · ↗ermorden · ins Jenseits befördern · ↗killen · ↗meucheln · tot... · ↗umbringen · ums Leben bringen · zum Schweigen bringen · zur Strecke bringen  ●  (jemandem) das Lebenslicht auslöschen  fig., variabel · ↗töten (absichtlich)  Hauptform · (jemandem) den Garaus machen  ugs. · ↗abmurksen  ugs. · ↗abservieren  ugs., salopp · ↗ausknipsen  ugs., fig., salopp · ↗entleiben  geh. · in die ewigen Jagdgründe schicken  ugs. · ins Gras beißen lassen  ugs., fig. · ins Nirwana befördern  ugs. · ↗kaltmachen  ugs. · ↗totmachen  ugs. · um die Ecke bringen  ugs. · ↗umlegen  ugs. · vom Leben zum Tode befördern  geh. · über die Klinge springen lassen  ugs., fig.
  • (das) Todesurteil vollstrecken · ↗exekutieren · ↗hinrichten · ↗liquidieren · ↗richten

Typische Verbindungen
computergeneriert

Axt Beil Entführer Extremist Geisel Henker Islamist Kidnapper Leiche Norweger Plötzensee Schwert Statue US-Geisel Ziviliste Zuchthaus durchschneiden entführen erdrosseln erschießen erschlagen erstechen erwürgen foltern henken verbrennen vergewaltigen verschleppen verstümmeln zerstückeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›enthaupten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Gruppe wird nachgesagt, feindliche Kämpfer auch schon enthauptet zu haben.
Die Zeit, 09.03.2013 (online)
Eine einzige Einstellung reicht, sie in den Staub zu werfen, ein schneller Schnitt, sie zu enthaupten.
Süddeutsche Zeitung, 21.04.2004
Da aber so der Tod nicht eintrat, sollte sie enthauptet werden.
Haberl, Ferdinand: Cäcilia. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1952], S. 15827
Das gekochte Frühstücksei wird leicht angeschlagen und mit dem Löffel (nicht mit dem Messer) enthauptet.
Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 905
Er wurde gefoltert, an einen Galgen bzw. an ein Kreuz gehängt und dann enthauptet.
Khoury, Adel Theodor: Halladj. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 998
Zitationshilfe
„enthaupten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/enthaupten>, abgerufen am 22.10.2019.

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