Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

entledigen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ent-le-di-gen

Bedeutungsübersicht+

  1. [gehoben] ⟨sich, jmdn. jmds., einer Sache entledigen⟩ sich, jmdn. von jmdm., etw. befreien
    1. a) sich von jmdm., einer Sache frei machen, sich von jmdm. lösen, etw. beseitigen
    2. b) ⟨sich eines Kleidungsstückes entledigen⟩ ein Kleidungsstück ablegen
    3. c) etw. erledigen, ausführen und dadurch frei davon werden
eWDG

Bedeutung

gehoben sich, jmdn. jmds., einer Sache entledigensich, jmdn. von jmdm., etw. befreien
a)
sich von jmdm., einer Sache frei machen, sich von jmdm. lösen, etw. beseitigen
Beispiele:
er versuchte, sich seines Gegners zu entledigen
sich eines Schuldgefühls, Anliegens, seiner Schulden entledigen
er konnte sich seiner Vergangenheit nicht entledigen
jmdn. einer Pflicht entledigen (= entbinden)
Dieses Burschen muß ich mich unbedingt entledigen [ BrechtAusnahme3]
Er verstand es, sich liebenswürdig der Gäste zu entledigen [ SeghersDie Toten6,83]
Sein Zeugnis / … würde mich vollkommen / Gereinigt, aller Schuld entledigt haben [ SchillerStuartIV 6]
b)
sich eines Kleidungsstückes entledigenein Kleidungsstück ablegen
Beispiel:
er hatte sich des Kittels und der Überziehschuhe entledigt
c)
etw. erledigen, ausführen und dadurch frei davon werden
Beispiele:
er hat sich des Versprechens, seiner Verpflichtung geschickt entledigt, zu entledigen gewusst
Er versuchte, sich des schwierigen Auftrages amtlich korrekt zu entledigen [ O. M. GrafUnruhe118]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ledig · entledigen · erledigen
ledig Adj. ‘frei, unbehindert, unverheiratet’, mhd. ledec, ledic, auch ‘müßig’, mnd. lēdich, leddich ‘frei, unverheiratet, müßig’, mnl. lēdich, nl. ledig, leeg ‘leer, nichts enthaltend, frei, müßig’, anord. liðugr ‘beweglich, ungehindert, frei, wohlwollend’, schwed. ledig ‘biegsam, geschmeidig, beweglich, ungezwungen, frei’. Trotz der unterschiedlichen Verwendungsweisen in den Einzelsprachen kann man von einer ursprünglichen Bedeutung ‘gelenkig, beweglich’ ausgehen und die Adjektive als Ableitungen zu den unter Glied (s. d.) behandelten unpräfigierten germ. Formen (vgl. ahd. lid) stellen. Aus ‘mit Gliedern, Gelenken versehen’ entwickeln sich ‘beweglich, ungebunden, frei (von)’ und weitere einzelsprachliche Bedeutungsvarianten. – entledigen Vb. ‘sich (von einer Sache) frei machen’, mhd. entledigen neben gleichbed. ledigen, das im 16. Jh. zurücktritt. erledigen Vb. ‘ausführen, vernichtend besiegen’, mhd. erledigen ‘frei machen, in Freiheit setzen’.

Thesaurus

Assoziationen
Synonymgruppe
entlassen  ●  (jemandem) den Vertrag nicht verlängern  variabel · (jemanden) kündigen  Hauptform · freisetzen  verhüllend · freistellen  verhüllend · (eiskalt) abservieren  ugs., salopp · (jemandem) den Stuhl vor die Tür setzen  ugs., fig. · (jemanden) loswerden  ugs. · (sich jemandes) entledigen  geh. · absägen  ugs., salopp · achtkantig rauswerfen  ugs., variabel · auf die Straße setzen  ugs., fig. · feuern  ugs. · hochkant(ig) rauswerfen  ugs., variabel · im hohen Bogen rauswerfen  ugs., fig. · rausschmeißen  ugs., salopp · rauswerfen  ugs. · schassen  ugs.
Unterbegriffe
  • (jemanden) aus dem Amt vertreiben · (jemanden) seines Amtes entheben  ●  (jemanden) aus dem Amt jagen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemanden) ausschalten· (jemanden) verschwinden lassen· beiseiteschaffen· beseitigen· eliminieren· entfernen· fortschaffen· unschädlich machen· wegschaffen  ●  entsorgen  verhüllend · (sich einer Sache) entledigen  geh. · aus dem Weg räumen  ugs. · aus dem Weg schaffen  ugs. · loswerden  ugs.
Oberbegriffe
  • auslöschen · ermorden · killen · meucheln · tot... · umbringen · ums Leben bringen  ●  (jemandem) (den) Lebensfaden abschneiden  fig. · (jemandem) das Lebenslicht auslöschen  fig., variabel · ins Jenseits befördern  fig. · töten (absichtlich)  Hauptform · zum Schweigen bringen  fig. · zur Strecke bringen  fig. · (jemandem) den Garaus machen  ugs. · abmurksen  ugs. · abservieren  ugs., salopp, fig. · ausknipsen  ugs., fig., salopp · entleiben  geh. · in die ewigen Jagdgründe schicken  ugs., fig. · ins Gras beißen lassen  ugs., fig. · ins Nirwana befördern  ugs. · kaltmachen  ugs. · totmachen  ugs. · um die Ecke bringen  ugs., fig. · umlegen  ugs. · vom Leben zum Tode befördern  geh. · über die Klinge springen lassen  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas Lästiges) loswerden  ●  (etwas) an der Garderobe abgeben  fig. · (etwas) über Bord werfen  fig. · (sich etwas) vom Halse schaffen  fig. · (sich einer Sache) entledigen  geh. · los sein wollen  ugs.
Assoziationen
  • (einer Sache) ein Ende machen · (sich) abwenden von · (sich) verabschieden von · aufgeben · beenden · fallen lassen · fallenlassen · hinter sich lassen · sausen lassen · stoppen · vergessen  ●  (einen) Schlussstrich ziehen  fig. · Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.  sprichwörtlich · beerdigen  fig. · über den Haufen werfen (Planungen)  fig. · (davon) Abschied nehmen  ugs. · ablassen (von)  geh. · ad acta legen  geh., bildungssprachlich · an den Nagel hängen  ugs., fig. · den Rücken kehren  ugs., fig. · einstampfen  ugs., fig. · sterben lassen  ugs., fig. · zu Grabe tragen  ugs., fig. · über Bord werfen  ugs., fig.
Synonymgruppe
(jemanden) abwimmeln· (jemanden) loswerden· (sich jemanden) vom Halse schaffen· (sich jemandes) entledigen  ●  (jemanden) entsorgen  derb
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›entledigen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entledigen‹.

Verwendungsbeispiele für ›entledigen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es sei die Zeit gekommen, sich der Regierung zu entledigen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1997]]
Unser Volk ist entschlossen, sich mit allen Mitteln einer solchen Art von Wurm zu entledigen! [Archiv der Gegenwart, 2001 [1977]]
Vielleicht hätte es andere Wege gegeben, sich ihrer zu entledigen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1950]]
Die Chefs entledigen sich so ihrer Pflicht, unangenehme Entscheidungen selbst zu treffen, sie verstecken sich. [Die Zeit, 23.09.2013, Nr. 38]
Ich rate jenen, sich davonzumachen, diesen, sich der Uniform zu entledigen und sich zu verbergen. [Toller, Ernst: Eine Jugend in Deutschland, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1985 [1933], S. 106]
Zitationshilfe
„entledigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entledigen>.

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