entledigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungent-le-di-gen
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben sich, jmdn. jmds., einer Sache entledigensich, jmdn. von jmdm., etw. befreien
a)
sich von jmdm., einer Sache frei machen, sich von jmdm. lösen, etw. beseitigen
Beispiele:
er versuchte, sich seines Gegners zu entledigen
sich eines Schuldgefühls, Anliegens, seiner Schulden entledigen
er konnte sich seiner Vergangenheit nicht entledigen
jmdn. einer Pflicht entledigen (= entbinden)
Dieses Burschen muß ich mich unbedingt entledigen [BrechtAusnahme3]
Er verstand es, sich liebenswürdig der Gäste zu entledigen [SeghersDie Toten6,83]
Sein Zeugnis / ... würde mich vollkommen / Gereinigt, aller Schuld entledigt haben [SchillerStuartIV 6]
b)
sich eines Kleidungsstückes entledigenein Kleidungsstück ablegen
Beispiel:
er hatte sich des Kittels und der Überziehschuhe entledigt
c)
etw. erledigen, ausführen und dadurch frei davon werden
Beispiele:
er hat sich des Versprechens, seiner Verpflichtung geschickt entledigt, zu entledigen gewusst
Er versuchte, sich des schwierigen Auftrages amtlich korrekt zu entledigen [O. M. GrafUnruhe118]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ledig · entledigen · erledigen
ledig Adj. ‘frei, unbehindert, unverheiratet’, mhd. ledec, ledic, auch ‘müßig’, mnd. lēdich, leddich ‘frei, unverheiratet, müßig’, mnl. lēdich, nl. ledig, leeg ‘leer, nichts enthaltend, frei, müßig’, anord. liðugr ‘beweglich, ungehindert, frei, wohlwollend’, schwed. ledig ‘biegsam, geschmeidig, beweglich, ungezwungen, frei’. Trotz der unterschiedlichen Verwendungsweisen in den Einzelsprachen kann man von einer ursprünglichen Bedeutung ‘gelenkig, beweglich’ ausgehen und die Adjektive als Ableitungen zu den unter ↗Glied (s. d.) behandelten unpräfigierten germ. Formen (vgl. ahd. lid) stellen. Aus ‘mit Gliedern, Gelenken versehen’ entwickeln sich ‘beweglich, ungebunden, frei (von)’ und weitere einzelsprachliche Bedeutungsvarianten. entledigen Vb. ‘sich (von einer Sache) frei machen’, mhd. entledigen neben gleichbed. ledigen, das im 16. Jh. zurücktritt. erledigen Vb. ‘ausführen, vernichtend besiegen’, mhd. erledigen ‘frei machen, in Freiheit setzen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(Oberbekleidung) ablegen · (alle) Hüllen fallen lassen · (die) Hüllen fallen lassen · ↗(ein Kleidungsstück) abstreifen · ↗(sich) freimachen · ↗auskleiden · ↗blankziehen · ↗entblößen · ↗enthüllen · ↗entkleiden  ●  ↗(sich) ausziehen  Hauptform · (sich) (eines Kleidungsstücks) entledigen  geh., veraltend · ↗(sich) entblättern  ugs. · (sich) nackig machen  ugs. · ↗strippen  ugs.
Assoziationen
  • ausgezogen · ↗blank · entblättert · entblößt · enthüllt · entkleidet · ↗hüllenlos · mit bloßer Haut · nichts anhaben · ↗textilfrei · ↗unbekleidet  ●  im Adamskostüm  männl. · im Evakostüm  weibl. · im Evaskostüm  weibl. · im Naturzustand  scherzhaft · ↗nackend  regional · ↗nackt  Hauptform · wie Gott ihn schuf  männl. · wie Gott sie schuf  weibl. · barfuß bis zum Hals  ugs. · nackert  ugs., süddt. · nackicht  ugs. · ↗nackig  ugs. · ↗pudelnackt  ugs. · ↗splitterfasernackt  ugs. · ↗splitternackt  ugs.
  • (ein) Nackter · nackter Mensch  ●  ↗Nackedei  ugs. · ↗Nacktfrosch  ugs.
Synonymgruppe
entlassen  ●  (jemandem) den Vertrag nicht verlängern  variabel · ↗(jemanden) kündigen  Hauptform · ↗freisetzen  verhüllend · ↗freistellen  verhüllend · ↗(eiskalt) abservieren  ugs., salopp · (jemandem) den Stuhl vor die Tür setzen  ugs., fig. · ↗(jemanden) loswerden  ugs. · (sich jemandes) entledigen  geh. · ↗absägen  ugs., salopp · achtkantig rauswerfen  ugs., variabel · auf die Straße setzen  ugs., fig. · ↗feuern  ugs. · hochkant(ig) rauswerfen  ugs., variabel · im hohen Bogen rauswerfen  ugs., fig. · ↗rausschmeißen  ugs., salopp · ↗rauswerfen  ugs. · ↗schassen  ugs.
Unterbegriffe
  • (jemanden) aus dem Amt vertreiben · (jemanden) seines Amtes entheben  ●  (jemanden) aus dem Amt jagen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausschalten · ↗beiseiteschaffen · ↗beseitigen · ↗eliminieren · ↗entfernen · ↗fortschaffen · unschädlich machen · ↗wegschaffen  ●  ↗entsorgen  verhüllend · (sich einer Sache) entledigen  geh. · aus dem Weg räumen  ugs. · aus dem Weg schaffen  ugs. · ↗loswerden  ugs.
Oberbegriffe
  • (jemandem) (den) Lebensfaden abschneiden · ↗auslöschen · ↗ermorden · ins Jenseits befördern · ↗killen · ↗meucheln · tot... · ↗umbringen · ums Leben bringen · zum Schweigen bringen · zur Strecke bringen  ●  (jemandem) das Lebenslicht auslöschen  fig., variabel · ↗töten (absichtlich)  Hauptform · (jemandem) den Garaus machen  ugs. · ↗abmurksen  ugs. · ↗abservieren  ugs., salopp · ↗ausknipsen  ugs., fig., salopp · ↗entleiben  geh. · in die ewigen Jagdgründe schicken  ugs. · ins Gras beißen lassen  ugs., fig. · ins Nirwana befördern  ugs. · ↗kaltmachen  ugs. · ↗totmachen  ugs. · um die Ecke bringen  ugs. · ↗umlegen  ugs. · vom Leben zum Tode befördern  geh. · über die Klinge springen lassen  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich einer Sache) entledigen · los sein wollen · ↗loswerden  ●  (sich etwas) vom Halse schaffen  fig. · aufräumen mit  fig. · über Bord werfen  fig.
Assoziationen
  • (einer Sache) ein Ende machen · (sich) abwenden von · (sich) verabschieden von · ablassen von · ad acta legen · ↗aufgeben · ↗beenden · ↗fallen lassen · ↗fallenlassen · hinter sich lassen · ↗sausen lassen · ↗stoppen · ↗vergessen  ●  (einen) Schlussstrich ziehen  fig. · Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.  sprichwörtlich · ↗beerdigen  fig. · (davon) Abschied nehmen  ugs. · an den Nagel hängen  ugs., fig. · den Rücken kehren  ugs., fig. · ↗einstampfen  ugs., fig. · sterben lassen  ugs., fig. · zu Grabe tragen  ugs., fig. · über Bord werfen  ugs., fig.
Synonymgruppe
(jemanden) abwimmeln · ↗(jemanden) loswerden · (sich jemanden) vom Halse schaffen · (sich jemandes) entledigen  ●  ↗(jemanden) entsorgen  derb
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abstiegssorge Abstiegssorgen Altlast Anstand Aufgabe Bravour Bürde Federstrich Fessel Fesseln Fracht Geschick Hypothek Hülle Jacke Klamotte Kleidung Krawatte Last Oberbekleidung Pflicht Pflichtaufgabe Sorgen Verpflichtung Weise elegant gänzlich kurzerhand man souverän

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entledigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Einige glaubten, man könne sich ihrer entledigen - andere wussten, dass wir sie annehmen müssen.
Die Welt, 05.02.2000
Es sei die Zeit gekommen, sich der Regierung zu entledigen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1997]
Ich rate jenen, sich davonzumachen, diesen, sich der Uniform zu entledigen und sich zu verbergen.
Toller, Ernst: Eine Jugend in Deutschland, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1985 [1933], S. 106
Du hast recht, Du hast mich wirklich neugierig gemacht und es ist gut, daß Du mich dieser Qual so schnell entledigt hast.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 18.05.1938, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Aber genausowenig haben die Frauen Probleme, sich ihrer bei Nichtgefallen wieder zu entledigen.
Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 171
Zitationshilfe
„entledigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entledigen>, abgerufen am 16.09.2019.

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