entmündigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungent-mün-di-gen
Wortbildung mit ›entmündigen‹ als Erstglied: ↗Entmündigung
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdn. unter Vormundschaft stellen, jmdm. ganz oder teilweise (gerichtlich) die Geschäftsfähigkeit entziehen
Beispiele:
der Kranke, Greis musste entmündigt werden
Man entmündigt mich, schreckt mich mit einer Woche Irrenhaus [BrodFrau180]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mund2 · mündig · entmündigen · Mündel · Vormund · Vormundschaft · bevormunden
Mund2 f. ‘Herrschafts- und Schutzgewalt über Personen und Sachen, Vormundschaft’, ahd. munt f. ‘Hand, Schutz’ (um 800), mhd. munt m. f. ‘Hand, Schutz, Bevormundung, Erlaubnis’, asächs. mund f. ‘Hand’, aengl. mund ‘Hand, Schutz, Vormund(schaft)’, anord. mund f. ‘Hand’ (germ. *mundō f.), anord. mundr m. ‘Brautgeschenk, Mitgift’ (germ. *munda- m.). Verwandt sind außergerm. lat. manus f. ‘Hand’ (wozu lat. mandāre ‘übergeben, anvertrauen, überlassen’), mir. montar, muinter ‘rechtmäßige Gattin’, griech. márē (μάρη) f. ‘Hand’, die als Reste eines alten r/n-Stammes ie. *mər (Genitiv *mənés) ‘schützend über jmdn. gehaltene Hand’ voraussetzen. Einer schwundstufigen Erweiterung ie. *mṇt- folgen die oben genannten germ. Formen. mündig Adj. ‘volljährig, erwachsen, zu Rechtshandlungen berechtigt’, mhd. mündec, (md.) mundic, eigentlich ‘fähig, sich selbst zu schützen und rechtlich zu vertreten’. entmündigen Vb. ‘für unmündig erklären, unter Vormundschaft stellen’ (19. Jh.). Vom Substantiv abgeleitet Mündel n. m. f. ‘minderjährige oder entmündigte Person’, die gesetzlich der Sorge eines Vormunds unterstellt ist, spätmhd. (md.) mundelin, frühnhd. mundelein (15. Jh.), mnd. mündel, afries. mondele. Im 16. Jh. gilt Mündlin, Mündlein und Mündel; letzteres wird im 18. Jh. geläufig. Älter, aber nur bis ins 18. Jh. bezeugt, ist Mündlin m. ‘wer unter der Gewalt eines anderen steht, Schützling’, mhd. mundelinc. Vgl. (in Urkunden des 10./11. Jhs.) mlat. jamundilingus, das wohl als ein latinisiertes ahd. *(gi)mundiling angesehen werden kann. Vormund m. ‘Vertreter eines Minderjährigen, eines Entmündigten’, ahd. foramunto ‘Rechtsbeistand, Rechtsvertreter’ (10. Jh.), mhd. vormunde, vormünde, vormunt, vürmunt, mnd. vȫrmünde, vȫrmunt, mnl. vōremonde, zusammengesetzt mit ↗vor (s. d.). Die Bedeutungsentwicklung geht aus von ‘(schützend über jmdn. gehaltene) Hand’ zu ‘wer Schutzpflicht und Rechtsvertretung gegenüber einzelnen oder mehreren ausübt’ sowie ‘Rechtsvertreter von Ehefrau, Kindern’, dann ‘Rechtsvertreter und Vermögensverwalter von Minderjährigen und Entmündigten’ (seit 15. Jh.). Im 18. Jh. auch Fürmund, dem damaligen Sprachempfinden folgend an ↗für (s. d.) angeschlossen. Vormundschaft f. ‘amtlich verfügte Wahrnehmung der gesetzlichen Vertretung eines Minderjährigen, Entmündigten’, ahd. foramuntscaf ‘Verteidigung, Rechtsvertretung’ (10. Jh.), mhd. vormuntschaft. bevormunden Vb. ‘nicht selbständig entscheiden lassen, gängeln’ (16. Jh.), für älteres mhd. vormunden ‘beschirmen, schützen, bevormunden, Vormund sein’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bevormunden · entmündigen · unter Betreuung stellen

Typische Verbindungen zu ›entmündigen‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entmündigen‹.

Verwendungsbeispiele für ›entmündigen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn wir das nicht mehr schaffen, entmündigen wir uns selbst.
Die Zeit, 19.03.2012, Nr. 12
Sie wollen sich nun einmal nicht entmündigen lassen, egal von wem.
Die Welt, 12.08.2004
Sie wurden in den Jahren 1949 - 1952 ideologisch entmündigt und politisch gleichgeschaltet.
Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch - O. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 8118
Die A. entmündigt also nicht, sondern ruft diejenigen, die unter ihr stehen, gerade zur Mündigkeit auf.
Thielicke, H.: Autorität. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 22967
Er sei einige Zeit auf Betreiben seiner Ehefrau, mit der er in Scheidung lag, vom Amtsgericht zu Köln für geisteskrank erklärt und entmündigt worden.
Friedländer, Hugo: Die Vorgänge in der Provinzial-Arbeitsanstalt zu Brauweiler vor Gericht. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 24652
Zitationshilfe
„entmündigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entm%C3%BCndigen>, abgerufen am 07.04.2020.

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