entmannen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungent-man-nen
GrundformMann
Wortbildung mit ›entmannen‹ als Erstglied: ↗Entmannung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
einem Mann die Zeugungskraft nehmen
Beispiel:
man hatte den jungen Sänger entmannt, um seine hohe Stimme zu erhalten
2.
übertragen jmdn., etw. schwächen
Beispiele:
der Gram, der Wurm, der schwärende Dorn, der zehrende Hunger im Innern entnervte und entmannte sie [Th. MannJoseph3,548]
ach, lassen wir uns von dem weichen Herzen nicht allzusehr entmannen [RaabeIII 1,263]
daß ein Ausnahmegesetz, wenn nicht die Sozialdemokratie vernichten, so doch die liberalen Parteien entmannen würde [MehringDt. Geschichte270]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mann · bemannen · entmannen · ermannen · übermannen · mannbar · mannhaft · männlich · Mannheit · Mannschaft · mannstoll · Mannweib · -mann · Blaumann · Flachmann · Henkelmann · Obermann
Mann m. ‘erwachsener Mensch männlichen Geschlechts, Ehemann’. Die germ. Formen ahd. (8. Jh.), mhd. man (Genitiv mannes) ‘Mensch (männlichen Geschlechts in gereiftem Alter), Krieger, Ehemann, Sohn, Diener’, asächs. mnd. mnl. nl. man, afries. mon, man ‘Mensch, Mann’, aengl. man(n), mo(n), engl. man, anord. mannr, maðr, schwed. man, got. manna sind vergleichbar mit aind. mánuḥ (mánu-, mánuṣ-) ‘Mensch, Mann, Menschheit’ und lat. (aus dem Germ.) Mannus Stammvater, Gott der Germanen (Tacitus) und führen großenteils auf ie. *manu- oder *monu- (nordgerm. oder westgerm. -nn- daher aus -nu̯-, während die got. Form möglicherweise einen alten n-Stamm germ. *mannan- voraussetzt). Demgegenüber weisen aslaw. mǫžь, russ. muž (муж) ‘Ehemann, Gatte’ auf ein ie. Gutturalsuffix in Verbindung mit -i̯a-. Man stellt die genannten Bildungen meist zur Wurzel ie. *men(ə)- ‘denken, geistig erregt sein’ (s. ↗mahnen) und nimmt eine Ausgangsbedeutung ‘denkendes Wesen’ an. Aber auch Anknüpfung an die Wurzel ie. *men- ‘hervorragen, emporragen’ (wozu lat. mōns ‘Berg’) wird erwogen, so daß Mann ‘Mensch’ als ‘das Aufragende, das aufrecht gehende Wesen’ zu erklären wäre. Die alte Bedeutung ‘Mensch’ ist erhalten in ↗jemand, ↗niemand und im Indefinitivpronomen ↗man (s. d.). Zur Bezeichnung von ‘Kriegern, Kampfgenossen, Dienern, Gefolge’ ist historisierend der sonst veraltete Plural Mannen noch geläufig. bemannen Vb. ‘mit einer Mannschaft besetzen’, spätmhd. bemannen ‘mit Mannschaft besetzen’, reflexiv ‘einen Mann nehmen’, entmannen Vb. ‘kastrieren’, mhd. entmannen ‘der Mannschaft berauben’, ermannen Vb. (in neuerer Zeit nur reflexiv) ‘sich aufraffen’, mhd. ermannen ‘Mut fassen’ und übermannen Vb. ‘überwältigen’ (16. Jh.) sind Präfixverben zu ungebräuchlich gewordenem mannen Vb., mhd. mannen ‘zum Mann werden, sich als Mann zeigen, zum Mann nehmen, den Lehnseid leisten’, transitiv ‘mit einem Mann versehen’. mannbar Adj. ‘heiratsfähig, geschlechtsreif’ (vornehmlich vom Mann), mhd. manbære ‘eines Mannes fähig, ehefähig, erwachsen’ von Mädchen, später (15. Jh.) von beiden Geschlechtern. mannhaft Adj. ‘wie ein Mann, tapfer, mutig’, mhd. manhaft ‘standhaft, tapfer’. männlich Adj. ‘wie ein Mann, zu einem Mann gehörend oder passend, tapfer, unerschrocken, das Geschlecht eines Mannes habend’, ahd. man(a)līh (9. Jh.), mhd. manlich; in der Grammatik männliches Geschlecht (15. Jh.), nach lat. genus masculīnum. Mannheit f. ‘Männlichkeit, Tapferkeit’, mhd. manheit, auch ‘mannhafte Tat, Mannesalter, Verhältnis eines Dienst- oder Lehnsmannes’. Mannschaft f. ‘Abteilung, Belegschaft, Gesamtheit der Soldaten niedriger Dienstgrade’, mhd. manschaft ‘Verhältnis eines Lehnsmannes zum Lehnsherrn, Lehnspflicht, -huldigung, Hörige, Gefolgsleute’. mannstoll Adj. ‘scharf auf Männer’, spätmhd. mannes tol. Mannweib n. ‘Zwitter’ (17. Jh.), Übersetzung von griech. andrógynos (ἀνδρόγυνος), seit dem 19. Jh. für ↗Amazone ‘männlich wirkende Frau’ (s. d.). In der Sprache der wandernden Handwerksburschen und der Gauner entwickelt sich Mann zum Kompositionssuffix -mann und bildet umschreibende Bezeichnungen für Gebrauchsgegenstände allgemeiner Art, vgl. Blaumann m. ‘dunkelblauer Arbeitsanzug’, Flachmann m. ‘kleine Schnapsflasche für die Jackentasche’, Henkelmann m. ‘Essenskrug’, Obermann m. ‘Hut’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abälardisieren · entmannen · ↗kastrieren · ↗sterilisieren

Typische Verbindungen
computergeneriert

töten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entmannen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Damit es außerdem auch prickelt, hat Donna Leon den Komponisten erst mal entmannt.
Die Zeit, 18.10.2012, Nr. 42
Wenn das einer Frau gelingt, wird er auf eine andere Art entmannt.
konkret, 1986
Kronos verschlingt seine Kinder, weil er befürchtet, von ihnen entmannt zu werden.
Hofmann, Werner: Das irdische Paradies, München: Prestel 1991 [1960], S. 144
Da traf ihn ein Granatsplitter in der Leistengegend und - ja, das ist das Problem - er entmannte ihn.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 96
Als jüngster der Titanen entmannte K. seinen Vater und wurde dadurch Weltherrscher (»Goldenes Zeitalter«).
o. A.: Lexikon der Kunst - K. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1992], S. 25319
Zitationshilfe
„entmannen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entmannen>, abgerufen am 23.01.2019.

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