entpuppen

GrammatikVerb · reflexiv
Aussprache
Worttrennungent-pup-pen
Grundformpuppen
Wortbildung mit ›entpuppen‹ als Erstglied: ↗Entpuppung
eWDG, 1967

Bedeutung

siehe auch Puppe (2)
1.
aus der Puppe schlüpfen
Gegenwort zu verpuppen
Beispiel:
ein Schmetterling, Käfer entpuppt sich
2.
umgangssprachlich, übertragen sich als jmd., etw. entpuppenüberraschend als jmd., etw. erkannt werden
Beispiele:
jmd. entpuppt sich als ein zeichnerisches, sportliches Talent, als ein begabter Musiker
der Lehrer entpuppte sich als ein gewiegter Journalist
der angebliche Freund entpuppte sich als ein Intrigant
der Reisegefährte entpuppte sich als ein Agent
die Goldtaler entpuppten sich nachträglich als Schokoladenplätzchen
die ganze Sache entpuppte sich schließlich als ein Betrug
spöttischin der Ehe entpuppte sie sich erst richtig
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Puppe · verpuppen · entpuppen · Puppenspiel · Puppenspieler
Puppe f. ‘Nachbildung einer menschlichen Gestalt als Spielzeug’, Entlehnung (15. Jh.) aus vlat. puppa, einer affektischen Weiterbildung von lat. pūpa ‘(Spiel)puppe, kleines Mädchen’; älteres heimisches Docke wird auf mundartlichen Gebrauch zurückgedrängt. Puppe bezeichnet zunächst das Spielzeug, später die ‘Figur des Puppen- und Kasperletheaters, Marionette’ (18. Jh.), dann die ‘Figur zum Ausstellen oder Anprobieren von Kleidung, Kleiderpuppe’ (2. Hälfte 19. Jh.). Ferner steht es (wie das lat. Vorbild) für ‘junges Mädchen’, oft in der Verkleinerungsform Püppchen (16. Jh.), neuerdings auch Puppchen, sowohl als Ausdruck der Zärtlichkeit oder Kleinheit als auch in abschätzigem Sinne ‘putzsüchtiges, auf Äußerlichkeiten Wert legendes Mädchen’, landschaftlich ‘Hure’. Die Zoologie übernimmt lat. pūpa, nhd. Puppe als Ausdruck für das in einer Hülle befindliche Insekt im letzten Entwicklungsstadium, in dem es sich von der Larve zur geschlechtsreifen Imago verwandelt (18. Jh.). An diese Bedeutung schließen sich die abgeleiteten Präfixverben verpuppen Vb. (reflexiv) ‘sich zur Puppe bilden’ (von der Larve) und entpuppen Vb. (reflexiv) ‘aus einer Puppe schlüpfen, zum Insekt werden’ an, letzteres oft übertragen im Sinne von ‘sein wahres Gesicht zeigen, sich anders zeigen, als man erwartet hat, sich überraschend als der herausstellen, der man in Wirklichkeit ist’ (beide 1. Hälfte 19. Jh.). Landschaftlich (besonders omd.) steht Puppe für ‘mehrere, zu einer kleinen Gruppe zum Trocknen aufrecht zusammengestellte Getreidegarben, Hocke’. Die Redensart bis in die Puppen ist berlin. Ursprungs und bedeutet ‘wer weiß wie weit, sehr weit’, dann auch zeitlich ‘wer weiß wie lange, übermäßig lange’; sie soll sich zunächst auf die am Großen Stern im Berliner Tiergarten aufgestellten Statuen (im Volksmund Puppen, entsprechend Puppenplatz für den Großen Stern) und den bis dorthin für die damaligen Bewohner der Stadt weiten Weg beziehen; doch fehlt für diese Erklärung der Beweis. Puppenspiel n. ‘alte volkstümliche Kunst der theatralischen Darstellung mit Hand-, Stabpuppen oder Marionetten’ (1. Hälfte 18. Jh.), früher ‘das Spielen mit Puppen’ (16. Jh.). Puppenspieler m. ‘wer Puppenspiele vorführt’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) erweisen (als) · ↗(sich) herauskristallisieren · (sich) herausstellen (als) · ↗(sich) offenbaren · ↗(sich) zeigen · deutlich werden (es) · ↗klar werden (es) · offenbar werden  ●  (sich) entpuppen  negativ · ↗sein  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Attrappe Betrachtung Bumerang Ente Farce Fatum Flop Fälschung Glücksfall Hinschauen Hinsehen Illusion Ladenhüter Luftnummer Milliardengrab Mogelpackung Reinfall Renner Rohrkrepierer Sackgasse Schnäppchen Seifenblase Strohfeuer Windei Wunschdenken als alsbald bald harmlos letztlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entpuppen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Fund entpuppte sich als wertlos, die Spur als falsch.
Bild, 04.07.2001
Aber bei näherem Hinsehen entpuppen sich die märkischen Morde als gut abgehangen.
Der Tagesspiegel, 17.04.1996
Der blonde Tenor entpuppte sich als Baron E. aus Wien.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
Ich vermute also, daß Sie überrascht waren, als er sich dann so entpuppte, ist das richtig?
o. A.: Einhundertzehnter Tag. Mittwoch, 17. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 6698
In Wirklichkeit entpuppte sich dies bei den hier zur Sprache kommenden Problemen als ein Vorteil.
Heuß, Alfred: Herrschaft und Freiheit im griechisch-römischen Altertum. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 25447
Zitationshilfe
„entpuppen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entpuppen>, abgerufen am 09.12.2019.

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