entrückt

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Worttrennungent-rückt
Grundformentrücken
Wortbildung mit ›entrückt‹ als Letztglied: ↗weltentrückt · ↗zeitentrückt
EtymWB (Minimalartikel), 2017

Bedeutung

entsprechend der Bedeutung von entrücken
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rücken · abrücken · anrücken · ausrücken · einrücken · entrücken · entrückt · verrücken · verrückt · vorrücken · berücken
rücken Vb. ‘sich vorwärts bewegen, zu einem bestimmten Ort aufbrechen, (weg)marschieren, (mit einem Ruck, ruckweise) an einen anderen Platz schieben, in eine andere Lage bringen, von der Stelle bewegen’, ahd. rucken (9. Jh.; vgl. irrucken ‘unterstützen, aufrichten’, 8. Jh.), mhd. rücken (obd. rucken) ‘sich fortbewegen, etw. schnell bewegen’, mnd. mnl. rucken, nl. rukken, anord. rykkja, schwed. rycka, dän. rykke. Herkunft nicht geklärt. Verwandt sind sicher mhd. nl. (holl.) rocken ‘rücken’, aengl. roccian, engl. to rock ‘wiegen, schaukeln’ (s. ↗Rock and Roll), anord. rugga ‘schütteln, schaukeln, wiegen’, schwed. (mundartlich) rugga ‘schaukeln’. Sieht man in den Formen geminierte schwundstufige Bildungen, kann ein Zusammenhang mit ↗Rahe und ↗regen (s. d.) angenommen werden. abrücken Vb. ‘wegrücken, -schieben, aufbrechen, sich entfernen, abmarschieren, sich distanzieren’, mhd. aberücken ‘wegziehen, entfernen’. anrücken Vb. ‘aneinanderschieben, sich nähern, anmarschieren’ (15. Jh.). ausrücken Vb. ‘aus-, hinausmarschieren, davonlaufen, ausreißen’, mhd. ūʒrücken ‘herausziehen’. einrücken Vb. ‘einsetzen, einmarschieren, den Militärdienst beginnen, dazu eingezogen werden’, mhd. īnrucken ‘hineinschieben’. entrücken Vb. ‘wegnehmen, entfernen, versetzen’ (an einen anderen Ort, in Ekstase, in eine andere Welt), mhd. entrücken; entrückt Part.adj. ‘abgelegen, fern, geistig abwesend, weltverloren’ (13. Jh.). verrücken Vb. ‘wegrücken, an einen anderen Platz schieben, verschieben’, ahd. firrucken (um 1000), mhd. verrücken, verrucken; verrückt Part.adj. ‘nicht bei Verstand, geistesgestört, irre, unsinnig’, eigentlich ‘an eine andere, eine falsche Stelle gebracht’ (16. Jh.), zumal in Fügungen wie verrückt im Kopf, im Hirn ‘töricht, närrisch’ (17. Jh.), aus denen sich rasch absoluter Gebrauch im oben genannten Sinne entwickelt. vorrücken Vb. ‘(weiter) nach vorn, vorwärts rücken, vorwärts marschieren, auf dem Vormarsch sein’, ahd. furirucken (um 1000), mhd. vorrücken ‘vorbeiziehen, -gehen’. berücken Vb. ‘bezaubern, entzücken, betören, verlocken’, ursprünglich ein Ausdruck des Vogel- und Fischfangs mit der Bedeutung ‘listig, täuschend fangen’, eigentlich ‘ein Netz über das Tier rücken, das man fangen will’, von Luther (1. Hälfte 16. Jh.) in die Literatursprache eingeführt. Im Frühnhd. und vor allem in der Barockzeit (17./18. Jh.) wird berücken oft bildlich mit dem Aspekt des Betrugs und der Liebeslist verwendet. Im 18. Jh. geht das Gefühl für die ursprüngliche Bedeutung verloren, und berücken steht gleichbed. neben bezaubern.

Thesaurus

Synonymgruppe
(in Gedanken) versunken · ↗abwesend · ↗gedankenverloren · ↗geistesabwesend · geistig abwesend · geistig weggetreten · in den Wolken · nicht alle (seine) fünf Sinne beisammen haben · nicht ganz bei sich · ↗selbstvergessen  ●  Absencen haben  geh. · entrückt  geh. · ↗erdenfern  geh. · in Gedanken  ugs. · nicht ganz da  ugs. · völlig daneben (sein)  ugs. · weit weg  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
entrückt · entschwebt · ↗okkult · ↗versponnen · ↗weltfremd
Assoziationen
Synonymgruppe
abgründig · entrückt · ↗geheimnisvoll · ↗unbegreiflich · ↗unerforschbar · ↗unerforschlich · ↗unergründlich · unerkundbar · ↗unzugänglich
Synonymgruppe
entrückt · in einer höheren Wirklichkeit  ●  jenseits aller Erdenschwere  geh. · ↗weltenfern  geh.
Assoziationen
  • abgeklärt (sein) · erhaben sein (über) · kann nichts (mehr) erschüttern · nicht (so) leicht zu beeindrucken · unter jemandes Würde (sein) · über den Dingen stehen  ●  Was juckt es die deutsche Eiche, wenn sich ein Wildschwein an ihr reibt.  Sprichwort, variabel · in sich ruhen  fig. · ↗cool (sein)  ugs. · drüber stehen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Erhabenheit Gesichtsausdruck Heiliger Idyll Imam Lächeln Miene Patriarch Sphäre Szenerie beinahe entzückt erhaben geheimnisvoll grinsen irgendwie lächelnd längst magisch merkwürdig mythisch rätselhaft schienen schwebend seltsam unnahbar unwirklich verzückt wirken wirkend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entrückt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dabei guckt er seltsam entrückt und leuchtet wie ein Kind.
Die Welt, 19.02.2005
Sie sperren sie ein, doch der Druck, den sie ausüben, scheint sich im Nichts zu verlieren, die Mädchen werden immer entrückter.
Süddeutsche Zeitung, 17.11.2000
Von Mal zu Mal fühlt man sich freier, geborgener, der Welt entrückt.
Riemkasten, Felix: Yoga für Sie, Gelnhausen: Schwab 1966 [1953], S. 208
Sie sind darum der Zeit entrückt, Welten in einem eigenen Raum.
Freyer, Hans: Soziologie als Wirklichkeitswissenschaft, Leipzig u. a.: B.G. Teubner 1930, S. 163
Dieses Bild und die »entrückte Dame«, über deren Bett es hing, waren eines!
Altenberg, Peter: Was der Tag mir zuträgt. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1901], S. 727
Zitationshilfe
„entrückt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entrückt>, abgerufen am 26.03.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
entrücken
Entrostung
Entroster
entrosten
Entropium
Entrücktheit
Entrückung
entrümpeln
Entrümpelung
Entrümplung