entrüsten

GrammatikVerb · entrüstete, hat entrüstet
Aussprache
Worttrennungent-rüs-ten
Grundformrüsten
Wortbildung mit ›entrüsten‹ als Erstglied: ↗Entrüstung  ·  mit ›entrüsten‹ als Grundform: ↗entrüstet
eWDG, 1967

Bedeutung

sich entrüstenin seinem sittlichen Bewusstsein beleidigt sein und deshalb zornigen Unwillen äußern
Beispiele:
sich über jmdn., jmds. Verhalten (moralisch, sittlich) entrüsten
ich bin entrüstet über diese Unverschämtheit, Gewissenlosigkeit, über so viel Ungerechtigkeit, Verlogenheit, Unwissenheit
er wies die unberechtigte Anschuldigung, Beschwerde entrüstet zurück
sich entrüstet abwenden, entrüstet antworten
gehoben etw. entrüstet jmdn.etw. beleidigt jmdn. in seinem sittlichen Bewusstsein und versetzt ihn dadurch in zornigen Unwillen
Beispiele:
dieses Verhalten hat mich sehr entrüstet
es hat mich (stark) entrüstet, wie man mit ihr verfahren ist
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rüsten · abrüsten · Abrüstung · aufrüsten · Aufrüstung · rüstig · Rüstung · Rüstzeug · entrüsten · entrüstet · Entrüstung
rüsten Vb. ‘vorbereiten, fertigmachen, herrichten, sich mit Waffen versehen, Waffen produzieren’, ahd. (h)rusten (8. Jh.), mhd. rüsten, rusten ‘bereit-, zurechtmachen, schmücken’, mnd. mnl. nl. rusten ‘(zu)rüsten’, aengl. (mit Metathese) hyrstan ‘ausrüsten, schmücken’ (westgerm. *hrustjan) ist abgeleitet von dem in ahd. (h)rust ‘Rüstung’ (8. Jh.), aengl. hyrst ‘Schmuck, Schatz, Ausrüstung, Behänge, Waffen’ bezeugten Substantiv, verwandt mit dem starken Verb aengl. hrēodan ‘schmücken, zieren’, anord. hrjōða ‘bedecken, bekleiden, schmücken, verzieren’ (germ. *hreudan ‘bedecken, schmücken’). Diese Formen können als Dentalerweiterungen an die Wurzel ie. *krā(u)-, *krəu-, *krū̌- ‘aufeinander, auf einen Haufen legen, zudecken, verbergen’ angeschlossen werden, die unerweitert vorliegt in air. crāu, crō ‘Stall, Hütte, Verschlag’, lit. kráuti ‘aufeinanderlegen, aufstapeln, aufhäufen, packen, laden’, krūvà ‘Haufen, Menge’, aslaw. kryti ‘(be)decken, verbergen, hüllen’, krovъ ‘Dach, Deckung, verborgener Ort, Hütte’, russ. kryt’ (крыть) ‘bedecken’, krov (кров) ‘Dach, Obdach’, als p-Erweiterung in griech. krýptein (κρύπτειν) ‘verbergen, verhüllen, verstecken’. Das germ. Verb bedeutet zunächst ‘schmücken, ausstatten, herrichten, zurechtmachen’; danach folgt ahd. gi(h)rusten ‘mit Waffen versehen’, mhd. rüsten, rusten ‘den Kampf vorbereiten’, frühnhd. (reflexiv) ‘sich zum Streit, zum Krieg fertigmachen’, schließlich ‘kriegerische Vorbereitungen treffen, Waffen produzieren’. abrüsten Vb. ‘die militärische Rüstung vermindern’ (Anfang 19. Jh., für älteres desarmieren, frz. désarmer). Älter ‘ein Gerüst wegnehmen’ (18. Jh.), ‘ein Schiff außer Dienst stellen, seine Ausrüstung abbauen’ (19. Jh.), zuerst ‘instand setzen, fertigmachen’ (Anfang 16. Jh.); Abrüstung f. (Anfang 19. Jh.). aufrüsten Vb. ‘die militärische Rüstung vermehren’ (19. Jh., Gegenwort zu abrüsten), älter ‘ein Gerüst aufstellen, errichten’ (18. Jh.); vgl. mhd. ūfrüsten ‘ausrüsten, veranstalten’, (reflexiv) ‘sich bereitmachen, schmücken’; Aufrüstung f. (19. Jh.); vgl. mhd. ūfrüstunge ‘Ausrüstung’. rüstig Adj. ‘(trotz Alter) noch fähig, Aufgaben zu erfüllen, kräftig, leistungsfähig, rege’, mhd. rüstec, rüstic, frühnhd. rüstig ‘gerüstet, geschmückt, schön gekleidet’, meist aber ‘frisch, kräftig, körperlich tüchtig (für Kampf, Anstrengung, Arbeit), kampf-, kriegsbereit’, mnd. rustich ‘gerüstet, (kampf)bereit’. Ahd. rustih, rustīg ‘ländlich, bäurisch, schlicht, plump, roh’ ist dagegen Entlehnung aus gleichbed. lat. rūsticus (s. ↗rustikal). Rüstung f. ‘das Rüsten, militärische Bewaffnung eines Landes, Kriegsgerät’, älter ‘Gerät, Werkzeug, Baugerüst, Schutz- und Trutzwaffen des einzelnen, Bewaffnung’ (16. Jh.), damit auch Bezeichnung für die ritterliche Schutzkleidung (mhd. panzer und dgl.); vgl. (ohne unmittelbare Fortsetzung) ahd. (h)rustunga ‘Einrichtung’ (um 1000). Rüstzeug n. ‘für eine bestimmte Aufgabe erforderliche Kenntnisse und Fertigkeiten’, seltener ‘Ausrüstungsgegenstände und Werkzeuge für einen bestimmten Zweck’ (16. Jh.). entrüsten Vb. ‘sehr unwillig, zornig machen, empören’, reflexiv ‘sich empören, unwillig werden’, mhd. entrüsten ‘die Rüstung ausziehen’, übertragen ‘aus einem geordneten Zustand, aus der Fassung bringen, kommen’, daraus frühnhd. ‘aufbringen, in Zorn versetzen, erzürnen’; entrüstet Part.adj. ‘erzürnt, empört’ (14. Jh.). Entrüstung f. (Anfang 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden) gegen sich aufbringen · ↗aufregen · die Freude verderben · ↗empören · entrüsten · ↗erzürnen · in Harnisch bringen · ↗verstimmen · wütend machen · ↗ärgern  ●  auf die Palme bringen  ugs., fig. · die Gemüter erhitzen  ugs. · zur Weißglut bringen  ugs., fig. · zur Weißglut treiben  ugs., fig.
Synonymgruppe
aufbringen · entrüsten · ↗erbittern · ↗erbosen · ↗erzürnen · ↗kränken · schmerzlich berühren · ↗verärgern  ●  ↗verdrießen  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgeordnete Dame Kritiker Leser Presse Professor damals darüber enttäuschen genug heftig lautstark moralisch verwundern zurück Öffentlichkeit

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entrüsten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Entrüste Dich nicht über die Bösen, sei nicht neidisch auf die Übeltäter.
Der Tagesspiegel, 23.06.2002
Da kann sich niemand mehr entrüsten, da kann man nur noch lachen.
Die Zeit, 20.01.2000, Nr. 4
Ich entrüstete mich in erster Linie über die Ärmlichkeit des Treppenhauses.
Walser, Robert: Jakob von Gunten, Zürich: Suhrkamp 1973 [1909], S. 8
Als er bezahlt hatte und draußen war, entrüstete er sich zunächst über den Schwindel.
Mann, Heinrich: Der Untertan, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1918], S. 1
Daß Herr Bonnet sich über Tschudi entrüstete, war gar nicht so leicht zu erraten.
Ginster [d.i. Siegfried Kracauer]: Gesellschaft 1920. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 202
Zitationshilfe
„entrüsten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entrüsten>, abgerufen am 19.04.2019.

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