entraten

GrammatikVerb · enträt, entriet, hat entraten (in Verbindung mit Modalverben + Genitiv)
Aussprache
Worttrennungent-ra-ten

Bedeutungsübersicht+

  1. [veraltend, gehoben, gespreizt, spöttisch] ⟨einer Sache, jmds. entraten können⟩ auf etw., jmdn. verzichten, ohne etw., jmdn. auskommen können
    1. [selten] ...
    2. [selten] ohne Modalverb
    3. ...
eWDG, 1967

Bedeutung

veraltend, gehoben, gespreizt, spöttisch einer Sache, jmds. entraten könnenauf etw., jmdn. verzichten, ohne etw., jmdn. auskommen können
Beispiele:
wir müssen leider seiner Mitarbeit entraten
sie war zu ihrer Mutter gezogen, deren hilfloses Alter ihrer Pflege nicht entraten konnte [DodererStrudlhofstiege211]
Ich glaube, die Welt kann unser [der Juden] nicht entraten. Wir sind notwendig für die Welt [Feuchtw.Tag120]
Liebes Fräulein, falls Sie der Blumensträuße und des Sektes nicht entraten mögen [H. MannUnrat1,496]
selten
Grammatik: mit Dativ
Beispiel:
Glück ist, wenn du erkennst ... daß du entraten mußt allem Verlangen nach Glück, um glücklich zu werden [WelkHoher Befehl509]
selten
Grammatik: mit Genitiv, ohne Modalverb
Beispiel:
Ihr eigentliches »Nachtlager des Heils«, das Asyl im Nachbarhäuschen, enträt der Reklame und jeder Beleuchtung [KischRasender Reporter65]
Grammatik: mit Dativ
Beispiel:
Wer verbot ihnen, den Frauen zu entraten [StrittmatterWundertäter491]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geraten · Geratewohl · entraten
geraten Vb. ‘gelingen, gedeihen, sich entwickeln’ und ‘(an einen Ort) gelangen, (in eine Situation, einen bestimmten Zustand) kommen’, ahd. girātan ‘beraten, beschließen’ (um 800), mhd. gerāten ‘raten, anordnen, gelingen, gedeihen, wohin gelangen, anfangen, entbehren’, asächs. girādan ‘verschaffen, ausführen, bewirken’, mnd. gerāden ‘zu etw. kommen, wohin geraten, anraten, gedeihen’, got. garēdan ‘Vorsorge treffen’. Die Präfixbildung, zunächst nur nachdrücklichere Variante des unter ↗raten (s. d.) behandelten Verbs, zeigt seit dem Mhd. und Mnd. die heutigen Verwendungsweisen, die sich vielleicht an die für mhd. gerāten vereinzelt bezeugte Bedeutung ‘treffen’ (vgl. mhd. rāten ‘erraten, das Richtige treffen’) anschließen lassen. Im Sinne von ‘entbehren’ (mhd. und frühnhd. geläufig, nach mhd. rāt ‘Entbehrung, Verzicht’, s. ↗Rat) tritt geraten im 17. Jh. literatursprachlich hinter (jetzt ebenfalls unüblichem) entraten zurück. Substantivierung einer imperativischen Wunschformel (vgl. mhd. wol gerāten ‘gut gedeihen’) ist Geratewohl n. (älter auch m.), nur noch lebendig in der Wendung aufs Geratewohl ‘auf gut Glück’ (16. Jh., daneben auf ein Geratewohl bis ins 18. Jh., auf Geratewohl bis ins 19. Jh.). entraten Vb. ‘entbehren, ohne etw. auskommen’, mhd. entrāten.

Verwendungsbeispiele für ›entraten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie lernen an der Macht der Dinge, der Macht endlich zu entraten.
Horkheimer, Max u. Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung, Amsterdam: Querido 1947 [1944], S. 50
Die Regierung hat eine Mehrheit und kann daher der Passion entraten.
Die Zeit, 26.02.1973, Nr. 09
Heute entrate die Elite dieses Gewerbes des Kantschen Imperativs, meint er.
Die Welt, 20.07.2004
Es fliegt zum Schluß nun nicht mehr alles in die Luft, weil eine gut erzählte Geschichte dieses apokalyptischen Tons durchaus entraten kann.
konkret, 1993
In der Welt, in der wir leben, kann kein Bereich des menschlichen Handelns neben der Erfahrung der tieferen Erkenntnis entraten.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1963]
Zitationshilfe
„entraten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entraten>, abgerufen am 07.04.2020.

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