entschädigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungent-schä-di-gen
Grundformschädigen
Wortbildung mit ›entschädigen‹ als Erstglied: ↗Entschädigung
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdm. für einen Schaden, der ihm unverschuldeterweise entstanden ist (und für den man sich verantwortlich fühlt), einen Ausgleich geben
Beispiele:
jmdn. für einen Verlust entschädigen
die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe werden von der Regierung entschädigt
die Eigentümer der durch das Erdbeben zerstörten Häuser werden mit Geld entschädigt
für das Haus, das wegen der Gleisbauarbeiten abgerissen werden musste, hat man den Besitzer (angemessen, mit einer beträchtlichen Summe) entschädigt
die letzten ruhigen Jahre entschädigten ihn für alles Leid, das er erfahren hatte
dieser Augenblick entschädigte ihn für alle Angst
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schaden · Schade · schade · schaden · schädigen · beschädigen · entschädigen · unbeschadet · schadhaft · schädlich · Schädling · Schadenersatz · Schadenfreude · schadenfroh · schadlos
Schaden Schade m. ‘negative, beeinträchtigende Einwirkung und das, was sie an Verlust, Zerstörung oder Nachteil zur Folge hat’, ahd. scado (8. Jh.), mhd. schade ‘Schädigung, Verlust, Nachteil, Verderben, Mühsal, Verwundung’, asächs. skaðo, mnd. schāde, mnl. scāde, nl. schade, afries. skatha, aengl. sceaþa, anord. skaði, schwed. skada, got. skaþis (germ. *skaþa(n), *skaþi-) sind Abstrakta zu einem in aengl. scieþþan und got. skaþjan ‘schaden’ (germ. *skaþjan) belegten starken Verb. Als Nomina agentis gehören dazu ahd. scado und scadāri ‘Schädiger, Räuber, Spießgeselle’ (8. Jh.), mhd. schade, asächs. skaðo, aengl. sceaþa. Falls man außergerm. griech. askēthḗs (ἀσκηθής) ‘unversehrt, wohlbehalten’, eine Bildung mit verneinendem a- (ἀ- privativum), und mir. scīth ‘müde’ vergleichen kann, so ist Rückführung auf eine Wurzel ie. *skēth-, *skəth- ‘beschädigen’ möglich. Die Endung -n der heute vorherrschenden Form Schaden entstammt den obliquen Kasus des schwach flektierten Substantivs. Die Wendung schade sein ‘bedauerlich sein’ (16. Jh.) entwickelt sich aus der prädikativen Stellung des Substantivs, vgl. mhd. schade sīn ‘schädlich sein’. Daraus (elliptisch) schade Adj. und Interjektion ‘bedauerlich, betrüblich’ (18. Jh.). Ferner zu schade für etw. ‘zu wertvoll für etw., so daß durch diese Verwendung ein Schaden entstünde’. schaden Vb. ‘Schaden anrichten, verursachen, verletzen’, ahd. scadōn (8. Jh.), mhd. schaden, asächs. skaðon, mnd. schāden, mnl. scāden, nl. schaden, anord. skaða, schwed. skada, von den oben genannten Abstrakta abgeleitet, dagegen aengl. sceaþian vom Nomen agentis sceaþa (s. oben); vgl. Wissmann Nomina postverbalia 1 (1932) 73 f. schädigen Vb. ‘Schaden zufügen’, mhd. schad(e)gen, sched(e)gen; vgl. mhd. schadec, schedec ‘schädlich’. beschädigen Vb. ‘schadhaft machen, an etw. Schaden verursachen’, mhd. beschedigen. entschädigen Vb. ‘entstandenen Schaden wiedergutmachen, Ersatz zahlen’, spätmhd. entschadegen. unbeschadet Part.adj. ‘unversehrt’, verneintes Part. Prät. zum Simplex beschaden ‘beschädigen’, mhd. beschaden, seit dem 17. Jh. als Präp. ‘ohne zu schmälern’ geläufig. schadhaft Adj. ‘beschädigt, ramponiert’, ahd. scadohaft ‘schädlich’ (9. Jh.), mhd. schadehaft ‘Schaden, Verlust bringend, schädlich, geschädigt, beschädigt’. schädlich Adj. ‘Schaden, Verlust, Nachteil bringend’, mhd. schedelich; vgl. ahd. unscadolīh ‘unschuldig, schuldlos’ (11. Jh.). Schädling m. ‘wer Schaden verursacht’ (19. Jh.), anfangs nur von schädlichen Tieren (zumal Insekten), bald auch von Pflanzen; die Übertragung auf Menschen ‘zerstörungssüchtige Person’ erfolgt Anfang 20. Jh. Schadenersatz m. ‘Wiedergutmachung für zugefügten Schaden’ (Ende 18. Jh.), aus einen Schaden ersetzen. Schadenfreude f. ‘Freude über den Schaden, der anderen entsteht’ (16. Jh.). schadenfroh Adj. (16. Jh.). schadlos Adj. ‘ohne Schaden’, mhd. schadelōs ‘ohne Schaden, unschädlich, nicht nachteilig’; nur noch in der Fügung sich schadlos halten ‘seinen Nachteil, Schaden (auf Kosten anderer) ersetzen’ (18. Jh.), älter jmdn. schadlos halten ‘vor Schaden bewahren’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
entschädigen · ↗erstatten
Synonymgruppe
abfinden · entschädigen
Synonymgruppe
(Lohn) ausbezahlen · ↗(Lohn) auszahlen · ↗abgelten · ↗besolden · ↗bezahlen · ↗entgelten · ↗entlohnen · entschädigen · ↗löhnen · ↗vergelten · ↗vergüten  ●  ↗entlöhnen  schweiz.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alteigentum Bauer Besitzer Betroffene Entbehrung Enteigneter Enteignung Hinterbliebene Holocaust-Opfer Landwirt Mühe NS-Opfer NS-Zwangsarbeiter Nazi-Opfer Opfer Sklavenarbeiter Strapaze Unannehmlichkeit Unbill Verdienstausfall Verspätung Vertriebene Zwangsarbeit Zwangsarbeiter angemessen dafür enteignen großzügig rehabilitieren reichlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entschädigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Längst haben sich französische Versicherungen daran gewöhnt, die Besitzer brennender Autos zu entschädigen.
Die Welt, 26.11.2005
Nichts kann mehr dafür entschädigen, wie er behandelt worden ist.
Süddeutsche Zeitung, 03.05.1999
Dafür konnte der gewinnende Reiz eines Mannes, der eine vergangene Zeit wundervoll repräsentierte, nicht entschädigen.
Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 7614
Und nun entschädigen wir uns für die lange magere Zeit.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1926. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1926], S. 6
Und mußten sie ihn nicht mit den höchsten Ehren für die ausgestandene Qual entschädigen?
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 5212
Zitationshilfe
„entschädigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entschädigen>, abgerufen am 20.05.2019.

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