Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

entscheiden

Grammatik Verb · entscheidet, entschied, hat entschieden
Aussprache 
Worttrennung ent-schei-den
Grundformscheiden
Wortbildung  mit ›entscheiden‹ als Erstglied: Entscheider · Entscheidung · entscheidbar · entscheidend
 ·  mit ›entscheiden‹ als Letztglied: mitentscheiden · umentscheiden · vorentscheiden
 ·  mit ›entscheiden‹ als Binnenglied: spielentscheidend · wahlentscheidend  ·  mit ›entscheiden‹ als Grundform: Entscheid · entschieden
eWDG

Bedeutung

einen Streitfall, Zweifelsfall endgültig nach einer Richtung hin lösen
a)
über etw. ein ausschlaggebendes, bestimmendes Urteil abgeben
Beispiele:
den Streit zugunsten einer Partei entscheiden
etw. von Fall zu Fall entscheiden
er sollte entscheiden, wer recht hat
hat er es aus Zorn oder Liebe getan, ich wage es nicht zu entscheiden
es war noch nicht zu entscheiden, ob er das Ziel als erster erreichen würde
es wird heute entschieden, ob der Antrag genehmigt wird
gehobenohne Ansehen der Person entscheiden
das Gericht hat entschieden (= verfügt, bestimmt), dass der Angeklagte freigesprochen wird
es ist noch nichts entschieden
nicht eher weggehen, als bis alles entschieden ist
Wer wird den Fall entscheiden, wem wird das Kind zuerteilt? [ BrechtKaukas. Kreidekreis4]
etw. entscheidetetw. gibt den Ausschlag für jmdn., etw., bestimmt in einer Richtung
Beispiele:
das Los entscheidet
das Schicksal, Glück hat gegen ihn entschieden
diese Schlacht entschied den Ausgang des Krieges
dieser Augenblick entschied über das ganze Leben
das Tor kurz vor der Halbzeit entschied das Spiel (= gab dem Spiel die endgültige Wende)
entscheidendausschlaggebend, von richtungweisender Bedeutung
Grammatik: oft im Partizip I
Beispiele:
eine entscheidende Aussprache führen
eine entscheidende Sitzung
in dieser entscheidenden Stunde, Frage konnte ihm niemand helfen
das ist von entscheidender Bedeutung
er hatte nichts Entscheidendes mehr zu sagen
das ist von entscheidendem Wert
jmdm., einer Sache einen entscheidenden Schlag versetzen
er hat ihr auf diese Unverschämtheit eine entschiedene Antwort gegeben
b)
sich entscheideneine von mehreren Möglichkeiten, Personen, einen von mehreren Gegenständen, Begriffen wählen, sich entschließen
Beispiele:
sich frei, klar entscheiden (können)
er entschied sich für ein neues Leben
jetzt musste er sich entscheiden, ob er, welches Fach er studieren wollte
ich habe mich für dieses Bild, diesen Stoff entschieden
man entschied sich für diesen Kandidaten
er musste sich zwischen diesen beiden Frauen entscheiden
muss man sich entscheiden?
ich kann mich nicht recht, nur schwer entscheiden
du hast die Freiheit, dich so oder so zu entscheiden
wozu, wofür hast du dich entschieden?
etw. entscheidet siches tritt eine von mehreren Möglichkeiten ein
Beispiele:
morgen wird es sich entscheiden, ob ich verreisen werde oder nicht
die Schlacht entschied sich (= hatte ihren Wendepunkt) am fünften Tag
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheiden · Scheidung · entscheiden · entschieden · Entscheid · Entscheidung · unterscheiden · Unterschied · Scheidekunst · verscheiden
scheiden Vb. ‘trennen, weggehen’. Das ehemals reduplizierende Verb ahd. skeidan (8. Jh.), mhd. scheiden ‘teilen, trennen, entscheiden, beilegen, beenden, auslegen’, asächs. skēdan, skēðan, mnd. schēden, mnl. sceiden, scēden, nl. scheiden, afries. skētha, aengl. sc(e)ādan, engl. to shed, got. skaidan (germ. *skaidan) führt mit Scheit, Scheitel, Schädel (s. d.) sowie mit (ablautend) lat. scūtum, air. scīath, aslaw. štitъ, russ. ščit (щит) ‘Schild’ auf ie. *skē̌it-, das sich wie *skē̌id-, wozu scheißen (s. d.) und aind. chinátti ‘schneidet ab, spaltet, durchlöchert’, lat. scindere, griech. schízein (σχίζειν) ‘schlitzen, spalten, zerreißen, trennen’, lit. skíesti ‘verdünnen, trennen, scheiden’, als Dentalerweiterung zur Wurzel ie. *skē̌i- ‘schneiden, trennen, scheiden’ stellt; dazu s. auch Schiene, schier1 ‘beinahe’ sowie (mit Labial gebildetes) Schiff, Schicht. Ie. *skē̌i- kann als eine Erweiterung der Wurzel ie. *sē̌k- ‘schneiden’ (s. Säge, Segel und Messer) angesehen werden. Nebenformen bzw. Sekundärbildungen zum oben genannten Verb wie ahd. skeidōn (Hs. 12. Jh.), mhd. scheiden ‘trennen, teilen, spalten, entfernen’ sowie mhd. (stark) schīden ‘auseinandergehen, scheiden, deuten, auslegen, entscheiden’ (wovon gescheit, s. d.) und schwundstufiges (schwach) ahd. skidōn (um 1000), mhd. schiden ‘(unter)scheiden, einteilen, trennen, sondern’ sind im Nhd. aufgegeben (doch s. Schiedsrichter). Scheidung f. ‘Trennung, Auflösung einer Ehe’, ahd. skeidunga ‘Meinungsverschiedenheit’ (9. Jh.), ‘Ehebruch, Ehescheidung’ (10. Jh.), mhd. scheidunge, auch ‘Entfernung, das Weggehen, Abschied, Tod, Entscheidung, Schlichtung’. entscheiden Vb. ‘einen Entschluß fassen, bestimmen, den Ausschlag geben’, mhd. entscheiden ‘unterscheiden, richterlich entscheiden, bescheiden’; entschieden Part.adj. ‘fest, bestimmt, abgemacht, entschlußfest’ (18. Jh.); Entscheid m. ‘Beschluß, Urteil’, frühnhd. entscheit ‘Entscheidung, Bescheid’ (15. Jh.); Entscheidung f. ‘Urteil, Schiedsspruch, Entschluß’ (16. Jh.). unterscheiden Vb. ‘auf Grund abweichender Merkmale auseinanderhalten’, ahd. untarskeidan (8. Jh.), untarskeitōn (um 800), untarskeidōn (10. Jh.) ‘trennen, teilen’, mhd. underscheiden, auch ‘erklären, Bescheid geben, anweisen’. Unterschied m. ‘Verschiedenheit, Andersartigkeit, trennendes Merkmal’, mhd. underschiet; vgl. ahd. untarskeit (8. Jh.), untarskeid (9. Jh.), mhd. underscheit. Scheidekunst f. praktisch angewandte Chemie, die Substanzen in einzelne Bestandteile zerlegt, trennt (17. Jh.). verscheiden Vb. ‘sterben’, frühnhd. auch ‘scheiden, weggehen, vergehen’, ahd. firskeidan ‘sterben’ (Hs. 12. Jh.), mhd. verscheiden ‘fort-, weggehen, verschwinden, sterben’, transitiv ‘einrichten, anordnen, entscheiden, beilegen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(eine) Entscheidung fällen · (eine) Entscheidung treffen · (eine) Wahl treffen · (einen) Beschluss treffen (auf e. Versammlung) · (einen) Entschluss fassen · (sich) durchringen (zu) · (sich) entschließen (zu)  ●  (sich) entscheiden (zu / für)  Hauptform
Assoziationen
  • (eine) klare Haltung einnehmen · (sich) bekennen (zu) · (sich) erklären · (sich) outen · (sich) zu erkennen geben · Farbe bekennen · nicht verleugnen · stehen zu
Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
bestimmen (können) · das Sagen haben · entscheiden (können)  ●  das letzte Wort haben  ugs., auch figurativ
Assoziationen
Synonymgruppe
(anschließend) entscheiden · (danach) schauen was zu tun ist · (später) weitersehen
Synonymgruppe
(sich) entscheiden (müssen) · (sich) fragen, wie es weitergehen (soll) · am Scheideweg (stehen)
Synonymgruppe
(einer Sache) die Zustimmung verweigern · (etwas) ablehnen · (sich) entscheiden (gegen) · mit Nein stimmen · seine Stimme abgeben (gegen) · votieren (gegen)  ●  stimmen (gegen)  Hauptform · dagegen sein  ugs. · gegen etwas sein  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(einer Sache) zustimmen · (sich) entscheiden (für) · mit Ja stimmen · seine Stimme abgeben (für)  ●  stimmen (für)  Hauptform · dafür sein  ugs. · für etwas sein  ugs. · votieren (für)  geh.
Synonymgruppe
(per Abstimmung) entscheiden (über) · abstimmen (über)
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›entscheiden‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entscheiden‹.

Verwendungsbeispiele für ›entscheiden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir müssen uns jeden Tag entscheiden – auch in dieser Stunde der Lektüre. [Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 163]
Überhaupt entscheiden moderne Technologien heute mehr denn je über eine hohe Ökonomie der Zeit. [Was + Wie, 1983, Nr. 8]
In zwei Fällen hat er sich eindeutig für bestimmte Dinge an sich entschieden. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 2: Neuzeit und Gegenwart. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1952], S. 1692]
Beim heutigen Stande unserer Kenntnisse läßt sich darüber nichts entscheiden. [Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: Francke 1993 [1948], S. 285]
Danach muß man sich selbst entscheiden, wie man sich verhalten will. [Der Spiegel, 25.11.1996]
Zitationshilfe
„entscheiden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entscheiden>.

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