Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

entschuldigen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ent-schul-di-gen
Wortbildung  formal verwandt mit: unentschuldigt
eWDG

Bedeutungen

1.
für sich, jmdn., etw. um Verzeihung, Nachsicht und Verständnis bitten
a)
sich entschuldigen
Beispiele:
ich möchte mich (bei Ihnen) für das, was ich sagte, womit ich Sie beleidigt habe, entschuldigen
ich möchte mich wegen meines Benehmens von vorhin, für mein Versehen entschuldigen
du musst dich unbedingt bei ihm entschuldigen
ich möchte mich für mein Zuspätkommen entschuldigen, aber mir ging es heute Morgen nicht gut
umgangssprachlichfür die Zusammenkunft am nächsten Sonnabend möchte ich mich entschuldigen (= meinen Besuch absagen)
b)
bei jmdm. erklärende, verständnisvolle Worte für jmds. Handeln vorbringen
Beispiele:
jmdn. entschuldigen, dass er nicht (pünktlich) erscheinen kann
ich möchte meine Tochter entschuldigen, dass sie die Schule versäumen musste
er fehlte bei der Versammlung, in der Schule entschuldigt
jmdn. bei jmdm. wegen seines Verhaltens, seines seltsamen, ungehörigen Benehmens entschuldigen
er hatte für ihn entschuldigende Worte bereit
das entschuldigt (= rechtfertigt) ihn, seine Handlungsweise nicht
2.
für etw. Nachsicht und Verständnis zeigen, etw. verzeihen
Beispiele:
ich bitte, den Vorfall, Irrtum, Fehler zu entschuldigen
dieses Benehmen, was du zu mir gesagt hast, kann ich nicht gleich entschuldigen
bitte entschuldigen Sie die Störung, Frage, Verspätung (= Höflichkeitsformel)
entschuldigen Sie bitte, können Sie mir sagen, wie ich am besten (von hier) zum Stadttheater komme? (= Höflichkeitsformel)
ich bitte, mich einen Augenblick zu entschuldigen (= ich bitte, mein Weggehen einen Augenblick zu entschuldigen) (= Höflichkeitsformel)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schuld · schuld · schulden · schuldig · schuldigen1 · Schuldiger1 · schuldigen2 · Schuldiger2 · beschuldigen · anschuldigen · entschuldigen · Schuldner · Unschuld · unschuldig
Schuld f. ‘Zahlungsverpflichtung, Vergehen, Unrecht, Ursache (von etw. Bösem), Verantwortung (für etw.)’, ahd. sculd ‘(Zahlungs)verpflichtung, Vergehen, Missetat, Buße, Verdienst, Ursache’ (8. Jh.), mhd. schulde, schult, scholt, asächs. skuld, mnd. schult, mnl. scult, nl. schuld, aengl. scyld, anord. schwed. skuld (germ. *skuldi-) ist ein mit ti-Suffix zu dem unter sollen (s. d.) behandelten Präteritopräsens gebildetes Abstraktum. Verwandt sind lit. skolà und kaltė͂ ‘Schuld’, apreuß. skallīsnan (Akkusativ Sing. Fem.) ‘Pflicht’. Schuld bezeichnet zunächst eine ‘Verpflichtung oder Leistung’, die einem obliegt, dann speziell die ‘Verpflichtung zu einer Geldzahlung, die aus einem Darlehen erwächst’ und steht sowohl für ‘entliehenes, zurückzuzahlendes Geld’ als auch (vom Gläubiger her gesehen) für ‘verliehenes Geld, Guthaben’. Bereits im Ahd. nimmt Schuld (unter kirchlichem Einfluß) über ‘Verpflichtung zur Buße’ die Bedeutung ‘Missetat, Vergehen, begangenes Unrecht’ an. Daraus entwickelt sich in rechtssprachlicher Verwendung ‘Anklage, Anschuldigung, zur Last gelegtes Verbrechen, Beschuldigung’ (vgl. mhd. schult geben), ‘Ursache, Grund’ (für die Konsequenzen und Folgen eines Vergehens, vgl. mhd. einer sache schulde hān, nhd. Schuld haben an etw., mhd. einem schulde geben, nhd. die Schuld geben). Aus Wendungen wie er hat (die) Schuld entwickelt sich (etwa im 16. Jh.) prädikatives schuld Adj. Adv. ‘schuldig’. schulden Vb. ‘jmdm. zu einer Leistung, besonders zur Rückzahlung eines Geldbetrags, verpflichtet sein, jmdm. etw. verdanken’, ahd. sculdōn ‘verschulden, verdienen’ (10. Jh., gisculdōn, 9. Jh.), sculden ‘verschulden, verdienen, schuldig sprechen’ (9. Jh.), mhd. schulden ‘schuldig sein, bleiben, sich schuldig machen, verpflichtet sein, beschuldigen, anklagen’. schuldig Adj. ‘verpflichtet (etw. zu leisten oder zu zahlen), Urheber, Ursache, Anlaß für etw. darstellend’, ahd. sculdīg ‘schuldend, verpflichtend, verpflichtet, zugehörig, geeignet’ (8. Jh.), mhd. schuldic, schuldec. schuldigen1 Vb. ‘anklagen, bezichtigen’, ahd. sculdigōn (um 1000), mhd. schuldigen. Davon abgeleitet Schuldiger1 m. ‘Beschuldigender, Ankläger, Gläubiger’, mhd. schuldigære, schuldiger. Daneben (selten) schuldigen2 Vb. ‘Schuld tragen, schuldig sein’, ahd. sculdigen (10. Jh.). Davon abgeleitet Schuldiger2 m. ‘wer Schuld auf sich geladen hat, Straffälliger, Missetäter, Beklagter’, ahd. sculdiger (11. Jh.), mhd. schuldigære, schuldiger. Biblisch: … wie auch wir vergeben unsern Schuldigern Vaterunser (Matth. 6, 12), mhd. … als wir tuon unsern schuldigæren, in der Übersetzung von lat. dēbitōribus nostris (Vulgata), griech. opheilétais ḗmōn (ὀφειλέταις ἡμῶν). beschuldigen Vb. ‘die Schuld geben, anklagen, bezichtigen’, mhd. beschuldigen ‘anklagen’; vgl. ahd. sculdī̌gōn ‘beschuldigen’ (um 1000). anschuldigen Vb. ‘die Schuld geben, bezichtigen’, mhd. aneschuldigen. entschuldigen Vb. ‘verzeihen, erklären und damit um Verständnis bitten’, mhd. entschuldigen ‘von der Schuld befreien, lossagen, freisprechen’. Schuldner m. ‘wer einem Gläubiger Geld zurückzahlen muß’, frühnhd. schuldener ‘Schuldner’ und ‘Gläubiger’ (15. Jh.). Unschuld f. ‘Schuldlosigkeit, moralische Reinheit’, ahd. unsculd (8. Jh.), mhd. unschult, -schulde. unschuldig Adj. ‘schuldlos, moralisch untadelig’, ahd. unsculdīg (8. Jh.), mhd. unschuldic, -schuldec ‘frei von Schuld, schuldlos, unverschuldet, nicht gebührend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
amnestieren · begnadigen · entschuldigen · nachsehen · vergeben · verzeihen  ●  exkulpieren  fachspr.
Synonymgruppe
(etwas) entschuldigen · (etwas) gegen Vorwürfe verteidigen · (etwas) rechtfertigen  ●  (etwas) als berechtigt darlegen  geh. · (etwas) durch Belege erhärten  geh. · Begründungen liefern  ugs.
Synonymgruppe
(sich) entschuldigen · um Entschuldigung bitten · um Vergebung bitten · um Verzeihung bitten  ●  Abbitte leisten  geh. · in den Beichtstuhl gehen  geh., fig. · sagen, dass es einem leid tut  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemanden) entschuldigen  ●  (jemanden) diskulpieren  veraltet
Synonymgruppe
(jemandem etwas) nachsehen · (jemandem etwas) vergeben · (jemandem etwas) verzeihen · (sich) nachsichtig zeigen · Verständnis aufbringen (für) · Verständnis haben (für)  ●  (etwas) entschuldigen  Hauptform · Nachsicht üben  geh.
Assoziationen
  • (etwas) nicht ahnden · (etwas) nicht bestrafen · (jemandem etwas) durchgehen lassen · (jemandem) etwas nachsehen · (jemandem) nicht böse sein (können) · (sich) nachsichtig zeigen · Gnade walten lassen · Milde walten lassen · Nachsicht üben · auf (eine) Bestrafung verzichten · auf (eine) Strafe verzichten · barmherzig sein · gnädig sein · nicht zu streng sein · von einer Bestrafung absehen  ●  Gnade vor Recht ergehen lassen  floskelhaft · beide Augen zudrücken  fig. · dann woll'n wir mal nicht so sein  ugs., Spruch · etwas mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken  ugs., sprichwörtlich
  • nicht zu entschuldigen · unentschuldbar · unverzeihlich
  • dulden · tolerieren · zulassen · über etwas hinwegschauen · über etwas hinwegsehen  ●  (ich will dann) mal nicht so sein  ugs. · ein Auge zudrücken  ugs., fig. · fünf(e) gerade sein lassen  ugs., sprichwörtlich
Synonymgruppe
(sich) berufen (auf) · (sich) entschuldigen (mit) · (sich) herauszureden versuchen (mit) · als Entschuldigung vorbringen · als Entschuldigung vortragen · zur Entschuldigung anführen · zur Entschuldigung vorbringen
Assoziationen
  • (sich) berufen auf · anführen · geltend machen · nennen · verweisen auf · vorbringen · zitieren  ●  ins Feld führen (Argument)  fig., militärisch, Hauptform
  • (die) Verantwortung ablehnen · (jede) Verantwortung von sich weisen · (sich seiner) Verantwortung entziehen (wollen) · Ausflüchte machen · Ausreden finden  ●  (seine) Hände in Unschuld waschen  fig., biblisch · (sich) herausreden wollen  Hauptform
  • (sich) hin und her wenden · Ausflüchte machen · ausflüchten · nach Ausreden suchen · nicht zugeben wollen  ●  (sich) winden wie ein Aal  ugs., fig. · Winkelzüge machen  ugs. · drumherum reden  ugs. · fickfacken  ugs., veraltet · um den heißen Brei reden  ugs., fig. · versuchen, sich herauszulavieren  ugs.
Synonymgruppe
(sich) entschuldigen · (sich) entschuldigen lassen · absagen  ●  Bescheid sagen, dass man nicht kommt  ugs.

Typische Verbindungen zu ›entschuldigen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entschuldigen‹.

Verwendungsbeispiele für ›entschuldigen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für viele dieser Äußerungen möchte ich mich bei Dir entschuldigen. [Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried: Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1993], S. 9]
Bevor man sich zurückzieht, entschuldigt man sich bei seiner Begleitung. [Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972 [1968], S. 67]
Noch häufiger entschuldigt sich Bonn, indem es auf sechzehn andere Übeltäter verweist – die deutschen Länder. [Die Zeit, 31.01.1997, Nr. 6]
Aber das erläutert nur, es entschuldigt nicht für sich schon. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1996]]
Manchmal entschuldigte er sich beim nächsten Treffen für sein Benehmen vom letzten Mal, manchmal nicht. [Arjouni, Jakob: Chez Max, Zürich: Diogenes 2006, S. 46]
Zitationshilfe
„entschuldigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entschuldigen>.

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