entseelt

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungent-seelt
formal verwandt mitSeele
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben tot
Beispiele:
ein entseelter Körper
was wir hier vor uns sahen, war nur noch seine entseelte Hülle [Storm3,196]
und dort fand man auch den Entseelten [Th. MannBuddenbrooks1,417]
übertragen ohne Leben
Beispiel:
Überhaupt fiel Robert die nüchterne Sauberkeit in den Straßen wie in den entseelten Häusern auf [KasackStadt41]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Seele · seelisch · beseelen · entseelt · seelenverwandt · Seelsorge · Seelsorger
Seele f. ‘Gesamtbereich der menschlichen Empfindungen und des Erlebnisvermögens’, in religiösem Sinne ‘der für unsterblich gehaltene spirituelle Teil des Menschen’, ahd. sēla (8. Jh.), mhd. sēle, asächs. sēola, siola, sēla, mnd. sēle, mnl. siele, nl. ziel, afries. sēle, aengl. sāwol, sāw(e)l, engl. soul, got. saiwala (die nordgerm. Ausdrücke beruhen auf Entlehnung aus dem Aengl.). Herkunft unbekannt. Man vermutet in germ. *saiw(a)lō eine l-Ableitung von dem unter ↗See (s. d.) behandelten Substantiv (‘die vom See Herstammende, zum See Gehörende’), da nach altem Glauben der Germanen die Seelen der Menschen vor der Geburt und nach dem Tod im Wasser leben sollen. Fraglich bleibt jedoch, ob dieser Glaube allgemein verbreitet war; daher wird auch die Meinung vertreten, Seele als bisher unerklärtes Tabuwort anzusehen. Häufig sind formelhafte Fügungen und Wendungen; vgl. Leib und Seele für die ‘körperliche und geistige Seite’ des Menschen, mhd. līp unde sēle, ahd. līhhamo joh sēla (9. Jh.); mit, an Leib und Seele ‘völlig, ganz und gar’ (16. Jh.). Auf der christlichen Vorstellung des göttlichen Ursprungs der unsterblichen Seele beruhen Beteuerungsformeln wie bei meiner Seele, vgl. mhd. bī sēl und triuwe swern. Die Seele wird als der innere, der empfindende Teil des Menschen angesehen, vgl. jmdm. auf der Seele liegen ‘ihn belasten, bedrücken’, auf der Seele haben (18. Jh.), auf die Seele fallen, auf der Seele brennen (19. Jh.); etw. (eine Last) von der Seele wälzen (18. Jh.); jmdm. aus der Seele sprechen ‘die Überzeugung, die Empfindungen eines anderen ausdrücken’ (19. Jh.). Die Fügung schöne Seele, seit den Mystikern des 14. Jhs. (mhd. diu sēle schœne) bis ins 17. Jh. dem religiösen Bereich angehörend, wird unter dem Einfluß Wielands (1750), der „Nouvelle Héloïse“ Rousseaus (frz. belle âme) und der engl. Romanliteratur im Sinne von ‘empfindsames, tugendhaftes Gemüt’ Ausdruck einer Harmonie von innerer Haltung und äußerer Erscheinung. Häufig mit charakterisierendem Attribut für ‘Mensch’ schlechthin, vgl. eine gute Seele ‘ein guter Mensch’, fromme, ehrliche, arme, schwarze Seele (sämtlich 18. Jh.); auch keine Seele ‘niemand’ (17. Jh.), 200 Seelen (18. Jh.); eine Seele von Mann, von Mensch u. ä. (18. Jh.). Die alte Vorstellung, daß sich die Seele im Hauch, im Atem manifestiere, liegt Ausdrücken für ‘sterben’ zugrunde: seine Seele ausblasen (17. Jh.), mhd. die sēle gēt ūʒ dem munde. seelisch Adj. ‘auf die Seele bezüglich, psychisch’ (16. Jh.). beseelen Vb. ‘mit einer Seele versehen’ (17. Jh.), übertragen ‘mit Inhalt, mit Leben, mit Gefühl erfüllen’. entseelt Part.adj. ‘der Seele beraubt, tot’ (17. Jh.), zu entseelen (16. Jh.). seelenverwandt Adj. ‘in seinem innersten Empfinden und Fühlen übereinstimmend oder ähnlich’ (18. Jh.). Seelsorge f. ‘Hilfe, Beratung und Leitung der Gemeindemitglieder’ (durch den Geistlichen im Auftrag der Kirche, 16. Jh.), nach älterem Seelsorger m. ‘Pfarrer’ (15. Jh.), frühnhd. vereinzelt auch ‘Testamentsvollstrecker’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abiotisch · entseelt · ↗leblos · nicht seiend · ↗tot · ↗unbelebt

Typische Verbindungen zu ›entseelt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entseelt‹.

Verwendungsbeispiele für ›entseelt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Folge davon wäre - wie oft schon auseinandergesetzt - eine entseelte Welt.
Schücking, Beate: Wir machen unsere Kinder krank, München: List 1971, S. 208
Er wirft seine ausgemergelten, entseelten Gestalten buchstäblich in kahle Kastenräume.
Süddeutsche Zeitung, 20.10.1997
Avila ist altmodisch und monumental, fast entseelt, und dennoch so schön.
Der Tagesspiegel, 12.10.1997
Eine mordende, Stoffwechsel hemmende, verlangsamende Nüchternheit entsteht in uns, und mit entseeltem Auge sehen wir die Dinge so an wie alle, alle andern.
Altenberg, Peter: Märchen des Lebens. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1908], S. 6430
Es ist dann nur noch ein kleiner Schritt von diesem monotheistisch entseelten und entzauberten Kosmos zur modernen wissenschaftlichen Entzauberung.
Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 281
Zitationshilfe
„entseelt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entseelt>, abgerufen am 07.04.2020.

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