Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

entsetzen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ent-set-zen
Grundformsetzen
Wortbildung  mit ›entsetzen‹ als Erstglied: Entsetzung  ·  mit ›entsetzen‹ als Grundform: Entsatz
eWDG

Bedeutungen

1.
sich entsetzenin fassungslosen, großen Schrecken, empörtes Staunen geraten
Beispiele:
vor, bei diesem Anblick entsetzte sie sich
sie entsetzten sich, als sie das sahen, erfuhren
jmdn. entsetzenjmdn. in fassungslosen, großen Schrecken, empörtes Staunen versetzen
Beispiele:
der Anblick entsetzte sie
mit dieser Forderung hat er den Freund entsetzt
Grammatik: oft im Partizip II
Beispiele:
über so viel Unverschämtheit war er entsetzt
als sie von diesem Unglück hörte, war sie ganz entsetzt
sie bricht entsetzt ab
er fragte entsetzt, ob das stimme
2.
gehoben
Beispiel:
jmdn. seines Amtes entsetzen (= entheben)
3.
Militär etw., jmdn. von den umzingelnden Truppen, von der Belagerung befreien
Beispiele:
die belagerte Burg, Festung, Stadt entsetzen
die von der Armee abgeschnittenen Divisionen konnten nicht mehr entsetzt werden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

entsetzen · Entsatz · Entsetzen · entsetzlich
entsetzen Vb. ‘erschrecken, aus Umzingelung befreien, eines Amtes entheben’ schließt an die reiche Bedeutungsentwicklung des Verbs im Mhd. an. Ahd. in(t)sezzen ‘im Stich lassen, verlassen, zurücklassen, berauben’ (um 800), mhd. entsetzen ‘zurück-, absetzen, aus dem Besitz bringen, berauben, befreien’, (bei den Mystikern) ‘außer Fassung bringen’, reflexiv ‘sich scheuen, fürchten’ sind Kausativa zu ahd. in(t)sizzen ‘(sich) fürchten, erschrecken’ (8. Jh.) und (die Ausgangsbedeutungen noch bewahrendem) mhd. entsitzen ‘aus der Lage, dem (ruhigen) Sitz kommen, (sich) fürchten, erschrecken’, aber auch ‘sitzen bleiben, sich behaupten, widersetzen’ sowie ‘wegnehmen’. Zur Etymologie s. ent-, sitzen und setzen. Entsatz m. ‘Befreiung, Befreiungsheer’ (15. Jh.), auch Entsatzheer. Entsetzen n. ‘Furcht, Grauen, Schrecken’, vereinzelt seit dem 16. Jh., löst das im 15./16. Jh. geläufige Entsitzen ‘Scheu, Furcht’ ab. entsetzlich Adj. ‘Entsetzen auslösend, grauenvoll, schrecklich’ (16. Jh.; vgl. mhd. unentsetzelich, 14. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›entsetzen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entsetzen‹.

Verwendungsbeispiele für ›entsetzen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Davor wird sich, wer auf Mach eingeschworen ist, freilich entsetzen. [Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 03.03.1916]
Das klingt nicht weiter ungewöhnlich, und doch waren viele Architekten blank entsetzt. [Die Zeit, 06.04.2000, Nr. 15]
Was werden wir morgen sein, und wie wird uns morgen unser Heute entsetzen? [Die Zeit, 14.01.1957, Nr. 02]
Als ich das las, 1986, war ich noch anständig entsetzt. [Süddeutsche Zeitung, 06.07.2000]
In den dreißiger Jahren war ich entzückt, in den fünfziger Jahren enttäuscht, in den sechziger Jahren entsetzt. [Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999, S. 127]
Zitationshilfe
„entsetzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entsetzen>.

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