entspringen
GrammatikVerb · entsprang, ist entsprungen
Aussprache
Worttrennungent-sprin-gen (computergeneriert)
Ableitung vonspringen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
als Quelle hervorkommen
Beispiele:
die Elbe entspringt im Riesengebirge
diese Flüsse entspringen auf einem Hochplateau, in der Schweiz
auf der Wiese, dem Berg entspringen mehrere Quellen
2.
übertragen seinen Ursprung haben, herstammen
Beispiele:
das alles ist seiner Phantasie entsprungen
diese Gedichte sind nicht seinem Geist entsprungen
das ist dem Wunsch, Willen, Bedürfnis entsprungen, gegen jedermann gerecht zu sein
aus dieser anfänglichen Zuneigung entsprang eine Liebe, die das ganze Leben hindurch währte
daraus entspringt ein Vorteil für jeden
veraltet seinen biologischen Ursprung haben, hervorgehen
Beispiele:
Minerva ... die große erhabene Göttin der Weisheit, die dem Haupte des Zeus entsprungene [Feuchtw.Füchse825]
Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart [Weihnachtslied]
3.
aus etw. (schnell) entfliehen
Beispiele:
dem Gefängnis, Zuchthaus entspringen
ein entsprungener Sträfling
er benahm sich, als sei er dem Irrenhaus entsprungen (= als sei er toll) scherzhaft
Sie wurde sogar gerecht gegen das Gefängnis, dem sie nun entsprang [MusilMann1595]
Er ... fixierte uns, als seien wir direkt einem Affenkäfig entsprungen [H. W. RichterSpuren180] scherzhaft
veraltet herausspringen, wegspringen
Beispiel:
Und an dem Ufer merkt' ich scharf umher, / Wo sich ein Vorteil auftät' zum Entspringen [SchillerTellIV 1]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

springen · bespringen · beispringen · entspringen · überspringen · vorspringen · Vorsprung · Springer · Springbrunnen · Springflut · Springinsfeld
springen Vb. ‘durch einen Sprung vom Boden weg-, in die Höhe schnellen, bersten’. Das bis auf das Got. gemeingerm. bezeugte, stark flektierende Verb ahd. springan (8. Jh.), mhd. springen ‘springen, tanzen, eilend gehen, laufen, hervorquellen, wallen, wachsen’, asächs. springan, mnd. springen, mnl. springhen, nl. springen, afries. springa, aengl. springan, engl. to spring, anord. springa, auch ‘bersten’, schwed. springa (germ. *sprengan) läßt sich im Sinne von ‘hastig auffahren, hervorbrechen’ mit nichtnasaliertem aind. spṛhayati ‘eifert, verlangt eifrig’, griech. spérchesthai (σπέρχεσθαι) ‘einherstürmen, sich drängen, aufgebracht, leidenschaftlich bewegt sein’ vergleichen, so daß Anschluß an ie. *sperg̑h-, *spreg̑h-, nasaliert *spreng̑h- ‘sich hastig bewegen, eilen, springen’, eine Erweiterung der unter ↗Sporn (s. d.) angeführten Wurzel ie. *sp(h)er(ə)- ‘zucken, zappeln, schnellen’, möglich ist. bespringen Vb. ‘(von Rindern, Pferden u. ä.) auf ein weibliches Tier zur Begattung steigen’ (18. Jh.), mhd. bespringen ‘benetzen’. beispringen Vb. ‘helfen, beistehen’ (15. Jh.). entspringen Vb. ‘entlaufen, hervorspringen’, ahd. intspringan (8. Jh.), mhd. entspringen ‘wegspringen, entrinnen, hervorsprudeln, erwachen’. überspringen Vb. ‘springend über etw. hinwegsetzen, überholen, übergehen, unbeachtet lassen, auslassen’, ahd. ubarspringan (um 1000), mhd. überspringen. vorspringen Vb. ‘nach vorn springen, weit herausragen (aus einem zurückliegenden Ganzen)’, ahd. furispringan (10. Jh.), mhd. vorspringen ‘vor(aus)springen, anspringen, übertreffen’; Vorsprung m. ‘schnelle Bewegung nach vorn, räumlicher und zeitlicher Gewinn in Vorwärtsbewegung und Entwicklung gegenüber anderen, vorragender Teil an Bauwerken, Felsen’, mhd. vorsprunc. Springer m. ‘wer springt’, mhd. springer, auch ‘Tänzer, Gaukler’; Bezeichnung einer als Pferd dargestellten Schachfigur (17. Jh.). Springbrunnen m. ‘sprudelnde Quelle’, dann bes. ‘Fontäne’ (17. Jh.). Springflut f. ‘große Meeresflut’ (16. Jh.). Springinsfeld m. ‘junger, leichtfüßiger und unbekümmerter Mensch’ (17. Jh.), nd. ein springe ynt velt (16. Jh.), eigentl. springe in das Feld, imperativischer Satzname, anfänglich Bezeichnung für Soldaten und Landsknechte (Grimmelshausen).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ursprung haben (in) · ↗abstammen · ↗austreten · ↗entsprießen · ↗herrühren (von) · ↗herstammen · ↗hervorgehen · ↗zurückgehen (auf)
Synonymgruppe
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bedürfnis Bestreben Denken Drang Einsicht Entschluß Fluß Haupt Hirn Hochland Imagination Kalkül Laune Motiven Notwendigkeit Phantasie Quell Quelle Streben Verlangen Wunsch Wunschdenken Wurzeln Zufall durchfließt km mündet vielmehr Überlegungen Überzeugung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entspringen‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jedes von ihnen scheint wie aus einer anderen Welt entsprungen.
Die Welt, 21.11.2005
Die amerikanische Stadt scheint dem Kino lebend entsprungen zu sein.
Die Zeit, 10.01.1994, Nr. 02
Dieser ist im Dasein entsprungen, als Organ, sich am Leben zu erhalten.
Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 319
Aus der nationalsozialistischen Lehre entspringt auch die sofortige Vorbereitung des Verbrechens gegen den Frieden.
o. A.: Sechsunddreißigster Tag. Donnerstag, 17. Januar 1947. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1947], S. 20491
Du weißt gar nicht, aus einem wie guten Stall Du entsprungen bist.
Tucholsky, Kurt: An Mary Gerold-Tucholsky, 22.04.1924. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1924], S. 16025
Zitationshilfe
„entspringen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entspringen>, abgerufen am 20.11.2017.

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