Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

entspringen

Grammatik Verb · entspringt, entsprang, ist entsprungen
Aussprache 
Worttrennung ent-sprin-gen
Wortzerlegung ent- springen
eWDG

Bedeutungen

1.
als Quelle hervorkommen
Beispiele:
die Elbe entspringt im Riesengebirge
diese Flüsse entspringen auf einem Hochplateau, in der Schweiz
auf der Wiese, dem Berg entspringen mehrere Quellen
2.
übertragen seinen Ursprung haben, herstammen
Beispiele:
das alles ist seiner Phantasie entsprungen
diese Gedichte sind nicht seinem Geist entsprungen
das ist dem Wunsch, Willen, Bedürfnis entsprungen, gegen jedermann gerecht zu sein
aus dieser anfänglichen Zuneigung entsprang eine Liebe, die das ganze Leben hindurch währte
daraus entspringt ein Vorteil für jeden
veraltet seinen biologischen Ursprung haben, hervorgehen
Beispiele:
Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart [Weihnachtslied]
Minerva … die große erhabene Göttin der Weisheit, die dem Haupte des Zeus entsprungene [ Feuchtw.Füchse825]
3.
aus etw. (schnell) entfliehen
Beispiele:
dem Gefängnis, Zuchthaus entspringen
ein entsprungener Sträfling
scherzhafter benahm sich, als sei er dem Irrenhaus entsprungen (= als sei er toll)
Sie wurde sogar gerecht gegen das Gefängnis, dem sie nun entsprang [ MusilMann1595]
scherzhaftEr … fixierte uns, als seien wir direkt einem Affenkäfig entsprungen [ H. W. RichterSpuren180]
veraltet herausspringen, wegspringen
Beispiel:
Und an dem Ufer merkt' ich scharf umher, / Wo sich ein Vorteil auftät' zum Entspringen [ SchillerTellIV 1]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

springen · bespringen · beispringen · entspringen · überspringen · vorspringen · Vorsprung · Springer · Springbrunnen · Springflut · Springinsfeld
springen Vb. ‘durch einen Sprung vom Boden weg-, in die Höhe schnellen, bersten’. Das bis auf das Got. gemeingerm. bezeugte, stark flektierende Verb ahd. springan (8. Jh.), mhd. springen ‘springen, tanzen, eilend gehen, laufen, hervorquellen, wallen, wachsen’, asächs. springan, mnd. springen, mnl. springhen, nl. springen, afries. springa, aengl. springan, engl. to spring, anord. springa, auch ‘bersten’, schwed. springa (germ. *sprengan) läßt sich im Sinne von ‘hastig auffahren, hervorbrechen’ mit nichtnasaliertem aind. spṛhayati ‘eifert, verlangt eifrig’, griech. spérchesthai (σπέρχεσθαι) ‘einherstürmen, sich drängen, aufgebracht, leidenschaftlich bewegt sein’ vergleichen, so daß Anschluß an ie. *sperg̑h-, *spreg̑h-, nasaliert *spreng̑h- ‘sich hastig bewegen, eilen, springen’, eine Erweiterung der unter Sporn (s. d.) angeführten Wurzel ie. *sp(h)er(ə)- ‘zucken, zappeln, schnellen’, möglich ist. – bespringen Vb. ‘(von Rindern, Pferden u. ä.) auf ein weibliches Tier zur Begattung steigen’ (18. Jh.), mhd. bespringen ‘benetzen’. beispringen Vb. ‘helfen, beistehen’ (15. Jh.). entspringen Vb. ‘entlaufen, hervorspringen’, ahd. intspringan (8. Jh.), mhd. entspringen ‘wegspringen, entrinnen, hervorsprudeln, erwachen’. überspringen Vb. ‘springend über etw. hinwegsetzen, überholen, übergehen, unbeachtet lassen, auslassen’, ahd. ubarspringan (um 1000), mhd. überspringen. vorspringen Vb. ‘nach vorn springen, weit herausragen (aus einem zurückliegenden Ganzen)’, ahd. furispringan (10. Jh.), mhd. vorspringen ‘vor(aus)springen, anspringen, übertreffen’; Vorsprung m. ‘schnelle Bewegung nach vorn, räumlicher und zeitlicher Gewinn in Vorwärtsbewegung und Entwicklung gegenüber anderen, vorragender Teil an Bauwerken, Felsen’, mhd. vorsprunc. Springer m. ‘wer springt’, mhd. springer, auch ‘Tänzer, Gaukler’; Bezeichnung einer als Pferd dargestellten Schachfigur (17. Jh.). Springbrunnen m. ‘sprudelnde Quelle’, dann besonders ‘Fontäne’ (17. Jh.). Springflut f. ‘große Meeresflut’ (16. Jh.). Springinsfeld m. ‘junger, leichtfüßiger und unbekümmerter Mensch’ (17. Jh.), nd. ein springe ynt velt (16. Jh.), eigentlich springe in das Feld, imperativischer Satzname, anfänglich Bezeichnung für Soldaten und Landsknechte (Grimmelshausen).

Thesaurus

Synonymgruppe
(einer Sache) entstammen · (seinen) Ursprung haben (in) · (sich) ableiten (von) · (sich) herleiten (von) · abstammen (von) · herrühren (von) · herstammen (von) · hervorgehen (aus) · stammen (aus / von) · zurückgehen (auf)  ●  (einer Sache) entsprungen sein  fig. · entsprießen  fig. · entspringen  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) entwickeln (aus) · (sich) profilieren (aus) · entspringen (aus) · hervorgehen (aus)
Synonymgruppe
(sich) ergeben (aus) · abstammen · entspringen · herkommen · resultieren (aus) · stammen

Typische Verbindungen zu ›entspringen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entspringen‹.

Verwendungsbeispiele für ›entspringen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dieser ist im Dasein entsprungen, als Organ, sich am Leben zu erhalten. [Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 319]
Aus der nationalsozialistischen Lehre entspringt auch die sofortige Vorbereitung des Verbrechens gegen den Frieden. [o. A.: Sechsunddreißigster Tag. Donnerstag, 17. Januar 1947. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1947], S. 20491]
Dies entspringt jedoch selten einer grundsätzlich neuen Qualität der angepriesenen Programme. [C’t, 1997, Nr. 15]
Es ist ein Ros entsprungen, und siebzehnmal werden wir noch wach. [Die Zeit, 10.12.1998, Nr. 51]
Du weißt gar nicht, aus einem wie guten Stall Du entsprungen bist. [Tucholsky, Kurt: An Mary Gerold-Tucholsky, 22.04.1924. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke – Briefe – Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1924], S. 16025]
Zitationshilfe
„entspringen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entspringen>.

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