entstellen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungent-stel-len
Grundformstellen
Wortbildung mit ›entstellen‹ als Grundform: ↗Entstelltheit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. verunstalten
Beispiele:
die Narbe, Wunde, der Krampf entstellte sein Gesicht, seine Züge
durch den Unfall, die Verletzung war sie (bis zur Unkenntlichkeit) entstellt
einen Namen entstellen
Fabrikschornsteine entstellen die Landschaft
Die rechte Inbrunst ist in meinen Schlaf wohl erst gekommen, als ... die Widrigkeit des Lebens in Gestalt der Schule meinen Tag zu entstellen begann [Th. Mann12,353]
2.
etw. verfälscht wiedergeben
Beispiele:
der Bericht entstellte die Tatsachen
hier ist der Text völlig entstellt worden
in diesem Film wird die Aussage des Romans völlig entstellt
das Zitat wurde in diesem Zusammenhang entstellt
eine entstellende Wiedergabe des Artikels, Vorfalls
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stellen · Stelle · Stellmacher · Stellvertreter · Stellung · Stellage · abstellen · anstellen · Angestellter · Anstellung · ausstellen · Ausstellung · bestellen · entstellen · herstellen · wiederherstellen · Hersteller · Herstellung · nachstellen · verstellen · Verstellung · vorstellen · Vorstellung
stellen Vb. ‘an einem Ort zum Stehen bringen, aufstellen’, ahd. stellen (8. Jh.), mhd. stellen, stallen (Prät. mit Rückumlaut ahd. stalta, mhd. stalte, s. auch ↗Anstalt, ↗Gestalt), asächs. stellian ‘hinstellen’, mnd. mnl. nl. stellen, aengl. stellan sind im Sinne von ‘an einem Standort aufstellen’ gebildet zu germ. *stalla- ‘Standort, Platz’ (s. ↗Stall). Stelle f. ‘Ort, Platz, Amt, Behörde’, Rückbildung des 16. Jhs. aus dem Verb, eigentlich ‘Platz, Ort, wo etw. steht’; vgl. mhd. himelstelle ‘Stelle, Sitz im Himmel, Himmelsthron’. Stellmacher m. ‘wer Gestelle für Wagen herstellt’, spätmhd. (omd.) stellemacher, im Nordd. und Omd. verbreitet, zum ja-Stamm Stell n. ‘Gestell’ (frühnhd. bis ins 17. Jh., noch mundartlich im Nordd.), vgl. ahd. -stelli in forastelli ‘Stuhlverstopfung’ (um 1100); s. auch ↗Bettgestell. Stellvertreter m. ‘wer im Auftrag und Namen eines anderen handelt’ (17. Jh.). Stellung f. ‘das Stellen, Körperhaltung, Stand, Anordnung, Lage, Amt, Posten, militärisch befestigter Punkt bzw. Abschnitt’, mhd. stallunge, stellung; vgl. stellungslos (Ende 19. Jh.). Stellage f. ‘Gerüst, Gestell’, Übernahme (16. Jh.) von nl. stellage ‘Bau- oder Schaugerüst’, einer Bildung mit frz. Endung zu mnl. stellen (s. oben). abstellen Vb. ‘etw. abschaffen, beseitigen’ (15. Jh.), ‘niedersetzen’ (16. Jh.), ‘außer Betrieb setzen, abschalten, auf etw. abzielen’ (18. Jh.). anstellen Vb. ‘nahe woran stellen, lehnen, in eine Stelle, ein Amt einsetzen, bewerkstelligen, unternehmen, anstiften, zum Fließen, Strömen bringen’, reflexiv ‘sich anreihen’, mhd. anestellen ‘einstellen, aufschieben’; Angestellter m. ‘in einem abhängigen Arbeitsverhältnis Stehender’ (Anfang 19. Jh.); Anstellung f. ‘Arbeitsverhältnis, Arbeitsplatz’ (19. Jh.), ‘Einrichtung, Anordnung, Bewirkung’, auch ‘Aufschub’ (15. Jh.), Anstellung machen (17. Jh.) für älteres Anstalt(en) machen (s. ↗Anstalt). ausstellen Vb. ‘anfertigen, öffentlich zur Schau stellen, bemängeln, kritisieren’, auch ‘hinausstellen’ (15. Jh.); Ausstellung f. ‘öffentliches Zurschaustellen einer Sammlung o. ä., Ausfertigung, Bemängelung’ (17. Jh.). bestellen Vb. ‘in Auftrag geben, anfordern, bearbeiten, (eine Botschaft) ausrichten’, ahd. bistellen ‘besetzen, bekränzen’ (9. Jh.), mhd. bestellen ‘von allen Seiten umstellen, besetzen, einsäumen, einstellen, anordnen, besorgen, instand setzen’. entstellen Vb. ‘verunstalten’, mhd. entstellen, auch reflexiv ‘sich verstellen’, eigentlich ‘aus der rechten Stellung oder Form bringen’. herstellen Vb. ‘an einen bestimmten Platz stellen, restaurieren, anfertigen, produzieren’ (16. Jh.); wiederherstellen Vb. ‘in den alten Zustand versetzen, ausbessern, reparieren’ (18. Jh.); Hersteller m. ‘Produzent’ (19. Jh.), anfangs auch ‘Restaurator’; Herstellung f. ‘das Anfertigen, Produktion, Verlagsabteilung für typographische Gestaltung und Kalkulation der Bücher’ (19. Jh.). nachstellen Vb. ‘auflauern, verfolgen’ (16. Jh.; eigentlich Schlingen, Fallen stellen). verstellen Vb. ‘verbarrikadieren, an einen anderen Platz stellen, falsch stellen’, übertragen (reflexiv) ‘sich anders geben, als man ist, etw. vortäuschen’, mhd. verstellen ‘zum Stehen bringen, im Fließen aufhalten, (sich) verwandeln, verunstalten, unkenntlich machen’; Verstellung f. ‘Umstellung, Verunstaltung, (Vor)täuschung’ (15. Jh.). vorstellen Vb. ‘nach vorn stellen, bekannt machen’, reflexiv ‘sich ein geistiges Bild machen’ (16. Jh.); Vorstellung f. ‘das Bekanntmachen, geistiges Bild, Idee, Aufführung, Einwand, Vorhaltung’ (um 1600).

Thesaurus

Synonymgruppe
entstellen · ↗verdrehen · ↗verzerren (Tatsache)
Synonymgruppe
deformieren · entstellen · ↗verschandeln · ↗verunstalten  ●  ↗verhunzen  ugs. · ↗verunzieren  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antlitz Auslassung Autounfall Brandwunde Druckfehler Fratze Gesamtkunstwerk Gesicht Gesichtshälfte Gesichtszug Kenntlichkeit Leiche Narbe Narben Pocken Proportion Stadtbild Unkenntlichkeit absichtlich mißverstehen unterdrücken verdecken verdrehen vereinfachen verfälschen vergröbern verschweigen verstümmeln verzerren übertreiben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entstellen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Toten sind so entstellt, dass sie zunächst nicht identifiziert werden konnten.
Die Zeit, 24.06.2010 (online)
So schrecklich entstellt werde ich nie wieder glücklich sein können.
Bild, 19.03.2005
So bringe ich Ihnen die Texte inhaltlich gestrafft, doch keineswegs etwa entstellt oder aufgemotzt, zur Kenntnis.
Schröter, Heinz: Ich, der Rentnerkönig, Genf: Ariston 1985, S. 20
Was ich sagte, ist entstellt und verzerrt, ich weigere mich, es zu unterschreiben.
Toller, Ernst: Eine Jugend in Deutschland, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1985 [1933], S. 64
Welche Untersuchungen haben Sie denn angestellt, um herauszufinden, ob es entstellt war?
o. A.: Einhundertdreiundsechzigster Tag. Dienstag, 25. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 11579
Zitationshilfe
„entstellen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entstellen>, abgerufen am 13.12.2019.

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