entwenden

Grammatik Verb · entwendet, entwendete, hat entwendet
Aussprache 
Worttrennung ent-wen-den
Grundform wenden
Wortbildung  mit ›entwenden‹ als Erstglied: ↗Entwendung
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben jmdm. etw. wegnehmen, stehlen
Beispiele:
jmdm. die Uhr, Brieftasche, das Messer entwenden
Matthäi sei ins Schulhaus eingedrungen und habe eine Zeichnung des ermordeten Gritli Moser entwendet [ DürrenmattVersprechen113]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wenden · Wende · Wendeltreppe · wendig · auswendig · inwendig · anwenden · aufwenden · Aufwand · einwenden · entwenden · verwenden
wenden Vb. ‘(sich) umdrehen, umkehren, verändern’, ahd. wenten (8. Jh.), mhd. wenden, asächs. wendian, mnd. mnl. nl. wenden, afries. wenda, aengl. wendan, engl. to wend, anord. venda, schwed. vända, got. wandjan (germ. *wandjan) ist Kausativum zu dem unter ↗winden (s. d.) dargestellten Verb und bedeutet eigentlich ‘drehen machen’. Wende f. ‘Umkehr’, ahd. wentī (um 1000), mhd. wende. Wendeltreppe f. ‘wie eine Schraube um eine Achse führende Treppe’ (16. Jh., zuerst md.), zu spätmhd. wendel m. ‘Wendender, sich Wendendes, Gewundenes’ (zum oben genannten Verb gebildet), älteres gleichbed. Wendelstein m., ahd. wentilstein (11. Jh.), mhd. wendelstein ‘Turm mit sich windender Steintreppe’ ersetzend. wendig Adj. ‘wendbar, wandelbar, gewandt, geschickt’, ahd. wentīg (um 1000, vgl. mānōdwentīg ‘monatlich wiederkehrend’, 9. Jh.), mhd. wendec, wendic ‘rückgängig, abwendig’. auswendig Adv. ‘ohne Vorlage, aus dem Gedächtnis’ (16. Jh.), vorwiegend in Verbindungen wie auswendig lernen, können; auch (heute selten) als Adj. und Adv. ‘nach außen gekehrt, auf der Außenseite befindlich, äußerlich’, mhd. ūʒwendic ‘äußerlich, auswärtig, auf der äußeren Seite’. inwendig Adj. ‘auf der inneren Seite, innen’, mhd. innewendic ‘innerlich, innerhalb (des Hauses bleibend), häuslich, auf der inneren Seite’. anwenden Vb. ‘zu einem bestimmten Zweck, mit einer bestimmten Absicht gebrauchen, auf etw. beziehen, übertragen’ (16. Jh.), ahd. anawenten ‘hinwenden, hinlenken auf’ (9. Jh.), mhd. anwenden. aufwenden Vb. ‘aufbringen für etw., zahlen, ausgeben’ (15. Jh.); vgl. ahd. ūfwenten ‘in die Höhe wenden’ (um 900). Aufwand m. ‘Kosten, Ausgaben’ (18. Jh.). einwenden Vb. ‘widersprechen’ (18. Jh.), ‘zugunsten sprechen’ (17. Jh.). entwenden Vb. ‘stehlen’, mhd. entwenden ‘entgehen, entziehen, abwenden, frei machen von’. verwenden Vb. ‘benutzen, gebrauchen’ (16. Jh.); ahd. firwenten ‘jmdn. von etw. abbringen’ (Hs. 12. Jh.), mhd. verwenden ‘rückgängig machen, abwenden, wehren, entfernen, umkehren, verwandeln, zerstören, ausstatten’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden) bestehlen · (sich) an fremden Sachen vergreifen · (sich) vergreifen (an) · (sich) widerrechtlich aneignen · entwenden · ↗ergaunern  ●  das Bezahlen vergessen  ironisch · ↗stehlen  Hauptform · ↗(einfach) mitnehmen  ugs. · ↗(etwas) organisieren  ugs., verhüllend · ↗(jemanden) beklauen  ugs. · ↗(sich etwas) klemmen  ugs. · ↗(sich) (einfach) nehmen  ugs. · ↗(sich) bedienen  ugs., verhüllend, ironisch · (sich) einfach (weg)nehmen (ohne zu bezahlen)  ugs. · böhmisch einkaufen (beleidigend)  derb, österr. · ↗klauen  ugs. · lange Finger machen  ugs. · ↗mausen (verharmlosend)  ugs. · mitgehen lassen  ugs. · ↗mopsen (verharmlosend)  ugs. · polnisch einkaufen (beleidigend)  derb · ↗stibitzen (verharmlosend)  ugs. · vergessen zu bezahlen  ugs., ironisch, variabel
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) aneignen · ↗abnehmen · ↗abräumen · ↗entreißen · entwenden · ↗entziehen · ↗fortnehmen · ↗herunternehmen · ↗mitnehmen · ↗wegnehmen  ●  ↗abjagen  ugs. · ↗abknapsen  ugs. · ↗abknöpfen  ugs. · ↗abluchsen  ugs. · ↗abringen  ugs. · ↗abzwacken  ugs. · das Wasser abgraben  ugs. · ↗wegschnappen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
entwenden  ●  fringsen  veraltet

Typische Verbindungen zu ›entwenden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entwenden‹.

Verwendungsbeispiele für ›entwenden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer diese Informationen der Öffentlichkeit wieder entzieht, entwendet ihr etwas.
Die Zeit, 13.09.2010, Nr. 37
Während das Opfer die Küche verließ, um dem Mann das WC zu zeigen, entwendete die Frau 200 Mark.
Süddeutsche Zeitung, 26.05.1999
Als er spät am Morgen einschlief, war er fest entschlossen, die Steine zu entwenden.
Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 119
Das war aber nicht möglich, da sie inzwischen von fremder Hand entwendet war.
Fischer, Emil: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 12007
Zuerst war ich höchst ärgerlich, daß mir auf diese Weise meine persönliche Arbeit entwendet werden sollte.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Zitationshilfe
„entwenden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entwenden>, abgerufen am 27.10.2020.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Entweihung
entweihen
Entweichung
Entweichgeschwindigkeit
entweichen
Entwendung
entwerfen
Entwerfer
Entwerfung
entwerten