Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

entwischen

Grammatik Verb · entwischt, entwischte, ist entwischt
Aussprache 
Worttrennung ent-wi-schen
Grundformwischen
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich unbemerkt entkommen, entschlüpfen
Beispiele:
er konnte (ihnen) gerade noch entwischen
der Gefangene ist aus dem Gefängnis, das Tier war aus dem Käfig entwischt
übertragen
Beispiele:
sie kamen ganz nahe, damit ihnen kein Wort der Rede entwischte (= entging)
er merkte daran, wie froh sie wäre, gelegentlich dem drückenden Ernst ihrer Liebesschule entwischen zu können [ MusilMann903]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wisch · wischen · entwischen · erwischen
Wisch m. ‘Büschel’, abschätzig ‘Schriftstück’, ahd. -wisc m. (in ars-, ovanwisc, Hs. 12. Jh.), mhd. wisch m. n. ‘Strohbündel’, mnd. wisch, mnl. wisc, nl. wis, anord. visk ‘Strohbündel’, aschwed. visk ‘Besen’ (germ. *wiska-) führen mit aind. vēṣkáḥ ‘Schlinge’, lat. vīscus ‘Eingeweide’ (eigentlich ‘Darmschlingen’?), virga (aus *u̯izgā) ‘dünner Zweig, Reis, Rute’ und (ohne Gutturalsuffix) aind. vēṣṭatē ‘hängt sich an, windet sich um’, vēṣṭa- ‘Schlinge’, russ. vécha (веха) ‘lange Stange mit einem Strohbündel’ auf ie. *u̯eis- ‘drehen, biegsame, flechtbare Ruten’, eine Erweiterung der unter Weide1 (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯ei- ‘drehen, biegen’. Wisch ist ursprünglich ein ‘aus Stroh (oder biegsamen Ruten) gedrehtes Büschel’, das als Flurzeichen, dann auch als Fackel (15. Jh.; vgl. Irrwisch, s. irr) und als Strohbesen (16. Jh.) dient; daraus übertragen ‘wertloses Zeug’, abschätzig ‘Schriftstück, Druckschrift’ (16. Jh.). wischen Vb. ‘(mit einem Wisch) reinigen’ (ursprünglich ‘mit Stroh, mit dem Besen, dann mit einem Lappen reibend darüber hinfahren’), auch ‘sich schnell bewegen’, ahd. wisken ‘über etw. reinigend reiben’ (um 1000), mhd. wischen, wüschen ‘reibend darüberfahren, reinigen, trocknen, leicht und schnell sich bewegen, (ent)schlüpfen’, mnd. wischen, mnl. wiscen, wisscen, nl. wissen. entwischen Vb. ‘abhanden kommen, sich schnell davonmachen, entkommen’, ahd. intwisken (11. Jh.), mhd. entwischen. erwischen Vb. ‘rasch ergreifen, fangen, ergattern’, mhd. erwischen.

Thesaurus

Synonymgruppe
durch die Finger schlüpfen · entfleuchen · entfliehen · entgehen · entkommen · entlaufen · entrinnen · entwischen  ●  durch die Lappen gehen  ugs. · durchs Netz gehen  ugs. · entweichen  geh. · nicht erwischen (können)  ugs. · nicht kriegen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›entwischen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entwischen‹.

Verwendungsbeispiele für ›entwischen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich habe davon glücklicherweise nichts bemerkt, sonst hätte ich meinen Gegner vielleicht doch entwischen lassen. [Thoene, Willy: Abschuß und abgeschossen! In: Flieger am Feind, Gütersloh: Bertelsmann 1934, S. 292]
Ende Mai war sie einem Bauern entwischt, bevor sie geschlachtet werden sollte. [Die Zeit, 07.08.2011 (online)]
Je enger wir mit der Welt vernetzt sind, um so wichtiger wird es auch, ihr manchmal zu entwischen. [Die Zeit, 10.01.2011, Nr. 02]
Und als der Kaffee serviert wurde, war der Zug entwischt. [Die Zeit, 25.12.1987, Nr. 53]
Zwar sind sie vornehmlich auf Frauen aus, aber sie lassen möglichst auch die Männer nicht entwischen. [Die Zeit, 02.03.1964, Nr. 09]
Zitationshilfe
„entwischen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entwischen>.

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