entwischen

GrammatikVerb · entwischte, ist entwischt
Aussprache
Worttrennungent-wi-schen
Grundformwischen
eWDG, 1967

Bedeutung

umgangssprachlich unbemerkt entkommen, entschlüpfen
Beispiele:
er konnte (ihnen) gerade noch entwischen
der Gefangene ist aus dem Gefängnis, das Tier war aus dem Käfig entwischt
übertragen
Beispiele:
sie kamen ganz nahe, damit ihnen kein Wort der Rede entwischte (= entging)
er merkte daran, wie froh sie wäre, gelegentlich dem drückenden Ernst ihrer Liebesschule entwischen zu können [MusilMann903]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wisch · wischen · entwischen · erwischen
Wisch m. ‘Büschel’, abschätzig ‘Schriftstück’, ahd. -wisc m. (in ars-, ovanwisc, Hs. 12. Jh.), mhd. wisch m. n. ‘Strohbündel’, mnd. wisch, mnl. wisc, nl. wis, anord. visk ‘Strohbündel’, aschwed. visk ‘Besen’ (germ. *wiska-) führen mit aind. vēṣkáḥ ‘Schlinge’, lat. vīscus ‘Eingeweide’ (eigentlich ‘Darmschlingen’?), virga (aus *u̯izgā) ‘dünner Zweig, Reis, Rute’ und (ohne Gutturalsuffix) aind. vēṣṭatē ‘hängt sich an, windet sich um’, vēṣṭa- ‘Schlinge’, russ. vécha (веха) ‘lange Stange mit einem Strohbündel’ auf ie. *u̯eis- ‘drehen, biegsame, flechtbare Ruten’, eine Erweiterung der unter ↗Weide (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯ei- ‘drehen, biegen’. Wisch ist ursprünglich ein ‘aus Stroh (oder biegsamen Ruten) gedrehtes Büschel’, das als Flurzeichen, dann auch als Fackel (15. Jh.; vgl. Irrwisch, s. ↗irr) und als Strohbesen (16. Jh.) dient; daraus übertragen ‘wertloses Zeug’, abschätzig ‘Schriftstück, Druckschrift’ (16. Jh.). wischen Vb. ‘(mit einem Wisch) reinigen’ (ursprünglich ‘mit Stroh, mit dem Besen, dann mit einem Lappen reibend darüber hinfahren’), auch ‘sich schnell bewegen’, ahd. wisken ‘über etw. reinigend reiben’ (um 1000), mhd. wischen, wüschen ‘reibend darüberfahren, reinigen, trocknen, leicht und schnell sich bewegen, (ent)schlüpfen’, mnd. wischen, mnl. wiscen, wisscen, nl. wissen. entwischen Vb. ‘abhanden kommen, sich schnell davonmachen, entkommen’, ahd. intwisken (11. Jh.), mhd. entwischen. erwischen Vb. ‘rasch ergreifen, fangen, ergattern’, mhd. erwischen.

Thesaurus

Synonymgruppe
durch die Finger schlüpfen · ↗entfleuchen · ↗entfliehen · ↗entgehen · ↗entkommen · ↗entlaufen · ↗entrinnen · entwischen  ●  durch die Lappen gehen  ugs. · durchs Netz gehen  ugs. · ↗entweichen  geh. · nicht erwischen (können)  ugs. · nicht kriegen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angreifer Aufpasser Badeausflug Baggersee Besitzer Bewacher Dieb Fahnder Fiskus Gangster Gegenspieler Gehege Herrchen Hinterausgang Hintertür Hofgang Häscher Jäger Kontrolleur Käfig Leibwächter Räuber Schlange Terrarium Tierpark Verfolger Zaun Zoo um Haaresbreite unerkannt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›entwischen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Beamten machten Jagd auf das Tier, es entwischte aber immer wieder.
Bild, 27.09.2002
So mancher Politiker wird dem schaulustigen Volk leicht entwischen können.
Die Welt, 20.05.1999
Ich habe davon glücklicherweise nichts bemerkt, sonst hätte ich meinen Gegner vielleicht doch entwischen lassen.
Thoene, Willy: Abschuß und abgeschossen! In: Flieger am Feind, Gütersloh: Bertelsmann 1934, S. 292
Als sie sich endlich überzeugten, daß die Deutschen wirklich verschwunden seien, waren diese schon weit entfernt und entwischt.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Dritter Teil: Das Mittelalter, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1923], S. 22724
Der Alte hält sich, damit ihm kein Wort entwischt, die ganze Hand vor den Mund.
Bauer, Josef Martin: So weit die Füße tragen, Frankfurt a.M: Fischer 1960 [1955], S. 329
Zitationshilfe
„entwischen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/entwischen>, abgerufen am 19.10.2019.

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