erbarmen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunger-bar-men
Grundformbarmen
Wortbildung mit ›erbarmen‹ als Erstglied: ↗Erbarmung · ↗erbarmenswert

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨sich jmds. erbarmen⟩ jmdm. aus Mitleid zu helfen suchen
    1. ⟨sich über jmdn. erbarmen⟩
    2. [umgangssprachlich, scherzhaft] ⟨sich über eine Sache erbarmen⟩ sich einer Sache annehmen
  2. 2. ⟨jmd., etw. erbarmt jmdn.⟩ jmd., etw. erregt jmds. Mitleid
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
sich jmds. erbarmenjmdm. aus Mitleid zu helfen suchen
Beispiele:
ich erbarmte mich seiner
wir sollten uns der Kranken und Einsamen erbarmen
sich über jmdn. erbarmen
Beispiele:
biblischHerr, erbarme Dich über uns
veraltend, gehobenO Gott ... Erbarme Dich über den alten Mann [HebbelMaria MagdaleneII 2]
umgangssprachlich, scherzhaft sich über eine Sache erbarmensich einer Sache annehmen
Beispiele:
dann muss ich mich wohl über den Aufwasch erbarmen
will sich keiner über die Reste vom Sonntag erbarmen?
2.
jmd., etw. erbarmt jmdn.jmd., etw. erregt jmds. Mitleid
Beispiele:
ihr Unglück, Elend erbarmte mich
süddeutsch, österreichischer erbarmt mir (= tut mir leid)
weil ihn der hilflose Mensch erbarmte [O. M. GrafUnruhe177]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

barmen · erbarmen · Erbarmung · Erbarmen · erbärmlich · barmherzig · Barmherzigkeit
barmen Vb. ‘mit Mitgefühl erfüllen’ (selten), ‘jammern, klagen, lamentieren’ (nordd. und omd.). Die got. Kirchensprache bildet zur Übersetzung von griech. eleé͞in (ἐλεεῖν) ‘bemitleiden, Mitleid, Erbarmen haben’ nach dem Muster von gleichbed. lat. miserēre bzw. miserērī (zu lat. miser ‘elend, kläglich, bejammernswert, arm’) ein von got. arms ‘beklagenswert, elend’ abgeleitetes Verb got. arman ‘sich erbarmen’. Ein an das Adj. ahd. arm ‘gering, hilflos, schwach, besitzlos, arm’ (s. ↗arm) sich anschließendes Verb ahd. armēn (9. Jh.) bedeutet ‘arm werden, Not leiden’, so daß die Kirchensprache zur Wiedergabe von ‘sich erbarmen, Mitleid erregen’ präfigiertes ahd. *bi-armën benutzt, belegt (10. Jh.) in der adverbial gebrauchten Partizipialform barmēnto ‘erbarmend, voll Erbarmen’ (für lat. miserando); vgl. mit anderem Präfix und anderer Stammbildung aengl. ofearmian ‘mitleidig sein, Erbarmen zeigen’ (zu aengl. earmian ‘bemitleiden, bedauern’, von aengl. earm ‘arm’). Zusammengezogenes und darum als Einheit empfundenes ahd. barmēn wird im Hinblick auf seine durativ-inchoative Bedeutung erneut präfigiert, so daß ahd. irbarmēn, nhd. erbarmen (s. unten) entsteht. Diese Weiterbildung wird zum geläufigen Verb im Dt.; mhd. barmen ‘(sich) erbarmen, Mitleid erregen’ bleibt selten, nhd. barmen wird weithin in die Mundarten abgedrängt und entwickelt im Nordd. und Omd. die oben angegebene Bedeutung ‘jammern, klagen, kläglich tun’, mit der es im 19. Jh. auch in die Literatursprache eingeht. erbarmen Vb. ‘jmds. Mitleid erregen, jmdm. leid tun’, (reflexiv) ‘sich aus Mitleid und Barmherzigkeit jmds. annehmen, mildtätig sein’. Ahd. irbarmēn ‘sich zu jmdm. herablassen, sich die Not eines anderen zu eigen machen, Mitleid empfinden oder erregen’ (9. Jh.), mhd. erbarmen ‘Mitleid haben, gerührt werden, rühren’. Weiterbildung mit dem Präfix ahd. ir- (s. ↗er-) von ahd. barmēn (s. oben). Erbarmung f. ‘Barmherzigkeit, Mitleid’, ahd. irbarmunga (10. Jh.), mhd. erbarmunge. Erbarmen n. ‘Mildtätigkeit, Mitleid’, mhd. erbarmen, substantivierter Infinitiv. erbärmlich Adj. ‘elend, ärmlich, nichtswürdig’ (16. Jh.), ahd. irbarmalīh ‘Erbarmen erregend’ (um 1000); vgl. mhd. erbarmeclich ‘barmherzig, erbarmenswert’. barmherzig Adj. ‘mitfühlend, mitleidsvoll, mildtätig’ (gegenüber Bedürftigen), mhd. barmherzec, Weiterbildung von mhd. barmherze, ahd. barmherzi ‘voll Erbarmen’, eigentlich ‘ein barmendes Herz habend’ (11. Jh.), das unter dem Einfluß von ahd. (ir)barmēn aus ahd. armherz ‘barmherzig’ als Eigenschaft Gottes und der nach seinem Willen handelnden Menschen (9. Jh.) hervorgegangen ist (vgl. auch ahd. armherzīg, 11. Jh.). Dies ist eine Bildung aus ahd. arm (s. oben) und ahd. herza (s. ↗Herz) unter dem Einfluß der got. Kirchensprache, die einem nach dem Muster von lat. misericors ‘mitleidig’ (eigentlich ‘ein mitleidiges Herz habend’, zu lat. miserēre, -ērī bzw. miser und cor ‘Herz’) entstandenen got. armahaírts folgt; vgl. auch aengl. earmheort neben (umgebildetem) anord. aumhjartaðr. Weitere Überlegungen zur Bildungsweise des got. Adjektivs bringt Beck in: ZfdPh 98 (Sonderheft 1979) 109 ff. Barmherzigkeit f. ‘Erbarmen, Mitgefühl, Mildtätigkeit’, mhd. barmherzekeit; vgl. daneben got. armahaírtiþa, ahd. armherzida (8. Jh.), mhd. barmherzede sowie got. armahaírtei, ahd. armherzī (9. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) Güte haben (und / zu) · ↗(sich) bereitfinden · (sich) erbarmen (und / zu) · ↗(sich) herablassen · ↗(sich) herbeilassen · die Freundlichkeit besitzen (und / zu) · so freundlich sein (und / zu) · so freundlich sein (zu) · so gnädig sein (zu) · so lieb sein (und)  ●  ↗geruhen  veraltet · (sich) bemüßigt fühlen  geh. · (sich) bemüßigt sehen  geh. · belieben zu  geh., veraltet
Assoziationen
  • (sich) gefallen (in seiner Rolle) als (...) · (sich) gefallen in · kokettieren mit
  • (etwas) für gut befinden · (ganz) begeistert sein von · ↗(jemandem) belieben · (sich) begeistern für · eine Vorliebe haben für · gerne mögen · ↗mögen  ●  ↗(sich) loben  geh. · abfahren auf  ugs. · ich lobe mir  geh. · ↗liken  ugs., engl. · stehen auf  ugs.
  • (sich) aufmachen (und) · ↗(sich) aufraffen · (sich) bemühen (um) · (sich) durchringen (zu) · ↗(sich) überwinden  ●  (den) inneren Schweinehund überwinden (und)  ugs. · ↗(sich) aufrappeln  ugs. · ↗(sich) bequemen  ugs. · ↗(sich) hochrappeln  ugs. · den Arsch hochkriegen  derb, fig.

Typische Verbindungen zu ›erbarmen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erbarmen‹.

Verwendungsbeispiele für ›erbarmen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und so erbarmt sich der Mond und bringt ihn wieder zurück.
Die Welt, 03.04.2002
Aber das Leben war schwer so allein, und der liebe Gott hätte sich ihrer doch längst erbarmen können.
Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt - Bd. 2, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 146
Doch hat er sich erbarmt und auch hier den Sand in Gold verwandelt.
Die Zeit, 05.06.2000, Nr. 23
Dann erbarmte sich für Geld, gute Worte und schöne Augen ein älterer Ofensetzer.
Morgner, Irmtraud: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura, Berlin: Aufbau-Verl. 1974, S. 270
Sie mußte nicht warten, bis sich jemand erbarmte, ihr ein Regal aufzustellen, den Computer anzuschließen, das Fahrrad zu reparieren.
Hahn, Ulla: Unscharfe Bilder, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2003, S. 13
Zitationshilfe
„erbarmen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erbarmen>, abgerufen am 05.04.2020.

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