Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

erben

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung er-ben
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. von einem Verstorbenen als Eigentum erhalten
Beispiele:
ein Haus, Grundstück, großes Vermögen (von den Eltern, vom Onkel) erben
der älteste Sohn erbte den Hof
sie hat (etw.) geerbt (= ist Erbin geworden)
[zu jmdm., der wider Erwarten viel Geld hat oder ausgibt:] du hast wohl geerbt?
umgangssprachlich
Beispiele:
hier ist nichts zu erben, kannst du nichts erben (= bekommen)
das Buch, Taschenmesser hatte er von seinem Freund geerbt (= aus dessen Besitz geschenkt bekommen)
Die können allesamt bei mir nichts erben [ DöblinAlexanderpl.67]
2.
etw. von den Vorfahren als Erbanlage mitbekommen
Beispiele:
die Begabung, den Eigensinn hat er von seinem Vater geerbt
von der Mutter hatte sie die blauen Augen, die schmale Nase geerbt
Und doch muß sie [die Mutter] es sein, von der er die meisten seiner Gaben geerbt hat [ HesseNarziß5,56]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Erbe1 · Erbe2 · erben · beerben · vererben · Erbfeind · Erblasser · erblich · Erbschaft · Erbschleicher · Erbsünde
Erbe1 n. ‘Hinterlassenschaft eines Verstorbenen’. Die neutrale ja-Bildung (germ. *arbja-) ahd. erbi (9. Jh.), mhd. erbe ‘Hinterlassenschaft, Vererbung, Erbschaft’, asächs. erƀi, mnd. erve, arve, mnl. erve, nl. erf, afries. erve, aengl. ierfe, anord. erfi ‘Leichenfeier’, got. arbi ist wie das die gleiche Stammbildung (ie. -i̯o-) und Semantik aufweisende air. orb(b)e, orpe ‘das Erbe’, auch ‘der Erbe’, verwandt mit aind. árbhaḥ ‘klein, jung, schwach, Kind’, armen. orb ‘Waise’, griech. orphanós (ὀρφανός) ‘verwaist’, lat. orbus ‘einer Sache beraubt, verwaist’, aslaw. rabъ ‘Knecht, Diener, Sklave’, aruss. robъ ‘Diener, Sklave’, robja ‘Kind’, russ. (mit Vokalassimilation) rebënok (ребёнок) ‘kleines Kind’ und führt mit diesen auf ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ bzw. (für die schutzlose, sich verdingende Waise) ‘Knecht’ (dazu wohl auch Arbeit und arm, s. d.). Ausgangsbedeutung ist für das Germ. und Kelt. ‘das einer Waise Gehörige’, also ‘einer Waise rechtlich zufallendes Besitztum’. Daneben als maskuliner (j)an-Stamm Erbe2 m. ‘wer berechtigt ist, ein Erbe anzunehmen’, ahd. erbo (8. Jh.), mhd. erbe, mnd. mnl. erve, aengl. ierfa, anord. arfi, got. arbja. erben Vb. ‘Erbe sein, eine Hinterlassenschaft erhalten’, ahd. (8. Jh.), mhd. erben, mnd. mnl. nl. erven, aengl. ierfian, anord. erfa (germ. *arbjan). beerben Vb. ‘jmds. Hinterlassenschaft erhalten’, mhd. beerben. vererben Vb. ‘als Erbschaft übertragen, hinterlassen’, mhd. vererben. Erbfeind m. ‘über Generationen hinweg verhaßter Gegner’, mhd. erbevīnt ‘Teufel’, dann übertragen auf die als Nachfahren des Teufels angesehenen heidnischen Türken (15. Jh.), später auf die Franzosen (16. Jh.); wohl in Anlehnung an Erbsünde (s. unten) gebildet. Erblasser m. ‘wer ein Erbe hinterläßt’ (15. Jh.); vgl. mhd. daʒ erbe lān ‘hinterlassen’. erblich Adj. ‘sich vererbend, durch Erbfolge bestimmt, durch Vererbung übertragbar’ (15. Jh.), ahd. arblīh ‘erblich, vererbt’ (10. Jh.), mhd. erbelīchen Adv. Erbschaft f. ‘hinterlassenes Gut’, mhd. erbschaft, auch ‘Erbfolge, Teilnahme am Erbe, Erbanspruch’. Erbschleicher m. ‘wer auf unmoralische Weise oder widerrechtlich in den Besitz eines Erbes zu gelangen sucht’ (Ende 17. Jh.), Übersetzung von gleichbed. lat. hērēdipeta (zu lat. hērēdium ‘Erbgut’ und petere ‘zu erreichen suchen, streben, bitten, sich bewerben’). Erbsünde f. nach christlichem Glauben die dem Menschen durch den biblischen Sündenfall angeborene Sündhaftigkeit, mhd. erbesünde. Zum Komplex vgl. Grønvik The Words for ‘heir’, ‘inheritance’ and ‘funeral feast’ in Early Germanic (1982).

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) (von jemandem) erben  ●  ererben  veraltet
Synonymgruppe
(etwas) übernehmen (von) · (sich) übertragen (auf)  ●  (etwas) erben (von)  fig. · abfärben (auf)  fig. · (etwas) abbekommen (haben von)  ugs. · (etwas) haben (von)  ugs.
Assoziationen
  • (jemandem) auf die Finger sehen · (sich) etwas abgucken (bei / von jemandem) · es jemandem nachtun
  • (es jemandem) gleichtun · (jemandem) nacheifern · (jemanden) als Vorbild nehmen · (sich jemanden) zum Beispiel nehmen · (sich jemanden) zum Vorbild nehmen · (sich) (ein) Beispiel nehmen an  ●  in jemandes Fußstapfen treten  fig. · (es jemandem) nachtun  geh. · (sich) eine Scheibe abschneiden (von)  ugs., fig.

Typische Verbindungen zu ›erben‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erben‹.

Verwendungsbeispiele für ›erben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch sie hatte diese Augen, geerbt von ihrem Vater, genau wie ihre Schwester. [Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 103]
Sie hat von einem toten Maler ein Vermögen geerbt, Lauters heißt er! [Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 173]
Programme, dies ist meine These, erben auch dies von der Industrie. [C't, 1999, Nr. 9]
Die Kinder wiederum erben zu gleichen Teilen das übrige Vermögen. [Die Zeit, 07.10.1999, Nr. 41]
Von seinen Lehrern hatte er den Sinn für zuchtvollen Stil geerbt. [Quitin, José: Marsick (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1960], S. 30015]
Zitationshilfe
„erben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erben>.

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