Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

erfinden

Grammatik Verb · erfindet, erfand, hat erfunden
Aussprache 
Worttrennung er-fin-den
Wortzerlegung er- finden
Wortbildung  mit ›erfinden‹ als Erstglied: Erfinder  ·  mit ›erfinden‹ als Letztglied: hinzuerfinden
Mehrwortausdrücke  das Pulver nicht erfunden haben
eWDG

Bedeutungen

1.
durch Forschungsarbeit etw. völlig Neues, besonders auf technischem Gebiet, schaffen, entwickeln
Beispiele:
neue Maschinen, Werkzeuge erfinden
der Ingenieur hat eine neue Bremsvorrichtung, Gangschaltung erfunden
ein neues Präparat, Medikament ist erfunden worden
umgangssprachlichder hat das Pulver nicht erfunden (= ist nicht besonders klug)
2.
etw. nicht auf Wahrheit Beruhendes ersinnen, ausdenken
Beispiele:
einen Vorwand, eine Ausrede erfinden
die Geschichte ist von A bis Z erfunden
als ihr Ulrich mit dürftig erfundenen Begründungen eines Tages mitteilte, daß er einen langen Urlaub antreten müsse [ MusilMann127]
jmdn. erfinden
Beispiel:
die Personen des Films, Hörspiels sind frei erfunden
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

finden · abfinden · Abfindung · erfinden · Erfindung · Erfinder · erfinderisch · unerfindlich · Fund · Fundgrube · Findelkind · Findling · findig · spitzfindig · ausfindig · fündig
finden Vb. ‘durch Zufall, durch Suchen, durch Nachdenken auf etw. stoßen’, ahd. findan (8. Jh.), mhd. vinden, asächs. fīðan, findan, mnd. mnl. nl. vinden, aengl. findan, engl. to find, anord. schwed. finna, got. finþan. Herkunft ungewiß. Vielleicht mit griech. paté͞in (πατεῖν) ‘auf etw. treten’ und lat. pōns (Genitiv pontis) ‘Knüppelweg, Brücke’ zur Wurzel ie. *pent(h)- ‘treten, gehen, worauf treten, antreffen, finden’ (s. auch fahnden). abfinden Vb. ‘Ansprüche befriedigen’, reflexiv ‘sich zufriedengeben’ (16. Jh.); zuerst (14. Jh.) in der nd. Rechtssprache belegt mit der Bedeutung ‘durch Gerichtsurteil absprechen, aberkennen’. Abfindung f. ‘Befriedigung von Ansprüchen, Entschädigung’ (16. Jh.). erfinden Vb. ‘bisher noch nicht Vorhandenes ersinnen, erschaffen’, ahd. irfindan ‘erfahren, erkennen, erfassen’ (9. Jh.), mhd. ervinden ‘ausfindig machen, bemerken, erfahren’. Erfindung f. ‘das Ersonnene, Erschaffene’ (15. Jh.). Erfinder m. ‘wer bisher nicht Vorhandenes ersinnt, erschafft’ (15. Jh.), heute besonders im technischen Bereich. erfinderisch Adj. ‘einfallsreich’ (18. Jh.). unerfindlich Adj. ‘unerklärlich’, spätmhd. unervindelich. Fund m. ‘das Finden, das Gefundene’, in der Schwundstufe des Verbs, mhd. vunt, auch bergmannssprachlich ‘neuentdeckte Lagerstätte von Erzen’, dafür auch Fundgrube f. (14. Jh.), übertragen ‘Ort, wo eine Fülle von Erkenntnissen, Belehrungen anzutreffen ist’ (Ende 15. Jh.). Ursprünglich wohl zu ablautendem Fund gebildet und nachträglich (meist im 16. Jh.) an finden angelehnt sind: Findelkind n. ‘ausgesetztes, von Fremden gefundenes Kind’, vgl. mhd. vuntkint, dann auch frühnhd. vündelkint, zu frühnhd. vündel, vindel ‘Findelkind’, Deminutivum zu vunt. Findling m. ‘Findelkind’, mhd. vundelinc; seit dem 19. Jh. auch ‘ein durch Gletscher transportierter Gesteinsblock’. findig Adj. ‘erfinderisch, schlau’, mhd. vündec, vündic ‘erfinderisch, findbar’, seit dem 16. Jh. in der Form findig, s. aber unten fündig. spitzfindig Adj. älter spitzfündig, ‘listig, überklug’ (16. Jh.), vgl. auch spitzer Fund (Luther) und Spitzfund m. (16. Jh.) ‘überklug, trügerisch Erdachtes’. ausfindig Adj. älter ausfündig, meist in festen Wendungen ausfindig machen, werden ‘bekanntmachen, bekannt werden, herausfinden, erforschen’ (15. Jh.). fündig Adj. ‘Bodenschätze aufweisend, ergiebig’, seit dem 16. Jh. bedeutungsdifferenzierend die alte Form gegenüber findig (s. oben) bewahrend.

Thesaurus

Synonymgruppe
(Plan) schmieden · ausarbeiten · entwerfen · entwickeln · erarbeiten · erfinden · konstruieren · konzipieren  ●  ausbrüten  ugs., fig., negativ · aushecken  ugs., negativ · ersinnen  geh. · innovieren  fachspr., lat., sehr selten
Assoziationen
Synonymgruppe
(Ausrede) fingieren · erfinden
Synonymgruppe
(etwas) erfinden · (sich etwas) einfallen lassen · (sich etwas) zurechtlegen · eine Ausrede finden
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›erfinden‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erfinden‹.

Verwendungsbeispiele für ›erfinden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Medizin ist eine Wissenschaft, also der Mißbrauch einer zu diesem Zweck erfundenen Terminologie. [Tucholsky, Kurt: Der kranke Zeisig. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1930]]
Das Schicksal ist so wichtig wie das Werk, ein gemeinsam erfundener Roman. [Die Zeit, 12.10.1990, Nr. 42]
Weil man ihn aber brauchen könnte, haben wir ihn rasch erfunden. [Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 162]
Es zeigt dies, wie schwer es ist, Schmuck im organischen Sinne zu erfinden. [Popp, Joseph: Zur Einführung. In: Bräuer, Hasso (Hg.) Archiv des deutschen Alltagsdesigns, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1915], S. 249]
Wenn nichts zu sagen ist, muß man eben etwas erfinden. [Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1984, S. 92]
Zitationshilfe
„erfinden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erfinden>.

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