Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

erhaben

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung er-ha-ben
eWDG

Bedeutungen

1.
auf der Oberfläche hervortretend, reliefartig
Beispiele:
erhabene Figuren, Schnitzereien
eine erhabene Arbeit (= Relief)
eine Plakette mit erhabener Prägung
auf der Haut, auf dem Boden sind erhabene Stellen
eine erhaben geschliffene (= konvexe) Linse
die Zeichen auf einem Wappenschild erhaben stehen lassen
das Brotbrett […] um dessen Rundung im Kreise die erhaben geschnitzte Inschrift lief [ Hesse3,11]
2.
gehoben von (feierlicher) Größe erfüllt
Beispiele:
ein erhabener Anblick, Augenblick, ein erhabenes Schauspiel
eine erhabene Dichtung
eine Ode in erhabenem Stil, erhabenen Worten
der Platz wird von erhabenen Bauwerken umsäumt
jmdn. erfüllen erhabene Gefühle, Gedanken
die erhabene Schönheit, Größe der Pyramiden
sprichwörtlichvom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt
die erhabene Humanität und Brüderlichkeit des »Fidelio« [ Th. MannFaustus6,108]
Die Sterne schienen auch heute in erhabenem Glanz [ le FortTor85]
Manchmal wird mir geradezu ganz erhaben zumut [ G. Hauptm.PippaII]
veraltet hoheitsvoll
Beispiele:
erhabener Herr!, erhabenster Gebieter! (= Anrede)
Johanna war eine erhabne Jungfrau geworden, rein und streng [ StifterHochwald1,172]
3.
überlegen
Beispiele:
über etw., jmdn. erhaben sein
über solche Anwürfe, Kleinigkeiten muss man erhaben sein
sein Klavierspiel ist über alles Lob erhaben (= ganz ausgezeichnet)
gehoben, abwertendsich über jmdn. erhaben dünken
abwertend erhaben (= hochmütig) lächeln
umgangssprachlich, abwertendsei, tu (nur) nicht so erhaben! (= eingebildet!)
ich war so weit […] über die herrschende Sitte erhaben, daß ich jede menschliche Handlung verstand [ TravenBaumwollpflücker77]
einiges wenige auserlesen Schöne, das mir über jeden Streit und Zweifel erhaben schien [ HesseSteppenw.4,330]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

erhaben · Erhabenheit
erhaben Adj. ‘plastisch hervortretend, reliefartig überlegen, erhebend’. Mhd. erhaben, Part. Prät. (bis ins 17. Jh.) von erheben ‘in die Höhe heben’ (s. heben), hat sich im Nhd. als Adjektiv erhalten (neben dem Part. Prät. nhd. erhoben); es bedeutet schon mhd. ‘über anderes emporragend’, auch ‘reliefartig verziert’ (vgl. nhd. erhabene Arbeit ‘getriebene Arbeit, Relief’). In übertragener Verwendung gilt erhaben für ‘hochstehend, vornehm, großartig’ und entwickelt sich im 18. Jh. (das Erhabene) zum sittlich-ästhetischen Wertbegriff. Erhabenheit f. ‘Erhöhung, Wölbung, Größe, Würde’, mhd. erhabenheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
erhaben · sublim
Synonymgruppe
edelmütig · erhaben · feudal · großmütig · großzügig · nobel  ●  hehr  veraltet
Synonymgruppe
affektgeladen · affektvoll · ausdrucksvoll · erhaben · feierlich · festlich · klangvoll · mit großer Geste · pathetisch
Synonymgruppe
distinguiert · edel · erhaben · illuster · von gehobener Eleganz · vornehm  ●  hehr  veraltet · erlaucht  geh.
Synonymgruppe
erhaben · konvex · nach außen gewölbt
Synonymgruppe
erhaben · glanzvoll · prachtvoll · prunkvoll · prächtig
Synonymgruppe
Ehrfurcht einflößend · Ehrfurcht gebietend · ehrfurchtseinflößend · ehrfurchtsgebietend · ergreifend · erhaben · respekteinflößend  ●  hehr  geh.
Synonymgruppe
anspruchsvoll · beeindruckend · erhaben · hehr (Ziel o.ä.) · hoch · hochfliegend · vornehmst  ●  hochgesteckt  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›erhaben‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erhaben‹.

Verwendungsbeispiele für ›erhaben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das ganze Leben hier im Feld durchdringt ein erhabener Ernst. [Brief von Rudolf Fischer vom 18.11.1914. In: Witkop, Philipp (Hg.), Kriegsbriefe gefallener Studenten, München: Müller 1928 [1914], S. 1]
Was ist erhabener, als hundert Männern voranzuschreiten in den Tod? [Hahn, Ulla: Unscharfe Bilder, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2003, S. 87]
Die poetische Sprache der Deutschen vermag in eine sehr erhabene Region aufzusteigen. [Hofmannsthal, Hugo von: Wert und Ehre deutscher Sprache. In: Bertram, Mathias (Hg.) Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1927], S. 15065]
Ihr künstlerischer Wert ist ungleich, mancher Satz ist aber von erhabener Schönheit. [Noske, Frits: Petersen. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 31255]
Aber er ließ sich nicht gern warnen, über Kritik war er erhaben. [C't, 2001, Nr. 8]
Zitationshilfe
„erhaben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erhaben>.

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