erhalten

GrammatikVerb · erhält, erhielt, hat erhalten
Aussprache
Worttrennunger-hal-ten
Wortzerlegunger-halten
Wortbildung mit ›erhalten‹ als Erstglied: ↗Erhalter · ↗Erhaltung · ↗erhältlich
 ·  mit ›erhalten‹ als Letztglied: ↗aufrechterhalten · ↗guterhalten · ↗wiedererhalten · ↗zurückerhalten
 ·  mit ›erhalten‹ als Grundform: ↗Erhalt  ·  formal verwandt mit: ↗wohlerhalten
eWDG, 1967

Bedeutungen

I.
1.
gehoben etw. bekommen
a)
Beispiele:
Geld, ein Geschenk, etw. zum Geburtstag, neue Waren erhalten
eine Prämie, Medaille erhalten
einen Brief, Bescheid, Gruß erhalten
ihr Schreiben vom 2. April habe ich erhalten
eine Antwort, Nachricht, Vorladung erhalten
neue Instruktionen, Aufträge erhalten
einen Wink, Hinweis erhalten
eine gute Note erhalten
einen Ruf an die Universität, Sitz und Stimme in den Vereinten Nationen erhalten
die Straße hat einen neuen Namen erhalten
ein Gerücht erhält neue Nahrung
Urlaub erhalten (= beurlaubt werden)
Besuch erhalten (= besucht werden)
jmd. erhält Gehör (= wird gehört)
(von jmdm.) Trost, Hilfe, Beistand, Genugtuung erhalten
unsere Arbeit erhält durch diese Maßnahmen neuen Auftrieb, neue Impulse
ohne die übliche Abschlußprüfung des Diplomingenieurs erhielt er einen hohen Posten [KlempererLTI48]
so hast du doch noch kein Gelübde abgelegt, noch keine Weihe erhalten [HesseNarziß5,39]
Die Wohnkammer erhielt ihr Licht vom Hof her durch ein winziges Fenster [BrechtDreigroschenroman248]
b)
etw. gewinnen, erlangen
Beispiele:
einen Begriff, eine Vorstellung, einen Eindruck von etw. erhalten
er hat ein ganz schiefes Bild erhalten
sein Leben hat einen neuen Sinn erhalten
Sie erhalten hier wichtige Aufschlüsse über das Leben der zivilisierten Weißen [A. ZweigGrischa151]
c)
etw. Unangenehmes einstecken müssen
Beispiele:
eine Strafe, Rüge, (barsche) Abfuhr, Lektion erhalten
einen Verweis ins Klassenbuch erhalten
er hat von ihr einen Korb erhalten
er hat zwei Jahre Zuchthaus erhalten
Es war deutlich zu hören, daß Marofke eine fürchterliche telefonische Abreibung erhielt [FalladaWolf2,229]
von etw. getroffen werden
Beispiele:
einen Stoß, elektrischen Schlag erhalten
Ich sage ihr, daß er einen Schuß ins Herz erhalten hat und gleich tot war [RemarqueIm Westen182]
2.
ein Endprodukt, Ergebnis gewinnen
Beispiele:
aus Erz erhält man Metall
Stickstoff erhält man aus der Luft
durch Destillation erhält man Alkohol
verbinde ich diese Punkte, so erhalte ich das verlangte Dreieck
II.
1.
etw., jmdn. in seinem Zustand weiterhin bewahren
Beispiele:
das Fleisch, den Fisch frisch erhalten
die Vitamine in den Speisen erhalten
das Aroma ist erhalten
der Arzt hat ihm das Augenlicht erhalten
durch gesunde Lebensweise die Arbeitskraft erhalten
die frische Luft erhält die Gesichtsfarbe gesund
der Artist muss durch tägliches Training die Geschmeidigkeit seiner Glieder erhalten
eine Maschine intakt erhalten
ein altes Bauwerk, beschädigtes Kunstwerk erhalten (= nicht verfallen lassen)
ein gut, schlecht erhaltenes Buch, Gemälde, Auto
das Andenken des Verstorbenen soll erhalten bleiben
der Frieden muss erhalten bleiben
die Art erhalten (= für die Fortpflanzung sorgen)
gehobendas Schicksal möge ihn uns lange erhalten! (= lange leben lassen!)
diese Arbeitskräfte bleiben der Firma erhalten
Ich möchte Sie der Schule erhalten [O. ErnstFlachsmannIII 6]
mit Präposition
Grammatik: in Verbindung mit »am«
Beispiel:
jmdn., etw. (künstlich) am Leben erhalten
Grammatik: in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
er erhielt seine Briefmarkensammlung stets auf dem neuesten Stand
[ihre] Toilette, die sorgfältig auf der Höhe des Berliner Geschmacks erhalten wurde [H. Mann8,80]
Grammatik: in Verbindung mit »bei«
Beispiel:
jmdn. bei guter Laune erhalten
Grammatik: in Verbindung mit »in«
Beispiele:
ein Haus in gutem, pfleglichem Zustand erhalten
die Pfeife in Brand erhalten
das Pferd in Trab erhalten
der leichte Wind erhielt die Wogen in Bewegung
Er saß zur Seite der kleinen Wiege ... die er mit einer Hand in gleichmäßiger Schwingung erhielt [Th. MannBuddenbrooks1,50]
sich [Dativ] etw., jmdn. erhalten
Beispiele:
sich seine Unabhängigkeit, Freiheit erhalten
erhalte dir deine Gesundheit, Zuversicht, gute Laune!
Ich werde niemand ein wirkliches Recht streitig machen; aber auch das meinige wünsche ich mir zu erhalten [RaabeSchüdderumpIII 1,383]
das Grinsen ins Gesicht von jemandem, / den du dir erhalten willst [BennDestillationen33]
jmdm. etw. erhaltenjmdm. etw. auch weiterhin entgegenbringen, erweisen
Beispiele:
jmdm. die alte Liebe, Freundschaft erhalten
erhalten Sie mir bitte Ihr Wohlwollen, Ihre Nachsicht!
sich erhaltenfortbestehen wie bisher
Beispiele:
an dieser Stelle erhielt sich ein altes Hünengrab
die Ausgrabungen waren gut erhalten
diese Pflanze, Gattung hat sich nur auf dieser Insel erhalten
ein Brauch, eine Meinung, Ansicht erhält sich (lange)
die Art erhält sich durch Fortpflanzung
sich frisch, gesund, jugendlich, bei voller Kraft, seiner Familie erhalten
der Geschäftsführer kroch unter den Schreibtisch, wo offenbar eine ganze Rauchwolke sich erhalten hatte [BöllBillard14]
2.
jmdn. unterhalten, versorgen
Beispiele:
seine Frau, Familie, alte Mutter erhalten
in den letzten Lebensjahren wurde er von seinen Kindern erhalten
die Gemeinde mußte ihn erhalten [O. M. GrafMitmenschen25]
sich erhaltensich ernähren
Beispiele:
ich erhalte mich durch ganz einfache Kost
fünf Monde erhielten sie sich ... bloß von den Fischen, die sie fingen [Chamisso3,405]
3.
landschaftlich, besonders ostmitteldeutsch, umgangssprachlich etw., sich festhalten
Beispiele:
ich konnte den Schirm im Sturm kaum erhalten
es war schwer, die scheuenden Pferde zu erhalten
dieser Vogel kann sich auf den schwächsten Zweigen sitzend erhalten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

halten · Halt · Halter · Haltung · abhalten · Anhalt · anhalten · Anhalter · aushalten · behalten · Behälter · Behältnis · einhalten · Einhalt · enthalten · erhalten · unterhalten · Unterhalt · Zuhälter · zuhalten · Unterhaltung
halten Vb. ‘festhalten, bewahren’, ahd. haltan ‘festhalten, befolgen, (be)hüten’ (8. Jh.), mhd. halten, halden ‘hüten, weiden, bewahren, verehren, festhalten, gefangenhalten, meinen, sich benehmen, an einem Punkt anhalten, stillhalten’, asächs. haldan ‘halten, hüten, feiern’, mnd. hōlden ‘hüten, bewachen, schützen, weiden, einhalten, veranstalten, festhalten, stillhalten, sich verhalten’, mnl. nl. houden, aengl. haldan, healdan, engl. to hold, anord. halda, schwed. hålla, got. haldan ‘hüten, weiden’. Sieht man den Dental des ehemals reduplizierenden germ. Verbs als präsensbildendes Formans an und geht von einer Grundbedeutung ‘(Vieh) hüten’ aus, dann läßt sich eine Verbindung zu griech. kéllein (κέλλειν) ‘antreiben, bewegen, anfahren, landen’, lat. celer ‘schnell, rasch’, aind. kaláyati ‘treibt (Vieh), hält, trägt, macht’ und Anschluß an die Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ herstellen, die möglicherweise mit *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. ↗hell) identisch ist (vgl. Pokorny 1, 548; anders Seebold 249, der auf Grund der Bedeutung ‘hüten, weiden’ das germ. Verb auf die Wurzel ie. *ku̯el(ə)- ‘drehen, sich um etw. herumbewegen’ zurückführen möchte, s. ↗Hals). Aus der Grundbedeutung ‘hüten’ entwickelt sich einerseits ‘achthaben, beobachten, bewahren’, andrerseits ‘festhalten’ sowie ‘an-, stillhalten, in einem Zustand verharren’, schließlich (vielleicht unter dem Einfluß von haben) ‘für etw. ansehen, glauben, meinen’. Halt m. ‘Stütze, das (Inne)halten’, mhd. halt ‘Bestand, Ort, Aufenthalt’. Halter m. ‘Haltevorrichtung’ (vgl. Federhalter), ‘wer etw. hält’ (vgl. Statthalter), ahd. haltāri ‘Erretter, Erlöser’ (um 1000; vgl. bihaltāri ‘Wächter’, 8. Jh.), mhd. haltære, halter ‘Hirt, Bewahrer, Erlöser’. Haltung f. ‘Körperhaltung, Pose, innere Einstellung, Beherrschtheit’, spätmhd. haltunge, auch ‘Gewahrsam, Verwahrung, Inhalt’. abhalten Vb. ‘fernhalten, hindern, durchführen’ (15. Jh.). Anhalt m. ‘Anhaltspunkt, Ursache’, mhd. anhalt; anhalten Vb. ‘festhalten, stehenbleiben, stoppen, andauern, zu etw. bewegen, um etw. bitten’ (1. Hälfte 15. Jh.); Anhalter m. ‘wer fremde Autos anhält, um sich mitnehmen zu lassen’, geläufig in der Wendung per Anhalter fahren (Mitte 20. Jh.); zuvor im Sinne von ‘Förderer, (An)treiber’ (16. Jh.). aushalten Vb. ‘bis zum Ende durchstehen, ertragen, Unterhalt gewähren’, mhd. ūʒhalten ‘instand halten, verpflegen’. behalten Vb. ‘nicht weggeben, bewahren’, ahd. bihaltan ‘beachten. bewahren, schützen’ (8. Jh.), mhd. behalten, -halden ‘für sich behalten, bewahren, Erfolg haben, beherbergen, einhalten, (vor Gericht) durch Zeugen erhärten’; Behälter m. ‘Gefäß’, frühnhd. auch ‘Gefängnis’ (15. Jh.); vgl. mhd. behaltære, behalter ‘Beobachter, Bewahrer, Erlöser’, ahd. bihaltāri ‘Wächter’ (8. Jh.); Behältnis n. ‘Behälter, Gefäß’ (15. Jh.), mhd. behaltnisse ‘das Halten, Erhaltung, Vorbehalt, Gewahrsam, Gedächtnis’, ahd. bihaltnessi ‘das Zurückhalten’ (9. Jh.). einhalten Vb. ‘aufhören, aufhalten, beachten’ (15. Jh.); Einhalt m. ‘Einschränkung, Eindämmung’ (Mitte 15. Jh.), dann besonders in der Verbindung Einhalt gebieten, tun (16. Jh.); frühnhd. auch für Inhalt. enthalten Vb. ‘(sich) fernhalten, zurückhalten, enthaltsam sein, zum Inhalt haben’, mhd. enthalten ‘stillhalten, zurückhalten’; dazu enthaltsam ‘mäßig, abstinent’ und Enthaltsamkeit (beide 18. Jh.). erhalten Vb. ‘empfangen, bekommen, bewahren’ (16. Jh.). unterhalten Vb. ‘etw. sichern, bewahren, sich erfreuen, ein Gespräch führen’ (17. Jh.); Unterhalt m. (17. Jh.); Zuhälter m. ‘wer von den Einkünften einer Prostituierten lebt’ (Mitte 19. Jh.), wohl in der Sprache der Polizei gebildet nach älterem Zuhalter ‘wer zu einem hält, Anhänger’ (15. Jh.), mnd. toholder, tohelder, zu zuhalten Vb. im Sinne von ‘zu einer Person halten, ihr beistehen’, auch mit einem zuhalten ‘es mit einem halten, ein außereheliches Verhältnis haben’ (15. Jh.). Unterhaltung f. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bewahren · erhalten · ↗verewigen · ↗wahren  ●  ↗eternisieren  geh., veraltet
Synonymgruppe
aufbewahren · ↗aufheben · ↗behalten · ↗bewahren · erhalten · in Verwahrung nehmen · ↗konservieren · ↗lagern · ↗verwahren  ●  ↗asservieren  geh. · nicht wegschmeißen  ugs. · nicht wegwerfen  ugs.
Assoziationen
  • achten und bewahren · gut achtgeben auf · hüten wie seinen Augapfel · in Ehren halten · nicht weggeben
  • (für) Zeiten der Not  ●  (für) schlechte Zeiten  ugs.
  • Dörrbirne  ●  ↗Hutze  alemannisch · Hutzle  alemannisch · ↗Kletze  bair., österr.
Synonymgruppe
beibehalten · ↗einbehalten · erhalten
Synonymgruppe
(jemandem) zuteil werden · ↗bekommen · ↗beziehen · erhalten · ↗erlangen  ●  ↗abbekommen  ugs. · ↗kriegen  ugs.
Assoziationen
Antonyme
  • erhalten

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bausubstanz Bauwerk Exemplar Fachwerkhaus Fossil Fragment Fresko Handschrift Inschrift Lastenausgleich Mumie Orgel Schädel Skelett Stadtkern Stadtmauer Stadttor Urkunde Wachturm aufrecht bestens fragmentarisch geblieben komplett original restauriert unrechtmäßig vollständig vorzüglich Überrest

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erhalten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Verleger erhält gar kein eigentliches Recht am Text des Autors.
konkret, 1988
Bürgerrecht erhielt die katholische Kirche eigentlich erst in den dreißiger Jahren.
o. A.: Die Weltkirche im 20. Jahrhundert. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1979], S. 19728
Mit seiner Hilfe wollte er den christlichen Charakter aller öffentlichen Institutionen erhalten.
o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 9774
Sie habe nicht gesucht, den Frieden auf Kosten der erforderlichen Veränderungen zu erhalten.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1962]
Dagegen hat sich die alte Lebensweise bei dem Rate der Alten erhalten.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. III. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 10717
Zitationshilfe
„erhalten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erhalten>, abgerufen am 17.11.2019.

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