Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

erholen

Grammatik Verb · reflexiverholt sich, erholte sich, hat sich erholt
Aussprache 
Worttrennung er-ho-len
Wortzerlegung er- holen
Wortbildung  mit ›erholen‹ als Erstglied: erholsam

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨sich (von etw.) erholen⟩ sein einstiges, vorübergehend beeinträchtigtes Wohlbefinden wiedererlangen
    1. seine Fassung wiedererlangen
    2. [Wirtschaft, übertragen] ...
  2. 2. [veraltet] ⟨sich Rat erholen⟩ sich Rat holen
eWDG

Bedeutungen

1.
sich (von etw.) erholensein einstiges, vorübergehend beeinträchtigtes Wohlbefinden wiedererlangen
Beispiele:
sich von einer Operation, Krankheit (wieder) erholen
sie hat sich langsam, leidlich, einigermaßen erholt
sich von einer Anstrengung, von den Strapazen der Reise erholen
am Feierabend will man sich erholen (= ausruhen)
er sieht gut erholt aus
Er ist besoffen … In der frischen Luft wird er sich erholen [ H. W. RichterSpuren252]
seine Fassung wiedererlangen
Beispiele:
sich von einem Schreck, Schock erholen
er konnte sich von seinem Erstaunen, seiner Erschütterung lange nicht erholen
soweit hatte ich mich schon von meiner Verwunderung erholt, daß ich herzlich … lachen konnte [ RaabeSperlingsgasseI 1,159]
Wirtschaft, übertragen
Beispiele:
Preise, Wertpapiere erholen sich (= ziehen an, steigen)
Maschinenaktien … verloren bis zum Kassakurs 5,5, erholten sich aber nachher auf 190 [ Tageszeitung1956]
Erst allmählich erholte (= stabilisierte) sich das Geschäft wieder [ PassargeSüdafrika277]
2.
veraltet sich [Dativ] Rat erholensich Rat holen
Beispiele:
daß er ein Mann sei, bei dem man sich in zweifelhaften Fällen sicheren Rat erholen möge [ Storm5,77]
eines Tages … als sie sich Rats bei ihm erholte [ G. Hauptm.3,386]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

holen · erholen · Erholung · nachholen · überholen · überholt
holen Vb. ‘hingehen und etw. herbringen, herbeischaffen, jmdn. veranlassen, bitten zu kommen’, reflexiv ‘sich etw. Schlimmes zuziehen’, ahd. halōn, (seltener) holōn (8. Jh.), holēn (9. Jh.), mhd. hol(e)n, (seltener) haln ‘herbeirufen, herbeibringen, erreichen, erwerben und mit sich fortführen’, asächs. halon ‘holen, ziehen, bringen’, mnd. mnl. hālen, nl. halen ‘holen, ziehen’, aengl. geholian ‘bekommen, erhalten’. Die Herkunft der (untereinander ablautenden) westgerm. Verbformen ist nicht sicher geklärt. Man verbindet sie gewöhnlich mit griech. kalé͞in (καλεῖν) ‘rufen, nennen, herbeirufen’, lat. calāre ‘aus-, zusammenrufen’ und stellt sie in Sinne von ‘(herbei)rufen’ bzw. ‘rufen beim gemeinschaftlichen Ziehen’ zu der unter hell (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. auch Hall). Oder man geht von einer Grundbedeutung ‘ziehen, mit Anstrengung herbeischaffen’ aus, vergleicht griech. kálōs (κάλως) ‘Seil, Tau, Kabel’ (das Frisk 1, 770 allerdings als technisches Fremdwort fernhalten will) und setzt eine Wurzel ie. *kal- ‘ziehen’ voraus; vgl. Mansion in: PBB 33 (1908) 547 ff. erholen Vb. reflexiv ‘sein Wohlbefinden wiedererlangen, wieder zu Kräften kommen, gesund werden, ausspannen’, ahd. irholōn (9. Jh.), irhalōn (10. Jh.) ‘herbeiholen, (Geld) einfordern’, mhd. erholn ‘einbringen, erwerben, Versäumtes nachholen, erfrischen’, reflexiv ‘sich erholen, ein Versäumnis gutmachen, sich anders besinnen’; Erholung f. (15. Jh.). nachholen Vb. ‘nachträglich holen, Versäumtes nachträglich erledigen, nacharbeiten’ (17. Jh.). überholen Vb. in unfester Zusammensetzung ‘herüberholen, übersetzen, ans andere Ufer befördern’, besonders im Ruf nach dem Fährmann hol’ über!, mhd. überholn (s. hallo); in fester Zusammensetzung ‘einholen und hinter sich lassen, an Geschwindigkeit übertreffen’ (16. Jh.), übertragen ‘in der Leistung übertreffen’, in der Technik ‘(Maschine, Fahrzeug) auf Fehler durchsehen, prüfen, Mängel beseitigen, ausbessern’, zuerst in der Seemannssprache (als Übersetzung von engl. to overhaul) ‘gründlich nachsehen und instand setzen’ (um 1870); vgl. Generalüberholung (20. Jh.); überholt Part.adj. ‘veraltet’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
erholen · neu erstellen · regenerieren · wiederherstellen  ●  (sich wieder) sammeln  ugs. · (sich) berappeln  ugs.
Synonymgruppe
(sich kurz) ausruhen · Pause machen · Rast machen · ausspannen · eine Pause einlegen · eine Ruhepause einlegen · entspannen · erholen · pausieren · rasten · verschnaufen  ●  (sich) ausrasten  österr. · relaxen  Anglizismus
Assoziationen
  • eine Pause machen · in (der) Pause sein  ●  Pause haben  ugs. · Pause machen  ugs., Hauptform
Medizin
Synonymgruppe
(jemandem) geht es besser · (sich) auskurieren · (sich) erholen · (wieder) (ganz) gesund werden · auf dem Weg der Besserung (sein) · genesen · gesunden · wiederhergestellt werden · überwinden (Krankheit)  ●  (sich) berappeln  ugs. · (wieder) auf die Beine kommen  ugs. · rekonvaleszieren  fachspr., lat.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (sich) von einem Misserfolg wieder zu erholen versuchen · eine Niederlage (erst) verarbeiten (müssen) · versuchen, sich wieder zu berappeln · versuchen, wieder auf die Beine zu kommen  ●  (sich) die Wunden lecken  fig. · seine Wunden lecken  fig.
Synonymgruppe
(es sich) bequem machen · (sich) einen (faulen) Lenz machen · (sich) entspannen · (sich) erholen · ausruhen · faulenzen · herumlungern · nichts tun · untätig sein  ●  (die) Beine hochlegen  auch figurativ · (die) Füße hochlegen  fig. · (ein) Lotterleben (führen)  scherzhaft · (sich) auf die faule Haut legen  ugs. · (sich) festhalten an  ugs., scherzhaft-ironisch · Däumchen drehen  ugs., sprichwörtlich · abchillen  ugs., jugendsprachlich · abflacken  ugs. · abhängen  ugs. · ablockern  ugs. · abschalten  ugs. · abschimmeln  derb · absicken  ugs., jugendsprachlich · chillen  ugs. · flacken  ugs., österr., süddt. · flohnen  ugs., schweiz. · gammeln  ugs. · herumgammeln  ugs. · herumhängen  ugs. · lungern  ugs. · nichts zu tun haben  ugs. · rumfaulenzen  ugs. · rumgammeln  ugs. · rumlungern  ugs.
Assoziationen
  • nichts überstürzen  ●  Eile mit Weile.  Sprichwort · Aus der Ruhe kommt die Kraft.  ugs., Sprichwort · In der Ruhe liegt die Kraft.  ugs., Sprichwort · Nur ned hudle.  ugs., schwäbisch
  • (sich) keinen Zwang antun · (sich) wie zu Hause fühlen · es sich gemütlich machen
  • bequem · entspannt · formlos · gelöst · launig · leger · locker · lässig · unbeschwert · unförmlich · ungezwungen · unverkrampft · zwanglos  ●  chillig  ugs. · geschmeidig  ugs. · relaxed  ugs., engl. · relaxt  ugs. · tiefenentspannt  ugs., ironisch
  • (sich) Zeit nehmen · keine Eile haben (mit) · kleinschrittig vorgehen  ●  (sich) Zeit lassen  Hauptform · (sich) nicht überschlagen  ugs. · eine ruhige Kugel schieben  ugs., Redensart · es ruhig angehen lassen  ugs., Hauptform
  • (etwas) geschehen lassen · den Dingen ihren Lauf lassen · nicht aktiv werden (in einer Sache) · nichts machen · nichts tun · nichts unternehmen  ●  (die) Dinge treiben lassen  negativ · (die) Hände in den Schoß legen  fig. · keinen Finger rühren  fig. · tatenlos zusehen  negativ · untätig bleiben  Hauptform
  • (sich) hängenlassen · (sich) zu nichts aufraffen (können) · darauf warten dass ein Wunder geschieht · darauf warten, dass die Zeit vergeht · nichts tun  ●  (irgendwie) die Zeit rumkriegen  ugs.
  • (sich irgendwo) herumdrücken · (sich) herumtreiben · herumlungern · herumstehen · rumhängen  ●  (sich) rumtreiben  ugs. · abhängen  ugs. · herumgammeln  ugs. · rumlungern  ugs. · rumstehen  ugs.
Synonymgruppe
(sich) aufrichten · (sich) erholen · (sich) wieder beleben · auferstehen · aufleben · erstarken · geheilt werden · genesen · gesund werden · gesunden  ●  (sich) aufrappeln  ugs. · (sich) hochrappeln  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›erholen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erholen‹.

Verwendungsbeispiele für ›erholen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir gaben ihm Cherry Brandy zu trinken, und er erholte sich allmählich. [Reventlow, Franziska Gräfin zu: Herrn Dames Aufzeichnungen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 8384]
Als ich wieder aufstehen durfte, konnte ich mich durchaus nicht erholen. [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 4735]
Das Kind, eine Tochter, konnte gerettet werden, und meine Frau erholte sich verhältnismäßig rasch. [Bode, Wilhelm von: Mein Leben, 2 Bde. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 1984]
Bei diesen jungen Rechten allerdings hat sie es nie länger als drei Tage ausgehalten, dann mußte sie sich erst mal drei Tage erholen. [Die Zeit, 18.04.1997, Nr. 17]
Die ukrainische Wirtschaft erhole sich frühestens in einem bis anderthalb Jahren. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1994]]
Zitationshilfe
„erholen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erholen>.

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