erholen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunger-ho-len (computergeneriert)
Grundformholen
Wortbildung mit ›erholen‹ als Erstglied: ↗erholsam
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
sich (von etw.) erholensein einstiges, vorübergehend beeinträchtigtes Wohlbefinden wiedererlangen
Beispiele:
sich von einer Operation, Krankheit (wieder) erholen
sie hat sich langsam, leidlich, einigermaßen erholt
sich von einer Anstrengung, von den Strapazen der Reise erholen
am Feierabend will man sich erholen (= ausruhen)
er sieht gut erholt aus
Er ist besoffen ... In der frischen Luft wird er sich erholen [H. W. RichterSpuren252]
seine Fassung wiedererlangen
Beispiele:
sich von einem Schreck, Schock erholen
er konnte sich von seinem Erstaunen, seiner Erschütterung lange nicht erholen
soweit hatte ich mich schon von meiner Verwunderung erholt, daß ich herzlich ... lachen konnte [RaabeSperlingsgasseI 1,159]
Wirtschaft, übertragen
Beispiele:
Preise, Wertpapiere erholen sich (= ziehen an, steigen)
Maschinenaktien ... verloren bis zum Kassakurs 5,5, erholten sich aber nachher auf 190 [Tageszeitung1956]
Erst allmählich erholte (= stabilisierte) sich das Geschäft wieder [PassargeSüdafrika277]
2.
veraltet sich [Dativ] Rat erholensich Rat holen
Beispiele:
daß er ein Mann sei, bei dem man sich in zweifelhaften Fällen sicheren Rat erholen möge [Storm5,77]
eines Tages ... als sie sich Rats bei ihm erholte [G. Hauptm.3,386]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

holen · erholen · Erholung · nachholen · überholen · überholt
holen Vb. ‘hingehen und etw. herbringen, herbeischaffen, jmdn. veranlassen, bitten zu kommen’, reflexiv ‘sich etw. Schlimmes zuziehen’, ahd. halōn, (seltener) holōn (8. Jh.), holēn (9. Jh.), mhd. hol(e)n, (seltener) haln ‘herbeirufen, herbeibringen, erreichen, erwerben und mit sich fortführen’, asächs. halon ‘holen, ziehen, bringen’, mnd. mnl. hālen, nl. halen ‘holen, ziehen’, aengl. geholian ‘bekommen, erhalten’. Die Herkunft der (untereinander ablautenden) westgerm. Verbformen ist nicht sicher geklärt. Man verbindet sie gewöhnlich mit griech. kalé͞in (καλεῖν) ‘rufen, nennen, herbeirufen’, lat. calāre ‘aus-, zusammenrufen’ und stellt sie in Sinne von ‘(herbei)rufen’ bzw. ‘rufen beim gemeinschaftlichen Ziehen’ zu der unter ↗hell (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. auch ↗Hall). Oder man geht von einer Grundbedeutung ‘ziehen, mit Anstrengung herbeischaffen’ aus, vergleicht griech. kálōs (κάλως) ‘Seil, Tau, Kabel’ (das Frisk 1, 770 allerdings als technisches Fremdwort fernhalten will) und setzt eine Wurzel ie. *kal- ‘ziehen’ voraus; vgl. Mansion in: PBB 33 (1908) 547 ff. erholen Vb. reflexiv ‘sein Wohlbefinden wiedererlangen, wieder zu Kräften kommen, gesund werden, ausspannen’, ahd. irholōn (9. Jh.), irhalōn (10. Jh.) ‘herbeiholen, (Geld) einfordern’, mhd. erholn ‘einbringen, erwerben, Versäumtes nachholen, erfrischen’, reflexiv ‘sich erholen, ein Versäumnis gutmachen, sich anders besinnen’; Erholung f. (15. Jh.). nachholen Vb. ‘nachträglich holen, Versäumtes nachträglich erledigen, nacharbeiten’ (17. Jh.). überholen Vb. in unfester Zusammensetzung ‘herüberholen, übersetzen, ans andere Ufer befördern’, besonders im Ruf nach dem Fährmann hol’ über!, mhd. überholn (s. ↗hallo); in fester Zusammensetzung ‘einholen und hinter sich lassen, an Geschwindigkeit übertreffen’ (16. Jh.), übertragen ‘in der Leistung übertreffen’, in der Technik ‘(Maschine, Fahrzeug) auf Fehler durchsehen, prüfen, Mängel beseitigen, ausbessern’, zuerst in der Seemannssprache (als Übersetzung von engl. to overhaul) ‘gründlich nachsehen und instand setzen’ (um 1870); vgl. Generalüberholung (20. Jh.); überholt Part.adj. ‘veraltet’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
erholen · neu erstellen · ↗regenerieren · ↗wiederherstellen  ●  ↗(sich wieder) sammeln  ugs. · (sich) berappeln  ugs.
Synonymgruppe
(einmal) durchatmen · Pause einlegen · Pause haben · Pause machen · Rast machen · ↗abspannen · ↗ausruhen · ↗ausspannen · ↗entspannen · erholen · in Pause sein · ↗pausieren · ↗rasten · ↗relaxen · ↗verschnaufen  ●  ↗(sich) ausrasten  österr.
Unterbegriffe
  • (mal) Abstand gewinnen · Urlaub vom Alltag machen · den Alltag hinter sich lassen · die Seele baumeln lassen  ●  ↗(seinen) Akku (wieder) aufladen  fig. · mal rauskommen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) auskurieren · (sich) erholen · (wieder) (ganz) gesund werden · auf dem Weg der Besserung (sein) · ↗genesen · ↗gesunden · wiederhergestellt werden · ↗überwinden (Krankheit)  ●  (seine) Wunden lecken  ugs., fig. · (sich) berappeln  ugs. · (wieder) auf die Beine kommen  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
erholen (sich) · ↗rekonvaleszieren
Unterbegriffe
Synonymgruppe
(es sich) bequem machen · (sich) einen (faulen) Lenz machen · ↗(sich) entspannen · (sich) erholen · ↗ausruhen · ↗faulenzen · ↗herumlungern · nichts tun · untätig sein  ●  (die) Füße hochlegen  fig. · (ein) Lotterleben (führen)  scherzhaft · (sich) auf die faule Haut legen  ugs. · (sich) festhalten an  ugs., scherzhaft-ironisch · Däumchen drehen  ugs., fig. · abchillen  ugs., jugendsprachlich · abflacken  ugs. · ↗abhängen  ugs. · ablockern  ugs. · ↗abschalten  ugs. · abschimmeln  derb · absicken (jugendsprachlich)  ugs. · ↗chillen  ugs. · flohnen  ugs., schweiz. · ↗gammeln  ugs. · ↗herumgammeln  ugs. · ↗herumhängen  ugs. · ↗lungern  ugs. · nichts zu tun haben  ugs. · ↗rumfaulenzen  ugs. · ↗rumgammeln  ugs. · rumlungern  ugs.
Assoziationen
  • nichts überstürzen  ●  Eile mit Weile.  Sprichwort · Aus der Ruhe kommt die Kraft.  ugs., Sprichwort · In der Ruhe liegt die Kraft.  ugs., Sprichwort
  • (sich) keinen Zwang antun · (sich) wie zu Hause fühlen · es sich gemütlich machen
  • bequem · entspannt · ↗formlos · ↗gelöst · ↗launig · ↗leger · ↗locker · ↗lässig · ↗unbeschwert · ↗unförmlich · ↗ungezwungen · ↗unverkrampft · ↗zwanglos  ●  chillig  ugs. · ↗geschmeidig  ugs. · ↗relaxed  ugs., engl. · relaxt  ugs. · ↗tiefenentspannt  ugs., ironisch
  • (sich) Zeit lassen  Hauptform · (sich) nicht überschlagen  ugs. · eine ruhige Kugel schieben  ugs., Redensart · es ruhig angehen lassen  ugs., Hauptform
  • (etwas) geschehen lassen · den Dingen ihren Lauf lassen · nicht aktiv werden (in einer Sache) · nichts machen · nichts tun · nichts unternehmen  ●  (die) Dinge treiben lassen  negativ · (die) Hände in den Schoß legen  fig. · keinen Finger rühren  fig. · tatenlos zusehen  negativ · untätig bleiben  Hauptform
  • (sich) hängenlassen · (sich) zu nichts aufraffen (können) · darauf warten dass ein Wunder geschieht · darauf warten, dass die Zeit vergeht · nichts tun  ●  (irgendwie) die Zeit rumkriegen  ugs.
  • (sich irgendwo) herumdrücken · ↗(sich) herumtreiben · ↗herumlungern · ↗herumstehen  ●  ↗(sich) rumtreiben  ugs. · ↗abhängen  ugs. · ↗herumgammeln  ugs. · ↗rumstehen  ugs.
  • (sich) entspannen · ↗lungern · nichts zu tun haben · untätig sein  ●  ↗abhängen  ugs. · absicken  ugs. · ↗chillen (jugendsprachlich)  ugs. · ↗herumgammeln  ugs. · ↗herumhängen  ugs. · ↗herumlungern  ugs. · keinen Finger krumm machen  ugs. · ↗rumhängen  ugs.
  • (sich) eine Auszeit nehmen · (sich) eine schöne Zeit machen · (sich) einen lauen Lenz machen  ●  (sich) einen Bunten machen  ugs.
  • faul sein · ↗faulenzen · nichts tun  ●  (die) Arbeit nicht erfunden haben  ugs., Redensart · (einfach) dasitzen und Kaffee trinken  ugs., fig. · (sich) an den Füßen spielen  ugs., fig., Redensart · (sich) die Eier schaukeln  derb, fig., Redensart · Däumchen drehen  ugs., Redensart · abhartzen  ugs., salopp · abharzen  ugs., salopp · auf der faulen Haut liegen  ugs., Redensart · keinen Finger krumm machen  ugs., fig., Redensart · keinen Finger rühren  ugs., Redensart, fig. · keinen Handschlag tun  ugs., variabel, Redensart · keinen Schlag tun  ugs.
  • (sich) die Zeit vertreiben · Zeit verschwenden · ↗vertrödeln (Zeit) · ↗vertun (seine Zeit) · ↗vertändeln (Zeit)  ●  Zeit totschlagen  ugs.
  • Maulaffen feilhalten · dastehen und nichts tun · den anderen beim Arbeiten zusehen · untätig dabeistehen (und glotzen) · untätig danebenstehen (und zugucken) · untätig zusehen  ●  (dasitzen und) Löcher in die Luft starren  fig. · ↗(untätig) herumstehen  Hauptform · dastehen und Löcher in die Luft starren  fig. · (sich) die Beine in den Bauch stehen  ugs., fig. · ↗dabeistehen (und Däumchen drehen)  ugs.
  • (gemeinsam) (die) Freizeit verbringen · ↗(sich) treffen  ●  ↗(irgendwo) abhängen  ugs., Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktienkurs Aktienkursus Aktienmarkt Bestand Börse Dax Dollar Einbruch Gemeinschaftswährung Handelsverlauf Konjunktur Kurs Kursverlust Rückschlag Schock Schreck Strapaze Tagesverlauf Tief Tiefstand Verlauf Vortagesverlust Weltwirtschaft Wirtschaft allmählich langsam leicht rasch schnell wieder

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erholen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie soll ich mich erholen bei dem ganzen Theater, das da in den letzten Tagen veranstaltet wird?
Der Tagesspiegel, 11.12.2003
Später erholte er sich allerdings zum Yen deutlicher als im Vergleich zum Euro.
Süddeutsche Zeitung, 20.11.2003
Natürlich auf die Jagd, dabei erhole ich mich am besten.
Killian, Hans: Auf Leben und Tod, München: Wilhelm Heyne Verlag 1976, S. 35
Wenn es uns weiterhin so gut geht, dann erholen wir uns bestimmt.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 01.06.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Das Kind, eine Tochter, konnte gerettet werden, und meine Frau erholte sich verhältnismäßig rasch.
Bode, Wilhelm von: Mein Leben, 2 Bde. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 1984
Zitationshilfe
„erholen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erholen>, abgerufen am 26.03.2019.

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