erkünstelt

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Worttrennunger-küns-telt
Grundformerkünsteln
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kunst · künsteln · gekünstelt · erkünstelt · Künstler · künstlerisch · künstlich · Kunststück
Kunst f. ‘schöpferische und gestalterische Fähigkeit der Gesellschaft, vornehmlich ihrer mit besonderen Begabungen ausgestatteten Vertreter, Überlieferung und Produkte dieser Fähigkeit’ (nach Gattung und Epoche näher bestimmbar, vgl. Bau-, Dichtkunst, bildende Kunst, Kunst der Antike), dann auch ‘Gemachtes’ im Gegensatz zu Natur (bereits 16. Jh.), ‘industrielles Erzeugnis’ im Gegensatz zum Naturprodukt (vgl. Kunstdünger, 19. Jh., Kunsthonig, Kunstseide, Kunststoff, 20. Jh.). Als Verbalabstraktum mit sti-Suffix (s. auch ↗Gunst) zu dem unter ↗können (s. d.) dargestellten Verb ist ahd. kunst (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. kunst, mnl. const von umfassender Bedeutung und bezeichnet zunächst ‘Wissen, Kenntnis’ (vgl. mhd. nāch mīner kunst ‘soviel ich weiß’), ‘menschliche Befähigung, Fertigkeit, Kompetenz’ unabhängig von ästhetischem Anspruch (vgl. schwarze Kunst, mhd. swarze kunst, Kochkunst, 16. Jh., Staatskunst, 17. Jh., Heilkunst, 18. Jh., sowie das ist keine Kunst ‘das ist ganz einfach’). Kunst steht auch im Sinne von ‘Wissenschaft’ (vgl. die theologei sei mer ein erfarung und empfindnus dann ein kunst, 16. Jh.). Vorbereitet durch Komposita wie Malkunst (17. Jh.), das Aufkommen von Wissenschaft (s. ↗wissen) als Bezeichnung einer gelehrten Disziplin und durch den Begriff der schönen Künste, auch schöne Wissenschaften und Künste, bildet sich, gefördert durch Batteux’ Schrift „Les beaux-arts“ (1746) und das Wirken der deutschen Klassiker, die heutige Auffassung heraus. künsteln Vb. ‘Künste, Fertigkeiten ausüben, experimentieren’ (16. Jh.), ‘künstlich herstellen’ (18. Jh.). Über das 19. Jh. hinaus gültig bleibt nur das Part.adj. gekünstelt ‘unnatürlich, unecht’; vgl. auch gleichbed. erkünstelt (18. Jh.). Künstler m. ‘Schöpfer, Interpret von Kunstwerken’ (18. Jh.), zuvor ‘Gelehrter, auf einem bestimmten Gebiet Bewanderter, Kenner’ (16. Jh.), vgl. gleichbed. mhd. kunster, künster, später auch künstener; dazu künstlerisch Adj. (18. Jh.). künstlich Adj. ‘nachgemacht, nicht natürlich’, mhd. künstlich ‘Verständnis, Weisheit bekundend, klug, geschickt’; vgl. mhd. künstic, künstec, kunstic ‘mit Kunst begabt, verständig, klug’, ahd. kunstīg (9. Jh.), unkunstīg (8. Jh.). Kunststück n. ‘Meisterstück, gekonnt ausgeführte Leistung’, auch ‘Gaukelei, Zauberei’ sowie ‘Kunstwerk’ (16. Jh.).

Verwendungsbeispiele für ›erkünstelt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seine Opposition gegen die Leblosigkeit einer erkünstelten Sprache drückt er in zwei meisterhaften Werken aus.
Die Welt, 31.07.1999
Er sagt es, ohne Pathos, nicht freundlich, sondern entlarvend, sachlich oder zornig, resigniert oder eben in sorgsam erkünsteltem Lila.
Die Zeit, 20.09.1968, Nr. 38
Es hat natürlich auch Schwierigkeiten gegeben, aber die Entwicklung der Verbindungen ist dabei nicht von diesen oder jenen häufig erkünstelten Problemen abhängig gemacht worden.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1984]
Ich muss mich auch dagegen wehren, dass unsere Marktordnung als eine erkünstelte Theorie einiger weniger nationalsozialistischer Agrarpolitiker hingestellt wird.
o. A.: Schlusssitzung des Dritten Reichsbauerntages in Goslar, 17.11.1935
In Bezug auf allgemein verbreitete, gleichmäßige, nicht erkünstelt heitere Stimmung kam dies Fest dem "Alpenball" mindestens gleich.
Vossische Zeitung (Abend-Ausgabe), 02.03.1903
Zitationshilfe
„erkünstelt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erk%C3%BCnstelt>, abgerufen am 08.04.2020.

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