Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

erlauben

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung er-lau-ben
Wortbildung  mit ›erlauben‹ als Erstglied: Erlaubnis  ·  formal verwandt mit: unerlaubt

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨jmd. erlaubt jmdm. etw.⟩ jmd. gibt jmdm. die Erlaubnis, etw. zu tun, jmd. gestattet jmdm. etw.
    1. [höflich] Bitte um Erlaubnis
    2. ⟨erlaubt⟩ gestattet, zulässig
    3. ⟨erlaubt sein⟩ gestattet, statthaft sein
  2. 2. ⟨etw. erlaubt jmdm. etw.⟩ etw. ermöglicht jmdm. etw.
  3. 3. ⟨sich etw. erlauben⟩ sich die Freiheit zu etw. nehmen, sich etw. herausnehmen
eWDG

Bedeutungen

1.
jmd. erlaubt jmdm. etw.jmd. gibt jmdm. die Erlaubnis, etw. zu tun, jmd. gestattet jmdm. etw.
Beispiele:
ich erlaube (es) ihm, nach Hause zu gehen, das Buch mitzunehmen
die Mutter erlaubt den Kindern zu spielen
der Arzt, Lehrer hat es erlaubt
salopper ist dümmer, als die Polizei erlaubt (= sehr dumm)
höflich Bitte um Erlaubnis
Beispiele:
erlauben Sie bitte?
erlauben Sie (mir), Ihnen eine Tasse Kaffee anzubieten, eine Bemerkung (dazu)
erlauben Sie, dass ich rauche?
etw. gern, sofort, freundlich, gütigst, ohne weiteres, unwillig erlauben
erlaubtgestattet, zulässig
Grammatik: oft im Partizip II
Beispiele:
eine erlaubte Handlungsweise
das erlaubte Maß, die Grenze des Erlaubten (nicht) überschreiten
etw. bleibt in erlaubten Grenzen, geschieht mit erlaubten Mitteln
erlaubt seingestattet, statthaft sein
Beispiele:
etw. ist gesetzlich, behördlich erlaubt
hier ist Parken (nicht) erlaubt
Rauchen erlaubt!
es ist nicht erlaubt, die Schonung zu betreten, die Tiere zu füttern
ist die Frage erlaubt?
ich kann mir keine großen Anschaffungen erlauben (= ich kann mir keine großen Anschaffungen leisten)
saloppich kann mir keine großen Sprünge erlauben (= ich kann mir keine großen Anschaffungen leisten)
salopp(na) erlauben Sie mal! (= wie kommen Sie darauf, was fällt Ihnen ein!)
Erlaubt ist, was sich ziemt [ GoetheTassoII 1]
Was nicht verboten ist, ist erlaubt [ SchillerWallenst. Lager6]
2.
etw. erlaubt jmdm. etw.etw. ermöglicht jmdm. etw.
Beispiele:
die Verfassung, Behörde erlaubt, dass …
seine Mittel erlauben ihm, ein Auto zu kaufen
die Umstände, Verhältnisse erlauben es (nicht)
mein Gesundheitszustand erlaubt (es) mir nicht, dass ich reise
meine Zeit erlaubte mir, viel zu lesen
wenn es das Wetter erlaubt, werde ich mitkommen
die Elektrifizierung dieser Strecke erlaubt es nun, diesen Weg per Bahn in angemessener Zeit zurückzulegen
Obwohl er ein wenig mehr durchblicken ließ, als seine Schweigepflicht ihm erlaubte [ SeghersDie Toten6,52]
3.
sich [Dativ] etw. erlaubensich die Freiheit zu etw. nehmen, sich etw. herausnehmen
Beispiele:
sich (allerlei, viele) Freiheiten, Frechheiten, Übergriffe, Ungehörigkeiten, eine Zudringlichkeit, Anspielung erlauben
er hat sich viel(es), zu viel, allerhand erlaubt
sich [Dativ] mit jmdm. einen Scherz erlauben
ich möchte mir kein Urteil erlauben
ich werde mir erlauben, Sie zu besuchen
er erlaubte sich, Einspruch zu erheben
ich habe mir erlaubt, eine Stunde später zu kommen
wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf
umgangssprachlichwas erlauben Sie sich! (= Ausruf, der Empörung ausdrückt)
Das Leben erlaubt sich Kombinationen, die sich kein Romancier erlauben darf [ KlempererLTI175]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

erlauben · Erlaubnis
erlauben Vb. ‘gestatten, zugestehen, zustimmen’. Die Präfixbildung (s. er-) ahd. irlouben ‘zugestehen’ (8. Jh.), mhd. erlouben, mnd. erlȫven, got. uslaubjan geht von einer Bedeutung ‘gern haben, gutheißen’ aus und ist mit lieb, loben, glauben (s. d.) verwandt; s. auch das zugehörige Abstraktum Urlaub sowie Verlaub. Erlaubnis f. ‘Genehmigung, Zustimmung’ (um 1300).

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) Erlaubnis erteilen · (die) Zustimmung geben · (einer Sache) seine Zustimmung erteilen · (seinen) Segen geben · absegnen · billigen · einwilligen · erlauben · genehmigen · in Kraft setzen · zustimmen  ●  (sein) Okay geben  ugs. · (sein) Placet geben  geh. · (sein) Plazet geben  geh. · abnicken  ugs. · grünes Licht geben  ugs. · verabschieden  fachspr.
Assoziationen
  • (ein) gutes Wort einlegen (für) · (sich) aussprechen für · (sich) einsetzen (für) · (sich) engagieren (für) · Schützenhilfe leisten · anpreisen · befürworten · dafür sein · eintreten (für) · empfehlen · sekundieren · unterstützen  ●  (sich) aus dem Fenster hängen (für)  fig.
  • (sein) Einverständnis erklären · (sich) einverstanden erklären (mit) · (sich) zustimmend äußern · Ja sagen (zu) · akzeptieren · annehmen · bejahen · billigen · einverstanden sein (mit) · einwilligen · nichts (mehr) auszusetzen haben (an) · zusagen · zustimmen  ●  konsentieren  veraltet · (etwas) abnehmen (z.B. Handwerkerleistung)  fachspr. · Gnade vor jemandes Augen finden  geh., ironisch
  • (seinen) Widerstand aufgeben · (sich) abfinden · keine (weiteren) Einwände erheben  ●  (zu allem) Ja und Amen sagen  ugs.
  • (etwas) absegnen lassen · (etwas) genehmigen lassen · (sich) die Genehmigung holen  ●  (sich jemandes) Segen holen  fig. · (sich) das Okay holen (von)  ugs.
Antonyme
Synonymgruppe
(eine) Möglichkeit schaffen · autorisieren · bewilligen · erlauben · ermöglichen · gestatten · gewähren · lassen · lizenzieren · möglich machen · zulassen  ●  den Weg frei machen  fig. · den Weg freimachen  fig. · legalisieren  juristisch · sanktionieren  fachspr.
Synonymgruppe
(die) Unverfrorenheit haben (zu + Infinitiv) · (sich einer Sache) erdreisten · (sich etwas) anmaßen · (sich etwas) herausnehmen · (sich) Freiheiten (heraus)nehmen · (sich) die Freiheit nehmen (zu) · (sich) erkühnen · (sich) erlauben · (sich) nicht scheuen (zu)  ●  (sich) aufschwingen (zu)  fig. · (die) Frechheit haben (zu + Infinitiv)  ugs. · (die) Nerven haben (zu + Infinitiv)  ugs. · (frech) das Haupt erheben  geh., fig. · (sich etwas) leisten  ugs. · (sich) erfrechen  geh., veraltet · (sich) unterstehen  ugs. · die Chuzpe besitzen  geh. · die Chuzpe haben  geh. · die Stirn haben  ugs. · so frei sein (zu)  geh., ironisch
Assoziationen
  • (einer Sache) trotzen · (etwas) nicht auf sich sitzen lassen · (jemandem / einer Sache) die Stirn bieten · (sich) (etwas) nicht gefallen lassen · (sich) sträuben · (sich) verteidigen · (sich) widersetzen · Widerstand leisten  ●  (sich) auf die Hinterbeine stellen  fig. · (sich) nichts gefallen lassen  Hauptform · (sich) seiner Haut wehren  auch figurativ · (sich) wehren  Hauptform, auch figurativ · (sich) zur Wehr setzen  auch figurativ · (sich jemandes / einer Sache) erwehren  geh. · Kontra geben  ugs. · Trotz bieten  geh. · wider den Stachel löcken  geh., veraltend
  • frech werden · patzige Antworten geben · provozieren  ●  Widerworte geben  ugs. · wider den Stachel löcken  geh., veraltet
  • (sich) aufführen (als) · (sich) darstellen · (sich) gefallen in der Pose (des/eines/der/einer) · (sich) gefallen in der Rolle (des/eines/der/einer) · (sich) in die Pose eines (einer ...) werfen · (sich) inszenieren (als) · (sich) präsentieren  ●  (sich) gerieren (als)  geh.
  • Sie werden entschuldigen, aber (...) · ich bin so frei · in aller Bescheidenheit (adverbial) · nehmen Sie's mir nicht übel (aber) · wenn Sie gestatten · wenn Sie nichts dagegen haben · wenn ich (so) ehrlich sein darf  ●  wenn Sie erlauben  Hauptform · wenn ich mir die(se) Bemerkung erlauben darf  variabel · Ich hab da mal ne ganz blöde Frage: (...)  ugs., Spruch · Sie werden gestatten, dass (...)  geh. · Tschuldigung, aber (...)  ugs. · bei allem Respekt (, aber)  geh. · halten zu Gnaden (veraltet, heute ironisierend)  geh. · ich will ja nix sagen, aber (...)  ugs. · mit Ihrer (gütigen) Erlaubnis  geh. · mit Verlaub  geh. · sit venia verbo  geh., lat. · wenn's recht ist  ugs.
  • (etwas) steht jemandem nicht zu  ●  (da) wedelt der Schwanz mit dem Hund  fig., variabel
Synonymgruppe
(etwas) erlauben · (jemanden etwas) tun lassen  ●  (etwas) genehmigen  Amtsdeutsch · (etwas) gestatten  geh.
Antonyme
Synonymgruppe
(sich etwas) erlauben · (sich etwas) genehmigen · (sich etwas) leisten · (sich etwas) spendieren  ●  (sich etwas) gönnen  auch ironisch
Synonymgruppe
Gelegenheit bieten (für / zu) · Nahrung geben · Raum geben (für) · Raum lassen (für) · begünstigen · erlauben · ermuntern (zu) · ermöglichen · möglich machen · nähren

Typische Verbindungen zu ›erlauben‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erlauben‹.

Verwendungsbeispiele für ›erlauben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man kann es sich nicht mehr erlauben, Ziele zu verfehlen. [Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 26]
Sie kann es sich – wie sie es selbst so treffend sagt – gar nicht erlauben, nachzudenken, Schlüsse aus ihren Erkenntnissen zu ziehen. [Schwarzer, Alice: Der »kleine Unterschied« und seine großen Folgen, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1977 [1975], S. 100]
Dies erlaubt eine effektive zelluläre Aufnahme auch bei niedrigen extrazellulären Konzentrationen. [Zimmermann, Herbert: Molekulare Funktionsträger der Nervenzelle. In: Dudel, Josef u. a. (Hgg.) Neurowissenschaft, Berlin: Springer 1996, S. 36]
Ich erlaube mir aber in dieser speziellen Frage eine längerfristig optimistische Einstellung. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 90]
Protest gegen rechts ist erlaubt, aber ansonsten tun die Ärzte lieber nichts für eine bessere Welt? [Der Spiegel, 08.06.1998]
Zitationshilfe
„erlauben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erlauben>.

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