erleichtern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunger-leich-tern (computergeneriert)
Grundformleicht
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. leichter machen
Beispiele:
Um meinen Ranzen zu erleichtern, nahm ich die eingepackten blauen Hosen ... heraus [HeineHarzreise3,19]
Die drei Jungen kletterten hinaus und schoben das erleichterte Boot noch ein Stück weiter [Hausm.Abel238]
umgangssprachlich sich erleichternlästige Kleidungsstücke ausziehen
Beispiel:
da es im Zimmer sehr warm ist, habe ich mich ein wenig erleichtert
umgangssprachlich, scherzhaft, verhüllend sich erleichterndie Notdurft verrichten
übertragen jmdm., sich etw. leichter, bequemer machen
Beispiele:
jmdm., sich die Arbeit, das Leben erleichtern
jmdm. die Auswanderung, Prüfungen erleichtern
die Wettkampfbedingungen wurden erleichtert
ein Stipendium erleichtert ihm das Studium
die Dunkelheit erleichterte dem Verbrecher den Einbruch
das Gespräch hat die Entscheidung wesentlich erleichtert
Stufen erleichtern den Aufstieg
der Einsatz modernster Maschinen erleichterte den Bau des Kraftwerkes
das Verständnis des Lehrbuches durch Abbildungen, Anmerkungen erleichtern
durch die neue Straße wird der Verkehr sehr erleichtert
2.
sich, etw. erleichternsich, etw. von einem inneren Druck befreien
Beispiele:
sich durch eine Aussprache (seelisch) erleichtern
sich [Dativ] durch ein Geständnis sein Herz erleichtern
wenn du dein Gewissen erleichtern willst, musst du alles erzählen
ein erleichterndes Gefühl
Tränen wirken oft erleichternd
Es ist aber ein Menschenbedürfnis ... zu reden und sich das Herz zu erleichtern, wenn man in solchen Schwulitäten sitzt wie ich [Th. MannZauberb.2,876]
»... endlich!« rief der Vater meines Helden und tat einen langen erleichternden Atemzug [RaabeHungerpastorI 1,177]
oft im Part. Prät.
erleichtertbefreit, erlöst
Beispiele:
erleichtert aufatmen
nach dem Gespräch, Geständnis, Schlaf fühlte er sich innerlich, um vieles erleichtert
er ging erleichtert, mit erleichtertem Herzen, erleichterten Herzens nach Hause
3.
umgangssprachlich, scherzhaft, verhüllend jmdn. um etw. erleichternjmdm. etw., besonders Geld, abnehmen
Beispiele:
du hast mich gestern erst um zehn Euro erleichtert, und heute willst du schon wieder Geld
du hast wohl deinen Vater wieder um einige Scheine erleichtert?
jmdn. berauben
Beispiele:
bei dem Überfall wurde er um seine Börse, Brieftasche, einige Wertgegenstände erleichtert
[das Heer] das in der heiligen Stille der Wälder ... dem müden Wanderer seine Reise um die Hälfte der Bürde erleichtert [SchillerRäuberI 1]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

leicht · leichtern · erleichtern · Leichtigkeit · leichtfertig · Leichtfertigkeit · leichtgläubig · leichtsinnig · Leichtsinnigkeit · Leichtsinn
leicht Adj. ‘von geringem Gewicht, nicht schwierig, bekömmlich, schnell, unbeschwert, heiter, leichtsinnig’, ahd. līhti (8. Jh.), līht (11. Jh.), mhd. līht(e), asächs. līht- (in līhtlīk), mnd. licht, lucht, mnl. licht, lecht, nl. licht, aengl. lēoht, līht, engl. light, anord. lēttr, schwed. lätt, got. leihts führen auf eine Adjektivbildung germ. *lenhta- bzw. *līht(j)a- mit Nasalausfall und Ersatzdehnung, so daß als verwandt auch ↗gelingen (s. d.) und (schwundstufig) ↗Lunge und ↗lungern (s. d.) herangezogen werden können. Vergleicht man ferner ebenfalls Nasalausfall aufweisendes, doch ohne t-Suffix gebildetes aind. laghúḥ ‘leicht, unschwer, gering’, (älter) raghúḥ ‘eilend, schnell, geschwind, Renner’, griech. elachýs (ἐλαχύς) ‘klein, gering’ sowie lit. leñgvas ‘leicht’, so kann von ie. *lengu̯h- bzw. *lṇgu̯h- ausgegangen werden, einer nasalierten Form der Wurzel ie. *legu̯h- ‘leicht in Bewegung und Gewicht’, an die lat. levis ‘leicht, schnell, sanft, unbedeutend’, air. (Komp.) laigiu ‘kleiner, schlechter’, aslaw. lьgъkъ, russ. lëgkij (лёгкий) ‘leicht’ anschließbar wären. leichtern Vb. ‘leichter machen’, vom Komparativ des Adjektivs abgeleitet, ahd. līhterōn ‘leichter machen, erleichtern, mildern’ (um 1000), mhd. līhtern, auch ‘leichter werden’; dazu erleichtern Vb. ‘leichter machen, von einer Last befreien’, ahd. irlīhterōn (11. Jh.), mhd. erlīhter(e)n. Leichtigkeit f. ‘das Leichtsein, Mühelosigkeit, Ungezwungenheit’, mhd. līhtecheit, līhtekeit, līhtikeit. leichtfertig Adj. ‘unbesonnen, unüberlegt, leichtsinnig’, mhd. līhtvertec, līhtvertic ‘leicht, schnell in der Bewegung, fein’, auch ‘schwächlich’; Leichtfertigkeit f. mhd. līhtvertecheit. leichtgläubig Adj. ‘schnell etw. glaubend, leicht zu täuschen’ (16. Jh.). leichtsinnig Adj. ‘leichten Sinnes, fröhlich, unbekümmert, lustig’ (16. Jh.), dann ‘leichtfertig, unüberlegt, unbedacht’ (17. Jh.); entsprechend Leichtsinnigkeit f. ‘unbekümmerter, heiterer Sinn’ (16. Jh.), dann ‘Leichtlebigkeit, Mangel an Überlegtheit, Unvorsichtigkeit’ (17. Jh.), in dieser Verwendung vom 18. Jh. an allmählich von Leichtsinn m. zurückgedrängt.

Thesaurus

Synonymgruppe
abschwächen · erleichtern · ↗lindern · ↗mildern · ↗vermindern
Synonymgruppe
erleichtern · leichter machen · ↗vereinfachen
Synonymgruppe
(seine) Notdurft verrichten · Kot ausscheiden · ↗defäkieren · den Darm entleeren · ↗koten · stuhlen  ●  (ein) (großes) Geschäft machen  ugs., verhüllend · (ein) Ei legen  ugs., fig. · ↗(sich) entleeren  geh. · (sich) erleichtern  geh. · (sich) lösen (Hund, Katze)  geh. · Aa machen  ugs., Kindersprache · Häufchen machen  ugs. · Kaka machen  ugs., Kindersprache · abkoten  fachspr. · abstuhlen  fachspr. · abwursten  derb · einen abseilen  derb · groß machen  ugs. · ↗kacken  derb · ↗scheißen  derb · ↗versäubern (Hund, Katze)  geh. · ↗wursten  derb
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Stuhlentleerung · ↗Stuhlgang  ●  ↗Defäkation  fachspr. · ↗Egestion  fachspr. · ↗Exkretion  fachspr. · Verdauungsfinale  ugs. · großes Geschäft  ugs.
  • (die) Toilette benutzen (wollen) · (ein) dringendes Bedürfnis verspüren · ↗(mal) auf die Toilette (gehen) müssen · (mal) verschwinden müssen · (mal) wohin müssen · ↗(mal) zur Toilette (gehen) müssen · Stuhldrang haben · groß müssen  ●  (etwas) Dringendes zu erledigen haben  fig., verhüllend · (ein) menschliches Rühren verspüren  ugs., verhüllend · ↗(mal) müssen  ugs. · aufs Klo müssen  ugs.
  • auf die Toilette gehen · aufs Klo gehen  ●  (sich) frisch machen  verhüllend · scheißen gehen  derb

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anpassung Arbeit Auffinden Ausländer Austausch Berufsleben Einbürgerung Eingliederung Einstieg Entscheidung Erwerb Finanzierung Gewissen Integration Kommunikation Leben Orientierung Rückkehr Suche Umgang Verständnis Zugang Zugriff beschleunigen erheblich erschweren gerade ungemein wesentlich Übergang

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erleichtern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Andererseits kann die Politik das Leben der Unternehmen auch wieder erleichtern.
Die Zeit, 09.12.2004, Nr. 51
Doch sind diese Jobs nicht geeignet, den Übertritt in reguläre Stellen zu erleichtern.
Der Tagesspiegel, 12.07.2004
Die genaue Kenntnis der bei den Bewegungen wirkenden Gesetze erleichtert die sinnvolle Ausnutzung der Energie.
Borrmann, Günter u. Mügge, Hans: Gerätturnen in der Schule, Berlin: Volk u. Wissen 1957, S. 40
Man sucht heute den geselligen Verkehr, um ihn überhaupt aufrecht zu erhalten, möglichst zu erleichtern.
Gleichen-Russwurm, Alexander von: Der gute Ton. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1932], S. 21573
Sie haben mir, soviel sie konnten, meine Arbeit erleichtert und ich bin ihnen herzlichen Dank schuldig.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Zitationshilfe
„erleichtern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erleichtern>, abgerufen am 15.10.2019.

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