erliegen

GrammatikVerb · erliegt, erlag, ist erlegen
Aussprache
Worttrennunger-lie-gen
Wortzerlegunger-liegen
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
a)
von jmdm., etw. (einem Gefühl, einer Leidenschaft o. Ä.) besiegt werden; unterliegen
b)
an etw. sterben
2.
österreichisch hinterlegt sein
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

liegen · abliegen · abgelegen · anliegen · Anliegen · Anlieger · angelegen · Angelegenheit · angelegentlich · erliegen · unterliegen · Liege · Liegenschaft
liegen Vb. ‘sich (in waagerechter Lage) befinden, der Länge nach ausgestreckt sein’. Das gemeingerm. starke Verb ahd. liggen (um 800), mhd. ligen, asächs. liggian, mnd. lig(g)en, mnl. ligghen, nl. liggen, aengl. licgan, engl. to lie, anord. liggja, schwed. ligga, got. (ohne j-Präsens) ligan, im germ. Bereich verwandt mit ↗Lage, ↗Lager, ↗Gelichter (s. d.) und den kausativen Verben ↗legen, eigentlich ‘liegen machen’, und ↗löschen, eigentlich ‘sich legen machen’, sowie ↗löschen, eigentlich ‘sich legen’ (s. d.), setzt mit griech. léchos, léktron (λέχος, λέκτρον) ‘Lager, (Ehe)bett’, lóchos (λόχος) ‘das Lagern, Kindbett’, gewöhnlich ‘Hinterhalt, (die im Hinterhalt liegende) Schar’, lat. lectus ‘Lagerstatt, Bett’, air. lige ‘Bett, Lager’, laigid ‘legt sich’, gall. legasit ‘legte’, lit. (pa)lė́gti ‘niederlegen, schwächlich, kränklich werden’, palėgỹs ‘Bettlägerigkeit’, aslaw. ležati, russ. ležát’ (лежать) ‘liegen’, aslaw. lešti, russ. leč’ (лечь) ‘sich hin-, niederlegen’, aslaw. lože ‘Lager, Bett’ eine Wurzel ie. *legh- ‘(sich) legen, liegen’ voraus. abliegen Vb. ‘in einigem Abstand, entfernt liegen, entlegen sein’ (15. Jh.), (landschaftlich) ‘durch Lagern oder Liegen an Güte zunehmen, ablagern’ (16. Jh.); dazu abgelegen Part.adj. ‘fern, abseits gelegen, entfernt, entlegen’ (16. Jh.). anliegen Vb. ‘eng am Körper sitzen, wichtig sein, am Herzen liegen, zur Bearbeitung anstehen, jmdn. bewegen, beschäftigen, mit etw. behelligen, beigefügt sein, daneben liegen, benachbart sein’, ahd. analiggen ‘liegen, lasten auf, vorliegen, jmdn. bestürmen, sich erheben, sich jmds. bemächtigen’ (9. Jh.), mhd. aneligen ‘lasten auf, angelegentlich bitten, antreiben, bevorstehen’; substantiviert Anliegen n. ‘Angelegenheit, die einen betrifft, Bitte, Wunsch’ (15. Jh.); Anlieger m. ‘Anwohner, Angrenzer’ (19. Jh.); angelegen Part.adj. besonders in der Wendung sich etw. angelegen sein lassen ‘sich um etw. kümmern, bemühen’ (um 1400), zu anliegen im Sinne von ‘wichtig sein, am Herzen liegen’; Angelegenheit f. ‘Sache, Fall, Affäre’ (17. Jh.); angelegentlich Adj. ‘nachdrücklich, eindringlich, eifrig’ (16. Jh.), ursprünglich zu angelegen, doch schon von Anfang an, wohl unter Einfluß von ↗gelegentlich (s. d.), mit sekundärem t, zuweilen (im 17. Jh.) noch angelegenlich. erliegen Vb. ‘kraftlos werden, ermatten, umkommen, sterben, besiegt werden’, ahd. irliggen (8. Jh.), mhd. erligen. unterliegen Vb. ‘besiegt, bezwungen werden, einer Sache ausgesetzt, unterworfen sein’, ahd. untarliggen (um 800), mhd. underligen ‘nach unten zu liegen kommen, sich unterwerfen, unterworfen sein’. Liege f. ‘gepolstertes Möbel ohne Lehnen zum Liegen’ (1. Hälfte 20. Jh.). Liegenschaft f. ‘Grundstück, Grundbesitz, Immobilien’ (Anfang 19. Jh.), älter liegendes Gut, liegende Güter.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) beugen · erliegen
Synonymgruppe
(seinen Verletzungen, einem Leiden) erliegen · dahingerafft werden (von)  ●  sterben an  Hauptform
Oberbegriffe
  • (die) Augen für immer schließen · (jemandem) schlägt die Stunde · (jemandes) letztes Stündlein hat geschlagen · ↗ableben · das Zeitliche segnen · den Tod erleiden · ↗erlöschen · in den letzten Zügen liegen · in die ewigen Jagdgründe eingehen · sein Leben aushauchen · sein Leben lassen · seinen Geist aushauchen · ↗verdämmern · ↗verscheiden · ↗versterben · ↗wegsterben  ●  (die) Reihen lichten sich  fig. · ↗abtreten  fig. · aus dem Leben scheiden  fig. · ↗dahinscheiden  verhüllend · ↗davongehen  fig. · ↗entschlafen  fig., verhüllend · ↗fallen  militärisch · ↗gehen  verhüllend · sanft entschlafen  verhüllend, fig. · seinen letzten Gang gehen  fig. · ↗sterben  Hauptform · uns verlassen  verhüllend · von der Bühne des Lebens abtreten  fig. · von uns gehen  fig. · über die Klinge springen (lassen)  salopp · (den) Arsch zukneifen  vulg., fig. · (den) Löffel abgeben  ugs., fig., salopp · (den) Weg allen Fleisches gehen  geh. · (seine) letzte Fahrt antreten  ugs., fig. · ↗dahingehen  geh., verhüllend · dahingerafft werden (von)  ugs. · den Geist aufgeben  ugs. · die Hufe hochreißen  derb, fig. · dran glauben (müssen)  ugs. · in die Grube fahren  ugs., fig. · ins Gras beißen  ugs., fig. · seinen Geist aufgeben  ugs. · vor seinen Richter treten  geh., fig. · vor seinen Schöpfer treten  geh., fig.
Unterbegriffe
  • in Massen sterben · in Massen umkommen · massenhaft sterben · sterben wie die Fliegen
Synonymgruppe
(einer Versuchung) erliegen · (jemandes Charme) erliegen · ↗nachgeben · nicht durchhalten · nicht standhalten können · nicht widerstehen können  ●  schwach werden  ugs. · weich werden  ugs.
Assoziationen
  • (einer Sache) verfallen · (etwas) (immer wieder) tun müssen · (sich) nicht losreißen können (von) · abhängig werden (von) · hörig werden · nicht sein lassen können
  • sturmreif · sturmreif geschossen · wehrlos ausgeliefert
  • (einer Sache / jemandem) machtlos gegenüberstehen · ↗machtlos (gegen) · nichts entgegenzusetzen haben · rettungslos ausgeliefert · wehrlos ausgeliefert
  • für sich einnehmen(d) · ↗gewinnend · ↗unwiderstehlich  ●  entwaffnend  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alter Brandverletzung Charme Einflüsterung Faszination Herzanfall Herzinfarkt Herzleid Herzleiden Herzschlag Herzversagen Illusion Irrtum Kopfverletzung Krankenhaus Krebsleiden Leiden Lockruf Reiz Schlaganfall Schußverletzung Trugschluß Unfallort Unfallstelle Verführung Verletzung Verlockung Versuchung Zauber spät

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erliegen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Illusion vom "Ende der Geschichte" sind wir darum nicht erlegen.
Der Tagesspiegel, 01.10.2001
Doch obwohl diese Geräte nun vorhanden sind, droht der Betrieb zu erliegen.
Süddeutsche Zeitung, 04.08.1999
Der Härte dieses Kampfes ums Dasein ist er schließlich erlegen.
Krämer, Walter: Geheimnis der Ferne, Leipzig u. a.: Urania-Verlag 1971, S. 33
Aber im Juli 1908 erlag er doch seinem schweren Leiden.
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 21731
Gott gebe, daß es bald anders wird, sonst erliegen wir.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
Zitationshilfe
„erliegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erliegen>, abgerufen am 15.11.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Erleuchtungserlebnis
Erleuchtung
erleuchten
Erlesenheit
erlesen
erlisten
Erlistung
Erlkönig
erlogen
Erlös