erliegen

Grammatik Verb · erliegt, erlag, ist erlegen
Aussprache 
Worttrennung er-lie-gen
Wortzerlegung er-liegen
Wortbildung  mit ›erliegen‹ als Grundform: ↗Erliegen
DWDS-Vollartikel, 2020

Bedeutungen

1.
jmd. erliegt etw.unterliegen; einem Einfluss, Reiz, Gefühl nicht entgehen können, nicht widerstehen können und freiwillig (ohne Widerstand) nachgeben, überwältigt werden
Gegenwort zu widerstehen (1)
Kollokationen:
mit Dativobjekt: dem Charme, Zauber, einer Versuchung, Verlockung erliegen
Beispiele:
Zu diesem Kodex muss auch gehören, dass NGOs (= Nichtregierungsorganisationen) nicht der Versuchung erliegen, sich staatlicher Zwangsmittel oder Gelder zu bedienen, sondern auf Überzeugungskraft und Engagement setzen[…]. [Die Welt, 19.02.2019]
Ich denke, man ist dort nicht dem Luxus, sondern dem besonderen Charme erlegen, und dieser Charme wohnt auch dem Besitzer inne. [Die Welt, 24.01.2019]
Seit dem Mittelalter, als das Sprichwort »Stadtluft macht frei« galt, erliegen die Menschen auf dem Lande immer wieder den Verlockungen der Städte. [Neue Zürcher Zeitung, 30.06.2007]
[…] Ihrem Zauber soll selbst Japans Kaiser Hirohito erlegen sein, als er bei seinem Staatsbesuch 1971 an Bord der Loreley Ihren Felsen umschiffte. [Die Zeit, 05.08.1999, Nr. 32]
Da die Aufführung [des Theaterstücks »Die Regenbogenspringer«] der Faszination erliegt, vor der sie warnen möchte, kann sie nicht einmal für sich in Ansprüche nehmen, Drogengefährdete oder schon Süchtige vor den Gefahren des Rauschgifts zu bewahren. [Die Zeit, 06.04.1984, Nr. 15]
Gleich zu Beginn haut Bond [Film-Geheimagent James Bond] mit Fäusten, Bomben und Granaten alles tot, was ihm in die Quere kommt, bis er einer räkelnden Frau erliegt, die ihm ein Messer in die Rippen rennt[…]. [Der Spiegel, 16.01.1984, Nr. 3]
2.
jmd. erliegt jmdm., etw.Opfer einer Sache werden, von einer Sache überwältigt werden
Kollokationen:
mit Dativobjekt: einem Missverständnis, Irrtum, einer Illusion erliegen; einer Übermacht erliegen
Beispiele:
[…] Was, wenn [die Romanfigur] Don Quixote als Einziger die Welt richtig sieht und alle anderen ihren Illusionen erlegen wären? [Süddeutsche Zeitung, 26.09.2018]
Vielmehr sind sie [Flüchtlinge aus Afrika] der Illusion erlegen, Europa biete ihnen grandiose Lebenschancen. [Süddeutsche Zeitung, 21.02.2017]
Manche Mieter erliegen dem Irrtum, dass die Kautionsversicherung vor Forderungen des Vermieters schützt. [Süddeutsche Zeitung, 04.04.2014]
Die meisten Priester sind dem Missverständnis erlegen, dass der Gottesdienst eine kommunikative Handlung zwischen Gemeinde und Priester ist. [Süddeutsche Zeitung, 14.07.2007]
Nach Auffassung der Opposition ist Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) einer fatalen Fehleinschätzung erlegen. [Die Welt, 14.07.1999]
Erst Ende März 1939 erlag die [spanische] Volksfrontregierung der militärischen Übermacht des Feindes. [Berliner Zeitung, 17.07.1986]
3.
verhüllend jmd. erliegt etw.an einer Verletzung oder Krankheit sterben
Kollokationen:
mit Dativobjekt: einer Verletzung, einem Krebsleiden, Herzinfarkt erliegen
Beispiele:
B[…] konnte erst nach drei Minuten aus dem Inferno geborgen werden und erlag wenig später seinen schweren Verbrennungen. [Welt am Sonntag, 14.04.2019, Nr. 15]
Das Ehepaar hatte bereits vor knapp zwei Jahren seinen ersten Sohn Oliver verloren, der Junge war einem Herzfehler erlegen. [Welt am Sonntag, 27.01.2019, Nr. 4]
Beim Ladies Masters in Dubai brach Caddie Max Zechmann […] am 13. Loch [beim Golfspielen] zusammen, erlag einem Herzinfarkt. [Bild, 08.12.2016]
Laut offiziellen Meldungen ist der turkmenische Diktator Saparmurat Nijasow, der sich seit 1992 nur noch »Turkmenbaschi« (Vater aller Turkmenen) nannte, in den ersten Morgenstunden des Donnerstags im Alter von 66 Jahren einem Herzinfarkt erlegen. [Neue Zürcher Zeitung, 22.12.2006]
Ums Leben kamen der 51 Jahre alte Skipper Bruce G[…], der wahrscheinlich einem Herzinfakt erlag, als das Boot kenterte, und sein 33jähriger Freund und Nachbar Phil S[…], der sich nicht rechtzeitig aus seinem Haltegurt befreien konnte und ertrank. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.1998]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

liegen · abliegen · abgelegen · anliegen · Anliegen · Anlieger · angelegen · Angelegenheit · angelegentlich · erliegen · unterliegen · Liege · Liegenschaft
liegen Vb. ‘sich (in waagerechter Lage) befinden, der Länge nach ausgestreckt sein’. Das gemeingerm. starke Verb ahd. liggen (um 800), mhd. ligen, asächs. liggian, mnd. lig(g)en, mnl. ligghen, nl. liggen, aengl. licgan, engl. to lie, anord. liggja, schwed. ligga, got. (ohne j-Präsens) ligan, im germ. Bereich verwandt mit ↗Lage, ↗Lager, ↗Gelichter (s. d.) und den kausativen Verben ↗legen, eigentlich ‘liegen machen’, und ↗löschen2, eigentlich ‘sich legen machen’, sowie ↗löschen1, eigentlich ‘sich legen’ (s. d.), setzt mit griech. léchos, léktron (λέχος, λέκτρον) ‘Lager, (Ehe)bett’, lóchos (λόχος) ‘das Lagern, Kindbett’, gewöhnlich ‘Hinterhalt, (die im Hinterhalt liegende) Schar’, lat. lectus ‘Lagerstatt, Bett’, air. lige ‘Bett, Lager’, laigid ‘legt sich’, gall. legasit ‘legte’, lit. (pa)lė́gti ‘niederlegen, schwächlich, kränklich werden’, palėgỹs ‘Bettlägerigkeit’, aslaw. ležati, russ. ležát’ (лежать) ‘liegen’, aslaw. lešti, russ. leč’ (лечь) ‘sich hin-, niederlegen’, aslaw. lože ‘Lager, Bett’ eine Wurzel ie. *legh- ‘(sich) legen, liegen’ voraus. abliegen Vb. ‘in einigem Abstand, entfernt liegen, entlegen sein’ (15. Jh.), (landschaftlich) ‘durch Lagern oder Liegen an Güte zunehmen, ablagern’ (16. Jh.); dazu abgelegen Part.adj. ‘fern, abseits gelegen, entfernt, entlegen’ (16. Jh.). anliegen Vb. ‘eng am Körper sitzen, wichtig sein, am Herzen liegen, zur Bearbeitung anstehen, jmdn. bewegen, beschäftigen, mit etw. behelligen, beigefügt sein, daneben liegen, benachbart sein’, ahd. analiggen ‘liegen, lasten auf, vorliegen, jmdn. bestürmen, sich erheben, sich jmds. bemächtigen’ (9. Jh.), mhd. aneligen ‘lasten auf, angelegentlich bitten, antreiben, bevorstehen’; substantiviert Anliegen n. ‘Angelegenheit, die einen betrifft, Bitte, Wunsch’ (15. Jh.); Anlieger m. ‘Anwohner, Angrenzer’ (19. Jh.); angelegen Part.adj. besonders in der Wendung sich etw. angelegen sein lassen ‘sich um etw. kümmern, bemühen’ (um 1400), zu anliegen im Sinne von ‘wichtig sein, am Herzen liegen’; Angelegenheit f. ‘Sache, Fall, Affäre’ (17. Jh.); angelegentlich Adj. ‘nachdrücklich, eindringlich, eifrig’ (16. Jh.), ursprünglich zu angelegen, doch schon von Anfang an, wohl unter Einfluß von ↗gelegentlich (s. d.), mit sekundärem t, zuweilen (im 17. Jh.) noch angelegenlich. erliegen Vb. ‘kraftlos werden, ermatten, umkommen, sterben, besiegt werden’, ahd. irliggen (8. Jh.), mhd. erligen. unterliegen Vb. ‘besiegt, bezwungen werden, einer Sache ausgesetzt, unterworfen sein’, ahd. untarliggen (um 800), mhd. underligen ‘nach unten zu liegen kommen, sich unterwerfen, unterworfen sein’. Liege f. ‘gepolstertes Möbel ohne Lehnen zum Liegen’ (1. Hälfte 20. Jh.). Liegenschaft f. ‘Grundstück, Grundbesitz, Immobilien’ (Anfang 19. Jh.), älter liegendes Gut, liegende Güter.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) beugen · erliegen
Synonymgruppe
(seinen Verletzungen, einem Leiden) erliegen · dahingerafft werden (von)  ●  sterben an  Hauptform · von seinem Leiden erlöst werden  verhüllend
Oberbegriffe
  • (jemandem) schlägt die Stunde · (jemandes) letztes Stündlein hat geschlagen · (seinen) letzten Atemzug tun · ↗ableben · das Zeitliche segnen · ↗erlöschen · in die ewigen Jagdgründe eingehen · sein Leben aushauchen · sein Leben lassen · seinen Geist aushauchen · ↗verdämmern · ↗verscheiden · ↗versterben · ↗wegsterben  ●  (die) Augen für immer schließen  verhüllend · (die) Reihen lichten sich  fig. · ↗abtreten  fig. · aus dem Leben scheiden  fig. · ↗dahinscheiden  verhüllend · ↗davongehen  fig. · ↗entschlafen  fig., verhüllend · ↗fallen  militärisch · ↗gehen  verhüllend · ↗heimgehen  fig., verhüllend · in den letzten Zügen liegen  auch figurativ · sanft entschlafen  verhüllend, fig. · seinen letzten Gang gehen  fig. · ↗sterben  Hauptform · uns verlassen  verhüllend · von der Bühne (des Lebens) abtreten  fig. · von uns gehen  fig. · über die Klinge springen (lassen)  salopp · (den) Arsch zukneifen  vulg., fig. · (den) Löffel abgeben  ugs., fig., salopp · (den) Weg allen Fleisches gehen  geh. · (seine) letzte Fahrt antreten  ugs., fig. · ↗dahingehen  geh., verhüllend · dahingerafft werden (von)  ugs. · den Geist aufgeben  ugs. · die Hufe hochreißen  derb, fig. · dran glauben (müssen)  ugs. · in die Ewigkeit abberufen werden  geh., fig. · in die Grube fahren  ugs., fig. · ins Grab sinken  geh., fig. · ins Gras beißen  ugs., fig. · seinen Geist aufgeben  ugs. · vor seinen Richter treten  geh., fig. · vor seinen Schöpfer treten  geh., fig.
Unterbegriffe
  • in Massen sterben · in Massen umkommen · massenhaft sterben · sterben wie die Fliegen
Synonymgruppe
(einer Versuchung) erliegen · (jemandes Charme) erliegen · ↗nachgeben · nicht durchhalten · nicht standhalten können · nicht widerstehen können  ●  schwach werden  ugs. · weich werden  ugs.
Assoziationen
  • (einer Sache) verfallen · (etwas) (immer wieder) tun müssen · (sich) nicht losreißen können (von) · abhängig werden (von) · hörig werden · nicht sein lassen können
  • sturmreif · sturmreif geschossen · wehrlos ausgeliefert
  • (einer Sache / jemandem) machtlos gegenüberstehen · ↗machtlos (gegen) · nichts entgegenzusetzen haben · rettungslos ausgeliefert · wehrlos ausgeliefert
  • für sich einnehmen(d) · ↗gewinnend · ↗unwiderstehlich  ●  entwaffnend  fig.

Typische Verbindungen zu ›erliegen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erliegen‹.

Zitationshilfe
„erliegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erliegen>, abgerufen am 02.07.2020.

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