ermüden

GrammatikVerb · ermüdet, ermüdete, hat/ist ermüdet
Aussprache
Worttrennunger-mü-den
Wortbildung mit ›ermüden‹ als Erstglied: ↗ermüdbar  ·  formal verwandt mit: ↗unermüdlich
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdn. müde machen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
die lange Unterhaltung ermüdete die alte Frau
der Besuch hatte ihn ermüdet
das Sprechen ermüdete sie rasch
du darfst sie nicht ermüden
es würde (Sie) ermüden, hier alles aufzuzählen
ich möchte dich damit nicht ermüden
Grammatik: oft im Part. Präs.
Beispiele:
eine ermüdende Arbeit, Ansprache
ermüdende Märsche, Verhandlungen
in ermüdender Kleinarbeit
es war ermüdend, ihm zuzuhören
Und wäre nicht diese ermüdende, eisige Tonlosigkeit seiner Stimme gewesen [NossackSpirale73]
2.
müde werden
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
durch die lange Unterhaltung war sie ermüdet
sie ermüdet rasch
er kann viele Stunden arbeiten, ohne zu ermüden
er arbeitete ohne Ermüden
seine Kraft ermüdete
Grammatik: oft im Part. Prät.
Beispiele:
sie sank ermüdet ins Bett
ein ermüdeter Kraftfahrer
sie schloß die ermüdeten Augen
als ich am späten Abend, auf den Tod ermüdet, in einer Missionsstation Unterkunft fand [SchomburgkAfrika50]
Ein Glas Wein ... belebte für eine Stunde seinen ermüdeten Geist [I. SeidelLabyrinth329]
bildlich
Beispiel:
der Boden ermüdet durch einen einseitigen Anbau
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

müde · ermüden · Müdigkeit
müde Adj. ‘abgespannt, schlafbedürftig’, Anord. mōðr, dän. (älter) mod sind mit dem Partizipialsuffix ie. -to-, die westgerm. Formen ahd. muodi (8. Jh.), mhd. müede, muode, asächs. mōði, mnd. mȫde, mnl. moede, nl. moede, aengl. mēþe dagegen mit dem zuweilen partizipialen Charakter tragenden Suffix ie. -ti̯o- gebildet (germ. *mōþija-). Zu ie. *mō- (s. ↗mühen) gehörig, ist müde daher als ‘sich gemüht habend, abgemüht’ zu verstehen. ermüden Vb. ‘müde, abgespannt werden, müde machen’, ahd. irmuodēn (11. Jh.; doch vgl. unirmuodēntlīh, 9. Jh.), mhd. ermüeden (nur intransitiv), zum Simplex mhd. müeden ‘müde machen, werden’. Müdigkeit f. ‘Abgespanntheit, Mattigkeit’, mhd. müedecheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
ermüden · müde werden · schläfrig werden
Assoziationen
Synonymgruppe
abbauen · am Ende seiner Kräfte sein · die Kräfte verlieren · ↗erlahmen · ↗ermatten · ermüden · ↗erschlaffen · kraftlos werden · müde werden · ↗nachlassen · nicht mehr (weiter) können · schlapp machen · ↗schlappmachen · ↗versagen  ●  ↗abkacken  derb · am Ende sein  ugs.
Assoziationen
  • erlahmen · ↗festfahren · ↗gleichbleiben · ins Stocken geraten · ins Stocken kommen · lahm liegen · ↗ruhen · ↗stagnieren · ↗stehen bleiben · ↗stillstehen · ↗stocken  ●  ↗einfrieren  fig. · auf Eis liegen  ugs., fig. · nicht weiterkommen  ugs.
  • nichts in den Armen haben  ●  Pudding in den Armen haben  ugs., fig. · nix inne Mauen haben  ugs., ruhrdt., veraltend, rheinisch
  • (die) Kraft verlieren · Ermüdungserscheinungen zeigen · ↗erlahmen · ↗lahmen · müde werden · ↗nachlassen · schlechter werden · schwächer werden · sich verschlechtern  ●  ↗schwächeln  ugs.
Synonymgruppe
abhetzen · ↗aufreiben · ↗brechen · ↗enervieren · ↗entkräften · ↗entnerven · ↗ermatten · ermüden · ↗heimsuchen · mürbe hauen · mürbe klopfen · mürbe kriegen · mürbe machen · ↗strapazieren · ↗zermürben  ●  ↗kleinkriegen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›ermüden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Arbeiten Auge Betrachter Bremse Dauer Gehen Hörer Lektüre Leser Material Monotonie Muskel Muskulatur Wiederholung Zuhörer allmählich bald erschöpfen irgendwann langsam langweilen leicht mitunter nie rasch schnell sichtlich vorzeitig zupacken zusehends

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ermüden‹.

Verwendungsbeispiele für ›ermüden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn nichts ermüdet mehr, als das Setzen auf den neusten Boom, der womöglich schon längst keiner mehr ist.
Süddeutsche Zeitung, 23.08.2003
Von oben nach unten nimmt die vergrößernde Wirkung zu, und die Augen ermüden nicht so schnell.
Die Welt, 27.11.1999
Ich schrieb wirklich ohne Freude, es quält mich, es ermüdet mich.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1924. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1924], S. 100
Aber mein Auge ermüdete und meine Beine sehnten sich nach Ruhe.
Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8694
Er war so ermüdet, daß er gar nicht daran gedacht hatte, die Last, die er trug, erst abzulegen.
May, Karl: Winnetou IV, Berlin: Neues Leben 1993 [1910], S. 69
Zitationshilfe
„ermüden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erm%C3%BCden>, abgerufen am 21.01.2020.

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