ermannen

GrammatikVerb · reflexiv
Aussprache
Worttrennunger-man-nen (computergeneriert)
GrundformMann
Wortbildung mit ›ermannen‹ als Erstglied: ↗Ermannung
eWDG, 1967

Bedeutung

alle inneren Kräfte zusammennehmen, sich innerlich aufraffen
Beispiele:
er ermannte sich und begann zu arbeiten
sich aus eigener Kraft, mit Hilfe eines verständnisvollen Freundes wieder ermannen können
So wird Gott Florenz zertreten, wenn du dich nicht ermannst, Volk von Florenz [KlabundBorgia118]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mann · bemannen · entmannen · ermannen · übermannen · mannbar · mannhaft · männlich · Mannheit · Mannschaft · mannstoll · Mannweib · -mann · Blaumann · Flachmann · Henkelmann · Obermann
Mann m. ‘erwachsener Mensch männlichen Geschlechts, Ehemann’. Die germ. Formen ahd. (8. Jh.), mhd. man (Genitiv mannes) ‘Mensch (männlichen Geschlechts in gereiftem Alter), Krieger, Ehemann, Sohn, Diener’, asächs. mnd. mnl. nl. man, afries. mon, man ‘Mensch, Mann’, aengl. man(n), mo(n), engl. man, anord. mannr, maðr, schwed. man, got. manna sind vergleichbar mit aind. mánuḥ (mánu-, mánuṣ-) ‘Mensch, Mann, Menschheit’ und lat. (aus dem Germ.) Mannus Stammvater, Gott der Germanen (Tacitus) und führen großenteils auf ie. *manu- oder *monu- (nordgerm. oder westgerm. -nn- daher aus -nu̯-, während die got. Form möglicherweise einen alten n-Stamm germ. *mannan- voraussetzt). Demgegenüber weisen aslaw. mǫžь, russ. muž (муж) ‘Ehemann, Gatte’ auf ein ie. Gutturalsuffix in Verbindung mit -i̯a-. Man stellt die genannten Bildungen meist zur Wurzel ie. *men(ə)- ‘denken, geistig erregt sein’ (s. ↗mahnen) und nimmt eine Ausgangsbedeutung ‘denkendes Wesen’ an. Aber auch Anknüpfung an die Wurzel ie. *men- ‘hervorragen, emporragen’ (wozu lat. mōns ‘Berg’) wird erwogen, so daß Mann ‘Mensch’ als ‘das Aufragende, das aufrecht gehende Wesen’ zu erklären wäre. Die alte Bedeutung ‘Mensch’ ist erhalten in ↗jemand, ↗niemand und im Indefinitivpronomen ↗man (s. d.). Zur Bezeichnung von ‘Kriegern, Kampfgenossen, Dienern, Gefolge’ ist historisierend der sonst veraltete Plural Mannen noch geläufig. bemannen Vb. ‘mit einer Mannschaft besetzen’, spätmhd. bemannen ‘mit Mannschaft besetzen’, reflexiv ‘einen Mann nehmen’, entmannen Vb. ‘kastrieren’, mhd. entmannen ‘der Mannschaft berauben’, ermannen Vb. (in neuerer Zeit nur reflexiv) ‘sich aufraffen’, mhd. ermannen ‘Mut fassen’ und übermannen Vb. ‘überwältigen’ (16. Jh.) sind Präfixverben zu ungebräuchlich gewordenem mannen Vb., mhd. mannen ‘zum Mann werden, sich als Mann zeigen, zum Mann nehmen, den Lehnseid leisten’, transitiv ‘mit einem Mann versehen’. mannbar Adj. ‘heiratsfähig, geschlechtsreif’ (vornehmlich vom Mann), mhd. manbære ‘eines Mannes fähig, ehefähig, erwachsen’ von Mädchen, später (15. Jh.) von beiden Geschlechtern. mannhaft Adj. ‘wie ein Mann, tapfer, mutig’, mhd. manhaft ‘standhaft, tapfer’. männlich Adj. ‘wie ein Mann, zu einem Mann gehörend oder passend, tapfer, unerschrocken, das Geschlecht eines Mannes habend’, ahd. man(a)līh (9. Jh.), mhd. manlich; in der Grammatik männliches Geschlecht (15. Jh.), nach lat. genus masculīnum. Mannheit f. ‘Männlichkeit, Tapferkeit’, mhd. manheit, auch ‘mannhafte Tat, Mannesalter, Verhältnis eines Dienst- oder Lehnsmannes’. Mannschaft f. ‘Abteilung, Belegschaft, Gesamtheit der Soldaten niedriger Dienstgrade’, mhd. manschaft ‘Verhältnis eines Lehnsmannes zum Lehnsherrn, Lehnspflicht, -huldigung, Hörige, Gefolgsleute’. mannstoll Adj. ‘scharf auf Männer’, spätmhd. mannes tol. Mannweib n. ‘Zwitter’ (17. Jh.), Übersetzung von griech. andrógynos (ἀνδρόγυνος), seit dem 19. Jh. für ↗Amazone ‘männlich wirkende Frau’ (s. d.). In der Sprache der wandernden Handwerksburschen und der Gauner entwickelt sich Mann zum Kompositionssuffix -mann und bildet umschreibende Bezeichnungen für Gebrauchsgegenstände allgemeiner Art, vgl. Blaumann m. ‘dunkelblauer Arbeitsanzug’, Flachmann m. ‘kleine Schnapsflasche für die Jackentasche’, Henkelmann m. ‘Essenskrug’, Obermann m. ‘Hut’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(all) seinen Mut zusammennehmen · (es) schaffen (zu) · (es) über sich bringen · (etwas) übers Herz bringen · (seinem) Herzen einen Stoß geben · (sich) ein Herz fassen · (sich) ein Herz nehmen (und) · (sich) einen Ruck geben (und) · ↗(sich) trauen · ↗(sich) überwinden · ↗wagen  ●  (sich) ermannen  altertümelnd · über seinen (eigenen) Schatten springen  fig.
Assoziationen
  • (den) Mut haben (zu) · ↗(sich) trauen · ↗(sich) zutrauen · (so) mutig sein (zu) · es wagen  ●  ↗(sich) getrauen  veraltet · (den) Arsch in der Hose haben (zu)  ugs. · ↗(etwas) bringen  ugs. · die Stirn haben (zu)  geh., veraltend
  • (sich) zusammennehmen (und) · (sich) zusammenreißen (und) · ↗(sich) zwingen  ●  (sich) am Riemen reißen  ugs.
  • (die) Initiative ergreifen · (die) Initiative geht aus von · initiativ werden  ●  (den) ersten Schritt machen  fig. · (den) Stier bei den Hörnern packen  ugs., fig.
  • (sich) aufmachen (und) · ↗(sich) aufraffen · (sich) bemühen (um) · (sich) durchringen (zu) · ↗(sich) überwinden  ●  (den) inneren Schweinehund überwinden (und)  ugs. · ↗(sich) aufrappeln  ugs. · ↗(sich) bequemen  ugs. · ↗(sich) hochrappeln  ugs. · den Arsch hochkriegen  derb, fig.
  • eine (gänzlich) unvertraute Aufgabe übernehmen  ●  (den) Sprung ins kalte Wasser (riskieren)  ugs., fig.
  • (ein) schwerer Gang  ●  (ein) Gang nach Canossa  fig. · zu Kreuze kriechen  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

endlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ermannen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann ermannt sich der Alte Mann und geht energisch zur Karussellkasse.
Süddeutsche Zeitung, 17.08.2002
Später ermannte sich noch ein zweiter Wirt gegen denselben Kritiker zu einer Klage.
Die Zeit, 31.05.1991, Nr. 23
Auch Branko ermannte sich, raffte einen Stein auf und warf ihn gegen das Tier.
Held, Kurt: Die rote Zora und ihre Bande, Aarau: Sauerländer 1989 [1941], S. 183
Die Spanier unten im Lager hatten sich endlich ermannt und begannen auf den Grumbach aus ihren Feuerrohren zu schießen.
Perutz, Leo: Die dritte Kugel, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1988 [1915], S. 297
Nachdem er so die Kleinmütigen ermannt und die Mutigen entflammt hatte, schritt Cortez die Reihen seines Heeres ab.
Stucken, Eduard: Die weißen Götter, Stuttgart: Stuttgarter Hausbücherei [1960] [1919], S. 399
Zitationshilfe
„ermannen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ermannen>, abgerufen am 10.12.2019.

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