Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ernüchtern

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung er-nüch-tern
Grundformnüchtern
eWDG

Bedeutung

jmdm. seinen Rausch nehmen, jmdn. wieder nüchtern machen
Beispiel:
Den Bezirkshauptmann ernüchterte der Nachtwind [ J. RothRadetzkymarsch195]
übertragen jmdn., sich aus einer gesteigerten Stimmung herausreißen und wieder in eine normale Stimmung versetzen
Beispiele:
die langen Zeremonien der Trauerfeierlichkeit hatten ihn, seinen Schmerz rasch ernüchtert
der kühle Empfang, ihre Frage ernüchterte ihn
er blickte ernüchtert auf
er war durch die Erfahrung in seinen Träumen ernüchtert (= enttäuscht) worden
nach dem Hochgefühl des Schreibens, nach dem ungeheuern Rausch der Arbeit, ernüchterte er sich [ Feuchtw.Tag300]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nüchtern · Nüchternheit · ausnüchtern · Ausnüchterung · ernüchtern · Ernüchterung
nüchtern Adj. ‘nicht gegessen und getrunken habend, mit leerem Magen, nicht betrunken’, übertragen ‘besonnen, leidenschaftslos, phantasielos’, ahd. nuohturn (10./11. Jh.; dazu die Weiterbildung nuohturnīn, um 1000, z. B. in nuohturnīn sīn ‘sich einer Sache enthalten’), mhd. nüehtern, auch schon ‘nicht betrunken’, mnd. nöchteren, mnl. nuchteren, nuchterne, nl. nuchter sind entlehnt aus lat. nocturnus ‘nächtlich’ (zu lat. nox, Genitiv noctis, s. Nacht). Die vom Lat. abweichende Vokallänge erklärt sich durch Angleichung an die einheimischen Bezeichnungen für ‘Morgenfrühe, Dämmerung’ ahd. uohta (um 1000), mhd. uohte, uhte, nhd. (landschaftlich) Ucht, asächs. ūhta, mnd. uchte (verwandt mit Nacht). Es handelt sich wohl um ein in den Klöstern entstandenes Wort mit der Bedeutung ‘in der Morgendämmerung bestehend, frühmorgendlich, im Zustand des frühen Morgens befindlich’, d. h. ‘noch nichts gegessen und getrunken habend’, und zwar in der Zeit des der Nachtruhe folgenden Morgengottesdienstes vor Einnahme der Morgenmahlzeit. Nüchternheit f. (Anfang 15. Jh.). ausnüchtern Vb. ‘sich vom Zustand der Trunkenheit erholen’ (17. Jh.); Ausnüchterung f. (Mitte 19. Jh.). ernüchtern Vb. ‘sich nach reichlichem Essen, von einem Rausch erholen’, mhd. ernüchtern, ‘jmdn. aus einer gesteigerten Stimmung herausreißen’ (18. Jh.); Ernüchterung f. (2. Hälfte 19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›ernüchtern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ernüchtern‹.

Verwendungsbeispiele für ›ernüchtern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber dann fühle ich mich plötzlich von einer Minute auf die andere ziemlich ernüchtert. [Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 91]
Am nächsten Tag waren denn auch die anderen wieder etwas ernüchtert. [Die Zeit, 25.09.1992, Nr. 40]
Ernüchtert sind aber auch manche, die sich viel davon erhofft hatten. [Die Zeit, 18.02.1974, Nr. 07]
Das ernüchtert nicht nur die herrschaftsgewohnte Mehrheit, es dämmt auch die Macht der illegalen Kräfte ein. [Die Zeit, 30.06.1972, Nr. 26]
Wer die Welt ohne Illusionen betrachtet, wird ernüchtert nur noch seine Interessen verfolgen. [Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002]
Zitationshilfe
„ernüchtern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ern%C3%BCchtern>.

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