Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

erniedrigen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung er-nied-ri-gen
Wortzerlegung er- niedrigen
eWDG

Bedeutungen

1.
jmdn., sich moralisch herabziehen, herabwürdigen
Beispiele:
Menschen zu Sklaven erniedrigen
er war wie ein Hund erniedrigt worden
ein erniedrigender Antrag
sie standen in einem erniedrigenden Verhältnis zu ihm
etw. kommt jmdm. erniedrigend vor
er fühlte sich erniedrigt
den Menschen zu einem technischen Apparat zu erniedrigen [ KlempererLTI166]
Man kann uns niedrig / Behandeln, nicht erniedrigen [ SchillerStuartI 2]
sich erniedrigen
Beispiele:
wie konnte er sich so erniedrigen?
Unmöglich aber auch, sich zu erniedrigen und zu bitten [ A. ZweigEinsetzung465]
2.
Musik eine Note erniedrigendie Note mit einem B versehen und dadurch einen Halbton niedriger setzen
Beispiele:
D zu Des erniedrigen
die Rückführung der erniedrigten Töne durch das Auflösungszeichen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nieder · nieder · Niederung · niedrig · erniedrigen · niedrigen · Niedertracht · niederträchtig · niederdeutsch · nieden · hienieden
nieder Adv. ‘herab, herunter, hinunter, hinab, zu Boden’, ahd. nidar ‘unter’ Präp. (10. Jh.), ‘unten, herunter, herab’ Adv. (um 800), mhd. nider Adv. ‘hinunter, herunter’, asächs. niðar, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neder, neer, aengl. niþer, anord. niðr, schwed. ned sowie aind. nitarā́m ‘niederwärts, nach unten’ sind komparativische Ableitungen (ie. *nitero- ‘niederer’) von in aind. ‘nieder, herab, rückwärts, hinein’ enthaltenem ie. *ni- ‘nieder’ (s. auch Nest), während verwandtes aslaw. nizъ ‘nieder, hinab, unten’, russ. vniz (вниз) ‘hinab, abwärts’ sowie griech. (episch) né͞iatos (νείατος) ‘unterster, äußerster’ auf ie. *ni-, *nei- führen. – nieder Adj. ‘niedrig’, ahd. nidari ‘nieder, niedrig, tief, klein, gering’ (8. Jh.), mhd. nider(e), asächs. niðari, mnd. nēder, mnl. nēder(e), nl. neer, afries. nither, nether, aengl. niþera, neoþera, engl. nether, anord. neð(ar)ri, schwed. nedre (germ. *niþra), tr-Ableitung vom Stamm ie. *ni- ‘nieder, unten’. Niederung f. ‘flaches, niedrig gelegenes Land, Ebene’ (Ende 17. Jh., geläufig 19. Jh.), zuvor ‘Erniedrigung, Demütigung’, ahd. nidarunga ‘Verdammung’ (9. Jh.), mhd. niderunge ‘Erniedrigung’, mnd. nēderinge, Abstraktbildung zu ahd. nideren (um 800), mhd. nider(e)n ‘niedrig machen, herabsetzen, erniedrigen’, mnd. nēderen. niedrig Adj. ‘unten befindlich, tief gelegen, nicht hoch, gering an Wert und Würde, untergeordnet’ (16. Jh.), mnd. nēderich, Weiterbildung zum Adj. nieder. erniedrigen Vb. ‘demütigen, herabsetzen’ (16. Jh.), Weiterbildung von älterem gleichbed. niedrigen Vb. (niderigen, 15. Jh.). Niedertracht f. ‘Gemeinheit in Gesinnung und Handlung’ (Mitte 18. Jh.), rückgebildet aus niederträchtig Adj. ‘gemein, schäbig’ (17. Jh.), ‘gesenkt, geneigt, niedrig, tiefliegend, unterwürfig, verzagt, geringen Standes’ (16. Jh.), spätmhd. nidertrehtic ‘von oben herab angesehen, gering geschätzt, verächtlich’, zu mhd. sich tragen ‘sich benehmen, betragen’ (s. tragen, Tracht). niederdeutsch Adj. zur Bezeichnung des (vor allem durch die 2. Lautverschiebung nicht oder kaum betroffenen) nördlichen Sprachstandes des Deutschen; zuerst auf die niederländische Sprache bezogen (2. Hälfte 15. Jh.), ausgehend wohl von der ‘niedrig gelegenen, flachen’ Beschaffenheit des Landes (vgl. Nider teutschelant, 2. Hälfte 15. Jh., und die Bezeichnung Niederlande), auch zur Kennzeichnung des dort lebenden Volkes (nider dütsch, 1. Hälfte 16. Jh.) und seiner Sprache (durchgängig seit 1641, Schottel); s. das Gegenwort hochdeutsch. – nieden Adv. ‘unten, in der Tiefe, auf dieser Erde’, ahd. nidana (9. Jh.), mhd. niden(e), asächs. niđana, mnl. neden(e) (vgl. nl. beneden), afries. nida, aengl. niðan, neoðan, anord. neðan aus (mit einem die Richtung angebenden Suffix -ana) germ. *niþana ‘von unten her’. Bereits Adelung erklärt: „nur noch … in der höhern poetischen Schreibart“. Entsprechend hienieden Adv. ‘hier unten, auf Erden’, ahd. hier nidana (9. Jh.), danach in der Zusammenrückung mhd. hieniden(e), mit hie, einer Nebenform von hier (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) demütigen · (sich) entwürdigen · (sich) erniedrigen  ●  (sich) wegwerfen  fig. · im Staub(e) kriechen vor  geh., veraltend, fig.
Assoziationen
  • (sich) alles gefallen lassen · (sich) nicht wehren · alles mit sich machen lassen · kein Ehrgefühl (im Leibe) haben · keinen Stolz haben
Synonymgruppe
(etwas) herunterfahren · absenken · dämpfen · einschränken · ermäßigen · erniedrigen · herabsetzen · herunterfahren mit · heruntergehen (mit) · heruntersetzen · kürzen · mindern · nachlassen · reduzieren · schmälern · senken · unterbieten · verkleinern  ●  zurückfahren  fig. · herunter schrauben  ugs. · herunterschrauben  ugs. · rausnehmen (Druck, Tempo ...)  ugs. · runterfahren  ugs. · runtergehen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Synonymgruppe
Oberbegriffe
Synonymgruppe
demoralisieren · erniedrigen · kleinkriegen  ●  (jemanden) fertig machen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›erniedrigen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erniedrigen‹.

Verwendungsbeispiele für ›erniedrigen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er, der legitime Sohn des französischen Volkes, hat sich nie so weit erniedrigen können, dem Mob zu applaudieren. [Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Frankfurt a. M.: Europäische Verl.-Anst. 1957 [1955], S. 174]
Um sich ihr überlegen zu fühlen, erniedrigt er sie seelisch wie körperlich. [Die Zeit, 10.10.2011, Nr. 41]
Er empfand es als erniedrigend, sich im eigenen Haus ausweisen zu müssen. [Die Zeit, 10.08.2009, Nr. 32]
Aber damit erniedrige er nur sich selbst und erhebe den Schöpfer. [Die Zeit, 31.07.2000, Nr. 31]
Andere zu täuschen, reinzulegen oder auch zu erniedrigen gilt als hohe Kunst. [Die Zeit, 12.04.1991, Nr. 16]
Zitationshilfe
„erniedrigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erniedrigen>.

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