Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ernsthaft

Grammatik Adjektiv · attributiv, adverbiell · Komparativ: ernsthafter · Superlativ: am ernsthaftesten
Aussprache 
Worttrennung ernst-haft
Wortzerlegung Ernst -haft
Wortbildung  mit ›ernsthaft‹ als Erstglied: Ernsthaftigkeit
eWDG

Bedeutungen

1.
ernst, nicht heiter
Beispiele:
eine ernsthafte Lektüre
ein ernsthafter Mensch
er war der Ernsthafteste von allen
er sprach sehr ernsthaft
2.
ernst, eindringlich
Beispiel:
eine ernsthafte Überlegung, Aussprache, Auseinandersetzung
folgenschwer
Beispiel:
ihm kamen ernsthafte Zweifel, Bedenken
groß
Beispiele:
ernsthafte Sorgen, Mängel, Missstände
eine ernsthafte Krise durchmachen
3.
ernst, aufrichtig
Beispiele:
ein ernsthaftes Angebot
ich hatte den ernsthaften Wunsch, die ernsthafte Absicht zu kommen
etw. ernsthaft meinen
seine Anfrage war ganz ernsthaft gemeint
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ernst · ernst · ernsthaft · ernstlich
Ernst m. ‘feste, standhafte Gesinnung, Strenge, Bedrohlichkeit’, ahd. (um 800), asächs. ernust, mhd. ern(e)st ‘Eifer, Entschlossenheit, Strenge, Kampf’, mnd. ērn(e)st, ērenst, mnl. er(e)nst, arenst, nl. ernst, afries. ernst, aengl. eornust, eornost, engl. earnest sind mit st-Suffix gebildete Abstrakta (westgerm. *ernust-) zum Adjektiv germ. *arni-, das in got. arniba Adv. ‘sicher’, anord. ern Adj. ‘tüchtig, energisch’ erhalten ist. Sie bezeichnen daher eigentlich ‘was mit der Eigenschaft “sicher, entschieden” verbunden ist’, d. h. ‘entschiedenes Auftreten, Kampfeseifer’; vgl. Krahe in: PBB 71 (1949) 238 (s. auch ähnlich gebildetes Angst). Als verwandt läßt sich außerhalb des Germ. awest. arənav- ‘(Wett)kampf’ vergleichen, so daß Anschluß an die Wurzel ie. *er- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’ (s. rinnen, rennen) möglich ist. – ernst Adj. ‘von Ernst erfüllt, nicht heiter, bedrohlich’, mhd. ernest, aus dem Substantiv entstanden nach Wendungen wie ahd. ist mir ernust, nhd. es ist mir Ernst. ernsthaft Adj. ‘eindringlich, gewichtig, aufrichtig’, ahd. ernusthaft(i) ‘tüchtig, vor Eifer glühend, fest’ (9. Jh.), mhd. ernesthaft ‘kampfbereit, mutig, ernst’. ernstlich Adj. ‘nachdrücklich, aufrichtig, bedrohlich’, ahd. ernustlīh ‘vor Eifer glühend, echt, aufrichtig, eindringlich’ (9. Jh.), mhd. ern(e)stlich ‘wohlgerüstet, streitbar, wahrhaft’.

Thesaurus

Synonymgruppe
ernst · ernsthaft · seriös
Assoziationen
Synonymgruppe
(aussehen) als hätte man einen Besenstiel verschluckt · alles (viel zu) ernst nehmen · ernst · ernsthaft · humorfrei · humorlos · keinen Spaß verstehen · keinen Spaß vertragen · nüchtern · trocken  ●  (einen) Stock im Arsch (haben)  derb · keinen Sinn für Humor haben  ugs. · zum Lachen in den Keller gehen  ugs., ironisierend
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) bitterernst · allen Ernstes · ernst gemeint · ernstgemeint · ernsthaft · ernstlich · im Ernst · mit allem Ernst · ohne Scherz · ohne Spaß · ohne Witz · wirklich  ●  in echt  ugs. · kein Scheiß  ugs. · ohne Quatsch  ugs. · ohne Scheiß  ugs.
Assoziationen
  • ernst · ernsthaft · seriös
  • (die) ganze Wahrheit · (die) reine Wahrheit · (die) volle Wahrheit · so wahr ich lebe · wirklich wahr  ●  ehrlich wahr ugs. · so wahr ich hier stehe ugs., Redensart
  • ganz (Zeitdauer) · sage und schreibe (...) lang · voll (Zeit) · über sage und schreibe (...) hinweg  ●  geschlagen (Dauer) Hauptform
Synonymgruppe
(nicht) etwa (in Fragen) · allen Ernstes · ernsthaft
Synonymgruppe
(das ist) hoffentlich nicht ernst gemeint · ich halte das für einen schlechten Scherz · im Ernst? · ist das Ihr Ernst? · ist das dein Ernst? · können Sie das bitte noch einmal wiederholen? · meinen Sie das ernst?  ●  (das ist doch) der Witz in Tüten! (empört)  ugs. · (ich glaube,) ich hab mich (da) wohl verhört!  ugs. · (sag mal,) spinnst du?  ugs. · (wohl) (ein) schlechter Witz  ugs. · Das ist (jetzt) ein Scherz!  ugs. · bist du krank im Kopf?  derb · bist du noch (ganz) zu retten?  ugs. · bist du noch ganz bei Trost?  ugs. · bist du noch ganz sauber?  ugs., salopp · das ist jetzt ein Witz (nicht wahr?)  ugs. · das ist nicht dein Ernst!  ugs. · das kann nicht Ihr Ernst gewesen sein!  ugs. · das meinst du (doch) nicht ernst!?  ugs. · das soll wohl ein Witz sein!  ugs. · das sollte (doch) wohl ein Scherz (gewesen) sein!  ugs. · du hast sie wohl nicht (mehr) alle!  derb · echt jetzt?  ugs. · ernsthaft?  ugs. · hast du sie noch alle?  derb · in echt oder aus Scheiß?  derb · komm mal klar!  ugs., jugendsprachlich · machst du Witze?  ugs. · meinst du das etwa ernst?  ugs. · nee, nä?  ugs., norddeutsch · nee, oder?  ugs., süddt. · sag das nochmal! (herausfordernd)  ugs. · soll das ein Witz sein?  ugs., ironisch · tickst du noch richtig?  derb, variabel · was erzählst du da!? (ungläubig)  ugs. · was war das eben? (drohend)  ugs. · wie bitte??  ugs. · wie jetzt!?  ugs. · wie war das (eben)? (drohend)  ugs. · willst du mich auf den Arm nehmen?  ugs., fig. · wollen Sie mich verarschen?  derb
Assoziationen
  • bei Verstand · bei klarem Verstand · denkfähig · mit Verstand begabt · urteilsfähig · vernünftig · verständig · zurechnungsfähig  ●  bei Sinnen geh. · im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte fachspr., juristisch
  • (jemandem) ein X für ein U vormachen · foppen · narren · nasführen · täuschen · veralbern · zum Besten haben · zum Besten halten · zum Narren halten  ●  (jemandem etwas) weismachen (wollen) Hauptform · (jemandem) einen Bären aufbinden ugs. · (jemanden) für dumm verschleißen ugs., rheinisch, veraltend · (mit jemandem) sein(e) Spielchen treiben ugs. · an der Nase herumführen ugs. · anführen ugs. · anmeiern ugs. · anschmieren ugs. · auf den Arm nehmen ugs., fig., Hauptform · auf die Rolle nehmen ugs. · auf die Schippe nehmen ugs. · aufziehen ugs. · einseifen ugs. · für dumm verkaufen ugs. · hinter die Fichte führen ugs., fig., variabel · hochnehmen ugs. · hopsnehmen ugs. · verarschen derb · verdummbeuteln ugs. · verdummdeubeln ugs. · vergackeiern ugs. · verkaspern ugs. · verkohlen ugs. · verladen ugs. · vernatzen ugs., regional · verschaukeln ugs. · verscheißern derb · veräppeln ugs.
  • leicht verrückt sein · mit jemandem ist kein vernünftiges Wort zu reden · nicht ganz bei Verstand sein · seine fünf Sinne nicht beieinander haben  ●  (jemandem) brennt der Kittel fig. · einen kleinen Mann im Ohr haben fig., veraltend · spinnen Hauptform · (bei jemandem ist) eine Schraube locker ugs., fig. · (den) Verstand verloren haben ugs., fig., übertreibend · (ein) Ei am Wandern haben derb, regional · (en) Pinn im Kopp haben ugs., norddeutsch · (jemandem haben sie) ins Gehirn geschissen derb · (jemandem) geht's wohl nicht gut ugs. · (wohl) einen Sonnenstich haben ugs., fig. · den Schuss nicht gehört haben ugs., fig. · die Kappe kaputt haben ugs. · ein Rad abhaben ugs. · eine Macke haben ugs. · eine Meise haben ugs. · eine Schraube locker haben ugs., fig. · einen Dachschaden haben ugs., fig. · einen Ecken abhaben ugs., schweiz. · einen Hammer haben ugs. · einen Haschmich haben ugs. · einen Hau (weg) haben ugs. · einen Huscher haben ugs. · einen Klamsch haben ugs., österr. · einen Klopfer haben ugs., österr. · einen Knacks weghaben ugs. · einen Knall haben ugs. · einen Pecker haben ugs., österr. · einen Piep haben ugs. · einen Piepmatz haben ugs., fig. · einen Schaden haben ugs. · einen Schatten haben ugs. · einen Schlag haben ugs. · einen Schlag weg haben ugs. · einen Schuss haben ugs. · einen Sockenschuss haben ugs. · einen Spleen haben ugs. · einen Sprung in der Schüssel haben ugs., fig. · einen Stich haben ugs. · einen Triller unterm Pony haben ugs., scherzhaft · einen Vogel haben ugs., fig. · einen an der Klatsche haben ugs. · einen an der Murmel haben ugs. · einen an der Mütze haben ugs. · einen an der Waffel haben ugs. · einen feuchten / nassen Hut aufhaben ugs., fig. · einen weichen Keks haben ugs. · gaga sein ugs. · mit dem Klammerbeutel gepudert (worden) sein ugs., fig. · neben der Spur (sein) ugs., fig. · nicht alle Latten am Zaun haben ugs., fig. · nicht alle Tassen im Schrank haben ugs., fig. · nicht ganz bei Trost sein ugs. · nicht ganz dicht sein ugs. · nicht ganz frisch in der Birne (sein) ugs. · nicht ganz hundert sein ugs., schweiz. · nicht ganz richtig im Kopf sein ugs. · nicht ganz richtig im Oberstübchen sein ugs., fig. · nicht ganz sauber ticken ugs. · nicht richtig ticken ugs. · sie nicht alle haben ugs. · verpeilt sein ugs. · verstrahlt (sein) derb · weiß nicht, was er daherredet ugs.
  • wirres Zeug reden  ●  Unsinn erzählen Hauptform · (etwas) fabeln (von) geh. · (etwas) faseln (von) ugs. · (herum)fantasieren ugs. · (herum)phantasieren ugs. · (herum)spinnen ugs. · (sich etwas / ugs. sich einen) zusammenphantasieren ugs. · Blech reden ugs., veraltend · Scheiße erzählen derb · Scheiße labern derb · dummes Zeug erzählen ugs. · einen vom Pferd erzählen ugs. · fabulieren geh. · irrereden geh. · kariert quatschen ugs., berlinerisch · rumspacken ugs., jugendsprachlich, salopp · saublöd daherreden ugs., süddt. · saudummes Zeug daherreden ugs. · spintisieren geh.
  • (sich) (wieder) beruhigen · (sich) abregen  ●  (sich) einkriegen ugs. · runterkommen ugs.
  • da lachen ja die Hühner! ugs. · das glaubst du doch nicht im Ernst! ugs. · dass ich nicht lache! ugs. · ich lach mich scheckig! ugs., veraltet · ich lach mich schlapp ugs. · ich lach mich weg ugs.
  • Ihnen geht's wohl zu gut! ugs. · Sie sind wohl nicht ganz bei Trost! ugs. · aber sonst geht's dir gut (oder?) ugs. · bist du des Wahnsinns fette Beute? ugs., Spruch, veraltend, variabel · bist du des Wahnsinns? geh., altertümelnd, veraltet · bist du jetzt völlig durchgedreht? ugs. · bist du noch ganz frisch (in der Birne)? ugs. · dir geht's wohl zu gut! ugs. · du bist doch gestört! ugs. · du bist wohl nicht ganz bei Trost! ugs. · du hast wohl nicht alle Tassen im Schrank! ugs., fig. · du hat sie wohl nicht alle! ugs. · du tickst wohl nicht richtig! ugs. · geht's noch? ugs. · hast du ein Rad ab!? ugs., fig. · tickst du noch (richtig)? ugs. · tickst du noch ganz sauber? ugs. · was fällt Ihnen ein! ugs. · was fällt dir ein! ugs. · was soll das! ugs. · was soll der Scheiß!? derb · was soll die Scheiße! derb
  • Das war hoffentlich nicht dein Ernst! ugs. · Ich muss mich doch sehr wundern! ugs. · Was sollte das (da) eben? ugs. · Was war das (grade) für 'ne Nummer? ugs.
  • hab ich Sie (da) richtig verstanden? · versteh(e) ich Sie richtig (wenn...)? · verstehe ich das (jetzt) richtig?: (Aussage) · wie soll ich das jetzt verstehen?  ●  Moment mal ugs. · bitte? ugs. · hä? ugs., salopp · ja was denn nun? ugs. · wie belieben? geh., scherzhaft-ironisch, veraltet · wie bitte? ugs., Hauptform · wie jetzt!? ugs. · wie meinen? geh.
  • was fällt Ihnen ein (zu + Infinitiv) · was fällt dir ein (zu + Infinitiv) · was unterstehen Sie sich! · was unterstehst du dich! · wer sind Sie, dass Sie (...) · wie kannst du es wagen (zu + Infinitiv) · wie kannst du nur! · wie kommen Sie dazu (zu + Infinitiv) · wie kommst du dazu (zu + Infinitiv) · wie konnten Sie nur! · wie konntest du nur! · wie können Sie es wagen (zu + Infinitiv)  ●  Sie haben echt Nerven (einfach zu ...) ugs. · du hast vielleicht Nerven (einfach zu ...)! ugs. · was erlauben Sie sich, (einfach zu ...) ugs. · wer bist du (zu + Infinitiv) geh. · wer bist du, dass du (...) geh. · wer sind Sie (zu + Infinitiv) geh.
  • die Antwort kennst du (sicher) schon · die Frage erübrigt sich eigentlich · du weißt die Antwort  ●  Wonach sieht's denn aus? ugs. · die Antwort ist eh klar ugs. · dreimal darfst du raten (...)! ugs. · frag nicht so blöd! derb

Typische Verbindungen zu ›ernsthaft‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ernsthaft‹.

Verwendungsbeispiele für ›ernsthaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dennoch kommt man nicht umhin, sich ernsthaft mit ihnen auseinanderzusetzen. [Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972 [1968], S. 271]
Ernsthaft wie ein Lehrer setzte er das dem Führer auseinander. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 877]
Aber auch hierüber konnte es eigentlich keine ernsthafte Diskussion geben. [Heuß, Alfred: Das Zeitalter der Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20494]
Erst nach der Revolution (1959) begann man, die Entwicklung der Stadt ernsthaft zu planen. [o. A.: Lexikon der Kunst – H. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 16638]
Der schnelle Weg zur deutschen Einheit war – und wir sehen dies täglich deutlicher – ohne jede Alternative, und kaum jemand will ernsthaft hinter sein Ergebnis zurück. [Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]]
Zitationshilfe
„ernsthaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ernsthaft>.

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