erschöpfen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunger-schöp-fen
Grundformschöpfen
Wortbildung mit ›erschöpfen‹ als Erstglied: ↗Erschöpfung · ↗erschöpfbar  ·  mit ›erschöpfen‹ als Grundform: ↗erschöpft  ·  formal verwandt mit: ↗unerschöpflich
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. völlig nutzen, bis nichts übrigbleibt
Beispiele:
ein Thema, einen Stoff erschöpfen (= gründlich erörtern)
eine erschöpfende (= alles erfassende) Darstellung, Diskussion, Besprechung, Auskunft
etw. erschöpfend behandeln
häufig im Part. Prät.
etw. ist erschöpftetw. ist aufgebraucht
Beispiele:
die Vorräte, finanziellen Mittel, Geldmittel sind erschöpft
sein Vermögen, seine Barschaft ist erschöpft
alle Reserven waren bald erschöpft
der Brunnen, das Erzlager ist erschöpft (= hat kein Wasser, Erz mehr)
der Ackerboden ist erschöpft (= ist nicht mehr ertragreich)
Beispiel:
meine Geduld ist erschöpft (= zu Ende)
sich erschöpfen
Beispiele:
die Fruchtbarkeit des Bodens erschöpft sich schnell (= lässt schnell nach), wenn nicht genügend gedüngt wird
seine Aufgabe erschöpft sich darin (= besteht nur darin), die Neueingänge zu prüfen
2.
jmdn. bis zur Kraftlosigkeit ermüden
Beispiel:
Sie erschöpfen mich mit solchen Fragen [KafkaSchloß156]
häufig im Part. Prät.
Beispiele:
er ist von der schweren Arbeit völlig, (wie) zu Tode erschöpft
er sank erschöpft in die Knie, zu Boden
er sah erschöpft aus, saß erschöpft im Sessel
sich erschöpfen
Beispiel:
Gustav erschöpfte sich mit planlosen Unternehmungen [JahnnHolzschiff85]
sich in etw. erschöpfennicht aufhören, etw. immer wieder zu tun
Beispiele:
sich in Danksagungen, Mutmaßungen erschöpfen
Seitdem ... erschöpfte sich die Residenz in Bekundungen ihres Interesses [H. Mann8,50]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schöpfen · erschöpfen · erschöpft · unerschöpflich · Schöpfer1
schöpfen Vb. ‘Flüssigkeit mit einer Kelle oder einem Gefäß entnehmen’, auch ‘(er)schaffen’ (heute selten, im 19. Jh. veraltend). Laut- und bedeutungsgleich stehen nebeneinander ein starkes Verb ahd. skephen und ein schwaches Verb ahd. skephen, beide für ‘(er)schaffen, gestalten, bilden’ und ‘(Wasser) schöpfen’ (s. ↗schaffen). Vielleicht darf davon ausgegangen werden, daß die Bedeutung ‘(Wasser) schöpfen’ zunächst allein dem schwachen Verb zukam, das dann als eine Bildung zu dem unter ↗Schaff (s. d.) behandelten Substantiv anzusehen wäre. Die semantische Vermischung beider Verben ist jedenfalls im Ahd. bereits vollzogen. Während starkes ahd. skephen in schaffen weiterlebt (und die Bedeutung ‘Wasser schöpfen’ aufgibt), setzt sich schwaches ahd. skephen mit seinen beiden Bedeutungen in mhd. schepfen, nhd. (mit Rundung zu ö) schöpfen (schöpfte, geschöpft) fort. Vgl. auch (schwach flektierend) mnd. nl. scheppen ‘(Wasser) schöpfen’. erschöpfen Vb. ‘vollständig behandeln, die Kräfte völlig aufbrauchen’, eigentlich ‘bis zum Ende ausschöpfen’, ahd. irskephen ‘schwächen, erschöpfen’ (9. Jh.), mhd. erschepfen; erschöpft Part.adj. ‘am Ende seiner Kräfte, ermüdet’ (18. Jh.). unerschöpflich Adj. ‘unbegrenzt’ (15. Jh.). Schöpfer1 m. ‘Schöpfgefäß, -kelle’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aufbrauchen · ↗aufwenden · ↗auspowern · erschöpfen · ↗verausgaben · ↗verbrauchen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufnahmefähigkeit Aufnahmekapazität Aufzählung Auswechselkontingent Budget Devisenreserve Geduld Gemeinsamkeit Kapazität Kontingent Lagerkapazität Lagerstätte Leidensfähigkeit Möglichkeit Parallele Potential Potenzial Rechtsweg Repertoire Reserve Reservoir Ressource Vorkommen Vorrat Wechselkontingent Wiederholung auslaugen darin keineswegs weitgehend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erschöpfen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich bin tatsächlich erschöpft, aber ich bin zu unausgeglichen, um mich ausruhen zu können.
Genazino, Wilhelm: Die Liebesblödigkeit, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2005, S. 86
Völlig erschöpft verließen die kickenden Manager am Ende den Platz.
Süddeutsche Zeitung, 20.07.2002
So wenige Tage vor der Entscheidung ist er schlichtweg erschöpft.
Der Tagesspiegel, 18.10.2001
Wir werden so erschöpft nach Hause kommen, wie es vorauszusehen war.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1921. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1921], S. 213
Beide erschöpften daran ihre Kraft auf eine nie belohnbare Weise.
Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1909], S. 24695
Zitationshilfe
„erschöpfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erschöpfen>, abgerufen am 20.10.2018.

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