erschaffen
GrammatikVerb · erschuf, hat erschaffen
Aussprache
Worttrennunger-schaf-fen (computergeneriert)
Ableitung vonschaffen
Wortbildung mit ›erschaffen‹ als Erstglied: ↗Erschaffer · ↗Erschaffung
 ·  formal verwandt mit: ↗anerschaffen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gehoben etw., jmdn. durch eigene schöpferische Kraft entstehen lassen, schaffen
a)
Religion
Beispiele:
Gott hat die Welt erschaffen
Gott hat sie, die Liebenden füreinander erschaffen
Weshalb hat der Gott der Liebe und der Gerechtigkeit eigentlich die Menschen so verschieden erschaffen? [RemarqueSchwarzer Obelisk105]
b)
vom Menschen
Beispiele:
der Mann hat dieses Werk aus dem Nichts erschaffen
nur die Menschen, die er [Balzac] erschafft, sind ihm wirklich und wichtig [St. ZweigBalzac151]
Aber waren die Dinge denn nicht von den Menschen erschaffen? [Hausm.Überfall95]
2.
veraltet etw. machen, tun
Beispiel:
Und was sie in Straßburg zu erschaffen denke? [KleistKäthchenI 1]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schaffen · abschaffen · anschaffen · beschaffen · beschaffen · erschaffen · nachschaffen · Schaffner · Geschöpf · Schöpfer · schöpferisch · Schöpfung
schaffen Vb. ‘in eigener Leistung hervorbringen, gestalten’ und (bes. südd.) ‘arbeiten, zustande bringen’. Das stark flektierende Verb (mit j-Präsens) ahd. skephen ‘(er)schaffen, (be)wirken, gestalten, ordnen, festsetzen’ und auch ‘(Wasser) schöpfen’ (8. Jh.) entwickelt (aus der Partizipialform giscaffan) einen neuen Präsensstamm mit dem Infinitiv mhd. schaffen, nhd. schaffen (schuf, geschaffen). Verwandt sind asächs. skeppian ‘(er)schaffen, bestimmen’, aengl. scieppan ‘(er)schaffen, bilden anordnen, machen’, got. gaskapjan ‘erschaffen’, ferner ↗schaben, ↗Schaff, ↗Schaft, ↗Scheffel (s. d.) und die dort genannten Wortformen, so daß, ausgehend von einer Bedeutung ‘schnitzend gestalten’, Anschluß an die Variante ie. *skā̌b(h)- der Wurzel ie. *(s)kē̌p-, *(s)kō̌p-, *(s)kā̌p- ‘mit scharfem Werkzeug schneiden, spalten’ möglich ist. Neben dem starken Verb ahd. skephen (s. oben) steht ein gleichlautendes schwaches jan-Verb ahd. skephen ‘(er)schaffen, gestalten, bilden’ und ‘(Wasser) schöpfen’ (8. Jh.); beide Verben haben sich anscheinend semantisch miteinander vermischt (Weiteres s. ↗schöpfen). Weiterhin steht zum starken Verb die schwach flektierende Intensivbildung ahd. scaffōn ‘tun, bilden, zustande bringen, anordnen’ (8. Jh.), mhd. schaffen, nhd. schaffen ( schaffte, geschafft), deren Infinitiv- und Präsensformen im Mhd. und Nhd. mit denen des oben genannten starken Verbs zusammenfallen. Für das starke Verb ist heute von einer Grundbedeutung ‘etw. hervorbringen, bewirken’, für das schwache Verb von einer Grundbedeutung ‘einrichten, ordnen’ (weiter ‘anordnen, tätig sein, arbeiten, herbei-, wegbringen’) auszugehen. Starke und schwache Flexion zeigen entsprechend mnd. scheppen, mnl. sceppen und engl. to shape (mit dem Part. Prät. shaped und, allerdings selten und älter, shapen). Zum schwachen Verb stellen sich (auch bei teilweise starker Flexion bis ins 16. Jh.) abschaffen Vb. ‘aufheben, beseitigen’, mhd. abeschaffen (14. Jh.), südd. auch ‘sich abarbeiten’; anschaffen Vb. ‘etw. in seinen Besitz bringen, sich aneignen’ (16. Jh.), ‘anordnen, verursachen’ (15. Jh.); beschaffen Vb. ‘herbeiholen, besorgen’ (15. Jh.); vgl. ahd. biscaffōn ‘gestalten, bilden’ (8. Jh.); dagegen beschaffen Part.adj. ‘geartet, geformt, befindlich’ (15. Jh.), mhd. ‘vorhanden, durch das Schicksal bestimmt’, zu (vorwiegend stark flektierendem) mhd. beschaffen ‘(er)schaffen, bestimmt oder zugeteilt sein, ordnen, verwalten, herbeibringen’. Zum starken Verb gehören erschaffen Vb. ‘entstehen lassen, gestalten, formen’, geläufig seit dem 16. Jh.; nachschaffen Vb. ‘gestaltend nachbilden’ (18. Jh.), ‘nachträglich anschaffen’ (17. Jh.). Schaffner m. ‘Besorger, Ordner, Aufseher, Verwalter’, mhd. schaffenære, scheffenære, nach voraufgehendem schaffære, scheffære, ahd. scaffāri (um 1000). Seit dem 19. Jh. fast nur noch für das Bedienungs- und Aufsichtspersonal bei Bahn und Post, vgl. Postschaffner, Eisenbahnschaffner. Den alten Stammsilbenvokal des starken Verbs (nach ahd. skephen) bewahren (zu ö gerundet) Geschöpf n. ‘das Erschaffene, Geformte’ (15. Jh.), anfangs auch Vorgangsbezeichnung im Sinne von ‘Erschaffung’; Schöpfer m. ‘wer etw. erschafft, gestaltet’, auch Bezeichnung des christlichen Gottes als des Erschaffers der Welt, ahd. skephāri (9. Jh.), mhd. schepfære, schephære (vgl. früher bezeugtes ahd. skepho, 8. Jh.); schöpferisch Adj. ‘gestaltend, Neues erschaffend’ (18. Jh.); Schöpfung f. ‘Vorgang und Ergebnis des Gestaltens’, mhd. schepfunge, schepfenunge im Sinne des göttlichen Erschaffens der Welt, seit dem 18. Jh. ‘Gesamtheit von Natur und Welt’, auch ‘geistiges, künstlerisches Schaffen und sein Produkt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
anfertigen · ↗entwerfen · ↗entwickeln · ↗erstellen · ↗erzeugen · ↗gestalten · ↗hervorbringen · ↗kreieren · ↗produzieren · ↗realisieren · ↗schaffen · ↗schöpfen  ●  ↗formen  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Chemie
Synonymgruppe
bewirken · ↗erzeugen · ↗fabrizieren · ↗formen · ↗herstellen · ↗hervorbringen · ↗synthetisieren
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Figuren Wesen künstlich selbst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erschaffen‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich sehe sie nicht gern, ich erschaffe sie auch überhaupt nicht gern.
Der Tagesspiegel, 03.03.1998
Täten wir nicht besser daran, deren Adam gar nicht erst zu erschaffen?
Die Zeit, 29.09.1989, Nr. 40
Sie ist unfähig, das Bild, das Symbol zu erschaffen; das Symbol ist irrational.
Jung, Carl Gustav: Psychologische Typen. In: ders., Gesammelte Werke, Bd. VI, Zürich u. a.: Rascher 1967 [1921], S. 270
Das ist wahrlich ein Raum, bei Mondlicht den Golem zu erschaffen und den Golem zu bestatten!
Kisch, Egon Erwin: Der rasende Reporter, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1925], S. 286
Ist sie auf übernatürlichem Wege »erschaffen« oder hat sie sich auf natürlichem Wege »entwickelt«?
Haeckel, Ernst: Die Welträtsel, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1899], S. 34367
Zitationshilfe
„erschaffen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erschaffen>, abgerufen am 21.11.2017.

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