Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

erschrecken

Grammatik Verb · erschrickt, erschrak, ist/hat erschrocken
Aussprache  [ɛɐ̯ˈʃʀɛkn̩]
Worttrennung er-schre-cken
Wortbildung  mit ›erschrecken‹ als Erstglied: erschrecklich · erschröcklich

Bedeutungsübersicht+

  1. einen Schreck bekommen
    1. ...
    2. [landschaftlich] ⟨sich erschrecken⟩
eWDG

Bedeutung

einen Schreck bekommen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
vor etw., jmdm., über etw., jmdn. erschrecken
vor jeder Maus erschrickt sie
vor Freude, über einen Vorfall erschrecken
er erschrak über seine Worte, bei diesen Worten
ich erschrak über sein Aussehen
er erschrak heftig, tief, als er ihm plötzlich gegenüberstand
sie erschrak fast zu Tode, als …
bis ins Mark, bis ins Innerste (hinein) erschrecken
erschrick nicht!
Grammatik: oft im Partizip II
Beispiele:
erschrocken zusammenfahren, zurückweichen, beiseite springen
erschrocken die Augen aufreißen
er war tief, sehr erschrocken, machte ein erschrockenes Gesicht, hatte erschrockene Augen
landschaftlich sich erschrecken
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
darüber habe ich mich (ganz schön, tüchtig) erschrocken
[er] erschrak sich ein wenig über den Scharfsinn des Knaben [ le FortPapst90]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schrecken1 · erschrecken1 · Schreck · Schrecken · schreckhaft · schrecklich · schrecken2 · erschrecken2 · abschrecken
schrecken1 Vb. ‘in Schrecken geraten’. Das ursprünglich schwach flektierende, mit j-Suffix gebildete, intransitiv gebrauchte Verb ahd. scricken ‘empor-, aufspringen, erschrecken’ (um 800), mhd. schricken ‘springen, einen Riß bekommen’, mnd. schricken ‘Hände oder Füße rasch bewegen, klatschen, springen, tanzen’, mnl. scricken ‘große Schritte machen, sich entsetzen, erschrecken’, nl. schrikken entwickelt die Bedeutung ‘in Schrecken geraten, erschrecken’ aus ‘(in plötzlicher Erregung oder Angst) empor-, aufspringen’. Vgl. auch norw. (mundartlich; aus dem Mnd.?) skrikka ‘springen’ und das ōn-Verb ahd. screckōn ‘umherspringen, aufwallen, hervorblitzen, zurückprallen’ (um 800). Die Verben lassen sich anschließen an ie. *skreg-, eine Erweiterung der unter scheren2 ‘sich davonmachen’ (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘springen, herumspringen’. Im 11. Jh. entstehen (in Anlehnung an Verben wie brechen) bei Präfixbildungen starke Konjugationsformen, vgl. ahd. irscreckan (s. unten) und ūʒscreckan ‘hervorleuchten, vorspringen’, die teilweise auf das Simplex mhd. schrecken und (seltenes) nhd. schrecken ‘auffahren, erschrecken’ übergreifen. Die alte Bedeutung ist erhalten in stark flektierendem intransitivem erschrecken1 Vb. ‘sich entsetzen, aus plötzlicher Angst zusammenfahren’, ahd. (schwach) irscrecken (um 1000), mhd. erschrecken ‘auf-, zurückspringen, auffahren, aufschrecken’. Schreck m. auch mit Endungs-n der obliquen Kasus Schrecken m. ‘plötzliches Entsetzen, plötzliche Angst’, allgemein ‘plötzliche Gemütserschütterung’, mhd. schrecke ‘Schreck’, auch ‘Hüpfer, Springer’ (s. Heuschrecke). schreckhaft Adj. ‘leicht in Schrecken geratend, furchtsam’ (15. Jh.), ‘Schrecken einflößend’ (17. Jh.). schrecklich Adj. ‘entsetzlich, grauenhaft’ (15. Jh.), auch steigernd ‘sehr (viel, groß)’ (17. Jh.); vgl. mhd. schriclich ‘erschreckend’. schrecken2 Vb. ‘in Schrecken versetzen’, schwach flektierendes transitives Kausativum zu schrecken1, ahd. screcken ‘stürzen, aufreizen, anstacheln’ (um 1000), mhd. schrecken ‘aufspringen machen, in Schrecken setzen, erschrecken, sich erschrecken’, mnd. schrecken ‘in Schrecken versetzen’. Dazu erschrecken2 Vb. ‘jmdn. in eine plötzliche Gemütserregung, in Furcht versetzen’, mhd. erschrecken, auch ‘aufschrecken (aus dem Schlaf)’; vgl. ahd. (stark) irscreckan ‘bestürzt machen’ (11. Jh.). abschrecken Vb. ‘ängstlich, verzagt machen, von etw. abhalten’ (15. Jh.), ‘plötzlich abkühlen’ (16. Jh.), mhd. abeschrecken ‘jmdm. etw. durch eingeflößte Furcht wegnehmen’ (14. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›erschrecken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erschrecken‹.

Verwendungsbeispiele für ›erschrecken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Frau, die am Tisch saß, stieß einen erschrockenen Ton aus. [Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 313]
Gleichgültig wanderte ich durch die Straßen, plötzlich blieb ich erschrocken stehen. [Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 6947]
Darinnen hockt ängstlich auf seiner Stange ein kleines Tier mit erschrockenen glänzenden Augen. [Tucholsky, Kurt: Das neue Lied. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1920], S. 15562]
Erschrocken rannte unten das Weib, von Grauen gepackt – hohnlachend sauste oben die Schar weiter, hinein in das windige Dunkel. [Tucholsky, Kurt: Walpurgisnacht. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 5211]
Erschrocken sah sie mich an, dann aber war sie verständig genug, mit mir zu lachen, und wenig später saßen wir fröhlich plaudernd nebeneinander. [Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 26091]
Zitationshilfe
„erschrecken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erschrecken#1>.

Weitere Informationen …

erschrecken

Grammatik Verb
Aussprache  [ɛɐ̯ˈʃʀɛkn̩]
Worttrennung er-schre-cken

Bedeutungsübersicht+

  1. jmdn. in Schrecken versetzen
    1. ⟨erschreckend⟩ beängstigend, sehr stark
    2. [landschaftlich, umgangssprachlich] ⟨sich erschrecken⟩
eWDG

Bedeutung

jmdn. in Schrecken versetzen
Beispiele:
jmdn. sehr, heftig erschrecken
der Hund erschreckte mich
die Nachricht erschreckte uns alle
der Anblick, ihr Aussehen erschreckt ihn tief
erschrecke mich nicht immer so!
sie war sehr erschreckt durch den plötzlichen Knall
Ich war etwas erschreckt über die heftige Wirkung [ HesseNarziß5,55]
erschreckendbeängstigend, sehr stark
Grammatik: oft im Partizip I
Beispiele:
er war erschreckend abgemagert
die Seuche greift in erschreckendem Ausmaße um sich
eine erschreckende Verrohung der Sitten war nach dem Kriege eingetreten
mit, in erschreckender Deutlichkeit zeigt sich, dass …
landschaftlich, umgangssprachlich sich erschrecken
Beispiel:
da habe sich Gripen erschreckt (= erschrocken) [ Bergengr.Feuerprobe27]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schrecken1 · erschrecken1 · Schreck · Schrecken · schreckhaft · schrecklich · schrecken2 · erschrecken2 · abschrecken
schrecken1 Vb. ‘in Schrecken geraten’. Das ursprünglich schwach flektierende, mit j-Suffix gebildete, intransitiv gebrauchte Verb ahd. scricken ‘empor-, aufspringen, erschrecken’ (um 800), mhd. schricken ‘springen, einen Riß bekommen’, mnd. schricken ‘Hände oder Füße rasch bewegen, klatschen, springen, tanzen’, mnl. scricken ‘große Schritte machen, sich entsetzen, erschrecken’, nl. schrikken entwickelt die Bedeutung ‘in Schrecken geraten, erschrecken’ aus ‘(in plötzlicher Erregung oder Angst) empor-, aufspringen’. Vgl. auch norw. (mundartlich; aus dem Mnd.?) skrikka ‘springen’ und das ōn-Verb ahd. screckōn ‘umherspringen, aufwallen, hervorblitzen, zurückprallen’ (um 800). Die Verben lassen sich anschließen an ie. *skreg-, eine Erweiterung der unter scheren2 ‘sich davonmachen’ (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘springen, herumspringen’. Im 11. Jh. entstehen (in Anlehnung an Verben wie brechen) bei Präfixbildungen starke Konjugationsformen, vgl. ahd. irscreckan (s. unten) und ūʒscreckan ‘hervorleuchten, vorspringen’, die teilweise auf das Simplex mhd. schrecken und (seltenes) nhd. schrecken ‘auffahren, erschrecken’ übergreifen. Die alte Bedeutung ist erhalten in stark flektierendem intransitivem erschrecken1 Vb. ‘sich entsetzen, aus plötzlicher Angst zusammenfahren’, ahd. (schwach) irscrecken (um 1000), mhd. erschrecken ‘auf-, zurückspringen, auffahren, aufschrecken’. Schreck m. auch mit Endungs-n der obliquen Kasus Schrecken m. ‘plötzliches Entsetzen, plötzliche Angst’, allgemein ‘plötzliche Gemütserschütterung’, mhd. schrecke ‘Schreck’, auch ‘Hüpfer, Springer’ (s. Heuschrecke). schreckhaft Adj. ‘leicht in Schrecken geratend, furchtsam’ (15. Jh.), ‘Schrecken einflößend’ (17. Jh.). schrecklich Adj. ‘entsetzlich, grauenhaft’ (15. Jh.), auch steigernd ‘sehr (viel, groß)’ (17. Jh.); vgl. mhd. schriclich ‘erschreckend’. schrecken2 Vb. ‘in Schrecken versetzen’, schwach flektierendes transitives Kausativum zu schrecken1, ahd. screcken ‘stürzen, aufreizen, anstacheln’ (um 1000), mhd. schrecken ‘aufspringen machen, in Schrecken setzen, erschrecken, sich erschrecken’, mnd. schrecken ‘in Schrecken versetzen’. Dazu erschrecken2 Vb. ‘jmdn. in eine plötzliche Gemütserregung, in Furcht versetzen’, mhd. erschrecken, auch ‘aufschrecken (aus dem Schlaf)’; vgl. ahd. (stark) irscreckan ‘bestürzt machen’ (11. Jh.). abschrecken Vb. ‘ängstlich, verzagt machen, von etw. abhalten’ (15. Jh.), ‘plötzlich abkühlen’ (16. Jh.), mhd. abeschrecken ‘jmdm. etw. durch eingeflößte Furcht wegnehmen’ (14. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›erschrecken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›erschrecken‹.

Verwendungsbeispiele für ›erschrecken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Frau, die am Tisch saß, stieß einen erschrockenen Ton aus. [Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 313]
Gleichgültig wanderte ich durch die Straßen, plötzlich blieb ich erschrocken stehen. [Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 6947]
Darinnen hockt ängstlich auf seiner Stange ein kleines Tier mit erschrockenen glänzenden Augen. [Tucholsky, Kurt: Das neue Lied. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1920], S. 15562]
Erschrocken rannte unten das Weib, von Grauen gepackt – hohnlachend sauste oben die Schar weiter, hinein in das windige Dunkel. [Tucholsky, Kurt: Walpurgisnacht. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 5211]
Erschrocken sah sie mich an, dann aber war sie verständig genug, mit mir zu lachen, und wenig später saßen wir fröhlich plaudernd nebeneinander. [Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 26091]
Zitationshilfe
„erschrecken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/erschrecken#2>.

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