ersinnen

GrammatikVerb · ersann, hat ersonnen
Aussprache
Worttrennunger-sin-nen
Grundformsinnen
Wortbildung mit ›ersinnen‹ als Erstglied: ↗ersinnlich
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben etw. durch Nachsinnen finden, etw. ausdenken
Beispiele:
einen Plan, ein neues System ersinnen
eine Geschichte, ein Märchen, einen Vers ersinnen
etw. Nützliches, Schönes, Lustiges ersinnen
er hatte die Ausrede, den Vorwand ersonnen, um eine peinliche Begegnung zu vermeiden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sinnen · besinnen · besinnlich · Besinnung · entsinnen · ersinnen · sinnieren · Ansinnen
sinnen Vb. ‘nachdenken, grübeln, seine Gedanken planend auf etw. richten’, ahd. sinnan ‘gehen, reisen, wandern, streben, verlangen’ (9. Jh.), mhd. sinnen ‘gehen, reisen, wahrnehmen, merken, verstehen, seine Gedanken oder Begierden auf etw. richten’, mnd. sinnen ‘erstreben, denken, nachsinnen’, nl. (aus dem Dt.) zinnen, aengl. sinnan, auch ‘achthaben, sorgen’. Für das stark flektierende Verb und das zugehörige, unter ↗Sinn (s. d.) behandelte Verbalsubstantiv ist von einem Nasalpräsens germ. *senþnan, *sendnan auszugehen, das sich mit ahd. sind ‘Weg, Richtung, Seite’ (8. Jh.), mhd. sint, auch ‘Reise, Fahrt’, asächs. sīð, aengl. sīþ ‘Weg, Gang, Reise’, anord. sinn ‘Mal, Gang’, got. sinþs ‘Gang’ (s. ↗Gesinde sowie verwandtes ↗senden) und dem dazu gebildeten schwach flektierenden Verb ahd. sindōn ‘sich auf den Weg begeben, reisen’ (um 800), mhd. sinden, asächs. sīðon, aengl. sīþian, anord. sinna sowie mit air. sēt ‘Weg’, awest. hant- ‘gelangen (lassen)’, kymr. hynt ‘Weg, Straße’, lit. siũͅsti ‘senden, schicken’, auch mit lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, wahrnehmen, Einsicht haben, meinen, denken’, sēnsus ‘Empfindung, Gesinnung, Ansicht, Sinn’, lit. sintė́ti ‘sich entschließen, denken’ auf eine Wurzel ie. *sent- ‘eine Richtung nehmen, gehen’, übertragen ‘empfinden, wahrnehmen’ zurückführen läßt. Als Ausgangsbedeutung für die heute allein geltende übertragene Verwendung ist ‘seine Gedanken in eine Richtung gehen lassen, sie auf etw. richten’ anzusetzen. besinnen Vb. ‘überlegen, nachdenken, sich erinnern’, in neuerer Zeit nur reflexiv, mhd. besinnen ‘worüber nachdenken, etw. ausdenken’, reflexiv ‘sich bewußt werden, überlegen’. besinnlich Adj. ‘nachdenklich, beschaulich’, mhd. besintlīche Adv. ‘mit Überlegung’ (mit unorganischem -t-), frühnhd. besynnlich (16. Jh.). Besinnung f. ‘Überlegung, Erinnerung, Bewußtsein’ (17. Jh.), ohne Besinnung ‘ohne Bewußtsein’ (18. Jh.). entsinnen Vb. reflexiv ‘sich erinnern’, älter auch transitiv ‘der Sinne berauben’, mhd. entsinnen ‘von Sinnen kommen’, reflexiv ‘zu Verstand kommen, bei Verstand sein, etw. in seinen Verstand aufnehmen, erkennen, erinnern’. ersinnen Vb. ‘erdenken, ausdenken’, mhd. ersinnen ‘erforschen, erdenken, erwägen’. sinnieren Vb. ‘grübeln, nachdenken’ (19. Jh.), moderne Weiterbildung in Analogie zu anderen Verben auf -ieren. Ansinnen n. ‘Forderung, (nicht zumutbarer) Vorschlag’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(Plan) schmieden · ↗(sich) ausdenken · ↗ausarbeiten · ↗entwerfen · ↗entwickeln · ↗erarbeiten · ↗erfinden · ↗konstruieren · ↗konzipieren  ●  ↗ausbrüten  ugs., fig., negativ · ↗ausfeilen  ugs. · ↗aushecken  ugs., negativ · ersinnen  geh. · ↗innovieren  fachspr., lat.
Assoziationen
  • (seinen) Verstand benutzen · ↗denken · ↗nachdenken · ↗überlegen  ●  (seine) Gehirnzellen anstrengen  ugs.
  • (ein) Spiel abkarten · Finte(n) aushecken · Intrige(n) spinnen · List(en) ersinnen · Ränke schmieden
Synonymgruppe
erdichten · ↗erlügen · ↗fingieren · ↗gaukeln · ↗heucheln · ↗vorgaukeln · ↗vorgeben · ↗vorschützen · ↗vortäuschen  ●  ersinnen  geh. · ↗türken  derb
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) ausdenken · (sich) einfallen lassen · Ideen entwickeln (zu) · ↗ausklügeln · ↗ausknobeln · ↗austüfteln · ↗erdenken  ●  ↗ausbrüten  ugs., fig. · ↗ausklamüsern  ugs., norddeutsch · ersinnen  geh.
Assoziationen
  • faken · frei erfinden  ●  (sich etwas) aus dem Ärmel schütteln  ugs., fig. · (sich etwas) aus den Fingern saugen  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abhilfe Ausweg Bürokrat Experiment Finte Forscher Gedankenexperiment Grausamkeit Hirn Intrige Konstrukteur Konstruktion List Mathematiker Mechanismus Menschengeist Methode Parabel Physiker Plot Programmierer Schreibtisch Slogan Story Strategie Taktik Trick Vorrichtung einst erproben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ersinnen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Entspannt ersinne ich die Strategie für die Tour des nächsten Tages.
Die Zeit, 17.05.2010, Nr. 20
Auch für das Heizen mit Öl ersinnen die Forscher umweltfreundlichere Techniken.
o. A.: In Zukunft cooler. In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1999 [1998]
Der Sinn, den man ersinnen kann, ist nicht der ewige Sinn.
Kreuder, Ernst: Die Gesellschaft vom Dachboden, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1978 [1946], S. 183
Wir fühlten uns erleichtert, sie schien etwas ersonnen zu haben, um sich und uns aus der peinlichen Situation zu befreien.
Reventlow, Franziska Gräfin zu: Spiritismus. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1917], S. 10467
Ihr könnt nach einem anderen und weiseren Plan leben, wenn ihr ihn nur ersinnen und ausarbeiten wollt!
Smolka, Karl: Gutes Benehmen von A - Z. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1957], S. 19105
Zitationshilfe
„ersinnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ersinnen>, abgerufen am 18.10.2019.

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