Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ersinnen

Grammatik Verb · ersinnt, ersann, hat ersonnen
Aussprache 
Worttrennung er-sin-nen
Wortzerlegung er- sinnen
Wortbildung  mit ›ersinnen‹ als Erstglied: ersinnlich
eWDG

Bedeutung

gehoben etw. durch Nachsinnen finden, etw. ausdenken
Beispiele:
einen Plan, ein neues System ersinnen
eine Geschichte, ein Märchen, einen Vers ersinnen
etw. Nützliches, Schönes, Lustiges ersinnen
er hatte die Ausrede, den Vorwand ersonnen, um eine peinliche Begegnung zu vermeiden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sinnen · besinnen · besinnlich · Besinnung · entsinnen · ersinnen · sinnieren · Ansinnen
sinnen Vb. ‘nachdenken, grübeln, seine Gedanken planend auf etw. richten’, ahd. sinnan ‘gehen, reisen, wandern, streben, verlangen’ (9. Jh.), mhd. sinnen ‘gehen, reisen, wahrnehmen, merken, verstehen, seine Gedanken oder Begierden auf etw. richten’, mnd. sinnen ‘erstreben, denken, nachsinnen’, nl. (aus dem Dt.) zinnen, aengl. sinnan, auch ‘achthaben, sorgen’. Für das stark flektierende Verb und das zugehörige, unter Sinn (s. d.) behandelte Verbalsubstantiv ist von einem Nasalpräsens germ. *senþnan, *sendnan auszugehen, das sich mit ahd. sind ‘Weg, Richtung, Seite’ (8. Jh.), mhd. sint, auch ‘Reise, Fahrt’, asächs. sīð, aengl. sīþ ‘Weg, Gang, Reise’, anord. sinn ‘Mal, Gang’, got. sinþs ‘Gang’ (s. Gesinde sowie verwandtes senden) und dem dazu gebildeten schwach flektierenden Verb ahd. sindōn ‘sich auf den Weg begeben, reisen’ (um 800), mhd. sinden, asächs. sīðon, aengl. sīþian, anord. sinna sowie mit air. sēt ‘Weg’, awest. hant- ‘gelangen (lassen)’, kymr. hynt ‘Weg, Straße’, lit. siũͅsti ‘senden, schicken’, auch mit lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, wahrnehmen, Einsicht haben, meinen, denken’, sēnsus ‘Empfindung, Gesinnung, Ansicht, Sinn’, lit. sintė́ti ‘sich entschließen, denken’ auf eine Wurzel ie. *sent- ‘eine Richtung nehmen, gehen’, übertragen ‘empfinden, wahrnehmen’ zurückführen läßt. Als Ausgangsbedeutung für die heute allein geltende übertragene Verwendung ist ‘seine Gedanken in eine Richtung gehen lassen, sie auf etw. richten’ anzusetzen. besinnen Vb. ‘überlegen, nachdenken, sich erinnern’, in neuerer Zeit nur reflexiv, mhd. besinnen ‘worüber nachdenken, etw. ausdenken’, reflexiv ‘sich bewußt werden, überlegen’. besinnlich Adj. ‘nachdenklich, beschaulich’, mhd. besintlīche Adv. ‘mit Überlegung’ (mit unorganischem -t-), frühnhd. besynnlich (16. Jh.). Besinnung f. ‘Überlegung, Erinnerung, Bewußtsein’ (17. Jh.), ohne Besinnung ‘ohne Bewußtsein’ (18. Jh.). entsinnen Vb. reflexiv ‘sich erinnern’, älter auch transitiv ‘der Sinne berauben’, mhd. entsinnen ‘von Sinnen kommen’, reflexiv ‘zu Verstand kommen, bei Verstand sein, etw. in seinen Verstand aufnehmen, erkennen, erinnern’. ersinnen Vb. ‘erdenken, ausdenken’, mhd. ersinnen ‘erforschen, erdenken, erwägen’. sinnieren Vb. ‘grübeln, nachdenken’ (19. Jh.), moderne Weiterbildung in Analogie zu anderen Verben auf -ieren. Ansinnen n. ‘Forderung, (nicht zumutbarer) Vorschlag’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(Plan) schmieden · ausarbeiten · entwerfen · entwickeln · erarbeiten · erfinden · konstruieren · konzipieren  ●  ausbrüten  ugs., fig., negativ · aushecken  ugs., negativ · ersinnen  geh. · innovieren  fachspr., lat., sehr selten
Assoziationen
Synonymgruppe
erdichten · erlügen · fingieren · gaukeln · heucheln · vorgaukeln · vorgeben · vorschützen · vortäuschen  ●  ersinnen  geh. · türken  derb
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) ausdenken · (sich) einfallen lassen · Ideen entwickeln (zu) · ausklügeln · ausknobeln · austüfteln · erdenken  ●  ausbrüten  ugs., fig. · ausklamüsern  ugs., norddeutsch · ersinnen  geh.

Typische Verbindungen zu ›ersinnen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ersinnen‹.

Verwendungsbeispiele für ›ersinnen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch für das Heizen mit Öl ersinnen die Forscher umweltfreundlichere Techniken. [o. A.: In Zukunft cooler. In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1999 [1998]]
Entspannt ersinne ich die Strategie für die Tour des nächsten Tages. [Die Zeit, 17.05.2010, Nr. 20]
Kein Schriftsteller hätte ein konsequenteres Ende dieser Ehe ersinnen können. [Die Zeit, 19.08.2002, Nr. 33]
Wau ersann für die lose Vereinigung den Namen Chaos Computer Club. [Die Zeit, 23.10.1987, Nr. 44]
Der Sinn, den man ersinnen kann, ist nicht der ewige Sinn. [Kreuder, Ernst: Die Gesellschaft vom Dachboden, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1978 [1946], S. 183]
Zitationshilfe
„ersinnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ersinnen>.

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