ersterben

GrammatikVerb · erstirbt, erstarb, ist erstorben
Aussprache
Worttrennunger-ster-ben (computergeneriert)
Wortzerlegunger-sterben
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben
1.
häufig im Part. Prät.
sterben
Beispiele:
seine Augen sind wie erstorben (= tot)
ein erstorbener Blick
das Leben in ihr [der Straße] war noch nicht erstorben (= ausgestorben) [RemarqueZeit zu leben106]
übertragen
Beispiele:
seine Hoffnung, Liebe erstarb
er war geistig, seelisch erstorben
gefühllos werden, innerlich absterben
Beispiele:
übertrieben in Ehrfurcht, vor Respekt ersterben (= sich überaus ehrfürchtig, respektvoll zeigen)
Komarek war noch nicht ganz erstorben [WerfelAbituriententag35]
2.
etw. erstirbtetw. hört allmählich auf
Beispiele:
das Gemurmel, Geflüster, die Unterhaltung erstarb an den Tischen, im Hörsaal, als er eintrat
die Frage, der Seufzer erstarb auf seinen Lippen
auf seinen Lippen erstarb das Lächeln
seine Stimme erstarb zu einem unverständlichen Gemurmel
Bugenhagens Stimme war immer leiser geworden und erstarb endlich in heiserem Flüstern [JensMann45]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sterben · absterben · aussterben · ersterben · versterben · Verstorbener · sterbenskrank · Sterbenswörtchen · sterblich · Sterblichkeit · unsterblich · Unsterblichkeit
sterben Vb. ‘das Leben verlieren’. Das nur westgerm. bezeugte starke Verb ahd. sterban (9. Jh.), mhd. sterben, asächs. sterƀan, mnd. mnl. nl. sterven, aengl. steorfan, engl. to starve ‘vor Hunger und Durst umkommen’ ist verwandt mit ahd. sterbo ‘Pest, Tod’ (9. Jh.), mhd. sterb(e) ‘das Sterben, Tod, ansteckende Krankheit, Pest’, asächs. -sterƀo, aengl. steorfa ‘Pest’, anord. stjarfi ‘Starrkrampf’, stirfinn ‘halsstarrig, trotzig’, starfa ‘sich abmühen’ und mit mir. ussarb (aus *uks-sterbhā) ‘Tod’, griech. stérphos (στέρφος) ‘Haut, Fell, Hülle’, russ. (älter) stérbnut’ (стербнуть) ‘fest, hart werden, erstarren, absterben’ sowie den s-losen Formen lat. torpēre ‘erstarrt, betäubt, gefühllos, taub sein’, lit. tir̃pti ‘erstarren, gefühllos werden’, aslaw. trьpěti ‘ertragen’, russ. terpét’ (терпеть) ‘leiden, dulden’. Alle Bildungen sind auf ie. *(s)terp-, *(s)terbh- rückführbar, eine Labialerweiterung der unter ↗starren (s. d.) verzeichneten Wurzel ie. *(s)ter(ə)-, *(s)trē- ‘starr, steif sein’, so daß für das germ. Verb von einer verhüllenden Bedeutung ‘steif, starr werden’ auszugehen ist. absterben Vb. ‘das Leben beenden, eingehen, welken’, mhd. abesterben, rechtssprachlich ‘durch den Tod des Besitzers frei werden’; seit dem 18. Jh. auch ‘gefühllos werden’ (durch Druck, Abschnürung, Kälte). aussterben Vb. ‘untergehen, aufhören zu existieren, sich verlieren’ (15. Jh.). ersterben Vb. ‘vergehen’, ahd. irsterban (8. Jh.), mhd. ersterben ‘(ab)sterben’. versterben Vb. ‘sterben’, mhd. versterben; Verstorbener m. substantiviertes Part.adj. (16. Jh.). sterbenskrank Adj. ‘sehr krank’ (17. Jh.), anfangs neben sterbekrank Sterbenswörtchen n. in der Fügung kein Sterbenswörtchen ‘überhaupt nichts’ (19. Jh.), verkürzt aus kein sterbendes (‘schwaches, vergängliches’) Wörtchen (18. Jh.); vgl. auch kein Sterbenswort (18. Jh.). sterblich Adj. ‘dem Tod unterworfen, vergänglich’, mhd. sterblich; vgl. ahd. stirbīg (9. Jh.); Sterblichkeit f. ‘Vergänglichkeit, Zahl der Todesfälle’, mhd. sterbelīcheit; unsterblich Adj. mhd. unsterbelich; vgl. ahd. unstirbīg (11. Jh.); Unsterblichkeit f. mhd. unsterbelīcheit.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beifall Bewunderung Ehrfurcht Einbruch Feuer Gelächter Gemurmel Geräusch Gespräch Jubel Kommunikation Lachen Lippe Lächeln Lärm Meinungskampf Motor Mund Schrei Schönheit Sekunde Stimme Torschrei abends allmählich augenblicklich erstarren jäh plötzlich urplötzlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ersterben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Später wird auch die Mutter mit erstorbenen Augen von ihrem Leben berichten, das keines mehr ist.
Die Zeit, 29.05.2006, Nr. 22
Nichts hassten sie so sehr wie Musik, alles Leben erstarb in Grau.
Der Tagesspiegel, 22.07.2002
Alles in ihm blieb erstorben wie in einem verfallenen Haus.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 927
Sie rissen die Sparren herunter und ließen die Glut in sich ersterben.
Wiechert, Ernst: Das einfache Leben, München: Ullstein Taschenbuchverl. 2000 [1946], S. 285
Du siehst, daß die alte Passion in mir noch nicht erstorben ist.
Liliencron, Adda Freifrau von: Krieg und Frieden, Erinnerungen aus dem Leben einer Offiziersfrau. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 45222
Zitationshilfe
„ersterben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ersterben>, abgerufen am 16.11.2018.

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