ersticken

GrammatikVerb · erstickt, erstickte, ist/hat erstickt
Aussprache
Worttrennunger-sti-cken
Wortbildung mit ›ersticken‹ als Erstglied: ↗Erstickung  ·  formal verwandt mit: ↗tränenerstickt
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
an Luftmangel, Sauerstoffmangel sterben
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
er ist in der Garage an den Verbrennungsgasen seines Wagens erstickt
der Säugling ist unter seinen Kissen erstickt
er ist an einem Kirschkern erstickt
er wäre fast vor Lachen erstickt
Die Luft im Zimmer war zum Ersticken (= war sehr schlecht) [DürrenmattVersprechen88]
erlöschen
Beispiel:
das Feuer ist aus Sauerstoffmangel, unter der Asche erstickt
bildlich
Beispiele:
mit erstickter Stimme sprechen
ein ersticktes Schluchzen, Kichern
Ein Mann im Saal lachte erstickt (= unterdrückt) auf [Bachm.Dreißigstes Jahr191]
übertragen zugrunde gehen
Beispiele:
die Revolution erstickte unter den Gewehrsalven der Truppen
sein dichterisches Talent ist in der provinziellen Enge erstickt
spöttischder erstickt noch in seinem Geld (= er ist sehr vermögend)
saloppder erstickt noch mal in seinem eigenen Dreck
2.
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
jmdn. durch die Entziehung der Luft töten
Beispiele:
die Kindesmörderin hat den Säugling unter, in den Kissen erstickt
übertriebenjmdn. mit seinen Küssen ersticken
übertriebenes ist erstickend (= sehr) heiß
übertriebeneine erstickende Hitze
etw. löschen
Beispiele:
den Brand, das Feuer mit einem Schaumlöscher ersticken
er erstickte die Flammen mit einer Decke
bildlich
Beispiele:
Freudentränen erstickten ihre Stimme
ein Schluchzen erstickte seine Worte
Die Herren ersticken wohl ihr Gelächter in den Taschentüchern [H. Mann8,353]
übertragen etw. unterdrücken
Beispiele:
die Revolution, der Widerstand wurde im Keim erstickt
er erstickte den Wunsch in seinem Innern
seine Bedenken ersticken
eine erstickende (= lähmende) Langeweile
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ersticken · stickig
ersticken Vb. (intransitiv) ‘an Luftmangel sterben’, (transitiv) ‘durch Entziehen der Luft töten’, ahd. irsticken (intransitiv) ‘den Geist aufgeben, sterben’ (10. Jh.), mhd. ersticken (intransitiv). Vgl. ahd. sticken ‘(voll)stopfen, anfüllen’ (8. Jh.), nhd. sticken (transitiv) ‘durch Entziehen der Luft töten’, (intransitiv) ‘an Luftmangel sterben’ (16. bis 19. Jh.), mnd. mnl. stikken, nl. stikken. Es handelt sich um geminierte Intensivbildungen zu dem unter ↗stechen (s. d.) behandelten Verb bzw. zu den dort genannten Wurzelerweiterungen ie. *(s)teg- bzw. *(s)teig-, *(s)tig- ‘stechen, spitz’. Der semantische Zusammenhang ist undurchsichtig. Ist für ersticken von ‘durch mehrere Stiche töten’ (vgl. mhd. si lāgen ersticket und verdorben) mit nachfolgender Bedeutungsentwicklung zu ‘(an Luftmangel) sterben, (durch Entziehen der Luft) töten’ (wie ¹DWB 10, 2, 2, 2742 vermutet) auszugehen? Oder führt ‘hineinstecken, stopfen’ zu der Vorstellung ‘durch (Voll)stopfen den Hauch, den Atem benehmen’ (vgl. mhd. ersticken und erworgen begunde er an dem beine), also ‘mit dem Atem steckenbleiben und den Geist aufgeben’ mit nachfolgender (im Frühnhd. entwickelter) transitiver Verwendung? Hierzu wohl stickig Adj. ‘dumpf, zum Ersticken reizend’ von Qualm, schlechter, verunreinigter Luft (18. Jh.), zuvor ‘keuchend, schnaubend’ (stickicht, 17. Jh.); s. ↗Stickstoff.

Thesaurus

Synonymgruppe
abwürgen (Diskussion) · ersticken · ↗unterdrücken
Unterbegriffe
  • (etwas) bekämpfen, bevor es entsteht · (etwas) noch vor seiner Entstehung verhindern · (etwas) schon im Ansatz unterdrücken · (etwas) schon im Vorfeld abblocken · ↗(etwas) vereiteln · (gar) nicht (erst) aufkommen lassen · (gar) nicht (erst) einreißen lassen · von vornherein unterbinden  ●  im Keim ersticken  fig., Hauptform · den Anfängen wehren (lit.)  geh.
Assoziationen
  • (jemandem) das Maul stopfen · mundtot machen · zum Schweigen bringen  ●  dafür sorgen, dass jemand den Mund hält  ugs.
  • Totschlagargument  ●  Killerphrase  ugs.
Synonymgruppe
abwehren · ↗ausblenden · ersticken (Gefühle) · ↗niederdrücken · ↗supprimieren · ↗unterdrücken · ↗verdrängen
Synonymgruppe
ersticken [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Oberbegriffe
  • (die) Augen für immer schließen · (jemandem) schlägt die Stunde · (jemandes) letztes Stündlein hat geschlagen · ↗ableben · das Zeitliche segnen · den Tod erleiden · ↗erlöschen · in den letzten Zügen liegen · in die ewigen Jagdgründe eingehen · sein Leben aushauchen · sein Leben lassen · seinen Geist aushauchen · ↗verdämmern · ↗verscheiden · ↗versterben · ↗wegsterben  ●  (die) Reihen lichten sich  fig. · ↗abtreten  fig. · aus dem Leben scheiden  fig. · ↗dahinscheiden  verhüllend · ↗davongehen  fig. · ↗entschlafen  fig., verhüllend · ↗fallen  militärisch · ↗gehen  verhüllend · sanft entschlafen  verhüllend, fig. · seinen letzten Gang gehen  fig. · ↗sterben  Hauptform · uns verlassen  verhüllend · von der Bühne des Lebens abtreten  fig. · von uns gehen  fig. · über die Klinge springen (lassen)  salopp · (den) Arsch zukneifen  vulg., fig. · (den) Löffel abgeben  ugs., fig., salopp · (den) Weg allen Fleisches gehen  geh. · (seine) letzte Fahrt antreten  ugs., fig. · ↗dahingehen  geh., verhüllend · dahingerafft werden (von)  ugs. · den Geist aufgeben  ugs. · die Hufe hochreißen  derb, fig. · dran glauben (müssen)  ugs. · in die Grube fahren  ugs., fig. · ins Gras beißen  ugs., fig. · seinen Geist aufgeben  ugs. · vor seinen Richter treten  geh., fig. · vor seinen Schöpfer treten  geh., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) die Kehle zudrücken · (jemandem) die Luft abschnüren · (jemanden) ersticken · ↗(jemanden) würgen · ↗erdrosseln · ↗erwürgen · ↗strangulieren
Oberbegriffe
  • (jemandem) (den) Lebensfaden abschneiden · ↗auslöschen · ↗ermorden · ins Jenseits befördern · ↗killen · ↗meucheln · tot... · ↗umbringen · ums Leben bringen · zum Schweigen bringen · zur Strecke bringen  ●  (jemandem) das Lebenslicht auslöschen  fig., variabel · ↗töten (absichtlich)  Hauptform · (jemandem) den Garaus machen  ugs. · ↗abmurksen  ugs. · ↗abservieren  ugs., salopp · ↗ausknipsen  ugs., fig., salopp · ↗entleiben  geh. · in die ewigen Jagdgründe schicken  ugs. · ins Gras beißen lassen  ugs., fig. · ins Nirwana befördern  ugs. · ↗kaltmachen  ugs. · ↗totmachen  ugs. · um die Ecke bringen  ugs. · ↗umlegen  ugs. · vom Leben zum Tode befördern  geh. · über die Klinge springen lassen  ugs., fig.
Assoziationen
  • ersticken

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ansatz Baby Blut Brand Bürokratie Eigeninitiative Erbrochene Erdloch Feuer Feuerlöscher Flamme Keim Kissen Knebel Kreativität Müll Plastiktüte Qualm Rauch Regung Schlaf Schrei Säugling Umarmung erdrücken ertrinken erwürgen qualvoll verbrennen verdursten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ersticken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn man bei jeder neuen Entwicklung immer erst einmal abwehrend reagiert, dann erstickt man schließlich auch die Freude am Forschen.
Die Welt, 17.08.2004
Er erstickt röchelnd an den ungenießbaren Brocken seiner unmenschlichen Sprache.
Der Tagesspiegel, 26.07.1999
Trotzdem hat das Römische Reich die griechische Stadt nicht erstickt.
Heuß, Alfred: Herrschaft und Freiheit im griechisch-römischen Altertum. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 25455
Der Hals schwoll immer mehr nach innen, und er drohte zu ersticken.
Dürrenmatt, Friedrich: Der Verdacht, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1965 [1953], S. 22
Der harte Kampf ums Dasein erstickt die meisten ihrer Keime.
Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1807
Zitationshilfe
„ersticken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ersticken>, abgerufen am 08.12.2019.

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